Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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klimaforscherin
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Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von klimaforscherin »

Gelesen vorher hatte ich eigentlich genug (Stillpositionen, Kenntnis der größten Vorurteile wie "zuwenig Milch", etc., Kenntnis der Vorteile)
Hätte ich es gewusst, dass Stillen nicht so einfach funktionniert (Zwerg dockt an, trinkt, schläft vielleicht mal ein, dockt ab, alle sind glücklich), hätte es mir einen halben Tag Heulerei im KH erspart.
Vielleicht ist es das generelle Hauptproblem am Anfang (Zwerg sucht, windet sich, dockt an, dockt ab, schreit, sucht, findet, trinkt zwei Schuck, drückt sich weg, wehrt sich, etc...., warum will mein Kind nicht???)
Ich vermute mal, dass dies der Hauptgrund ist, warum so viele Kinder frühzeitig "abgestillt" werden. (Wurden ja kaum gestillt... :( )
Die Stillberaterin im KH meinte dazu "Milch bilden kann jede Frau, stillen müssen beide erst lernen". Ja, Mutter UND Kind müssen es erst lernen, das Kind weiss nicht Bescheid. Das Wissen darüber hätte mich etwas gelassener ans Stillen rangehen lassen.

Inzwischen klappt es besser, nur etwa jedes 4. Mal beginnt mit diesem "Suchtheater", endet aber irgendwann satt.

Grüße
klimaforscherin
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Daya
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Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von Daya »

Das ist eine gute Frage - vielleicht weil es nur ideale Friede-Freude-Eierkuchen Stillbilder in unserer Gesellschaft gibt, man aber all die realen, echten stillenden Mütter nie sieht? Und dass die auch nicht immer lächeln dabei?

(Außer man hat das Glück, eine große Familie zu haben....)

Hier in der Gegend bin ich die einzige, die auch im Park stillt, selbst ein Kleinkind, und ich fühle mich sehr allein =(

Jedem, dem ich sagen würde, wie schwierig es sein kann, würde mich frage, wozu ich dann nicht einfach abstille. Hm.

LG
2-fachMama
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Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von 2-fachMama »

Hallo,

Ich weiß was du meinst. Aber ich würde die Frage auch mal umgekehrt betrachten: Warum denken immer alle Frauen, es wäre so einfach?
Stillen ist die erste Probe für uns als Mamas. Kinder stellen uns zu jeder Zeit auf die Probe, hier eben zuerst. Ein Kind zu haben ist nie leicht, mit fortschreitendem Alter kommen immer andere Aufgaben für uns als Mutter dazu und erfordern nicht selten viel Geduld und Durchhaltevermögen. Wie eben Stillen auch.
Ich weiß auch nicht warum die Leute so eine verklärte, romantische Vorstellung vom Kinderkriegen und -Haben im Kopf haben. Wahrscheinlich hat man, bevor man selbst Kinder hat auch zu wenig realistischen Kontakt zu Kindern. Die Mütter sind einem auch keine Hilfe, die verbreiten ja meistens veraltete Vorstellungen oder haben schlicht und einfach vergessen wie das so war mit einem BAby. Hier sollten meiner Meinung nach mehr Gelegenheiten existieren, schon vor der Ankunft des BAbys ein Bild zu bekommen, wie denn das Leben, vor allem die erste Zeit, mit Baby wirklich ist.

Liebe Grüße und eine hoffentlich schöne, lange Stillzeit für euch!
Mama mit Mausi (* Jan 05) und Wurschtl (* Jun 09)
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klimaforscherin
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Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von klimaforscherin »

Die Stillberater im KH und meine Hebamme - beide hatten mir erzählt, dass die üblichen Stillvideos (hab ich nicht gesehen) mit 11-Wochenkindern gemacht werden, die die Prozedur schon kennen.
Wenn hier nur ein bisschen mehr Offenheit herrschen würde, denke ich würden mehr Kinder in diesem Lande gestillt werden, würden weniger Mütter negativ beeinflusst werden können ("füttere zu, etc.")
Es ist ja nicht schlimm, das der Anfang etwas schwierig ist, mit dem Wissen vorher kann man schon mit Gelassenheit reagieren!
Das ist mir dann auch bewusst geworden.

Das Übliche "Stillen ist was gaaaanz Natürliches" suggeriert: "es ist auch einfach!" Niesen, Schlafen und auf Toilette gehen geht i.d.R. ja auch von selbst. Und so ein Kind, denkt man, ist ja mit den nötigen Reflexen ausgestattet, so dass es quasi von selbst geht.... :roll:

Grüße
klimaforscherin
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Teazer
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Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von Teazer »

Ja, das dachte ich auch am Anfang. Aber meine Hebammen waren da wirklich ganz wunderbar, haben geduldig unsere ersten Versuchswochen begleitet und mich auch während und nach dem Brustabszess unterstützt weiter zu stillen. Aber es sollte wirklich nicht als selbstverständlich verkauft werden.
klimaforscherin hat geschrieben:Wenn hier nur ein bisschen mehr Offenheit herrschen würde, denke ich würden mehr Kinder in diesem Lande gestillt werden, würden weniger Mütter negativ beeinflusst werden können ("füttere zu, etc.")
Das glaube ich nicht, denn für die meisten Mütter ist es eher eine ideologische Frage als eine der Aufklärung. Meiner Erfahrung nach erzählen viele Frauen, sie hätten nicht stillen können und später geben sie zu, dass sie es gar nicht richtig probiert haben (weil sie auch nicht wolten). Sicherlich gibt es genügend Fälle in denen Frauen im KH einfach nicht genügend unterstützt werden, aber jeder Schwangeren und jungen Mutter steht eine Hebammenbetreuung zu. Wer die nicht in Anspruch nimmt, hat i.d.R. auch kein wirkliches Interesse bzw. fällt auf die Werbung der Lebensmittelindustrie herein. Aber viele Mütter finden es lästig 24 h am Tag für das Kind da sein zu müssen. Deshalb ist für sie das Fläschchen 1. Wahl und um nicht als Rabenmutter zu gelten erzählen sie die Mär vom Nicht-stillen-können. Das wiederum verunsichert andere Mamas, denen die Unterstützung fehlt und das ist dann ein immer wieder kehrender Teufelskreis. :evil:
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

"Mit einer Kindheit voller Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul)
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uschi
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Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von uschi »

Ich war auch sehr froh, dass meine Hebi einige Tipps für mich parat hatte, wie ich am besten anlege. Mein Instikt hat da nämlich irgendwie versagt. :lol:
Und spätestens als Schmerzen dazu kamen, war ich total verkrampft. Teilweise kamen mir die Tränen vor Schmerz.

Jetzt klappt es GsD wie am Schnürchen, nur am Anfang hätte ich das kaum für möglich gehalten.
Warum ich hartnäckig war und trotzdem Stillen wollte, weiß ich garnicht genau. Hab wohl zuviel schon hier im Forum gestöbert. :D

Eine Mama, die ich kenne, hat zB von Anfang an die Flasche gegeben, sie habe keine Milch. Und nun singt sie natürlich das Hohelied auf die praktischen Flaschen, das Kind konnte auch schon mit wenigen Wochen zu den Großeltern gegeben werden und sie konnte mit ihrem Mann feiern gehen... :roll:
Allerdings sage ich nichts weiter dazu, andersrum würd ich mir ja auch nichts anhören wollen, ich klammere oä...

Viel Erlog, Klimaforscherin, dass es weiterhin besser wird! Bleib am Ball, es lohnt sich! 8)
uschi und stinker (dez 09)
JaNiNis-Mom

Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von JaNiNis-Mom »

Da hast Du recht.....meistens geht man vom Idealfall aus, wo alles problemlos klappt. Und wenn Erstlingsmuetter Freundinnen/ Schwestern/ Schwaegerinnen haben, die Stillen, dann sieht das auch meist recht einfach aus. Wenn von Milchstau usw erzaehlt wird (aber warum auch, man will ja die schwangere Freundin nicht beeinflussen), dann ists in der Erzaehlung nicht so schmerzhaft wie es tatsaechlich war.

Meine Schwaegerin hat erst vor ner Woche entbunden und ich hab auch versucht, Sie durch erzaehlen drauf vorzubereiten. Buecher hab ich Ihr geschickt (vielleicht liest Sie jetzt auch gerade hier mit :mrgreen: ), aber ehrlich gesagt muss meine Stillerei fuer Sie auch immer sehr einfach ausgesehen haben.....ich muss mal nachfragen, wie es denn beiden denn geht :oops: . Wenn man mehrere Kinder stillt, dann hat man halt auch die Routine, die Erstmuettern noch fehlt....und daran hab ich zB gar nicht gedacht. Ich wollte Ihr halt auch das Stillen nicht madig machen, wenn ich gleich mit blutigen BWen usw anfang. Ich hoffe, Ihre Hebamme ist Ihr eine bessere Hilfe als ich :oops: ...und ich hoffe, dass es bei Dir (ich weiss jetzt nicht mal Deinen Namen..... aber Dein Sohn heisst wohl Theo :mrgreen: ) besser wird!
Gaby
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Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von Gaby »

Das habe ich damals beim ersten Kind auch gedacht. Ca. 10 Wochen vor der Geburt meiner Tochter hatten meine beiden Schwestern jeweils ein Baby bekommen, beide stillten und wenn ich sie dabei sah, wirkte das auf mich total einfach und natürlich. Brust raus, Kind andocken, Kind saugt, fertig. Als ich dann in den ersten Tagen mit meinem Baby mit Problemen beim Anlegen und mit blutigen Brustwarzen zu kämpfen hatte und dann auch noch die Milch mit schmerzenden, empfindlichen Brüsten einschoss und ständig einfach herauslief, habe ich mich auch gefragt, warum mich niemand DARAUF vorbereitet hat.

Wobei ich auch sagen muss, dass mir eine gute Anleitung in den ersten Tagen fehlte, im KH war man zwar sehr bemüht, aber die eine Schwester riet mir zum Abpumpen, die nächste zu Stillhütchen, die nächste zu einer halben Abstilltablette, damit sich die Milchmenge reduziert. Es wurde ständig gewogen, beim Anlegen wurde mir teilweise recht rabiat das Kind an die Brust gedrückt, die Nachtschwester hatte überhaupt keine Lust mir zu helfen sondern wollte am liebsten das Kind mitnehmen und ihr die Flasche verpassen :? . Erst als ich zu Hause war und meine Hebamme mich unterstützte, wurde es besser. Nach ca. 6 Wochen war ich genau so eine routinierte Stillerin wie meine Schwestern, und bei den Stillstarts bei meinen nachfolgenden Kindern gab es überhaupt keine solchen Anfangsprobleme mehr, sondern da war das Stillen wirklich von Anfang an "einfach".
mit 07/02, 05/04, 03/06 und 10/08

Häng dein Herz an eine wackelnde Welt und dann wunderst du dich dass es runterfällt (Judith Holofernes).
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klimaforscherin
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Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von klimaforscherin »

Daya hat geschrieben:
Hier in der Gegend bin ich die einzige, die auch im Park stillt, selbst ein Kleinkind, und ich fühle mich sehr allein =(

LG
Komischerweise habe ich jegliches Schamgefühl nach dem Blasensprung verloren. Zur Geburt war mir ziemlich egal, wer da nach mir schaut, nach dem KS bin ich im (hinten offenen Flügelhemdchen) stolz, mich überhaupt bewegen zu können, über den Gang gelaufen.
Beim letzten Spaziergang war mir nur wichtig: Wo ist die nächste Bank? Mein hungriges Kind war wichtiger als alle eventuellen Blicke (war niemand da).
Grüße
klimaforscherin
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daifuku
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Re: Warum sagt niemand, wie schwierig Stillen sein kann?

Beitrag von daifuku »

Ich wusste, dass es schwierig werden kann - aber WIE schmerzhaft wunde, blutige Brustwarzen sind, und wie es einem die Zehennägel beim MSR aufrollt die ersten Wochen/Monate... brrr, das hätte ich niemandem geglaubt, auch wenn er es mir erzählt hätte. :( Nach drei Tagen hab ich meine Schwägerin (damals in der LLL-Ausbildung) gefragt, wie lang das gleich nochmal dauern kann mit den Schmerzen beim Stillen. Als sie meine, so 4-6 Wochen schon, wär ich am liebsten schreiend davongelaufen und hätte sofort komplett abgestillt. Jedes einzelne Stillen war eine Tortur, ich hatte schon während des Stillens Angst vorm nächsten Mal. :cry: Warum ich durchgehalten hab, weiß ich gar nicht mehr. Ich glaub, vor allem war es der Ekel vor Pulvermilch - ich möchte das Zeug niemals trinken müssen. *schüttel*

Beim zweiten Stillstart hatte ich wirklich Schiss, dass es wieder so wird. Aber diesmal hätte ich alles genauso ertragen, weil die 26 Monate Stillzeit mit meinem Großen einfach nur wundervoll waren. Naja, die eher letzten 24 Monate. :wink: Ich hatte Glück und die Erfahrung hat natürlich auch geholfen - nach 1 Woche war die eine, nach 2 Wochen beide Brustwarzen komplett heil und auch der MSR war nicht mehr schmerzhaft. *puh* :)

Eine Bekannte mit gerade mal 2-wöchigem Säugling ist jetzt am Abstillen. Ich hab ihr alle Infos zukommen lassen, aber ehrlich - ich versteh sie irgendwie. Wenn einem nicht bewusst ist, wie wichtig und schön Stillen sein kann, und wenn man keine Scheu vor Pulvermilch hat, ist Abstillen schon verdammt verlockend.
LG von Alex



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