ich mag mich den anderen mal anschließen, die sagen, dass es ganz normal ist, auch mal aggressive Gefühle zu entwickeln, wenn ein Kind weint. Ich selbst hatte ein KISS-Baby, das bei jedem Wachstumsschub viel geweint hat (sonst nicht so viel), sich nach hinten verbog, aufgrund des über KISS ein Jahr nur im Liegen stillen konnte, weshalb soziale Kontakte lange fast unmöglich waren, wenn ich keine Möglichkeit hatte, mich vor Ort mit Kind hinzulegen zum Stillen
Zum Essen: mein Kind war auch erst sehr spät beikostreif - nennenswerte Mengen hat er dann auch nach erreichen der Beikostreife monatelang nicht gegessen. Er hat alles angelutscht, betastet, angekaut, ausgespuckt, wieder abgebissen, wieder ausgespuckt - mit vieeeeel Interesse und Appetit angeleckt etc. Aber ESSEN hätte ich das nicht genannt. Das tut er nun erst seit wenigen Monaten in nennenswerten Portionen. Da war er weit über ein Jahr alt. Vielleicht würde ich an Deiner Stelle auch mal ein paar Wochen lang die Beikost nochmal zurückfahren und nur Stillen und schauen, wie sich das macht.
An dieser Stelle wollte ich mal nachfragen: das Getreide ist also völlig ungekocht? Du schrotest das roh, gibst Muttermilch dran und erwärmst es nur ein bisschen und lässt es quellen? Ich glaube, das würden selbst viele Erwachsene wirklich schlecht vertragen. Rohes Getreide, das weder längere Zeit gekocht noch längere Zeit, z.B. über Nacht, in Wasser gequollen wurde (was wiederum aufgrund der dann möglichen Keimbelastung für Babys unter einem Jahr nicht gut ist) ist für Menschen nur sehr schwer verdaulich. Und da meine ich jetzt Erwachsene mit einem voll ausgereiften Darm...Toncks hat geschrieben: Für den Getreidebrei nehm ich Weizenkörner und müller den durch unsere Getreidemühle, geb dann Mumi hinzu und wärm ihn auf, damit er schön quillt.
Ganz davon abgesehen aber (denn das Weinen Deines Babys ist ja nicht mit dem Getreidebrei gekommen), mag ich auch denen zustimmen, die eher an "bedürfnisstark" oder Reizüberflutung denken, als an Schmerzen. Wir hatten mit unserem Baby ja ein eher beschauliches Leben, da ich durch das ausnahmslose Liegendstillen im Alltag kaum was anderen "unternehmen" konnte als Spaziergänge durch die Landschaft oder mal was Einkaufen. (Landleben halt). So richtig richtig schlimm unstillbares Schreien über eine halbe, dreiviertel, ganze Stunde am Abend hatten wir ausnahmslos an Tagen, an denen es total viel Action gab (Besuch mit Kindern, selbst länger unterwegs gewesen, mehrtagesausflüge mit vielen Menschen am Zielort, ...). Während der "Action" war er sehr zufrieden. Und als zuhause dann wieder Ruhe einkehrte, war er völlig aufgelöst. Ich dachte auch, er könne nur schlimme Schmerzen haben
Einen KISS-Spezialisten, der nach Gutmann arbeitet (findest Du auf der Liste auf kiss-kid.de) würde ich im Zweifelsfall auch hinzuziehen.
Und ich wollte fragen, wie Deine Kleine auf Stillen reagiert, wenn sie am Abend so schwer runterkommt. Oder nachts, wenn sie aufwacht - stillst Du dann gleich? Oder schaust erst, ob sie sich auch so beruhigt? (Ich komme drauf, weil Du schriebst, sie schlafe manchmal auch ohne Stillen ein, wenn man sie wach ins Bett legt - ich glaube, das hat meiner erst mit weit über einem Jahr gemacht. Vorher gab es nur Einschlafstillen und was anderes hab ich auch nie ernsthaft probiert). Viele Babys wollen abends quasi ununterbrochen oder in sehr kurzen Abständen stillen (z.B. 45 min. Stillen, zehn Minuten Pause, dann wieder 30 min stillen, dann fünf Minuten Pause, eine Stunde Stillen, ...) Das nennt sich Clusterfeeding und ist nicht ungewöhnlich...
Ich finde jedenfalls, wenn ich das so lese, dass Du das alles ganz bewundernswert machst. Du stemmst soooo viel allein und gehst so viel auf Deine Tochter ein. Ich finde, Du solltest sehr stolz auf Dich sein!
(Und Deiner Verwandtschaft kannst Du ja mal "Kinder verstehen. Born to be wild" von Renz-Polster schenken. Dort wird erklärt, warum das alles evolutionär völlig sinnvolles Verhalten ist, das Du und Dein BAby da an den Tag legen, wenn Ihr Euch körperlich nicht weit voneinander trennt. Das hat NICHTS mit Verwöhnen zu tun. Überhaupt gar nichts.
Ich wünsche DIr viel Kraft! Und evtl. doch die Gelassenheit, den Studienabschluss nochmal zu verschieben. Das wäre etwas, was ich nie und nimmer auch noch in der Zeit geschafft hätte, in der mein Kind so klein war. Ich glaub, da wäre ich ein Nervenwrack gewesen, wenn ich den Anspruch gehabt hätte, auch noch "nebenbei" neben Kind und Haushalt (in dem mein Mann mir schon viel abnahm) auch noch zu Studieren - geschweige denn, ein Studium zu beenden.
(Und noch eins wollte ich sagen: Schreiambulanzen können sehr unterschiedlicher Qualität sein. Manche raten auch einfach knallhart zum ferbern und schreienlassen, damit das Kind endlich lernt "richtig zu schlafen" usw.



