Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

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Mayotte
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Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Mayotte »

Mein Hauptproblem ist das Argument:
Es hat meinem Kind ja nicht geschadet bzw.
mir werden ständig von meinem Mann -immer nach nächtlichen Diskussionen mit seinen Freunden und es lässt von denen leider (fast) jeder schreien (und nicht immer nur im Sinne von Ferbern, was ja irgendwie kontrolliert ist und erst ab einem gewissen Alter (glaub/bin hier ehrlich gesagt nicht ganz informiert, da ich das einfach generell ablehne)- ausgeführt, dass ich mir doch nur die glücklichen Kinder anschauen solle. Denen habe es doch nicht geschadet.


Einerseits find ich das in der Diskussion schwierig, denn selbst wenn mir etwas aufgefallen sein sollte, kann ich doch nicht an einem anderen Kind rumpsychologisieren, dass ich nur oberflächlich kenne. Ich meine: Meine eigenen Kinder kenne ich und ich glaube auch, dass ich bei denen etwas merken würde, aber an denen will ich nun keinesfalls ein Exempel statuieren (GANZ IM GEGENTEIL!!!).

Oft kommen mir die Kinder tatsächlich total fröhlich und zufrieden vor. Manchmal irgendwie etwas weniger leuchtende Augen oder etwas apathischer, aber ich kann das nicht so genau fassen und es ist auch nicht immer so insbesondere wenn die Kinder schon älter sind.

Mir würde mal interessieren, ob es da Untersuchungen gibt, worauf sich das Schreienlassen auswirkt? Es gibt ja nun auch viele Erwachsene, die schreien gelassen wurden (ich selber zum Glück nicht) und da muss es ja eigentlich Langzeit-Untersuchungen geben. Kennt sich da jemand genauer aus.
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Minchen
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Minchen »

DAS würde mich aus aktuellem Anlass auch sehr interessieren!
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
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Giraeffchen
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Giraeffchen »

Untersuchungen oder so habe ich jetzt auch keine.
Aber was ich schreiben wollte: Dieses 'Hat nicht geschadet' ist ja ein Totschlagargument für sovieles. Auch fürs Schlagen wird es ja immer gerne verwendet. Und für 100 andere Sachen wahrscheinlich auch.

Aber ich finde, es hat insoweit schon geschadet, dass man es unreflektiert ans eigene Kind weitergibt. Dass das eigene Denken und Fühlen an der Stelle nicht zu funktionieren scheint, irgendwie ausgeschaltet ist.

Ich gebe Gewalt oder Gefühllosigkeit an mein Kind weiter- 'weil es mir auch nicht geschadet hat'. Das entbehrt für mich jeder Logik, weil genau das in meinen Augen der Schaden ist.

Versteht mich wer? :oops: :lol:

Versteckte Verletzungen, Ängste... müssen ja nicht für Außenstehende sichtbar werden und dennoch sind sie da. Vielleicht sogar in ganz schlimmer Ausprägung.
Liebe Grüße, GiraeffchenBild mit dem großen Knopf und dem Herbstwichtel


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"Es ist gefährlich,
zu lange zu schweigen.
Die Zunge verwelkt,
wenn man sie nicht gebraucht."

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MarzipanHerz
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von MarzipanHerz »

Erst mal super Thread!!

Ich habe das GEfühl um mich herum sind nur Leute die mit Überzeugung ferbern und das dann propagieren, wie toll ihre Kids durchschlafen. Mein Sohn schläft nicht durch mit seinen 16. Monaten und ich geh deshalb auch nicht am Krückstock.
Mir tun die Kinder unendlich leid, weil wie hier schon jemand schrieb, finde ich ist es schon grenzwärtig nahe an Gewalt.
Ich kann nicht verstehen, wie man das aushalten kann. MIr tut es schon in der Seele weh, wenn mein Rockstar weint und wenn es nur ne Minute ist.

Letztens meinte eine zu mir, es gibt kein richtig oder falsch aber wir werden in 20 Jahren sehen, wie sich unsere Kids entwickelt haben. Sie hatte ihren Sohn 1,5 std. weinen lassen und ärgerte sich über sich selber weil sie dann "aufgebeben" hatte.. sie sei aber immer wieder zu ihm, hätte ihn gestreichelt, aber nicht hochgehoben.

Ich kenne ferbern nicht. Habe das Buch nie gelesen und dazu ist meine Zeit auch zu kostbar.

ABer mich würde schon interessieren, ob es Erfahrungswerte gibt, wie sich geferberte Kinder entwickeln, via Kindern, die in den Schlaf begleitet werden und die das Einschlafen und Durshclafen nach dem eigenen Rhtymus lernen....

LG
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MarzipanHerz


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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von Pumumba »

Ich muss sagen, dass ich mich da auf gar keine Diskussion einlasse. Es steht auch nicht zur Debatte weil es einfach so ist bei uns und da kommt dann niemand auf die Idee zu sagen:"ach lass es doch mal schreien" Für mich ist das so okay wie ich es mache und ich frage niemanden nach seiner Meinung. Mir tuts nur leid für die Kinder, die stundenlang schreien müssen, bis sie dann vor Erschöpfung einschlafen :(
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luna24
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von luna24 »

Studien speziell zum Schreien lassen kenne ich nicht. Dass Schreien lassen schadet lässt sich aber ganz einfach aus den Befunden der Bindungsforschung ableiten. In der Bindungsforschung ist ja die Feinfühligkeit der Eltern für die Bedürfnisse des Kindes ein ganz zentrales Konzept. Feinfühliges Verhalten bedeutet die Signale des Kindes wahrzunehmen, richtig zu interpretieren und prompt und angemessen darauf zu reagieren - schreien lassen ist also ganz klar nicht feinfühliges Verhalten. Nicht feinfühliges Elternverhalten beeinträchtigt die Eltern-Kind Bindung und damit auch die gesamte emotionale Entwicklung - das ist mittlerweile in einer Vielzahl von Studien sehr gut belegt. Einfach mal ein bisschen nach Bindungstheorie googlen, da findet man jede Menge.
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bienenmeister
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von bienenmeister »

Giraeffchen hat geschrieben:Untersuchungen oder so habe ich jetzt auch keine.
Aber was ich schreiben wollte: Dieses 'Hat nicht geschadet' ist ja ein Totschlagargument für sovieles. Auch fürs Schlagen wird es ja immer gerne verwendet. Und für 100 andere Sachen wahrscheinlich auch.

Aber ich finde, es hat insoweit schon geschadet, dass man es unreflektiert ans eigene Kind weitergibt. Dass das eigene Denken und Fühlen an der Stelle nicht zu funktionieren scheint, irgendwie ausgeschaltet ist.

Ich gebe Gewalt oder Gefühllosigkeit an mein Kind weiter- 'weil es mir auch nicht geschadet hat'. Das entbehrt für mich jeder Logik, weil genau das in meinen Augen der Schaden ist.

Versteht mich wer? :oops: :lol:
Danke!
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hexedoro
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von hexedoro »

Nur ganz kurz: Der Stress, dem das Baby ausgesetzt ist, wenn man es schreien lässt, schadet auf jeden Fall, das ist nachgewiesen. Ich versteh einfach nicht, wie man sein Kind in Todesangst schreien lassen kann, bis es aufgibt :( .
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von MarzipanHerz »

Ich glaube, die die das tun, sehen die Angst die dahiner steckt nicht.... Sie denken meist, sie tun sich und ihren Kindern was Gutes, in dem sie das Kind erziehen.. denn für viele ist es eine Erziehungsfrage, ob das Kind durchschläft oder sozusgen seinen Willen durchsetzt....
Traurig aber wahr.... und noch trauriger finde ich ja,.. das diese Methode von Ärzten und Hebammen empfohlen wird....!!!!
LG
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gisasz
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Re: Nochmal Argument fürs Ferbern: Es hat nicht geschadet?

Beitrag von gisasz »

Naja, und was lernen die Babys, die geferbert werden? Egal, ob ich schreie, es hielft mir eh keiner - also geben sie hoffnungslos auf.
Ich könnte mir doch auch tatsächlich gut vorstellen, dass diese Hoffnungslosigkeit/Angst/Bindungsprobleme dadurch auch mit ins Erwachsenenalter ausstrahlen. Natürlich kann ich das nicht wirklich belegen, aber: Meine Schwester wurde schreien gelassen, ich später nicht. Der (fast einzige :wink: ) Unterschied zwischen uns ist, dass sie Ängste hat (und auch immer echte Angst vor unserer sehr autoritären Mutter hatte, die ich nicht hatte, obwohl sie sich im Kleinkind/Teenageralter uns gegenüber sicherlich sehr ähnlich verhielt...) und ich mehr Selbstvertrauen...(meistens jedenfalls, im moment habe ich auch größere Probleme, aber das ist ein ganz anderes Thema!)
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