Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

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coccolone
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Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von coccolone »

So, hier ist er nun: der Deutschland Schwarz Weiss Austauschthread.

Ich habe das Buch letzten Sommer gelesen und finde es sollte Pflichtlektüre sein - für jede/n Deutsche/n - z.B. in der Schule.

Ich finde es gut geschrieben, wenn manchmal etwas provokativ, leicht verständlich und sehr informativ. Ich hatte oft das Gefühl, dass sie ganz bewusst provoziert um etwas im Leser auszulösen.

Ich für meinen Teil wollte nach der Lektüre z.B. mehr über Deutschlands Kolonialgeschichte erfahren. Teilweise war ich auch sehr geschockt und betroffen, als ich z.B. über den Tod von Oury Jalloh oder Mareame Sarr gelesen habe. Beides habe ich nicht mitbekommen, hoechstwahrscheinlich da ich nicht in D wohnte.

Bin sehr gespannt auf eure Meinungen.
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Zierbanane
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Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von Zierbanane »

Soooo, ich bin durch und es war keine Qual! :D Danke Coccolone!

Das Buch sollte eigentlich zur Pflichtlektüre für jeden weißen Bürger werden. Es ist sehr gut und flüssig geschrieben.

-Ich bin froh endlich Schwarz sagen zu können, ohne mich dabei bescheuert zu fühlen, weil ich es sagen darf!
-Es macht mich unheimlich betroffen was wir weiße für "Privilegien" genießen.
-Es ist erstaunlich wie stark in den Medien mit Rassismus umgegangen wird, ohne dass ich was davon gemerkt habe!
-Erst jetzt bemerke ich, dass ne Nonne ja fast genauso aussieht wie eine Muslima. :oops: :lol: und
-Das Ziegel eigentlich auch nix anderes sind als gebrannter Dreck.

Nicht mit allen Beispielen konnte ich zu 100% konform gehen, aber ich konnte dennoch verstehen worum es der Autorin ging.

Ein Paar Fragen tauchen noch auf:

Was sage ich denn anstelle von "Indianer"? "Typ im Kostüm?" Das ist ja genauso blöd.

Ein Mensch asiatischer Abstammung, wie sage ich zu ihm? Ist der dann "ein people of color"? Denn wenn ich nicht "Afrikaner" sagen darf, dann doch auch nicht "Asiat". Und "Gelber" ja sicher auch nicht. :oops:

Mehr fällt mir gerade nicht ein. Aber da kommt sicher noch was.
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coccolone
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Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von coccolone »

Zierbanane hat geschrieben:Soooo, ich bin durch und es war keine Qual! :D Danke Coccolone!
Sehr gern geschehen! :D
Zierbanane hat geschrieben: Das Buch sollte eigentlich zur Pflichtlektüre für jeden weißen Bürger werden. Es ist sehr gut und flüssig geschrieben.
Zu 100% unterschreib!!!
Zierbanane hat geschrieben:Was sage ich denn anstelle von "Indianer"? "Typ im Kostüm?" Das ist ja genauso blöd.
Hmm, das ist im Englischen irgendwie einfacher. Wir sagen allgemein "Native American", aber man kann ja durchaus spezifisch werden und z.B. Sioux sagen. "Typ im Kostuem" mag zwar bloed sein, ist aber nicht rassistisch. Ausserdem ist "Cowboy" ja auch keine Ethnie (z.B. bei Cowboys und Indianer), deswegen finde ich schon, dass "Typ im Kostuem" irgendwie angebracht ist.
Zierbanane hat geschrieben: Ein Mensch asiatischer Abstammung, wie sage ich zu ihm? Ist der dann "ein people of color"? Denn wenn ich nicht "Afrikaner" sagen darf, dann doch auch nicht "Asiat". Und "Gelber" ja sicher auch nicht. :oops:
Du meinst zu einem Deutschen asiatischer Herkunft? Keine Ahnung. :oops: Was mir da gerade einfaellt ist, dass im Deutschen mit Asiaten idR Menschen mit Chinesicher oder Japanischer Herkunft gemeint sind. Im Englischen sind "Asians" aber idR Indischer oder Pakistanischer Herkunft. Aber das hilft ja nun bei der Beantwortung der Frage auch nicht weiter. :?
Zierbanane hat geschrieben: Mehr fällt mir gerade nicht ein. Aber da kommt sicher noch was.
Gespannt bin. :D
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Zierbanane
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Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von Zierbanane »

coccolone hat geschrieben:
Zierbanane hat geschrieben:Was sage ich denn anstelle von "Indianer"? "Typ im Kostüm?" Das ist ja genauso blöd.
Hmm, das ist im Englischen irgendwie einfacher. Wir sagen allgemein "Native American", aber man kann ja durchaus spezifisch werden und z.B. Sioux sagen. "Typ im Kostuem" mag zwar bloed sein, ist aber nicht rassistisch. Ausserdem ist "Cowboy" ja auch keine Ethnie (z.B. bei Cowboys und Indianer), deswegen finde ich schon, dass "Typ im Kostuem" irgendwie angebracht ist.
Mir ist eingefallen, dass er ja eine "Tracht" an hat. :D Und der Cowboy seine "Arbeitskluft".
Zierbanane hat geschrieben: Ein Mensch asiatischer Abstammung, wie sage ich zu ihm? Ist der dann "ein people of color"? Denn wenn ich nicht "Afrikaner" sagen darf, dann doch auch nicht "Asiat". Und "Gelber" ja sicher auch nicht. :oops:
Du meinst zu einem Deutschen asiatischer Herkunft? Keine Ahnung. :oops: Was mir da gerade einfaellt ist, dass im Deutschen mit Asiaten idR Menschen mit Chinesicher oder Japanischer Herkunft gemeint sind. Im Englischen sind "Asians" aber idR Indischer oder Pakistanischer Herkunft. Aber das hilft ja nun bei der Beantwortung der Frage auch nicht weiter. :? [/quote]Interessant. Ich überleg mal weiter. :D
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clermontine
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Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von clermontine »

Noah Sow spricht mir als schwarze Deutsche aus der Seele. Auch ich finde, dass es Pfichtlektuere fuer Deutsche sein sollte. Denn gerade dieser Alltagsrassismus zermuerbt einen. Vor allem, dass er immer verharmlost oder ins Laecherliche gezogen wird bzw ich als zu empfindlich gelte.
Leider sind nach meiner Erfahrung nur wenige Weisse bereit sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, weil sie genau den Alltagsrassismus gar nicht als Rassismus empfinden und sich natuerlich auch nicht in die Lage eines/einer schwarzen Deutschen hineinversetzen koennen.
Rassismus wird meist gleichgesetzt mir Nazis und Rechtsextremismus. Viele sind der Meinung, dass es ausreichend ist mit mir oder anderen Schwarzen zu verkehren oder befreundet zu sein (oder ueberhaupt auszusagen nicht rassistisch zu sein), dass sie ja gar nicht rassistisch sein koennen bzw man ja verstehen sollte, dass "alles nur ein kleiner Spass" ist.
Am liebsten sind mir die, die sich mir gegenueber ueber Schwarze und Auslaender(schwarze oder muslimische) aufregen und boese daher schimpfen und dann wenn sie meinen empoerten Blick sehen oder ich verbal eingreife mir mit dem Satz kommen, dass das bei mir bzw bei meiner Familie ja was anderes waere.

Es ist auch erstaunlich, welch Unterschied es macht, ob ich mein Haar geklaettet oder naturentsprechend gekraust trage. Ebenso das Experiment, ob ich sage mein Vater kommt aus Afrika oder er waere aus den USA. Trage ich im Tuch hoere ich gern mal "ja, in Afrika machen die das so", in der Manduca sehen die Kommentare schon ganz anders aus.
Das ich im Sport gut bin und gut tanze "ist ja klar" aber "wieso?" kann ich nicht singen?

Nach wie vor grabschen mir Menschen ungefragt einfach so ins Haar und wenn ich mich dagegen wehre "soll ich mich nicht so haben" bzw "nicht gleich so aggressiv sein".

Auch ganz schlimm, der sogenannte "psositive" Rassismus. Da macht man mir solche netten Komplimente und ich bin veraergert...

Beziehungsmaessig war es in meiner Jugendzeit auch schwierig, war grad Hiphop-Hochphase und uebelst cool ne schwarze Freundin oder Freund zu haben.
Naja, war bei uns etwas rar mit den Schwarzen, so dass jeder Zweite mit mir ne Beziehung oder, bringen wir es auf den Punkt, ins Bett wollte. Gluecklicherweise war ich intelligent genug um das wahre Interesse schnell zu erkennen.

Ich koennte noch ein Weile weiterschreiben. Auf jeden Fall finde ich dieses Buch richtig gut und ich finde es toll von dir, Coccolone, dass du die Werbetrommel fuer dieses Buch ruehrst und sonst auch immer wieder hier in diesem Forum (und ich denke mal auch sonst in deinen Lebensbereichen) versuchst die Menschen zu sensibilisieren und auf Alltagrassismen hinweist.
LG Clermontine mit Sohn (09/09) und Tochter (04/12)
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coccolone
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Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von coccolone »

clermontine hat geschrieben: Ich koennte noch ein Weile weiterschreiben. Auf jeden Fall finde ich dieses Buch richtig gut und ich finde es toll von dir, Coccolone, dass du die Werbetrommel fuer dieses Buch ruehrst und sonst auch immer wieder hier in diesem Forum (und ich denke mal auch sonst in deinen Lebensbereichen) versuchst die Menschen zu sensibilisieren und auf Alltagrassismen hinweist.
:oops: :D Du bist ja suess. Danke!
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Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von olgaga »

muss ich mal lesen, danke für den tipp...
Liebe Grüße von Olga Bild
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Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von Minou »

Danke für deine Worte, Clermontine! Ich finde es sehr interessant das Ganze aus der Sicht einer "Betroffenen" zu hören. Alltagsrassismus kenne ich auch sehr gut (komme vom Dorf) und stelle gern doofe Gegenfragen. Vor allem der Mann meiner Mutter ist da ganz groß. Er meint es wirlich nicht böse, bringt aber S_rüche... :roll: da rollen sich einem die Fußnägel auf.
clermontine hat geschrieben:Auch ganz schlimm, der sogenannte "psositive" Rassismus. Da macht man mir solche netten Komplimente und ich bin veraergert...
Magst du dafür mal ein _aar Beis_iele nennen?
Mit großer (11.'99) und kleiner Maus (03.'09)
Marilu

Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von Marilu »

Hab mir das Buch grade gekauft und bin enttäuscht - hab aber noch nicht so weit gelesen. Ich hätte es gerne weitergegeben entsprechend "ignoranten" Mitmenschen geschenkt, aber das geht nicht, weil sie schon auf den ersten Seiten das Klischee "Schwarze sehen Diskriminierung eben überall, da kann man nichts machen" bedient. Damit nimmt sie allen später folgenden "harten Fakten" (die, wie ich vermute, ja wohl noch kommen werden) die Grundlage und das ist wirklich schade.

Zum Beispiel finde ich ihre Erklärungen, warum man "Schwarz" sagen soll und nicht "Farbig" nicht gelungen. Wenn sich jemand noch nie näher damit befasst hat, wird er es nicht ernst nehmen und für Wortklauberei halten. Da habe ich (auch hier im SuT) schon wesentlich schlüssigere und überzeugendere Texte gelesen (Coccolone, willst du nicht mal ein Buch schreiben :wink: )

Oder da ist ein Bild, auf dem zwei Männer hintereinander her laufen, einer weiß, einer schwarz. Der weiße hat eine Polizeiuniform an. Die meisten, die das Bild beschreiben sollen, sagen "Ein Polizist verfolgt einen Verdächtigen". Die Interpretation im Buch ist: Das liegt am Rassismus, weil man mit der schwarzen Haut gleich assoziiert, dass das ein Krimineller sein muss.
Hallo :?: Das liegt nicht an der Hautfarbe, sondern an der Uniform, dass man denkt, dass da eine Verfolgung im Gang ist. Wäre der Polizist schwarz und der Verfolgte weiß, würde man das doch auch denken - oder bin ich jetzt schief gewickelt ?? Ich will nicht sagen, dass es die unbewusste Assoziation schwarz-kriminell nicht gibt. Nur, dass das Bild ein denkbar schlechtes Beispiel ist, um das deutlich zu machen. Gegenargumenten sind Tür und Tor geöffnet. Sicher hätte sich da was eindeutigeres finden lassen.

Oder die Tatsache, dass Lesern, die Sows Argumente hinterfragen, gleich unterstellt wird, dass sie unbewusst Rassisten sind, weil sie etwas anders sehen, finde ich ziemlich unprofessionell und wird nicht dazu führen, dass Verständnis geweckt wird, sondern eher, dass die Leute das Buch weglegen.

Oder die (übrigens ziemlich rassistische) Annahme, dass alle Weißen sich sicher noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben und daher 100% lauter grundlegend neue Erkenntnisse aus dem Buch ziehen werden, finde ich daneben.

Naja, ich werde es weiterlesen. Aber verschenken werde ich es nicht :?
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Zierbanane
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Re: Noah Sow "Deutschland Schwarz Weiss"

Beitrag von Zierbanane »

Marilu hat geschrieben:....

Oder da ist ein Bild, auf dem zwei Männer hintereinander her laufen, einer weiß, einer schwarz. Der weiße hat eine Polizeiuniform an. Die meisten, die das Bild beschreiben sollen, sagen "Ein Polizist verfolgt einen Verdächtigen". Die Interpretation im Buch ist: Das liegt am Rassismus, weil man mit der schwarzen Haut gleich assoziiert, dass das ein Krimineller sein muss. Hallo :?: Das liegt nicht an der Hautfarbe, sondern an der Uniform, dass man denkt, dass da eine Verfolgung im Gang ist. Wäre der Polizist schwarz und der Verfolgte weiß, würde man das doch auch denken - oder bin ich jetzt schief gewickelt ??
habe ich auch gedacht.
Marilu hat geschrieben:Oder die Tatsache, dass Lesern, die Sows Argumente hinterfragen, gleich unterstellt wird, dass sie unbewusst Rassisten sind, weil sie etwas anders sehen, finde ich ziemlich unprofessionell und wird nicht dazu führen, dass Verständnis geweckt wird, sondern eher, dass die Leute das Buch weglegen.

Oder die (übrigens ziemlich rassistische) Annahme, dass alle Weißen sich sicher noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben und daher 100% lauter grundlegend neue Erkenntnisse aus dem Buch ziehen werden, finde ich daneben.
in meinen augen drückt das nur sows starke verbitterung aus und sie rechnet in diesem buch richtig ab. ich konnte mir das annehmen, weil man nicht weiß was sie schon alles schlimmes erlebt hat.
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