Hallo Blubbi, und herzlich willkommen hier im Forum!
Zunächst mal: Finde ich super, dass Du Dir viele Gedanken machst, und sogar schon den
Grundinfo-Thread zum Thema Gedeihen und Gewichtszunahme gelesen hast. Ich geh noch mal der Reihe nach, zunächst zur Gewichtsentwicklung Deines Babys:
Die Gewichtszunahme wird in der Tat immer vom niedrigsten Gewicht nach der Geburt aus bestimmt. Das sind bei Euch über die ersten 13 Wochen gemittelt rund 140 g wöchentlich, ein vollkommen durchschnittlicher Wert. Bezieht man die letzten beiden Wochen mit ein (insg. 15 Wochen), dann sind's rund 130 g wöchentlich, immer noch ein vollkommen durchschnittlicher Wert. Er liegt etwas niedriger als der, bei dem man nur die ersten 13 Wochen berücksichtigt, was auch völlig normal ist: je älter das Baby, desto geringer die durchschnittliche Wochenzunahme (logisch!). Nimmt man z.B. nur die ersten 5 Wochen, dann liegt die wöchentliche durchschnittliche Gewichtszunahme bei rund 190 g - ein entsprechend hoher, durchschnittlicher Wert.
Also: die Zahlen allein sind völlig unauffällig, und für sich definitiv KEINE Indikation fürs Zufüttern. Hast Du ja auch selbst gemerkt: Obwohl Du mit Zufüttern begonnen hast, ist die Gewichtszunahme nicht höher geworden.
Ich beziehe mich jetzt mal auf die WHO-Kurve "Weight-for-age BOYS": Bei Geburt ca. 88. Perzentile - Jetzt mit 15 Wochen ca. 8. Perzentile...
Die WHO-Kurven sind für Laien sehr schwer zu verstehen.
Missverständnis Nr.1: "Die Kurven sind
Kurven für echte Kinder, die idealerweise ihrer Kurve folgen." Das ist falsch! Richtig ist: die Kurven sind KEINE Verläufe realer Kinder. Es ist sogar möglich, dass es ÜBERHAUPT KEIN Kind gibt, das sich immer auf einer solchen Perzentile befindet. Sprich: es sind keine KURVEN, sondern sie besagen lediglich: "Liegt Kind X zu einem bestimmten Zeitpunkt auf der 8. Perzentile, dann sind im selben Alter 8% aller gesunden Kinder noch leichter als Kind X." Nicht mehr und nicht weniger.
Missverständnis Nr.2: "
Am besten sollte meine Kind irgendwo in der Mitte liegen, dann ist es am gesündesten." Auch das ist falsch! Richtig ist: der Gesundheitszustand ist überhaupt nicht Gegenstand dieser Graphen. Ein Kind auf der 2. Perzentile kann kerngesund und bestens ernährt sein, ein Kind auf der 70. kann krank und sogar mangelernährt(!) sein (denn vielleicht läge es bei RICHTIGER Ernährung ja auf der 97. Perzentile? Das sagen einem diese Kurven nicht!). Auf welcher Perzentile ein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt liegt, ist genetisch bestimmt, und dazu abhängig von äußeren Faktoren wie Erkrankungen und Ernährung.
Das bedeutet: ist Dein Baby 1. gesund (eben dies zu beurteilen, ist der Job von Kinderärzten

) und 2. gut ernährt (dazu unten mehr), dann wird es IMMER auf SEINER Perzentile liegen, VOLLKOMMEN EGAL welche genau dies zu irgendeinem Zeitpunkt ist. Das sog. "Kreuzen" von Perzentilen ist absolut normal. Viele Stillkinder z.B. nehmen am Anfang stark zu und kreuzen dann in den folgenden Monaten und Jahren einmal quer das ganze Feld und sind als (Klein-) Kinder sehr schlank.
Fazit: die Perzentilen helfen Dir nicht weiter, weder bei der Beurteilung des Gedeihens Deines Babys (dazu zählt das Gewicht, aber auch mehrere - ebenso wichtige! - andere Kriterien, siehe Gedeih-Grundinfo-Thread), noch bei der Lösung etwaiger Stillprobleme.
Ich füttere im Moment ein mal am Tag 210ml 1er HA-Nahrung mit der Flasche zu. Mein Sohn hat schon davor immer mal Probleme an der Brust gemacht und gebrüllt beim Versuch ihn Anzulegen. Ich habe allerdings ein wenig das Gefühl, dass das durch die Flasche noch schlimmer geworden ist.
Das Gefühl könnte durchaus stimmen.
Es ist immer problematisch, Fläschchen zu geben
bei bestehenden Stillschwierigkeiten. Denn: die Probleme werden dadurch erfahrungsgemäß NIE gelöst, aber oft werden sie schlimmer (schwieriges Anlegen z.B., schwaches Saugen, wunde Brustwarzen usw, das sind alles so Klassiker...). Falls es so ist (und dies ist hier gut möglich), dass fürs Zufüttern keine Indikation bestanden hat, dann wird Dein Baby automatisch instinktiv bei SEINER Trinkmenge bleiben. D.h. die Menge, die Du jetzt per Flasche gibst, trinkt er eben nicht mehr aus der Brust. Beachte den Stillgrundsatz Nr.1: Das Angebot hängt von der Nachfrage ab. Wer schon Flaschenmilch im Bauch hat, trinkt weniger aus der Brust, das leuchtet unmittelbar ein.
210 ml ist auch schon eine relativ große Menge (wahrscheinlich irgendwo im Bereich 20-35% der Tagestrinkmenge), d.h. Deine Milchproduktion läge in diesem Fall bereits vermutlich nur noch bei 65-80%.
Durch die verringerte Milchproduktion können zusätzliche Probleme entstehen: bei manchen Frauen fließt dann die Milch weniger schnell/einfach/reichlich. Daran kann sich ein Baby so sehr stören, dass es noch schlechter trinkt, und durch den weniger intensiven und/oder weniger häufigen Saugreiz die Milchprodukion noch weiter runterfährt. Ein Teufelskreis, der nur dadurch durchbrochen werden kann, dass Du die Zufüttermengen wieder verringerst und entsprechend wieder mehr stillst (oder falls das nicht geht: abpumpst oder per Hand gewinnst).
Die Zunahme sollte laut den Infos mindestens 115g betragen.

- dann bitte die Infos noch ein 4. Mal lesen.

Da steht nirgends, dass die Zunahme mindestens 115 g betragen soll. Da steht
jusl hat geschrieben:[...]Die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme liegt für gesunde Stillkinder in den Monaten 0-3 im Bereich 115-225 g,[...]
.
Das ist etwas ganz anderes! Da ist die Rede nämlich von statistisch ermittelten Durchschnittswerten, nicht von NORMEN! Es gibt Millionen gesunde Babys, die nur 110 g durchschnittlich zunehmen. Die sind keineswegs schlechter dran als die, die zwischen 115 und 225 liegen! Diese Zahlen sind nicht normativ.
Vergleichbar mit: "Deutsche Frauen sind durchschnittlich zwischen 155 und 175 cm groß." Stimmt! Aber es gibt auch welche, die sind 1,80 - können also Supermodel werden, müssen aber den Kopf einziehen

. Und Frauen mit 1,50 - die haben sicher nicht alle weniger zu essen gekriegt

. Das ist normale biologische, zufällige Streuung, ohne Wertigkeit.
Mein Sohn stillt nicht 8-12 mal, hat er nie. Als ich mal probiert habe, ihn öfter anzulegen, hat er mir jedes Mal vor Stress gebrüllt und wollte dann gar nicht mehr trinken. Hab dann wieder ihn entscheiden lassen und so kommen wir auf 4-6 Mahlzeiten.
Mindestens 4 nasse Windeln hat er und seine Haut sieht auch gut aus, hat also keine Dehydrationsanzeichen.
Fit ist er auch, strampelt immer wie ein verrückter.
Prima, hier geht's um die anderen Kriterien guten Gedeihens. Windeln, Haut und Allgemeinverhalten sind also unauffällig, sehr gut. 4-6 Mahlzeiten sind wenig - die meisten Babys trinken deutlich öfter. Die entscheidende Frage ist also: Trinkt Dein Baby 4-6 mal, weil es seine NATUR ist (völlig OK!), oder würde es öfter trinken, wenn nicht irgendein Problem vorliegen würde (Handlungsbedarf!)?
Ums vorweg zu nehmen: das kann per Ferndiagnose NIEMAND beurteilen. Es kann sein, dass bei Deinem Baby alles in bester Ordnung ist, es genug Nahrung bekommt, es entsprechend SEINER Anlage zunimmt - alles bestens. Genauso ist möglich, dass Dein Baby Stillschwierigkeiten hat (oder zunehmend entwickelt), es mehr wiegen würde, wenn es mehr Nahrung bekäme und entsprechend Handlungsbedarf besteht. Das kann niemand aus der Ferne sagen. Aber: Die Lage ist keineswegs kritisch (sonst gäb es nicht 4 volle Pipiwindeln täglich), d.h. Du hast Zeit, ganz in Ruhe herauszufinden, ob bei Euch sozusagen "Fall 1" oder "Fall 2" (aus dem Gedeih-Grundinfo-Thread, ganz unten) vorliegt.
Meine Empfehlung: such Dir eine Stillberaterin vor Ort, die Euch beim Stillen zuschaut. Reduziere die Zufüttermenge nach und nach (Faustregel: um etwa 50-100 ml pro Woche, so dass Du in ca 2-4 Wochen wieder vollstillst). Bis Du gar nicht mehr zufütterst, sollte die noch notwendige Zusatznahrung möglichst NICHT PER SAUGFLASCHE gegeben werden! Auch Schnuller am besten so sparsam wie möglich einsetzen. Die Gefahr, bestehende Stillschwierigkeiten damit weiter zu verschlimmern, ist einfach zu groß. Besser geeignet sind saugfreie Methode wie Löffel, Becher, Softcup - oder auch das BES, wobei das BES allerdings (zu Beginn) eine recht fummelige Angelegenheit ist. Dies kann insb. dann schwierig sein, wenn das Baby selbst viel zappelt, unruhig ist, Andockschwierigkeiten hat usw. Am besten besprichtst Du das mit einer mit Saugstörungen erfahrenen Stillberaterin vor Ort, welche Zufüttermethode für Euch am besten geeignet sein könnte. Bis dahin könntest Du schon mal in unserer
Linksammlung Stillwissen die Threads zum Thema Saugverwirrung lesen, das könnte hilfreich sein. Evtl. ist auch weitere Diagnostik sinnvoll; eine Vorstellung beim Osteopathen, Kiss-Arzt usw. wurde hier ja schon angeregt.
Rückfragen immer gerne und LG
Julia