Nusserl hat geschrieben:hora hat geschrieben:

Was, um alles in der Welt, macht Ihr mit so vielen Tüchern????
Ich habe drei unterschiedlich lange, original guatemaltekische, die ich als Studentin als Schmuck für mein Zimmer gekauft habe und als dann die Kinder kamen, habe ich sie zweckgemäß verwendet. Mehr brauche ich nicht. Insgesamt habe ich damals vielleicht 150,- DM bezahlt.
ja, das ist eine berechtigte frage. das atta sein (absolut tragetuch abhängige) ist ja einfach eine sucht. zuerst hat man ein tuch. dann kommt man drauf, dass man noch ein kürzeres braucht und noch einen sling. und der gg noch eine tragehilfe. und plötzlich zieht noch ein tragetuch ein, weil man unbedingt mal eins mit seide (oder wolle oder leinen) probieren will. und einen schicken sling für besondere anlässe.
irgendwann braucht man noch ein tuch in einer anderen webung, von einem anderen hersteller,... die ausreden häufen sich, bis man merkt, ich brauche unbedingt noch ein tuch in grün, weil das super zum neuen pulli passen würde.
und spätestens dann sitzt man mit 10 tüchern da und merkt, dass man eine sucht hat. aber zum glück keine mit gravierenden nebenwirkungen und frühzeitigem tod.
Das ist der eine Aspekt.
Und klar: man kann auch mit einem einzigen Tuch durch die Tragzeit kommen.
Aber ich finde, es kommt auch immer ein wenig auf die persönliche Situation an.
Bei uns z.B. stellt momentan das Tragen einfach den elementaren Mittelpunkt im Tagesablauf da und nimmt viele Stunden ein - unsere Tochter hat uns von Geburt an mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass sie ständig am Körper sein möchte. Über die ersten Wochen konnte man sie tagsüber gar nicht ablegen - nicht einmal, wenn sie eingeschlafen war, sie wurde dann innerhalb von 30 Sekunden wach und weinte - egal, wie man es anstellte (nachts schlief sie dafür von Anfang an selbstständig "durch", wenn man von den Stillpausen absieht).
Dass wir uns schon in der Schwangerschaft fürs Tragen entschieden hatten, war Zufall und Glücksfall zugleich - wir wären sonst total aufgeschmissen gewesen un hätten mit Sicherheit ein absolutes Schreikind gehabt.
Wenn man also so plötzlich das ganze eigene Leben umstellen muss und zudem versucht, es dem kleinen Wurm gut wie möglich gehen zu lassen, dann sucht man auch nach Wegen, es für beide Seiten so angenehm wie möglich werden zu lassen.
Ich hatte mein Leben lang weder einen Schuh- noch einen Handtaschen-Tick oder sonst eine frauenspezifische Sammelleidenschaft - aber genügend Variationen bei den Tragetüchern (verschiedene Längen für verschiedene Bindeweisen, verschiedene Stabilitätsgrade für verschiedene Alterstufen - und ja: auch mal eine Farbauswahl, wenn man schon den ganzen Tag mehr Tuch als Kleidung bei mir sieht), ist mir momentan echt wichtig, um fröhlich und möglichst "unbelastet" im warsten Sinne des Wortes über den Tag zu kommen.
... allerdings gehöre ich wohl auch nicht zum speziellen Hardcore-ATTA-Typus, denn ich würe gerne mit den jetzt angeschafften Tüchern komplett durch die Tragzeit kommen, keines mehr neu anschaffen oder vertauschen (also nicht jagen, was hier ja sonst oft den Reiz ausmacht), sondern alle jetzt vorhanden Tücher gut eintragen, gemeinsam mit meinem Kind durchkuscheln und am Ende dann mit jedem viele schöne Erinnerungen verbinden
Ich finde Tragen so eine tolle, elementare Erfahrung in den ersten Jahren des Elternseins - die TT sind dafür für mich einfach der entsprechende Ausdruck nach außen hin - bunt, fröhlich, praktisch und eine tolle Verbindung zwischen Eltern und Kind.
So, und nu schnapp ich mir Kind und Hund, überlege, welches Tuch heute Morgen zu Wetter, Stimmung und Tragedauer passt - und geh vor die Tür.
Ich wünsch Euch allen ebenfalls einen tollen Tragetag!
