starke schmerzen beim stillen...

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San-chan
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starke schmerzen beim stillen...

Beitrag von San-chan »

Hallo Community,
sicher hat schon öfter jemand diese frage gestellt, aber ich möchte doch gern spezifisch auf mein problem eingehen:

Ich fang von vorne an:

Mein Sohn wurde bei der geburt auf wunsch gleich angelegt. da hat er leider sehr stark gesaugt und "gebissen" sodass meine brustwarzen blau und rot eingeblutet waren...
es war ausserdem sehr schmerzhaft.
er hat von anfang an einen sehr starken hunger gehabt und musste dann bis zum milcheinschuss immer wieder zugefüttert werden, da er sonst nicht satt geworden wäre.
immer wieder wurde versucht ihn anzulegen, dann auch mit stillhütchen, es wurden mir cremes gegeben zur linderung aber es tat immer furchtbar weh und ich konnte die wände hochgehen bei ner berührung der brustwarzen.
am 3. tag kam die stillberaterin und meinte das jetzt schluss sei und abgepumpt werden müsse, da die brustwarzen einfach zu sehr "angefressen" seien wie sie es meinte.
also habe ich brav abgepumpt. das hat gut geklappt und es tat auch bei weitem nicht so weh.
am 4. tag hatte ich dann den milcheinschuss und konnte genug milch für mein kind zur verfügung stellen, aber alles abgepumpt.

für zu hause habe ich dann eine pumpe von der apotheke geliehen bekommen und pumpe seitdem alle 3 stunden 60ml pro seite ab. er trinkt wirklich viel, also 120ml pro mahlzeit in 2 etappen.
das klappt super und er ist dann auch zufrieden.
selbstverständlich wollte ich es auch mal wieder "richtig" probieren und habe mir stillhütchen zugelegt, da meine brustwarzen wohl einfach zu klein sind.
ich habe aber das gefühl das ich mein kind an der brust einfach nicht satt bekomme. ich lege ihn an und man sieht dann auch im hütchen das milch da ist. vorher habe ich massiert und die milch kommt quasi schon auf berührung herausgetropft. trotzdem wird er nicht satt. er trinkt, schluckt, nuckelt, schläft bischen ein. dann mache ich mit ihm bäuerchen, versuche es nochmal auf der anderen seite, die mir in zwischenzeit schon davon läuft. dort das gleiche spiel wieder. er scheint aber nicht satt zu werden weil er in kürzester zeit wieder unruhig wird und könnte ewig an der brust bleiben.
heute habe ich es auch mal wieder ohne hütchen versucht. er bekommt wohl die brustwarze nicht richtig zu fassen und es tut dann auch sehr weh. ebenso trinkt er nicht richtig und ist schnell frustriert weil es nicht richtig klappt.

nun weiß ich nicht weiter... immer abpumpen? immer mit stillhütchen? er wird damit aber komischerweise nicht satt...
was mache ich bloß falsch, wir liegen bequem mit stillkissen, versuchen verschiedene positionen und die milch kommt ihm ja schon förmlich entgegen.
er ist jetzt 2 wochen alt und der appetit ist immernoch sehr hoch. ca 130ml pro mahlzeit alle 3 stunden.
die brustwarzen sind schon recht gut abgeheilt und sind nurnoch leicht empfindlich. mit einem handtuch darf ich nicht drüber reiben das ist sehr unangenehm aber kein vergleich zum anfang.
ich dachte die härten irgendwann ab oder werden evtl durch das abpumpen etwas größer...
ich hab alles ausprobiert mit milch auftragen und trocknen lassen, dann hatte ich solche hydrogelauflagen fürs abheilen, die sind schweineteuer aber haben gut geholfen. jetzt trage ich einfach normale stilleinlagen zum schutz der kleidung, empfindlich sind sie aber immernoch.
ich hab einfach angst das sich mein sohn einfach zu sehr an die flasche gewöhnt.
ebenso wäre meine frage ob es in meiner gegend auch eine stillberaterin gibt die mir helfen könnte(schwäbisch hall)
ich hoffe ihr habt mir ein paar tipps was ich tun kann.

danke euch.
jusl
Jusl Almighty
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Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: starke schmerzen beim stillen...

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier im Forum, San-chan.

Zunächst mal ganz herzlichen Glückwunsch zum Baby! :D

Ihr habt da ja wirklich einen schweren Start gehabt. Ich geh mal der Reihe nach:
Mein Sohn wurde bei der geburt auf wunsch gleich angelegt. da hat er leider sehr stark gesaugt und "gebissen" sodass meine brustwarzen blau und rot eingeblutet waren...
es war ausserdem sehr schmerzhaft.
er hat von anfang an einen sehr starken hunger gehabt und musste dann bis zum milcheinschuss immer wieder zugefüttert werden, da er sonst nicht satt geworden wäre.
immer wieder wurde versucht ihn anzulegen, dann auch mit stillhütchen, es wurden mir cremes gegeben zur linderung aber es tat immer furchtbar weh und ich konnte die wände hochgehen bei ner berührung der brustwarzen.
am 3. tag kam die stillberaterin und meinte das jetzt schluss sei und abgepumpt werden müsse, da die brustwarzen einfach zu sehr "angefressen" seien wie sie es meinte.
also habe ich brav abgepumpt. das hat gut geklappt und es tat auch bei weitem nicht so weh.
am 4. tag hatte ich dann den milcheinschuss und konnte genug milch für mein kind zur verfügung stellen, aber alles abgepumpt.
Dein unglücklicher Stillstart tut mir sehr leid. Solch verletzte Brustwarzen tun fürchterlich weh, da war die Pumpe sicher eine echte Wohltat. Stillberaterisch springt sofort ins Auge, dass er "sehr stark gesaugt und gebissen" hat. Starkes Saugen "allein" ist nämlich normalerweise nicht schmerzhaft, VORAUSGESETZT das Baby liegt richtig an (darauf komme ich weiter unten noch). Beißen hingegen ist natürlich äußerst schmerzhaft und ein ganz eindeutiger Hinweis darauf, dass Dein Baby NICHT richtig angedockt war. Hier hätte die Stillberaterin/Hebamme unbedingt GLEICH eingreifen müssen.
Starke Schmerzen verzögern den Milcheinschuss (weil die Schmerz- und Stresshormone die Ausschüttung der Stillhormone behindern). Insofern: klasse, dass Du ab dem Milcheinschuss gleich soviel Milch hattest!

für zu hause habe ich dann eine pumpe von der apotheke geliehen bekommen und pumpe seitdem alle 3 stunden 60ml pro seite ab. er trinkt wirklich viel, also 120ml pro mahlzeit in 2 etappen.
das klappt super und er ist dann auch zufrieden.
Ui, alle 3 Stunden 120 ml (unten schriebst Du sogar 130) ist aber wirklich außerordentlich viel! Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein nur 2 Wochen altes Baby über einen Liter Muttermilch in 24 Stunden trinkt.

selbstverständlich wollte ich es auch mal wieder "richtig" probieren und habe mir stillhütchen zugelegt, da meine brustwarzen wohl einfach zu klein sind.
Der Einsatz von Stillhütchen kann sinnvoll sein, um ein Baby, das nur an Flaschensaugern trinkt, an die Brust zu gewöhnen. Notwendig sind sie aber nicht. Davon abgesehen gilt ganz klar: die Brustwarzengröße hat KEINEN Einfluss auf das Stillvermögen. "Zu kleine" Brustwarzen gibt es nicht. Selbst gar-nicht-herausstehende Warzen ("Flachwarzen") oder nach innen vertiefte Warzen ("Hohlwarzen") sind kein Stillhindernis. Die Begründung ist: Babys saugen nicht an der Brustwarze, sondern an der Brust(!). Ein korrekt angelegtes Baby hat VIEL MEHR Brustgewebe im Mund als nur die Brustwarze (siehe weiter unten).

ich habe aber das gefühl das ich mein kind an der brust einfach nicht satt bekomme. ich lege ihn an und man sieht dann auch im hütchen das milch da ist. vorher habe ich massiert und die milch kommt quasi schon auf berührung herausgetropft. trotzdem wird er nicht satt. er trinkt, schluckt, nuckelt, schläft bischen ein. dann mache ich mit ihm bäuerchen, versuche es nochmal auf der anderen seite, die mir in zwischenzeit schon davon läuft. dort das gleiche spiel wieder. er scheint aber nicht satt zu werden weil er in kürzester zeit wieder unruhig wird und könnte ewig an der brust bleiben.
heute habe ich es auch mal wieder ohne hütchen versucht. er bekommt wohl die brustwarze nicht richtig zu fassen und es tut dann auch sehr weh. ebenso trinkt er nicht richtig und ist schnell frustriert weil es nicht richtig klappt.
Du beschreibst da mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sehr eindrücklich eins der klassischen Stillprobleme: die sogenannte Saugverwirrung. Sehr viele Babys, die früh Bekanntschaft mit künstlichen Saugern gemacht haben, zeigen dieses Verhalten: Unruhe, zappeln, trinken nicht richtig, kriegen die Brust nicht zu fassen, lassen immer wieder los, und so weiter. Ausführliche Informationen rund ums Thema Saugverwirrung findest Du in unserer Linksammlung Stillwissen, bitte stöbere doch dort mal. ("Was ist Saugverwirrung?" und "Mögliche Behandlungswege der Saugverwirrung").
Korrektes Anlegen jedenfalls ist das A und O, und manchmal hat man Glück: manche Saugstörung ist schon "nur" dadurch verschwunden, dass die Mutter ganz konsequent auf korrektes Anlegen geachtet hat:

Ein korrekt angelegtes Baby...
* verdreht seinen Kopf nicht, sondern Ohr, Schulter und Hüften liegen auf einer Linie. Wenn in der Wiegehaltung der Bauchnabel des Babys zu sehen wäre, ist das Baby auf jeden Fall verdreht.
* liegt in der Wiegehaltung Bauch an Bauch mit der Mutter, ohne Platz dazwischen.
* berührt mit Nase und Kinn die Brust der Mutter, in jeder Stillposition.
* macht den Mund zum Andocken WEIT auf, wie beim Gähnen. Angedockt sind der Mund weit offen, seine Lippen nach außen gestülpt und die Zunge (wichtig!) unten über der unteren Zahnleiste "draußen" sichtbar, wenn man ein bisschen an der Unterlippe zupft.

Auf diese Weise landet die Brustwarze WEIT HINTEN im Rachen des Babys und ist dort praktisch keinem Zug, Druck oder Reibung ausgesetzt. Beißen/kauen auf der Brustwarze ist so gar nicht möglich, denn die Warze liegt VIEL weiter hinten als die Zahnleisten.


nun weiß ich nicht weiter... immer abpumpen? immer mit stillhütchen? er wird damit aber komischerweise nicht satt...
was mache ich bloß falsch, wir liegen bequem mit stillkissen, versuchen verschiedene positionen und die milch kommt ihm ja schon förmlich entgegen.
Wenn Du Links gelesen hast, verstehst Du sicher gut, dass Du gar nichts "falsch machst"! Sondern: Dein Baby versucht mit Flaschentechnik an der Brust zu trinken, und das geht nun mal technisch nicht. Insofern ist Deine Einschätzung schon völlig richtig:
ich hab einfach angst das sich mein sohn einfach zu sehr an die flasche gewöhnt.
das bedeutet: Dein Sohn braucht Hilfe, vor allem DEINE Hilfe, dass er schnell die richtige Stilltechnik lernen kann. Am besten lässt Du Dich dabei von einer mit Saugstörungen erfahrenen Stillberaterin vor Ort unterstützen. Sie kann Dir zeigen, wie Du Deinem Sohn das Andocken erleichtern kannst und ihm die richtige Zungen- und Kieferstellung beibringst. Eine Stillberaterin findest Du unter
http://www.afs-stillen.de
http://www.lalecheliga.de
http://www.stillen.de
Saugverwirrung ist behandelbar! Und Eure Erfolgschancen sind excellent, denn 1. hast Du genug Milch und 2. ist Dein Baby erst zwei Wochen alt und damit noch im allerbesten Lernalter. Erfahrungsgemäß lernen Neugeborene die richtige Technik innerhalb weniger Wochen /weniger Tage. Also los! ;-)


ich hab alles ausprobiert mit milch auftragen und trocknen lassen, dann hatte ich solche hydrogelauflagen fürs abheilen, die sind schweineteuer aber haben gut geholfen. jetzt trage ich einfach normale stilleinlagen zum schutz der kleidung, empfindlich sind sie aber immernoch.
Das ist gut, dass Deine Brustwarzen wieder heilen konnten. Die große Empfindlichkeit ist normal (sie vergeht meist nach den ersten Stillmonaten), Schmerzen beim Stillen sind NICHT normal, sondern wie gesagt ein deutliches Zeichen dafür, dass Dein Baby nicht richtig angelegt ist bzw. mit der falschen Technik saugt.


Ich hoffe, diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich,
Rückfragen immer gerne und liebe Grüße,
Julia
San-chan
Herzlich Willkommen
Beiträge: 2
Registriert: 25.08.2011, 14:48

Re: starke schmerzen beim stillen...

Beitrag von San-chan »

Liebe Julia,
vielen dank für deine ausführliche antwort, das gibt mir neue hoffnung es doch noch hin zu bekommen.
ich dachte mir das ich morgen evtl gleich mal bei uns im krankenhaus anrufe, da gibt es eine Stillhotline
werktags von 11 - 13 Uhr
sowie bei aktuellen Problemen Tag und Nacht
evtl können die mir helfen, weil auf deinen seiten für die beraterinnen sind leider keine eingetragen, die nicht mindestens 30 min von hier per fahrt weg wären.
ich weiß nicht ob die sich dann damit befassen ohne das ich ewig durch die welt fahren muss.
in der klinik in der ich entbunden habe gabs auch ne tolle beraterin, ist aber auch ne halbe stunde fahrt weg.
die bietet auch so stillgruppen an und das gibts auch hier in der klinik in meinem ort. leider für diesen monat nichtmehr also sollte ich vielleicht doch anrufen :-)

mein kleiner trinkt wirklich sehr sehr viel :-) die hebamme hat auch schon gelacht als sie das gehört hat.
er hatte schon nach 5 tagen sein geburtsgewicht wieder eingeholt und hat jetzt 4,2 kilo (geburt 3780) er hat also gut appetit :-)
die 120- jetzt schon zum teil 150ml verlangt er alle 3-4 stunden ^^ irgendwann platzter hab ich das gefühl *grins*
lily
ist gern hier dabei
Beiträge: 99
Registriert: 08.08.2011, 09:39

Re: starke schmerzen beim stillen...

Beitrag von lily »

Hallo San-Chan,
ich kann dich gut verstehen, ich hatte auch von Anfang an wunde Brustwarzen, und das tut soo weh... ich hatte dann zwischendurch auch Stillhütchen versucht und gedacht daß es vielleicht die Form der Brustwarzen wäre... was letztendlich geholfen hat, war (unter anderem, hatte aber auch noch andere Probleme) tatsächlich das Anlegen-üben. Obwohl meine Hebamme auch vorher gemeint hat, daß es paßt, man kann es eben trotzdem immer noch verbessern.
Was ich leider versäumt habe, ist das 'Mund-weit-aufmachen-trainieren', war oft froh, wenn ich den Kleinen überhaupt endlich angedockt hatte, da er sehr ungeduldig sein kann, wenn er hungrig ist. Tja und jetzt 'mümmelt' er die Brustwarze rein - und das kann sehr unangenehm sein, wenn die Brustwarzen grade mal wieder sehr wund sind... konsequent üben lohnt sich da also bestimmt :D
Und scheu dich nicht, dir Hilfe zu holen, die Stillgruppenbesuche sind auf jeden Fall hilfreich und aufmunternd. Ich hatte mit meiner Stillberaterin auch erstmal telefonischen Kontakt, und diese Gespräche haben mir sehr gut getan.
Gib nicht auf, man braucht ziemlich viel Ausdauer, es wird sich aber bestimmt bessern!
Viele Grüße
lily
lg von
lily
mit Zwerg 05/11 und Winterelfe 11/13
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