Kommt die Milch auch wieder zurück?

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jusl
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Re: Kommt die Milch auch wieder zurück?

Beitrag von jusl »

Ja, damit kann ich etwas anfangen. :D Ich geh mal der Reihe nach:
Ich habe am Anfang nicht so viel Wert auf die genauen kg und g Daten gelegt, weil ich denke, dass jeder Mensch und jeder Körper anders ist und eine Abweichung von einer Statistik nicht gleich etwas schlimmes sein muss. Ich hatte für mich selbst auch nie eine Personenwaage, was interessiert mich mein genaues Gewicht wenn ich mich fit, gesund und wohl fühle?
;-) Diesen Ansatz kann ich sehr gut verstehen. ;-) Und sicher, jeder Mensch ist anders, und natürlich sind Abweichungen von der Norm nicht automatisch schlimm. Nur, um BEI BEDARF zu schauen, ob es Abweichungen gibt (bei denen man DANACH überlegen könnte, ob sie bedeutsam sind oder nicht), muss man eben doch Daten HABEN, verstehst Du? ;-) Der BEDARF ist ja momentan da, wegen Stillproblemen und Sorgen bzgl. des Gedeihens. Deshalb: wöchentliche Gewichtskontrolle ist da schon sinnvoll. Einfach auch um sicher zu gehen, dass man nichts übersieht, und bei einer gewünschten Reduktion der Zufüttermengen sowieso.

Es wäre auf jeden Fall gut, wenn Du möglichst viele Gewichtsdaten noch nachreichen bzw. mir noch mal "auf einen Blick" aufschreiben könntest. Das verlangt einfach die Sorgfaltspflicht; ich will ja vernünftig beraten. ;-)
Seit ich mehr zugefüttert habe und das Stillen nicht mehr klappte, habe ich ihr tagsüber 4 Fläschchen gegeben und dann gegen Mitternacht noch eine. Dabei habe ich sie immer zuerst angelegt in der Hoffnung, dass sie möglichst viel stillt und wenig Flaschenmilch braucht. Aus den Fläschchen hat sie dann meist ca. 100-120 ml getrunken, wobei ich immer 180 ml mache.
5 Fläschchen täglich à ca 110 ml sind ca 550 ml täglich. Dein Baby ist jetzt knapp 3 Monate alt? Die durchschnittlich Tagestrinkmenge beträgt liegt Babys in diesem Alter bei 780 +/- 170 ml - beachte die hohe Streubreite! - es können also auch gut 600 ml oder 950 ml sein (Quelle). Alles dazwischen ist normal, und wie hoch genau der Bedarf ist, hängt von mehreren Faktoren ab (Alter, Geschlecht, Gewicht, Gesundheitszustand, Stoffwechsel etc.).
Angenommen also, Dein Baby braucht täglich gut 600 ml. Dann stellen die 550 ml Zufüttermenge über 90 % der Gesamttrinkmenge. Deine Milchproduktion wäre also nur noch bei unter 10 %. Nimmt man hingegen an, dass Dein Baby täglich ca 900 ml trinkt, dann sind die 550 ml Zufüttermenge ca 60 %, und Deine Milchproduktion liegt derzeit bei ca 40 %. Sprich: Deine Milchproduktion liegt zur Zeit wahrscheinlich irgendwo im Bereich 10-40 % des Gesamtbedarfs.

Über die Ursachen kann man da erstmal nur spekulieren, aber "Stress allein" ist ganz sicher nicht der Grund dafür. Hatte ich Dich richtig verstanden, dass Du praktisch von Geburt an täglich 1-2 Fläschchen zugefüttert hast? Bitte schreib das doch noch mal genauer wenn möglich, also ab wann wie viel täglich zugefüttert wurde. Denn wenn die Zufüttermengen praktisch von Beginn an nennenwert waren, ist es möglich, dass sich die Laktation auf Vollstillniveau nie richtig entwickeln konnte. Um hier vernünftige Einschützungen vornehmen zu können, und v.a. hilfreiche Tipps in Richtung Verringerung der Zufüttermenge geben zu können, bräuchte ich hier noch mal etwas genauere Daten; das wäre gut.

Als weitere Fragen hätte ich noch: Gab es Komplikationen während oder nach der Geburt? Hast Du medizinische Besonderheiten/Grunderkrankungen? Zigarettenrauch-Kontakt (auch passiv)? Und dann noch: Kannst Du Dich daran erinnern, ob Du während der Schwangerschaft Veränderungen an der Brust wahrgenommen hast?

Und zuletzt: Wie lange ist das letzte problemlose Stillen jetzt her?

LG und Kopf hoch, wir werden der Sache schon auf den Grund gehen.
Julia
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kristiebot
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Re: Kommt die Milch auch wieder zurück?

Beitrag von kristiebot »

Oh mann, wenn ich das alles lese kommt es mir vor, als wäre ich total chaotisch, was das Füttern anbelangt :oops: Ich habe zwar immer täglich darauf geachtet, dass sie oft genug trinkt, also höchstens 5 Stunden Schlafpause dazwischen. Und natürlich auch darauf, dass sie genug bekommt, aber ich habe mir das nie notiert. So ganz genau kann ich das also nicht mehr rekonstruieren, aber ich versuche es...

Geburt:
Die Geburt ist am Tag 40+0 eingeleitet worden, weil ihr Gewicht auf 4 kg geschätzt wurde und die Ärzte meinten, dass es aufgrund ihrer Größe und meiner schmalen Statur schon schwierig wird mit der natürlichen Geburt - die ich aber unbedingt wollte. Ich habe der Einleitung zugestimmt in der Hoffnung, einen Kaiserschnitt vermeiden zu können.
Die Einleitung begann an einem Dienstagnachmittag, die Wehen waren auch ziemlich schnell ziemlich stark, allerdings waren die Wehenpausen zu lang. Am Mittwoch gegen Mitternacht hatte ich endlich die 3 cm geschafft und konnte eine PDA bekommen, woraufhin ich dann die Höchstdosis an Wehenmittel per Tropf gekriegt habe. Am Donnerstagmorgen ca. 9 Uhr hatte ich trotzdem gerade mal 5,5 - 6 cm geschafft. Die Ärzte haben das Geburtsstillstand genannt und den Kaiserschnitt angeordnet. Was aber auch ok für mich war, weil ich auch schon ziemlich fertig war und es endlich hinter mich bringen wollte. Ich war zwar sehr traurig und enttäuscht, dass es mit der natürlichen Geburt nicht geklappt hat, aber ich sagte mir, dass es letztendlich auf das Ergebnis ankommt - nämlich ein gesundes Baby in den Armen zu halten.

Im KKH hat die Kleine nachts trotz Anlegen geschrien und die Schwester sagte mir, sie hätte Hunger, weil sie auch versucht hat, an ihren Händchen zu saugen. Da ich noch keine Milch hatte, keine Ahnung von Babys und von der Geburt noch völlig fertig war, stimmte ich dem Fläschchen zu. Im Nachhinein denke ich, sie wollte vielleicht einfach nur nuckeln und ich hätte sie noch länger anlegen sollen :-(

Von diesem Fläschchen abends zum Einschlafen sind wir dann nie wieder weggekommen. Es scheint so zu sein, dass die Kleine tagsüber insgesamt ein bisschen zu wenig trinkt und dann abends merkt, dass sie großen Hunger hat und eine große Menge auf einmal verlangt. Um das zu vermeiden, versuche ich schon, sie tagsüber mehr zu füttern aber oft weigert sie sich einfach und macht den Mund nicht auf (Flasche) oder nuckelt nur kurz und hört direkt wieder auf (Brust).

Es hatte sich bis zu ihrer 8. Lebenswoche folgender Rhythmus eingependelt:
1. Stillen ca. 5 Uhr
2. Stillen ca. 9 Uhr
3. Fläschen ca. 11 Uhr
4. Tagsüber unregelmäßiges Stillen, meist 3-4 mal bis 19 Uhr
5. Fläschen ca. 19 Uhr
6. Stillen ca. 21 Uhr
7. Fläschen ca. Mitternacht

Wenn ich das jetzt so lese, kommt es mir schon vor, als würde ich sie wenig anlegen, aber ich mache es IMMER, sobald sie danach verlangt und versuche es auch dazwischen. Sie hat aber von Anfang an viel am Stück geschlafen, auch nachts hat sie von Anfang an in 4-Stunden Blöcken geschlafen.

Vielleicht hat sich die Laktation tatsächlich nie auf Vollstillniveau entwickelt...einerseits ein Baby, das nicht jede Stunde trinken wollte. Und in ihrer allerersten Lebenswoche ist ja auch meine Mutter gestorben, so dass ich mich um Beisetzung und Papierkram kümmern musste, statt mich voll und ganz aufs Baby konzentrieren zu können. Ich musste jedenfalls noch nie Stilleinlagen benutzen, meist trage ich nicht mal einen BH. Dass die Brust spannt und ausläuft, gab es von Anfang an nur nachts und auch nicht oft.

Hier sind noch die Gewichtsdaten:
18.08. 4.060 g Geburt KH
21.08. 3.700 g U2 KH
23.08. 3.800 g Hebamme
26.08. 3.850 g Hebamme
29.08. 3.900 g Hebamme
02.09. 3.950 g Hebamme
06.09. 4.000 g Hebamme
08.09. 4.000 g Hebamme
13.09. 4.100 g Hebamme
Ab hier kamen mein Vater + Stiefmutter für 3 Wochen zu Besuch und das Fläschen am Morgen hat sich eingeschlichen, weil die beiden die Kleine morgens genommen haben damit ich noch 2 Stündchen schlafen konnte.
18.09. 4.150 g Hebamme
21.09. 4.370 g U3 KiÄ
Die KiÄ meinte, die Kleine wiegt zu wenig und ich sollte noch mehr zufüttern. Und hat mir gleich ein Hipp Fläschchen-Set Werbegeschenk in die Hand gedrückt :evil: Ich habe aber erst mal nicht mehr zugefüttert, weil die Kleine nicht nach mehr verlangt hat.
26.09. 4.400 g Hebamme
30.09. 4.450 g Hebamme
Danach hatte die Kleine einen Wachstumsschub, so dass ich mit der 3. Flasche anfangen musste.
12.10. 4.700 g neue KiÄ
14.10. 4.870 g Hebamme
18.10. 5.010 g neue KiÄ

Am 18.10. hat mir die neue KiÄ dann auch gesagt, dass ich mehr zufüttern muss...und danach ging es mit dem Stillen bergab. Ich werde sie heute mal wiegen gehen. Nach 2,5 Wochen sollte sie ca. 400 g zugenommen haben, oder?
jusl hat geschrieben: Als weitere Fragen hätte ich noch: Gab es Komplikationen während oder nach der Geburt? Hast Du medizinische Besonderheiten/Grunderkrankungen? Zigarettenrauch-Kontakt (auch passiv)? Und dann noch: Kannst Du Dich daran erinnern, ob Du während der Schwangerschaft Veränderungen an der Brust wahrgenommen hast?

Und zuletzt: Wie lange ist das letzte problemlose Stillen jetzt her?
Keine Besonderheiten oder Grunderkrankungen, sehr selten Passiv-Rauchkontakt (also ich; die Kleine noch nie), keine Veränderungen an der Brust als ich schwanger war, außer dass sie ein bisschen größer wurden.

Das Stillen ist nachts und morgens eigentlich immer problemlos, im Laufe des Tages wird es schwieriger und am Abend geht es nicht ohne Flasche. Also ist streng genommen das letzte problemlose Stillen heute morgen gewesen (5 und 7 Uhr).

Uff, was für ein Roman :oops:

Aber ich werde schon wieder optimistischer :)

LG
Kristie
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kristiebot
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Re: Kommt die Milch auch wieder zurück?

Beitrag von kristiebot »

Achja - die Windeln macht sie immer richtig voll, inzwischen 3x täglich Stuhlgang, vorher noch öfter. Und wenn es keinen Stuhlgang gab ist die Windel trotzdem nass.
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jusl
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Re: Kommt die Milch auch wieder zurück?

Beitrag von jusl »

Hallo und vielen Dank für die detaillierten Angaben; sie waren sehr hilfreich. :wink:

Zunächst mal zur Gewichtsentwicklung:
In den ersten Lebenswochen betrug die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme ca. 110 g. Das ist ein leicht unterdurchschnittlicher Wert, der für sich allein genommen jedoch noch nicht Hinweis auf ein schwerwiegendes Gesundheits- oder Stillproblem ist. Erhöhte Aufmerksamkeit ist bei 110 g definitiv angebracht, und wenn bereits Fütterprobleme da sind, können 110 g durchaus Symptom dieser Problematik sein. Es gibt aber auch kerngesunde, bestens vollstillende Babys, die eben zufällig nur 110 g zunehmen. Beides ist möglich.
Ab Mitte/Ende September hat Dein Baby dann begonnen kräftiger zuzunehmen, etwa 160 g wöchentlich, zum Teil sogar um 200 herum. Dies ist unauffälliger, durchschnittlicher Wert.

Zusammen mit den vollen Windeln ist die Gewichtsentwicklung der letzten Wochen also KEIN Zeichen dafür, dass Dein Baby derzeit zu wenig Milch bekommt.

Die Baustelle ist vielmehr: WELCHE Milch. Zu den Tagestrinkmengen hatte ich ja in meinem vorherigen Posting schon ausführlich geschrieben - momentan muss anhand der Zufüttermengen angenommen werden, dass Deine Milchproduktion maximal ein Drittel der Gesamttrinkmenge beträgt, evtl. auch weniger, das kann man ohne weitere Maßnahmen nicht genauer sagen.
Es ist definitiv sehr gut, dass das Stillen nachts und morgens noch gut klappt. Allerdings könnte es sein, dass Dein Baby sich inzwischen ein bisschen Flaschentechnik angewöhnt hat beim Stillen. Dies merkt man als Mutter nicht unbedingt, aber die Folge kann sein, dass Dein Baby weniger effektiv trinkt, also weniger herausbekommt und auch weniger anregt. Falls dies tatsächlich so ist, dann wäre es günstig, die Fläschchenmilch ab jetzt NICHT mehr wie gewohnt per Flasche zuzufüttern, sondern mit einer sog. stillfreundlichen Methode. Kleinere Mengen können gut saugfrei zugefüttert werden, per Becher z.B., aber bei Euch ist die Zufüttermilchmenge wahrscheinlich etwas zu groß, um dies bequem zu bewerkstelligen. Hilfsmittel der Wahl wäre dann ziemlich eindeutig das Brusternährungsset (kurz "BES"). Damit könntest Du sämtliche Zufüttermilch über den Tag verteilt WÄHREND des Stillens zufüttern, Dein Baby bekommt auf jeden Fall genug Milch, und es ist ein kontrolliertes Runterfahren der Zufüttermenge (= gleichzeitiges Hochfahren der Milchproduktion) möglich.
Vielleicht kennst Du dieses Stillhilfsmittel ja schon, hier aus dem Forum? Was meinst Du dazu?

LG
Julia
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Re: Kommt die Milch auch wieder zurück?

Beitrag von kristiebot »

Ja, vom BES habe ich schon gelesen und habe mir auch schon überlegt, ob das sinnvoll wäre. Ich fand zwar, dass es sich ein bisschen unhandlich anhört, aber das nehme ich gerne in Kauf, wenn es uns tatsächlich zum Vollstillen verhilft *hoff*

Ich habe Töchterchen heute mal gewogen, sie liegt jetzt bei 5.700 g - hat also in den drei Wochen, wo ich viel zugefüttert habe, 700 g zugelegt :shock:
Das verunsichert mich nun auch wieder - habe ich sie etwa doch in ihren ersten 2 Monaten hungern lassen? Hat sie wirklich immer zu wenig gekriegt und hat ihr das evtl sogar geschadet? Ich möchte so gerne vollstillen, aber natürlich nur, wenn die Kleine dabei auch alles kriegt, was sie braucht!
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Kommt die Milch auch wieder zurück?

Beitrag von millenia »

Ich möchte dir mal viel Kraft, Ausdauer und Energien wünschen, dass du es wieder zum vollstillen schaffst. Ich habe ähnliche Schwierigkeiten gehabt und stille jetzt immer noch mit BES. Meine Tochter ist 7 Monate alt und mit Beikostbeginn kann ich jetzt langsam die Zufüttermenge verringern. Ich bin total froh, dass ich das BES habe, denn so habe ich das Gefühl, sie vollstillen zu können. Und anfangs ist das mit dem BES eine ganz schöne Fummelei, aber mittlerweile ist das so einfach und normal wie Zähneputzen ;-) Falls du Fragen zum Handling hast, gibt es hier im Forum einen Thread mit Tipps. Kannst auch gerne mich fragen :-) Alles Gute euch beiden!
stolze Mutter von großer Schwester Ida (03/11) und kleinem Möpschen Alma (6/14)
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Re: Kommt die Milch auch wieder zurück?

Beitrag von kristiebot »

Vielen Dank millenia! Ich werde das BES auf jeden Fall ausprobieren, und Tipps zum Handling werde ich vermutlich schon brauchen...den Thread schau ich mir gleich mal an :-)
Kristie mit kleinem Löwenmädchen
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