Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

Gnom
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Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von Gnom »

Meine Nachbarin hat ihr Kind schreien lassen ("Also natürlich nie länger als fünf Minuten und es ging ganz schnell dann hörte er auch auf"). Naja, ist nicht meins, Familienbett so wie wir es machen ist nicht ihres, Diskussionen bringen nicht viel, weil wir beide unsere Standpunkte haben.
Aber natürlich ist das Thema trotzdem ganz häufig Thema bei uns vor allem jetzt, wo ihr zweites Baby frisch auf der Welt ist und nun brachte sie einen Einwand, bei dem mir ehrlich gesagt nicht viel einfiel:

"Wenn das Kind mit dir einschläft und du ihm suggerierst, dass du bei ihm bist und du dann gehst und es später aufwacht, dann versteht es doch nicht, wieso es alleine ist. Wenn es alleine einschläft und aufwacht ist es zumindest nicht verunsichert darüber, dass Mama es hat alleine liegen lassen, denn das kann doch nicht im Sinne des Urvertrauen sein."

Hmmm... Wie ist das eigentlich?

So sieht unsere Praxis aus:
Mittags bleib ich ganz häufig bei ihr bis sie wieder wach wird, aber abends begleiten wir sie in den Schlaf, dann betten wir sie um (vom großen Bett ins Kinderbett, damit sie nicht rauspurzelt) und wenn sie wach wird sind wir sofort bei ihr, meistens mach ich mich nur noch kurz fertig und leg mich dann auch direkt hin, sie liegt dann den Rest der Nacht zwischen uns.
Aber ja, sie wacht auf und ist alleine. Mittags erlebe ich häufig, dass sie kurz unruhig wird und wenn ich dann sage, dass ich da bin ist sofort wieder Ruhe. Fühlt sie sich abends "im Stich gelassen"?

Würde mich interessieren wie ihr das so macht und wie ihr das einschätzt, damit ich beim nächsten mal gut kontern kann :wink:

Liebe Grüße, Gnom
Liebe Grüße von Marina
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asujakin
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Re: Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von asujakin »

Naja selbst wenn das Kind aufwacht und du bist nicht da, wird es dich rufen (verständlicherweise) und dann bist du ja sofort beim Kind oder? DEIN Kind wird wissen, dass du seine Bedürfnisse ernst nimmst, auf rufen und weinen reagierst und es sich auf dich verlassen kann. Somit wird dein Kind, selbst wenn es mal alleine wach wird, keine Todes- oder Verlassensängste spüren mach dir da mal keine Sorgen. Geferberte Kinder haben aufgegeben weil sie wissen, dass sowieso keiner auf sie hört...
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chris1179
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Re: Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von chris1179 »

Hallo,

unsere Tochter wird von mir seit Anfang an in den Schlaf begleitet bzw. tagsüber schläft sie sowieso nur im Tragetuch beim Spazieren gehen.

Abends gehe ich gegen 18:30 / 19 Uhr mit ihr ins Bett und meistens habe ich mich direkt davor auch schon bettfertig gemacht, sodass ich gleich mit ihr liegen bleiben kann. Das Fräulein nuckelt sich nämlich mindestens 1 Stunde in den Schlaf und dann bin ich eh schon so kaputt, dass ich nicht mehr aufstehen brauche.

Wenn ich dann aber noch mal aufstehe, z. B. um noch mal auf Toilette zu gehen oder doch mal noch ne Stunde im Wohnzimmer zu verbringen, dann ist sie natürlich in dieser Zeit auch alleine. Mittlerweile schläft sie die ersten 3 Stunden meistens ganz friedlich, sodass dies kein Problem ist, es war aber auch schon anders, da ist sie innerhalb der ersten 3 Stunden 8 Mal aufgewacht.

Sobald sie ruft, bin ich ja sofort bei ihr und sie soll wissen, dass Mama bzw. Papa immer da sind, wenn sie uns braucht.

Also für mich ist diese Argumentation nicht wirklich haltbar und ich würde niemals deshalb auf die Idee kommen, mein Kind schreien zu lassen, nur, weil ich ja nach dem Einschlafen sowieso irgendwann mal noch für kürzere Zeit den Raum verlasse. Auch in Nächten, wo meine Süße bis zu 20 Mal wach wurde, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, sie schreien zu lassen, auch, wenn ich mich mehrmals kurz vorm Zusammenbruch gefühlt habe.
Liebe Grüße

Christina
mit meinen beiden Mädchen
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cher123blau
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Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von cher123blau »

Ich habe auch keins meiner Kinder schreien lassen und mach das auch heute noch nicht! Und ja es ist hart dort stundenlang zu bleiben bis sie eingeschlafen sind, und es ist hart in der Nacht oft aufgeweckt zu werden, aber weinen lassen kommt für mich nur in frage! Und glaube mir, ich war schon oft am Ende mit meinen Kräften.

Ich moechte doch auch gehört werden wenn ich was sage! Egal was es ist, ich möchte in dem Moment Aufmerksamkeit, und dein Kind auch! Vielleicht muss es zusammen mit dir den Tag verarbeiten, vielleicht braucht es wärme Zuwendung, hat Durst o. Hunger, ich weiß es nicht aber eins ist sicher es BRAUCHT DICH sonst würde es nicht weinen! Und wenn du dann immer für ihn da bist, dann zählt sich das mal aus! Glaub mir!
"Wenn Mama ihr T-Shirt hochschiebt, werde ich vor Aufregung ganz zappelig, weil ich weiß: Jetzt darf ich an den schönsten Ort der Welt!"
:slürp*

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inmediasres
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Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von inmediasres »

Ich versteh die Logik nicht. Weil es sein KÖNNTE, dass mein Kind aufwacht und sich verlassen fühlt, bring ich ihm lieber bei, dass es AUF JEDEN FALL beim Schlafen allein sein wird?

Und selbst, wenn das Kind aufwacht... Mama (oder Papa) kommt doch dann sofort. Und nicht erst nach fünf Minuten oder was auch immer die Uhr diktiert.

LG
Karin
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Re: Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von Leila »

Gnom hat geschrieben: "Wenn das Kind mit dir einschläft und du ihm suggerierst, dass du bei ihm bist und du dann gehst und es später aufwacht, dann versteht es doch nicht, wieso es alleine ist. Wenn es alleine einschläft und aufwacht ist es zumindest nicht verunsichert darüber, dass Mama es hat alleine liegen lassen, denn das kann doch nicht im Sinne des Urvertrauen sein."
Na ja, das Kind hat funktionierende Instinkte, die überlebenswichtig waren und sind. Ein Baby ist nicht dafür gemacht, allein zu schlafen (stichwort Raubtiere), und das ist gespeichert. Sprich: Wenn das Kind in der Gruppe (= Einschlafbegleitung) eingeschlafen ist, und allein aufwacht, ist es in Gefahr, weil der Schutz der Gruppe weg ist. Das ist so abgespeichert. Klar, das ist heute nicht mehr so, es gibt keine Löwen und Tiger, die das Kind fressen könnten. Wenn das Kind allein einschläft (zu Anfang beim Ferbern schlicht, um Energie zu sparen und zu überleben) und dann aufwacht, merkt es schnell, dass es weiter Energie sparen muß und sich am besten nicht bemerkbar macht, um nicht gefressen zu werden. Ist für mich zumindest keine erstrebenswerte Vorstellung. Denn das Kind ist verlassen, und so schlicht nicht überlebensfähig.

Es ist NATÜRLICH im Sinne des Urvertrauens, dass das Kind sich absichert, ob seine Gruppe n(sprich, Schutz, Nahrung, wärme) noch da ist. Und es ist toll, dass es diese Rückversicherung bekommt. Denn nur so kann das Urvertrauen erhalten bleiben. Es ist NICHT natürlich, dass eine Mutter ihr hilfloses Baby allein liegen lässt, und da darf das Kind ja durchaus verunsichert sein. Ihm klar zu machen, dass es sein gewohntes und benötigtes Gruppenumfeld nicht da ist, und dass es besser still ist, um zu überleben, finde ich jetzt nicht sooo toll. Kein Affe würde sein Baby allein in ein Zimmer legen.

Lieben Gruß

Anja
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Re: Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von Maja »

Ein Kind erleidet sicher kein Trauma davon, dass Mama sich - mit Ansage - noch grad die Zähne putzt bevor sie mit ins Bett kommt. So ein Unsinn. Ein bißchen was halten Babys schon aus, sonst wäre die Menschheit ausgestorben :wink:
Außerdem ist es ja nun nicht so, dass ein Kind wach wird und in derselben Sekunde anfängt panisch verlassen zu schreien. Es wird ein bißchen wach, bewegt sich, macht Geräusch, orientiert sich ob Mama noch da ist, lauscht auf vertraute Geräusche und gibt ein paar Ruflaute von sich - und diese kurze Zeit "Gewühle" reichen ja meist schon, dass man schnell zum Bett läuft oder ebenfalls schonmal ruft, dass man sofort kommt. Also bei uns "Übermüttern" zumindest. 8) Von daher glaube ich, dass es eher selten zu einem echten Verlassenheitsgefühl kommen wird, grad bei einem Baby, was nach ein paar Wochen schon felsenfest weiß, dass Mama bislang IMMER nach ein paar Augenblicken da war.
Jedenfalls wird es sich so seltener allein fühlen als wenn man jeden Abend schreiengelassen wird oder sich daran gewöhnt hat, dass die Ängste und die Sehnsucht sowieso ignoriert werden.
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Gnom
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Re: Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von Gnom »

Ich persönlich werde mich auch nicht bequatschen lassen, ich hör lieber auf mein Kind, meinen Mann und auf meinen Bauch, dafür ist mir die Kinderseele zu wichtig und ich empfinde Schreien lassen als sehr nah an Gewalt. Wenn das anders rüber kam, hab ich mich schlecht ausgedrückt.
Mir ging es vor allem um Anregungen, was ich machen kann, wenn wir wieder mal die Diskussion führen und ich danke euch für die vielen tollen Anregungen, jetzt bin ich nicht mehr sprachlos :D .
Mir ging ja auch durch den Kopf, dass für Babys Urinstinkt das alleine Aufwachen genauso widersinnig ist wie das alleine Einschlafen, deswegen war ich mit dem Argument erstmal überfordert.

Liebe Grüße!
Liebe Grüße von Marina
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Nimue1212
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Re: Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von Nimue1212 »

http://www.ferbern.de Das ist eine ganz tolle Seite gegen das Ferbern. Mit ganz vielen Infos... :wink:
Liebe Grüße
Anika mit Lisa (03/95), Livie (07/06), Nottie (03/08 ) und

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Tagsüber Zirkus, Abends Theater
besucherritze
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Re: Argument für's Ferbern ... und ich wusste nicht weiter?

Beitrag von besucherritze »

Hi Gnom,
das ist ja genau die Argumentation der Autoren von JKKSL. Das Kind wache mehrmals in der Nacht auf, um zu überprüfen, ob noch alles in Ordnung sei. Das sei ein Erbe unserer Menschheitsgeschichte
(Raubtiere usw.). Wenn das Kind dann eine andere Situation vorfindet, als die, in der es eingeschlafen ist, sei es verunsichert und könne nicht mehr beruhigt weiterschlafen. So die These. Deshalb sollen
die Kinder alleine, ohne Einschlafhilfe einschlafen. Und das ist doch Quatsch! Es ist ausgesprochen wiedersinnig daraus zu schließen,
man solle das Kind alleine einschlafen lassen. Warum soll es besser sein, dass das Kind gleich beim Einschlafen denkt, es werde alleine zurück gelassen und vom bösen Tiger gefressen? Darin sehe ich keine
Logik. Wenn du dich in einem anderen Raum aufhälst, als das Kind, wenn es aufwacht, wird es ja nach dir rufen, und du wirst kommen. Dann lernt es: Ich kann mich auf meine Eltern verlassen. Wenn ich
rufe kommen sie, der böse Tiger hat bei mir schlechte Karten :wink:

Wenn du keine Angst hast, es dir mit deiner Nachbarin zu verscherzen, kannst du ihr ja mal diesen Link zeigen:

Editiert wegen Verstoß gegen die Werberegeln

Das ist eine Leseprobe von meinem neuen Buch, es ist allerdings etwas provokativ.
Liebe Grüße!
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