11 Wochen Stillen, 11 Wochen Schmerzen - Hilfe!

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Kleine
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Re: 11 Wochen Stillen, 11 Wochen Schmerzen - Hilfe!

Beitrag von Kleine »

Ich hatte eine "Windeldermatitis" von den Stilleinlagen, seitdem ich waschbare verwende mit Molton innen, ist es endlich abgeheilt...

Aber jusl wird Dir sicherlich helfen können!

Ich drücke Dir weiterhin die Daumen.
LG
Anika

mit Grinsebacke (04/11) & Mini-Kämpfer (11/14) an der Hand, Blondinchen und den wilden Jungkatern auf der Bettdecke sowie Apportierkatze, rotem Einohrtiger und Kampfkuschelkater fest im Herzen
jusl
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Re: 11 Wochen Stillen, 11 Wochen Schmerzen - Hilfe!

Beitrag von jusl »

Hallo und danke für Deine Angaben,
also dann noch mal in Ruhe der Reihe nach ;-)

Vorneweg: natürlich weiß ich auch nicht mit letzter Sicherheit, woher Deine Schmerzen kommen (Ferndiagnosen via Internet funktionieren nicht ;-)), aber ich hätte folgende Ansatzpunkte:
mit Stillhütchen saugt sie die Brustwarze durch das Stillhütchen (so dass man zum Schluss 3 kleine Rundungen sieht, wo die Löcher in Stilhütchen sind). [...]Ich verwende Avent Stillhütchen in Schmetterlingsform und ich glaube ich habe die Standard Größe.
Die Hütchen sind dann höchstwahrscheinlich zu klein für Dich. Die BW-Spitze sollte allenfalls leicht innen an die Hütchen-Spitze stoßen. Auf keinen Fall sollte Haut "durch die Löcher" kommen. Dies allein wäre schon Grund genug für starke Schmerzen.

Mein Kind saugt ziemlich stark – ohne Stillhütchen saugt sie die eine Seite von Brustwarze flach, [...]Mein Anlagetechnik wurde öfters geprüft, aber da sind keine Einwände anzubringen.
Es ist sehr gut möglich, dass Dein Kind ZU STARK saugt (Gründe siehe weiter unten). Das allein wäre schon Grund genug für starke Schmerzen. Zweitens: die ANLEGETECHNIK seitens der Mutter kann einwandfrei sein (das glaube ich Dir!), nur bedeutet das noch lange nicht, dass die SAUGTECHNIK des Babys ebenso korrekt ist. Als Stillberaterin/Hebamme ist es recht einfach, einer MUTTER korrektes Anlegen zu zeigen bzw. zu überprüfen, ob sie das richtig macht. Aber es ist viel schwieriger zu erkennen, ob das BABY alles richtig macht (eben weil sich die wesentlichen Sachen fast unsichtbar in seiner Mundhöhle abspielen). Es ist sehr gut möglich, dass Dein Baby falsch saugt. Zum Beispiel könnte es sein, dass es mit Flaschentechnik versucht an der Brust zu trinken, einfach weil es Flaschetrinken gewohnt ist. Der Fachbegriff dazu heißt "Saugverwirrung".
Schau mal in unsere Linksammlung Stillwissen, da findest Du zwei Artikel zum Thema Saugverwirrung.
"Die BW flach saugen" jedenfalls klingt bereits verdächtig danach, als läge die BW zu weit VORN in der Mundhöhle, so dass sie zwischen Zunge und Gaumen platt gedrückt wird. Eigentlich gehört die BW weit HINTEN in den Rachen des Babys, dort ist sie praktisch keiner Reibung ausgesetzt und verformt sich auch nicht (außer etwas in die Länge, logo). Eine falsche Zungenstellung und das Platzieren der BW zu weit vorne ist ein klassisches Merkmal flaschegewöhnter Stillbabys.

Abstriche wurden in Abstände von 4 Wo gemacht, aber da war kein Hinweis auf ein Pilz oder bakterielle Infektion.
Prima. Manchmal gelingt der Erreger-Nachweis per Abstrich zwar nicht (d.h. es kann trotz Negativbefund eine Infektion vorliegen), aber offenbar hat die systemische Pilztherapie bei Dir ja angeschlagen. Von daher würde ich das Thema Pilze/Bakterien erstmal nicht weiterverfolgen, einfach weil andere Ursachen näher liegen. Aber: trotzdem noch im Hinterkopf behalten, manchmal bringt erst ein Präparats- bzw. Wirkstoffwechsel den Erfolg.

Ja, Leider füttere ich noch zu. Ich fange immer mit dem Stillen an, manchmal hält es sie 30 bis 90 minuten satt, manchmal schreit sie direkt nach dem Stillen und bekommt eine Flasche. An (seltenen) guten Tagen, bekommt sie nur eine Flasche (c. 170ml) am Tag aber ich hatte schon Tagen, wo sie fast nach jeder Stillmahlzeit eine solche Flasche ausgetrunken hat. Im Schnitt würde ich sagen, 2-3 Flaschen am Tag.
Hier könnte ebenfalls der Hase im Pfeffer liegen. Wenn Du also ca 400-450 ml täglich durchschnittlich zufütterst, bedeutet das: Du fütterst wahrscheinlich mehr als die HÄLFTE des Gesamttagesbedarfs zu. Genauer: die durchschnittliche Tagestrinkmenge liegt bei einem Baby im Alter Deiner Tochter bei ca 780 +/- 170 ml (Quelle). Die Streubreite ist tatsächlich so groß, d.h. es könnten anstatt ca 800 also auch nur gut 600 oder aber rund 950 ml sein, das weiß man nicht. Falls Dein Baby ein Vieltrinker ist und täglich ca 950 ml verputzt, wäre Eure Zufüttermenge knapp die Hälfte, d.h. Deine Laktation wäre derzeit bei 50-60%. Genausogut kann es aber sein, dass Dein Baby nur 600 ml braucht, dann bedeutet eine Zufüttermenge von 450 ml: Deine Laktation wäre nur auf ca 25 %.

Beides (und natürlich alles dazwischen) ist möglich. Warum ist das wichtig? Wenn ein Baby STARK SAUGT, und es kommt aber nur WENIG MILCH, dann kann das ausgesprochen SCHMERZHAFT sein! Hautrötungen und -reizungen bis hin zu Hautverletzungen (Risse, Epithel-Abhebungen usw.) sind klassische Folgen. Die derzeit geringe Milchbildung (die wahrscheinlich irgendwo im Bereich 30-50% liegt) plus sehr starker Sog kann bereits ALLEIN schon Grund für Deine starken Schmerzen sein.

Naja, und DAZU könnte eben noch alles oben angesprochene kommen: die vermutlich durch die Flaschen beeinträchtigte Saugtechnik, nicht passende Hütchen, vielleicht noch ein Pilz o.ä.... unterm Strich: die starken Schmerzen sind alles andere als überraschend.

Wie könnt Ihr da heraus finden? Ich würde an mehreren Fronten ansetzen: ;-)

1. Steigerung der Milchmenge. Ein großes Thema für sich, denn wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann hast Du praktisch IMMER schon zugefüttert, richtig? (Falls nein, schreib das doch bitte noch mal genauer).
2. Stillverträgliche Schmerztherapie. Es gibt zahlreiche Schmerzmittel, die durchaus in der Stillzeit genommen werden dürfen. Stillen (also "Milchbildung" und "Milchherausbeförderung") hat bekanntlich mit Hormonen zu tun, v.a Prolaktin für die Milchbildung und Oxytocin für die Herausbeförderung. Bei dauerhaft starken Schmerzen ist die Ausschüttung dieser beiden Hormone gehemmt, was sich definitiv negativ auf den Stillerfolg auswirken kann.
3. Wechseln weg von der Flasche hin zu einer stillfreundlichen Zufüttermethode. Solange Dein Baby aufs Zufüttern angewiesen sein wird, sollte dies mit einer Methode geschehen, die die Fähigkeit, korrekt an der Brust zu trinken, nicht beeinträchtigt. Dies können SAUGFREIE Methoden sein, oder auch das Zufüttern WÄHREND des Stillens selbst.

Das scheinen mir die drei wesentlichen Ansätze zu sein.

Zu allen diesen Punkten findest Du in der erwähnten Linksammlung Stillwissen ausführliche Infos. Insbesondere mag ich diese Links empfehlen:

Verringerung der Zufüttermengen, zurück zum Vollstillen
Gedeihen, Gewichtskontrolle, korrektes Wiegen
Was ist Saugverwirrung?
mögliche Behandlungswege der Saugverwirrung
Tipps zum erfolgreichen Abpumpen
Tipps zur Heilung wunder Brustwarzen
noch mehr Tipps gegen wunde Brustwarzen
Vorgehen bei Soor
Syntocinon, Bockshornkleesamen und Domperidon

Ich hoffe, diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich.
Rückfragen immer gerne und LG
Julia
Osterglocke
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Re: 11 Wochen Stillen, 11 Wochen Schmerzen - Hilfe!

Beitrag von Osterglocke »

Wow - vielen vielen Dank Julia für Deine Überlegungen/Vorschläge! Es war einfach frustrierend, nicht weiter zu kommen. Jetzt habe ich jeder Menge Möglichkeiten, die ich verfolgen kann. Dankeschön!

Ich habe aber trotzdem noch ein paar Fragen, und zwar:
1. Du hast Recht, wir haben quasi von Anfang an (also vom 4. Tag) zugefüttert. Allerdings haben wir in den ersten 6 Wochen das Baby per Finger Feeding zugefüttert, danach erst mit der Flasche. Ändert diese Tatsache Deine Theorie bzgl. Saugverwirrung? Wobei, nachdem sie die Flasche bekommen hat, war sie merkbar aggressiver an der Brust.

2. Welche alternative Füttermethode empfiehlst Du, um dem Baby das richtige Saugverhalten beizubringen?

3. Angesichts meiner Vorgeschichte, wie stehen meine Chancen, die Milchbildung anzukurbeln? Ich habe es schon in der 5. Woche versucht. Damals (als ich so einmal an Tag gestillt habe) habe ich Tag und Nacht alle 2-3 Stunden gepumpt, also 8-10 Mal am Tag. Da ich beraten wurde, die Brüste nacheinander abzupumpen (also jeweils 10min, dann 7min, dann 5min) hat der ganzen Vorgang (mit allem drum und dran) insgesamt bis zu 10 Stunden am Tag gedauert - und da war mein Kind noch nicht mal versorgt!
Nach über einer Woche war ich einfach am Ende und die Milch ist, wenn überhaupt, nur geringfügig mehr geworden. Egal ob ich viel oder wenig gepumpt habe, hatte ich bis zu ca. 330ml Milch am Tag plus eine Stillmahlzeit. (Wobei, sobald ich aufgehört habe, so oft zu pumpen, ist – deprimierendeweise - mein Appetit und auch meine Brustgröße zurückgegangen. Vielleicht war da doch was dran?)

4. Zum Thema Milchmenge hatte jemand die Theorie, dass ich zu wenig Prolaktin habe und das ich Prolaktin einnehmen sollte. Ist sowas zu empfehlen und ist es eine gängige Therapie? Ich traue mich kaum bei meinem FA nachzufragen, weil er bei der Verschreibung von den Antipilz-Tabletten schon so viele Probleme hatte (u.a. weil es keinen Beweis auf ein Pilz gab und weil die Tabletten so unheimlich teuer sind).

Liebe Grüße,
O.
jusl
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Re: 11 Wochen Stillen, 11 Wochen Schmerzen - Hilfe!

Beitrag von jusl »

Es war einfach frustrierend, nicht weiter zu kommen. Jetzt habe ich jeder Menge Möglichkeiten, die ich verfolgen kann. Dankeschön!
Das glaube ich Dir aufs Wort, dass das frustrierend war. "Viele Baustellen" zu haben, bedeutet zwar viel Arbeit, aber bietet halt auch viele Ansätze. ;-) Gute Chance auf Verbesserung Eurer Situation habt Ihr auf jeden Fall.

1. Du hast Recht, wir haben quasi von Anfang an (also vom 4. Tag) zugefüttert. Allerdings haben wir in den ersten 6 Wochen das Baby per Finger Feeding zugefüttert, danach erst mit der Flasche. Ändert diese Tatsache Deine Theorie bzgl. Saugverwirrung? Wobei, nachdem sie die Flasche bekommen hat, war sie merkbar aggressiver an der Brust.
Nein, das ändert die Theorie leider nicht. Auch Fingerfeeding ist nicht ohne Risiken hinsichtlich einer Saugverwirrung. Und bei dafür empfänglichen Babys reicht EINE Flasche, um das Saugverhalten objektiv zu beeinträchtigen. Die Tatsache, dass Dein Baby inzwischen ans tägliche Flaschetrinken gewöhnt ist, macht es wahrscheinlich, dass sie entsprechend nicht mehr ganz richtig aus der Brust trinken kann, dafür ist es praktisch egal, ob zuvor mal Fingerfeeding gemacht wurde oder nicht.

2. Welche alternative Füttermethode empfiehlst Du, um dem Baby das richtige Saugverhalten beizubringen?
Die erste Empfehlung lautet sinnigerweise: Nehmt Euch ZEIT, die FÜR EUCH richtige Methode herauszufinden. Was bei Mama A nicht klappt, kann bei Mama B super laufen. Am besten lasst Ihr Euch bei der Auswahl und dem Ausprobieren der verschiedenen Möglichkeiten von einer mit Saugstörungen erfahrenen(!) Stillberaterin vor Ort unterstützen. Meine erste Wahl (aber wie gesagt, die kann bei anderne durchaus anders aussehen ;-)):
* Fürs Zufüttern OHNE Stillen könntest Du den Medela Softcup probieren. Das Handling für die Mama ist flaschenähnlich, aber anstatt eines Saugers hat der ein Mundstück, welches die korrekte Zungenposition trainiert und ansonsten saugfrei funktioniert. Aber auch Löffeln oder Bechern ist möglich (es gibt dazu spezielle, kostengünstige Fütterbecher).
* Besonders empfehlenswert ist das Zufüttern WÄHREND des Stillens. Hier hat sich das Brusternährungsset (kurz: BES) bewährt. Das ist eine Stillhilfe, die sehr gut bei dauerhaft oder vorübergehend zu wenig Milch geeignet ist, ohne die Stillfertigkeiten des Babys zu beeinträchtigen. Der Vorteil dieser Stillfhilfe liegt damit auf der Hand, die Zufüttermenge kann damit ggf. kontrolliert verringert werden. Als Nachteil gilt, dass die Handhabung des BES zunächst recht technisch und fummelig erscheint. Nach einer Übungsphase kommen aber die meisten Frauen damit sehr gut zurecht. Sinnvoll ist auch die Begleitung einer Stillberaterin, die insb. bei den ersten Versuchen mit dem BES unterstützt. Hier im Stillforum findest Du zahlreiche Beiträge zum BES. Stöbere mal!

3. Angesichts meiner Vorgeschichte, wie stehen meine Chancen, die Milchbildung anzukurbeln? Ich habe es schon in der 5. Woche versucht. Damals (als ich so einmal an Tag gestillt habe) habe ich Tag und Nacht alle 2-3 Stunden gepumpt, also 8-10 Mal am Tag. Da ich beraten wurde, die Brüste nacheinander abzupumpen (also jeweils 10min, dann 7min, dann 5min) hat der ganzen Vorgang (mit allem drum und dran) insgesamt bis zu 10 Stunden am Tag gedauert - und da war mein Kind noch nicht mal versorgt!
Nach über einer Woche war ich einfach am Ende und die Milch ist, wenn überhaupt, nur geringfügig mehr geworden. Egal ob ich viel oder wenig gepumpt habe, hatte ich bis zu ca. 330ml Milch am Tag plus eine Stillmahlzeit. (Wobei, sobald ich aufgehört habe, so oft zu pumpen, ist – deprimierendeweise - mein Appetit und auch meine Brustgröße zurückgegangen. Vielleicht war da doch was dran?)
Schwer vorauszusagen. Allgemein kann man sagen: gleichzeitiges Pumpen ist praktisch immer besser als die Seiten nacheinander oder gar nur eine Seite pro Pumpsitzung. Der Saugreiz beim gleichzeitigen Pumpen beider Seiten ist einfach höher als nacheinander, dementsprechend ist die Hormonausschüttung höher und die Milchmenge mehr. Dazu geht gleichzeitiges Pumpen logischerweise viel schneller als nacheinander pumpen, hat also nur Vorteile.

Alle 2-3 Stunden bzw. 8-10 mal pro Tag ist eine empfehlenswerte Häufigkeit. Eine festgelegte Mindeszeitdauer gibt es dabei nicht. Viele Mütter kommen mit ca. 10 min beidseitigem Pumpen gut recht.

4. Zum Thema Milchmenge hatte jemand die Theorie, dass ich zu wenig Prolaktin habe und das ich Prolaktin einnehmen sollte. Ist sowas zu empfehlen und ist es eine gängige Therapie? Ich traue mich kaum bei meinem FA nachzufragen, weil er bei der Verschreibung von den Antipilz-Tabletten schon so viele Probleme hatte (u.a. weil es keinen Beweis auf ein Pilz gab und weil die Tabletten so unheimlich teuer sind).
Von oraler Einnahme des Prolaktins selbst habe ich noch nie gehört. Aber es gibt eine Vielzahl an Wirkstoffen, die die körpereigene Prolaktinfreisetzung erhöhen. In der Stillberatung kommen dazu v.a. zwei Wirkstoffe zum Einsatz: Domperion und Metoclopramid. Diese sind bei Stillfachleuten in der Tat "gängig", aber das bedeutet leider noch lange nicht, dass sich damit jeder Gyn auskennt. Falls Du hierzu genauere Info wünschst, bitte per PN.

Grundsätzlich jedenfalls ist es so: Wenn eine Mutter irgendwann in der Zeit nach der Geburt mal auf Vollstillniveau war, also die Milchbildung so hoch war, dass das Baby damit eine Zeit lang vollständig ernährt werden konnte, ist es meist möglich, irgendwann später die Produktion auch wieder "beliebig hoch" heraufzufahren. War die Laktation jedoch nie vollständig etabliert, also wenn z.B. von Anfang an immer schon nennenswerte Mengen zugefüttert wurden, wird es mit dem "beliebig hoch" Hochfahren schwierig. Der Grund dafür liegt darin, dass erst nach der Geburt die Brustdrüse endgültig fürs Vollstillen "umgebaut" wird, unter dem Einfluss der dort vorherrschenden Hormone. Dieser Prozess ist störanfällig und hängt stark davon ab, wie groß die Nachfrage in dieser Zeit ist: Wird eine Milchmenge auf Vollstillniveau nachgefragt, dann bildet das Drüsengewebe diese normalerweise auch. (Deshalb können Mehrlingsmütter normalerweise problemlos genug Milch für Mehrlinge bilden, wenn von Anfang an nach Bedarf gestillt wird: 2 oder 3-facher Bedarf von Anfang an hat dann "ganz easy" 2 oder 3-faches Angebot zur Folge.)
Wird aber von Anfang an weniger nachgefragt (weil zu selten gestillt und/oder weil zugefüttert wird), dann bildet sich das Gewebe nicht vollständig aus und produziert entsprechend weniger - eben passend zur geringen Nachfrage.

Normalerweise gilt während der ganzen Stillzeit: Das Angebot hängt von der Nachfrage ab. Mütter mit problemlos etablierter Voll-Laktation können meist die ganze Stillzeit über z.B. innerhalb kurzer Zeit ihre Milchproduktion deutlich steigern oder senken; das Angebot passt sich dynamisch der Nachfrage an. Mütter, die nie vollgestillt haben, können das meist nicht so einfach. Viele betroffene Frauen sind dann auf medikamentöse Unterstützung angewiesen um die Milchbildung deutlich steigern zu können, vorübergehend oder dauerhaft.

Ich würde Dir vorschlagen: Lass Dich da von Deinen inneren Überzeugungen leiten. Manche Frauen haben eine ausgeprägte Abneigung gegen "künstliche Medikamente"; diese können und sollten ruhig ohne Medikamente versuchen, die Milchproduktion durch geeignete Vorgehensweisen zu steigern (also z.B. häufiges, beidseitiges Abpumpen, stillfreundliches Zufüttern z.B. mit dem BES, Verbesserung des Stillmanagements). Andere Frauen hingegen vertrauen darauf, dass es mit medikamentöser Unterstützung besser laufen wird und möchten nicht gerne noch unnötig anders herumdoktern. Diese können dann z.B. mit Domperidon starten, ZUSÄTZLICH zu den anderen geeigneten Vorgehensweisen. Die Erfolgsquote ist damit relativ hoch, also viele Anwenderinnen bemerken eine deutliche Steigerung der Milchmenge. Sollte das Dom nicht wirken, gibt es Alternativen, z.B. Metoclopramid oder auch Bockshornkleesamen; beide haben ebenfalls belegte Wirksamkeit. Idealerweise besprichst Du mit einem stillkundigen Arzt, ob und wenn ja welches Präparat für Dich am geeignetsten sein könnte.

Rückfragen dazu immer gerne (zu den Medis bitte per PN) und LG
Julia
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