kein Zurück?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Squeeziemami
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kein Zurück?

Beitrag von Squeeziemami »

Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier und stelle mich kurz vor - sowie mein großes Problem - falls es dazu schon was gibt, verweist mich gern auf den Pfad.
Also ich bin 25, hab seit 21.April eine kleine Tochter, die bei einer wundervollen Hausgeburt zur Welt kam. Die ersten Tage/Wochen verbrachte sie fast nur an der Brust. Wir haben Familienbett und sie ist getragen und leider, leider nahm sie aus Sicht der Kinderärztin nicht gut zu. Also legte die Gute mir ans Herz, zuzufüttern und da begann unser Teufelskreis :( Ich sollte stillen und zufüttern, aber auch enormer Angst, dass meine Milch nicht nahrhaft genug sei, habe ich ihr oft zuerst die Falsche gegeben. Und dann begann nach einiger Zeit das Nuckeln an meinem Finger, da ich aber trotz ganz kurzer Fingernägel das Gefühl hatte, ihr den Gaumen zu verletzen wenn sie so stark dran sog, bot ich Schnuller an. Und nun?? :( Nun schreit sie oft meine Brüste an, saugt dafür vehement am Schnuller und trinkt zufrieden aus der Flasche. Törichterweise habe ich die Muttermilch, die sich dann so anstaute, immer ins Waschbecken abestrichen, weil ich ja immer dachte, sie sei nicht gut genug. :( Beim letzten Arzttermin sagte die blöde Kurve aber trotzdem noch, dass die Zunahme recht gering sei. Also ist meine Tochter doch einfach ein gering zunehmendes Kind, aber sie ist kräftig, fidel und total aufgeweckt und weint wenig. Und sie hatte anfangs auch immer ihre vollen Windeln bzw nassen Liegeplätze (wenn wir windelfrei übten :) )
Tja, nun hab ich das Problem einer vermutlichen Saugverwirrung? Oder Brusthasses? Sie trinkt morgens gegen halb sechs ein wenig Brust, dann ab halb 7 nur Flasche, tagsüber nimmt sie in der Regel auch nur die Flasche, Brust schreit sie an und nimmt den verdammten Schnuller gern :( :( heute hab ich ihr dann öfter den Finger wieder angeboten und nach dem Abendspaziergang, als sie zum Schluss doch mit Schnuller auf der Schulter einschlief, habe ich ihr im Bett dann die Brust angeboten, die sie auch nahm und dann daran einschlief.
Dennoch bin ich unendlich traurig, so versagt zu haben. Hätte ich doch bloß das Zufüttern gelassen oder zumindest anders (mit Löffelchen oder so) zugefüttert und nie nie den Schnuller angeboten. Wie kann ich Leah-Sarai denn rückgewöhnen zur Brust, ohne dass die völlig verzweifelt ist und so, dass ich auch genug Milch habe, denn durch die Flasche hat sie ja so selten getrunken.
Danke im Voraus für hilfreiche Tips.
Herzliche Grüße
Squeeziemami (wow, süße Smileys :) ) :5: das will ich wieder :) :1:
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GwAMg

Re: kein Zurück?

Beitrag von GwAMg »

Oh je :(
Ich kann dir sooo gut nachfühlen, denn ich habe das auch in etwas durch!


Hast du eine Stillberaterin vor Ort?
Hier gibt es ein Unterforum mit Stillgruppeninfos, da kannst du schauen ob du was in deiner Nähe findest. Ansonsten auf den Seiten der LLL oder AFS.

Ansonsten wird dir bestimmt auch hier bald eine der superkompetenten Stillberaterinnen Antworten!
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nwsurgeon
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Re: kein Zurück?

Beitrag von nwsurgeon »

Hallo Du Arme,
Meine Große hatte die ersten Lebenstage das Problem, das beim Andocken nicht sofort Milch kam, sie hat dann losgelassen und die Brust angeschrien. Wir haben ihr dann (abgepumpte) Milch über meine Brustwarze in den Mund laufen lassen, damit sie kapiert, dass da die Milch raus kommt. Vielleicht kannst Du das ja mal morgen versuchen. Immer wieder anlegen und keine Sorge, die Milch kommt bestimmt wieder.
Zum Thema nahrhafte Milch lies mal den Thread "Milch zu durchsichtig".
Meine Große hatte übrigens nach einem Jahr ihr Gewicht auch gerade mal verdoppelt, war aber immer fit, hat sich früh hochgezogen und war nicht einmal krank.
Wenn Muttermilch nicht ausreichen würde um Kinder zu ernähren, wären die Menschen schon längst ausgestorben.
Alles Liebe
nwsurgeon mit zwei großen Mädels (10/2006 und 09/2009), Hündin *2019 und Stute *2017
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jusl
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Re: kein Zurück?

Beitrag von jusl »

Liebe Squeeziemami,

herzlich willkommen hier im Forum!

Du beschreibst einen absoluten Stillberatungsklassiker: Stillen läuft gut, mit Kind alles bestens, dann kommt die "Experten-Falschinformation" und damit unnötiges Zufüttern. Dies führt zu ECHTEN Stillproblemen, bei Euch ebenfalls ganz klassisch: Saugverwirrung, mit allen negativen Folgen wie Brustverweigerung, Rückgang der Milchmenge, ganz unglückliche Alltagssituationen. Selbstverständlich löste das Zufüttern das ursprüngliche "Experten-Problem" gar nicht (langsame Gewichtszunahme), denn man kann nun mal kein Problem lösen, welches gar nicht vorliegt! Sprich: das Kind nimmt - oh Wunder - weiterhin "schlecht" zu (ganz dicke Anführungszeichen jetzt!), nämlich einfach entsprechend seiner persönliches Wachstumskurve. Einziger Effekt des Ganzen: Stillzeit kaputt. :(

Lass Dich zunächst einmal mit der Tatsache trösten, dass dies vielen Müttern passiert und dass Dich daran keine Schuld trifft. Hinterher ist man immer schlauer, vorher eben nicht! Das ist einfach so. Auch hier im Forum findest Du einige Mütter mit ähnlichen Stillgeschichten. Und viele dieser Geschichten fanden ein gutes Ende, d.h. auch diese sehr schweren Stillprobleme konnten überwunden werden.

Ich nehme an, Du meintest mit Deiner Bitte um hilfreiche Tipps Vorschläge, wie Du Eure Stillbeziehung retten kannst? Also Dein Baby wieder an die Brust rückgewöhnen und Deine Milchmenge wieder steigern? Dies ist grundsätzlich möglich, der Fachausdruck ist "Relaktation", also eine Wiederaufnahme des Stillens nach vorherigem vollständigen oder fast vollständigen (wie bei Euch) Abstillen. Hast Du zu diesem Thema bereits Informationen gefunden?

Liebe Grüße,
Julia
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Squeeziemami
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Re: kein Zurück?

Beitrag von Squeeziemami »

Ihr Lieben,

tausend Dank für eure mitfühlenden Antworten! Ja, genau das versuchen wir nun, zurück zur Brust. Ich will ihr nicht von heute auf Morgen Flaschen und Schnuller entreißen, sie kann ja nichts für den Irrtum. Heute Nacht und Morgen hat sie schön an der Brust getrunken und dann wieder Flasche genommen. Vielleicht begreift sie irgendwann, dass meine Brust im Endergebnis doch besser ist?! Ich werde jetzt regelmäßig die Brüste ausstreichen, dass das Signal kommt, wieder genug Milch zu produzieren! Ich bin so froh, dieses Forum hier gefunden zu haben! Hier wird man nicht für Familienbett und Nähe zum Kind verurteilt... Und keiner sagt, hey, ist doch egal, gib halt die Flasche... Es ist wirklich schön, euch zu haben :)

Lg Squeeziemami
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Sternenfaengerin
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Re: kein Zurück?

Beitrag von Sternenfaengerin »

hallo squeeziemami, wir haben etwas ähnliches durch und es "immerhin" etwas über acht monate geschafft, wobei ich heute denke (auch aufgrund der vielen geschichten, die ich hier mitverfolgen konnte), das es unter gescheiter stillbegleitung (beratung vor ort) hätte noch viel länger gehen können :D

ich mag einfach mitlesen, wie sich das entwickelt, evtl auch einfach ein bisschen emotionale unterstützung geben und dich ausserdem hier auch herzlich willkommen heissen! ich finde es toll, das du nach deinen instinkten handelst, bzw. ihr und ich denke, wenn du dich drauf einlassen kannst weiterhin danach zu handeln (und von "aussen" nicht mehr allzuviel an dich heranzulassen), werdet ihr das mit passender unterstützung ganz toll wuppen ;-)

alles liebe und auch noch nachträglich herzlichen glückwunsch zum kleinen wunder!
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klimaforscherin
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Re: kein Zurüc?

Beitrag von klimaforscherin »

Ja, das "dann soll man halt die Flasche nehmen, wo ist das Problem" habe ich heute auch gehört, als ich mit Freunden über das Thema Stillprobleme gesprochen habe. Sie haben keine Kinder und ihnen ist eben fremd, dass Stillen eben auch körperliche Nähe bedeutet. Das ist dann "einfach" das "psychische Problem der Mutter". :evil:
War mir vorher aber auch nicht klar.

In einem andere Thread habe ich einen Link zur Relaktation gesehen:
http://www.still-lexikon.de/26_relaktation.html

Und super, dass sie heute so schön die Brust genommen hat! :D
Grüße
klimaforscherin
mit Wetterfrosch 2010 und Schwälbchen 2012

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nwsurgeon
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Re: kein Zurück?

Beitrag von nwsurgeon »

Hallo,
toll das schon Schritte in die richtige Richtung in Sicht sind.
Vielleicht helfen mal die Stillberaterinnen hier im Forum weiter, ob ein Brusternährungsset Dir helfen kann.
Alles Liebe
nwsurgeon mit zwei großen Mädels (10/2006 und 09/2009), Hündin *2019 und Stute *2017
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Teazer
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Re: kein Zurück?

Beitrag von Teazer »

Ich wünsche Euch so sehr, dass die Relaktation klappt und Ihr erfolgreich und zufrieden stillen könnt !!!
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

"Mit einer Kindheit voller Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul)
AP estab. 2009, 2011 & 2014
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BEcKa
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Re: kein Zurück?

Beitrag von BEcKa »

Hast Du denn noch Milch - kommt noch was beim ausstreichen?

Wenn ja dann ist das ja schonnmal super! Dann würde ich pumpen, um die Milchproduktion zu steigern (6 mal tgl, etwa 20 min, mit einer elektrischen Doppelbrustpumpe - am Anfang etwas weniger, nach und nach steigern auf die genannte MinutenDauer).

Du kannst Dich außerdem mal über das BES informieren (Brusternährungsset von Medela) mit dieser Stillhilfe könntest Du sofort so tun, als wäre genug Milch da. Es gibt eine gute Broschüre von Martha Guoth-Gumberger zu der Benutzung des BES. Ich kann auch mit Tipps zum Handling beistehen.

Toll ist, dass Deine Maus grundsätzlich noch an die Brust geht. Wie der Weg weg von Schnuller und Flasche beschritten werden kann, dabei sollte Dir jemand mit Relaktaktionserfahrung helfen. Also sprich die Stillberaterinnen die Du kontaktierst doch direkt darauf an, ob sie Erfahrung damit haben!

Es gibt einen Weg zurück! Viel Erfolg!
Liebe Grüße
Becka
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und ein Bild- Dich trag ich bei mir, bis der Vorhang fällt...



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