Tandemstillen zweier Kleinkinder

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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juliaundfelix
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Tandemstillen zweier Kleinkinder

Beitrag von juliaundfelix »

Meine Kinder stillen schon lange und ich stille gern. Meine Tochter ist 4,5 und mein Sohn ist 2 Jahre und beiden stillen noch recht viel. Mich stört das alles auch gar nicht. Ich finde es natürlich, praktisch und schön. Das Problem ist allmählich mein Mann. Er hat "die lange Stillerei" (und dann noch mit zwei Kindern!) schon bislang mehr recht als schlecht akzeptiert solange der Kleine noch ein Baby war. Aber jetzt habe ich zwei (Klein-)Kinder am Busen hängen. Er macht leider oft blöde Bemerkungen, auch vor den Kindern. Er findet das unästethisch und irgendwie abstossend. Wenn Julia in der Oeffentlichkeit auch nur fragt, ist es ihm regelrecht peinlich. Deshalb stille ich die Grosse schon nicht mehr in der Oeffentlichkeit - zumindest nicht, wenn der Papa dabei ist.

Meine Kinder sind beide supergut gediehen, selten bis nie krank und einfach ganz tolle, aufgeweckte Kinder. "Leider" sind sie halt recht mamafixiert. Das kriege ich immer wieder zu hören z.B. auch von der Oma und das wird mir immer als grosses Manko angelastet. Durch die Stillerei würde ich sie zu sehr an mich binden. Sie schlafen immer noch bei mir im Bett und da gehen sie sicher NIEMALS freiwillig raus. Ausserdem bleiben sie halt nirgends fremd, z.B. im Ikea-Kinderland, aber auch nicht bei der Oma (die 300km weg wohnt und die Kinder vielleicht 3x im Jahr sieht!). Aber auch an Kindergarten ist momentan noch gar nicht zu denken. Meine Grosse habe ich trotz Schulpflicht (beginnt hier mit 4 Jahren!) hier aus dem Kindergarten rausgenommen, weil es meines Erachtens nicht ging, dass sie dort die ganze Zeit weinte...

Naja, an allem ist letztlich das Stillen schuld...

Mein Mann macht schon geraume Zeit Druck, dass ich ENDLICH abstille, um die Kinder "selbständiger" zu machen. Wenn er dabei ist macht er blöde Bemerkungen, die die Kinder auch bewusst hören sollen. Er versucht sie abzulenken, wenn sie stillen wollen und macht ihnen ein schlechtes Gewissen. Vor allem die Grosse, die das alles natürlich schon voll mitkriegt, leidet da sehr darunter. Sie fragt mich in letzter Zeit immer öfter, warum sie denn keine "Mamamilch" mehr trinken darf. Ich versichere ihr, dass sie immer und solange sie möchte Mamamilch trinken dürfe. Mit meinem Mann habe ich deshalb schlimme Auseinandersetzungen. Er will einfach nicht verstehen, dass das nicht seine Sache ist und er da auch nicht ständig reinfunken darf. Verständnis von Aussen habe ich eigentlich so gut wie gar keins, weil Langzeitstillen in unserer Gesellschaft einfach nicht üblich und auch nicht akzeptiert ist... Es ist einfach nur traurig und ich habe schon gar keine Lust mehr mich ständig verteidigen zu müssen, obwohl ich sicher bin, dass ich meinen Kindern absolut das beste gebe.

Ich zwinge sie ja nicht zu stillen. Ich lasse nur zu, dass sie es tun wenn sie es wollen!!!!!!!

Hat jemand von Euch auch schon sowas durchgemacht und mag sich austauschen?

LG -- Kristina
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cocotte
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Re: Tandemstillen zweier Kleinkinder

Beitrag von cocotte »

Oh Mann, ich glaub dir, dass das alles ganz und gar nicht einfach für dich ist.. (((( ))))
Ich stille auch noch beide Kinder, die Große aber nur noch morgens - dafür aber dann oft wirklich beide gleichzeitig. :)

Mein Mann meint zwar auch mal ab und an, wie lange ich die Große noch stillen will, aber er steht generell hinter mir, was das Langzeitstillen angeht. Wäre das nicht so, wär das für mich auch nur schwer zu ertragen.

Das Stillen vor dem Kind schlecht zu machen, finde ich auch ganz, ganz schlimm. Ich würde auch nicht wollen, dass man meiner Großen ein schlechtes Gewissen eintrichert, weil sie noch an die Brust darf. Mein Schwiemu hat einmal was in die Richtung zu sagen versucht, so à la "das ist aber gar nicht schön, dass du noch die Brust trinkst, das ist doch nur was für Kleine" usw., aber da hat mein Mann sich auch gleich auf meine Seite geschlagen und fand das auch ziemlich daneben, dass seine Mutter sich so geäußert hat. Meine Tochter hat jedenfalls auch ganz eingeschüchtert dagesessen und war so richtig verlegen und verunsichert auf die Aussagen der Oma hin. Das fand ich ehrlich furchtbar.

Würde es deinem Mann evtl. helfen, wenn du ihm Aufsätze/Artikel zum Lesen gibst, wo drin steht, dass langes Stillen durchaus normal ist und auch vorteilhaft ist?
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juliaundfelix
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Re: Tandemstillen zweier Kleinkinder

Beitrag von juliaundfelix »

cocotte hat geschrieben:

Würde es deinem Mann evtl. helfen, wenn du ihm Aufsätze/Artikel zum Lesen gibst, wo drin steht, dass langes Stillen durchaus normal ist und auch vorteilhaft ist?
Ich fürchte nein. Seiner Ansicht nach ist das alles nur "ideologisch geprägter Mist". Vorteilhaftes Langzeitstillen hört bei mir spätestens mit einem Jahr auf, wenn die Kleinen doch schliesslich "was normales" essen können. Dass unsere Kinder eben nicht mit einem (peinlichen *find*) Schnuller rumlaufen sieht er nicht als Vorteil. Auch mit dem Argument, dass Stillen supergut für die Entwicklung des Immunsystem sei, hält er für ueberbewertet. Andere Kinder seien schliesslich auch nicht ständig krank... naja... Und dass es gut ist für die seelische Entwicklung, das wird hier ja gar nicht akzeptiert, sondern im Gegenteil. Durch das lange Stillen würden die Kinder seelisch von mir abhängig über das "gesunde Mass" und die "gesunde Zeit" hinaus. Und dass die Naturvölker oft noch viel länger stillen will man auch nicht hören, weil man unsere Lebenssitzation schliesslich nicht mit der von Naturvölkern vergleichen kann.

Tja, mehr "vernünftige" Argumente hab ich irgendwie nicht...
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Re: Tandemstillen zweier Kleinkinder

Beitrag von Daydreaming »

Uff, eine wirklich blöde Situation, in der du da steckst...
Ehrlich gesagt, wundert es mich gar nicht, daß deine Kinder "mamafixiert" sind, daran ist meiner Meinung nach aber nicht das Stillen oder gar du "schuld", sondern die ablehnende Haltung deines Mannes und der Oma. Wenn sie solche Kommentare auch noch im Beisein der Kinder heraushauen, brauchen sie sich doch gar nicht wundern, daß diese verunsichert sind und immer wieder Rückversicherung bei dir suchen und erst recht Stillen wollen.
Einen wirklichen Tipp habe ich leider nicht...ich würde wohl versuchen, sehr deutlich zu sagen, wie verletzend solche Kommentare auf die Kinder wirken und das durch solche Sprüche ein schlechtes Verhältnis zu den Kindern erreicht wird, nicht durch das Stillen deinerseits...aber ich weiß leider nicht, wie man so etwas vermitteln kann, wenn auf der anderen Seite gar kein Verständnis für so etwas vorhanden ist, und so klingt es für mich... :(
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Re: Tandemstillen zweier Kleinkinder

Beitrag von spacerabbit »

Könnt Ihr beide, Du und Dein Mann, Euch vielleicht auf einen Kompromiss einigen? Dass Dein Mann keine ablehnenden Bemerkugen macht, und vor allem nicht gegenüber den Kindern ( das geht ja echt gar nicht...), und dass Ihr Euch vielleicht drauf einigt, wann und wie lange Du die beiden stillst. Dann sind die Kinder auch nicht mehr so verunsichert.
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Re: Tandemstillen zweier Kleinkinder

Beitrag von Spatz »

Huhu,
mir fällt keine Lösung für dich ein, kann dir nur beschreiben, wie es bei uns läuft.

Johanna ist im August 2 geworden und stillt immer noch recht viel. Tagsüber und auch nachts. Durch den Beruf von meinem Mann + zusätzlicher Ausbildung hat er nur wenig Zeit in den vergangenen 2 Jahren mit Johanna verbracht. Sie war auch sehr Mama fixiert.
Seit dem ich im August angefangen bin zu arbeiten, merke ich, das sie sich auch immer mehr dem Papa zuwendet. Ich glaube das liegt einfach an der Zeit die man oder frau mit Kind verbringt. Das hat nicht unbedingt etwas mit dem Stillen zu tun.
Allerdings unterstützt mein Mann mich in dieser Thematik auch sehr und verteidigt mich auch vor allen anderen.
Neue Aufgaben wie unsere Tochter ohne Stillen ins Bett zu bringen, weil Mama arbeiten ist, sind am Anfang natürlich für beide schwierig gewesen. Mittlerweile kuschelt sie sich auch mit dem Papa in den Schlaf. Er nimmt diese Situationen als Herausforderung und freut sich darüber mehr Zeit mit ihr verbringen zu können.

Übrigens hat mir und auch mein Mann es geholfen zu einem Stilltreffen der la leche liga zu gehen. Dort sind häufig auch die Väter willkommen.

Gruß spatz
Spatz ( Tochter 2009 und Sohn 2012)
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Re: Tandemstillen zweier Kleinkinder

Beitrag von schokoliebe »

Ach Du Arme. Das ist ja wirklich eine blöde Situation für Dich und vor allem für die Kinder.
Ich finde die Erklärung, dass sich die Kinder aufgrund des Verhaltens Deines Mannes von ihm abwenden, und damit Dir zuwenden, sehr plausibel!
Tja, ich weiss auch nicht wie ich mich da verhalten würde! Kann Dir leider keinen Rat geben.

Mein Großer wird bald 3 und stillt noch sehr viel. Trotzdem hat er eine sehr enge Bindung zu seinem Vater.
Der ist vom LZS auch nicht überzeugt, aber er sieht wie die Kinder gedeihen und merkt dass es ihnen guttut, oder zumindest nicht schadet.

Alles Liebe Euch!!!
Söhnchen 10/2008
Töchterchen 12/2010
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