"Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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GwAMg

Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von GwAMg »

Ich gkaube auch kaum, dass da boese Absichten dahinterstecken...es kam keine Studien ueber die Psyche von Babies und Kindern. Alle wollten nur das Beste....


Deswegen reagieren doch auch viele so empfindlich darauf, dass wir es anders machen. Wir unterstellen unseren Muettern damit ja doch, dass sie es eben falsch gemacht haben und das, wo sie doch das Beste fuer uns wollten.
MEine Mama hat mich mal dann mal nach so einer Endlosdiskussion gefragt, ob ich denn glaube sie habe uns weniger geliebt als ich meine Kinder (wobei ich sagen muss, wir wurden nie schreien gelassen und wurden sogar getragen, aber ich mache dennoch vieles anders...) :( irgendwie traurig.
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Vera
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Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von Vera »

ich unterstelle den zumeist männlichen medizinern sehr wohl eine nicht nur von fachlichen motiven getriebene einstellung zur mutter-kind-beziehung. nicht falsch verstehen, ich bin kein männerhasser. 8) es ist spät, ich versuche mich die tage an einer etwas tiefschürfenderen auslegung meiner ansichten. :D
Es ist nicht wichtig, ob es unartig ist, Liebling.
Es ist wichtig, dass es zu einem langen glücklichen Leben führt.
GwAMg

Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von GwAMg »

Ne, ich kann dich schon verstehen...

ich bin auch keine Maennerhasserin und schon gar keine Kampfemanze,
aber ich bin erschuettert wie oft in meinem naeheren Unfeld die Maenner ja gegen das Stillen etc sind und oft auch eifersuechtig sind aufs Baby :?
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linomama
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Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von linomama »

ich bin sooo sooo froh, dass wir diese zeiten hinter uns haben und wieder auf unsere intuition hören...die armen kleinen würmchen, an denen solch brachialerziehung durchgeführt wurde...das macht wirklich traurig. um so glücklicher bin ich, wenn ich meinen prächtigen jungen sehe, und weiß, dass wir ihm all unsere liebe und geborgenheit geben. so, das musste gesagt werden. einen wunderschönen, stillreichen samstag euch noch
liebe grüße von linomama mit kleinem sausemann (06/09) und der milchraupe (05/13)
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inmediasres
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Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von inmediasres »

Vera hat geschrieben:ich unterstelle den zumeist männlichen medizinern sehr wohl eine nicht nur von fachlichen motiven getriebene einstellung zur mutter-kind-beziehung.
Nicht alle Männer haben einen Brustneid. ;-)
Welch' ein erhabenes, heiliges Lebensbild ist der Anblick einer ihr Kind stillenden Mutter! Hätte wohl jemals der Gatte, selbst wenn er zu den rohen, gutgearteten Naturmenschen gehören sollte, den sittlich schönen Eindruck nicht empfunden oder aus seiner Erinnerung verloren, der sein Gemüth erhob, als er sein Weib mit dem Säuglinge an der lebendige Nahrung spendenden Brust erblickte? Muß dieses Bild einer glücklichen Mutter in Ausübung ihrer süßesten Naturpflicht nicht harmonisch und liebreich durch das ganze Familienleben strahlen, den Gatten an die Würde der Mutter mahnen, die einst erwachsenen Kinder inniger an das Herz knüpfen, welches sein Leben und seine Liebe in die erste lebenswarme Nahrung ergoß!
Hermann Klencke, Die Mutter, 1875
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kruemel09
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Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von kruemel09 »

inmediasres hat geschrieben:
Welch' ein erhabenes, heiliges Lebensbild ist der Anblick einer ihr Kind stillenden Mutter! Hätte wohl jemals der Gatte, selbst wenn er zu den rohen, gutgearteten Naturmenschen gehören sollte, den sittlich schönen Eindruck nicht empfunden oder aus seiner Erinnerung verloren, der sein Gemüth erhob, als er sein Weib mit dem Säuglinge an der lebendige Nahrung spendenden Brust erblickte? Muß dieses Bild einer glücklichen Mutter in Ausübung ihrer süßesten Naturpflicht nicht harmonisch und liebreich durch das ganze Familienleben strahlen, den Gatten an die Würde der Mutter mahnen, die einst erwachsenen Kinder inniger an das Herz knüpfen, welches sein Leben und seine Liebe in die erste lebenswarme Nahrung ergoß!
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Oh ja, wie schön. Das ist das, was ganz am Anfang jemand schrieb - dass nämlich die Ratschläge der Mütter, Tanten, etc. in die Richtung "nach Bedarf stillen" gingen, oder? Aber in dem Buch, was ich am Anfang erwähnte, steht ja wenigstens der Satz "Es ist die heilige Pflicht der Mutter zu stillen" (ohne jetzt mal denen zu nahe treten zu wollen, die nicht stillen können).
Mir tun auch immer die Kinder und Mütter leid, die das nächtliche Schreien "aushalten" mussten. Aber die waren wahrscheinlich so überzeugt davon oder hatten solche Angst davor, was falsch zu machen, dass sie's halt gemacht haben.
Denkt ihr, dass es in ??? 40 Jahren ??? oder 60 Jahren ???? wieder 'ne andere Einstellung zum Stillen geben wird?
Festhalten geht nicht, aber mitgehen

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Minou
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Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von Minou »

Als heilige Pflicht hat sie es nicht gesehen, aber meine Schwiegermutter war auch der Meinung das man nachts nicht zu essen hat. Also hat sie ihren Sohn im Wohnzimmer abgestellt, damit sie schlafen kann. Nach drei Monaten hörte er auf zu schreien...Und ich sehe Eigenheiten an ihm, die ich darauf zurückführen kann.
Gestillt hat sie nicht, ihre Milch war zu dünn :roll: . Ihr Sohn sollte schneller zunehmen, da war die Trockenmilch viel besser. Beim zweiten Kind hat sie gar nicht mehr versucht zu stillen, ihre Milch war schlecht, das wusste sie ja schon.
Total paradox, erst die Kalorienbombe rein damit er zunimmt, dann nachts hungern lassen.
Als ich hörte das sie abgepumt hat, nur um die Milch dann wegzukippen wurde mir schon komisch. Ich hätte damals sonstwas drum gegeben mein erstes Kind stillen zu können :( .
Als meine Kleine 4 Tage(!) alt war fragte sie ob sie denn durchschlafe. Das tut und muss sie bis heute nicht, komischerweise "dürfen" Enkelkinder viel mehr als die eigenen damals. Das ich immer noch Milch habe kann sie kaum fassen :wink: .
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klimaforscherin
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Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von klimaforscherin »

Oh Mann, wenn ich das so lese, habe ich als Baby ja richtig Glück gehabt! (Ich bin das dritte, 1978)
Meine Mutter hatte mir erzählt, dass in den 70ern es hiess "Exakt alle 4 Stunden stillen".
Irgendwann hat sie sich gesagt: "Die können ja noch nicht zum Kühlschrank gehen, wenn sie Hunger haben" und nach Bedarf gestillt.
So ganz hat es bei mir nicht funktioniert, meine Mutter ist nachts mit prallen, schmerzenden Brüsten aufgewacht, und ich nuckelte an meinen Fingern :o (Wollte sie halt nicht wecken... :roll: Oder hab halt noch nicht kapiert, dass aus den Fingern nix kommt :lol: ).

Ich weiss nicht, wie sie es in den 14 (!!!!!) Tagen KH-Aufenthalt gemacht hat, ob sie ihre Kinder immer zum Stillen jederzeit bekommen hat??
Mensch, 14 Tage KH und unser Gesundheitssystem würde zusammenbrechen!
Grüße
klimaforscherin
mit Wetterfrosch 2010 und Schwälbchen 2012

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inmediasres
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Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von inmediasres »

kruemel09 hat geschrieben:
inmediasres hat geschrieben:
Welch' ein erhabenes, heiliges Lebensbild ist der Anblick einer ihr Kind stillenden Mutter! Hätte wohl jemals der Gatte, selbst wenn er zu den rohen, gutgearteten Naturmenschen gehören sollte, den sittlich schönen Eindruck nicht empfunden oder aus seiner Erinnerung verloren, der sein Gemüth erhob, als er sein Weib mit dem Säuglinge an der lebendige Nahrung spendenden Brust erblickte? Muß dieses Bild einer glücklichen Mutter in Ausübung ihrer süßesten Naturpflicht nicht harmonisch und liebreich durch das ganze Familienleben strahlen, den Gatten an die Würde der Mutter mahnen, die einst erwachsenen Kinder inniger an das Herz knüpfen, welches sein Leben und seine Liebe in die erste lebenswarme Nahrung ergoß!
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Oh ja, wie schön. Das ist das, was ganz am Anfang jemand schrieb - dass nämlich die Ratschläge der Mütter, Tanten, etc. in die Richtung "nach Bedarf stillen" gingen, oder?
Ja, das hab ich geschrieben. Aber man muss das schon etwas differenzierter sehen. Unterschiede gab es von Region zu Region, zwischen den sozialen Schichten (die damals ja noch sehr ausgeprägt waren), und zwischen dem, was empfohlen, und dem, was getan wurde. Bei letzterem gab es schon allein deswegen eine Diskrepanz, weil der Zugang zu Literatur und zu Ärzten viel weniger gegeben war als heute (ich beziehe mich hier aufs 19. Jhdt)

Süddeutschland hat z.B. eine lange Tradition des Nichtstillens. Dementsprechend gab es hier eine Säuglingssterblichkeit von ca. 50%! Nehmen wir hingegen das Osnabrücker Land. Hier wurden die Kinder wahrscheinlich im Durchschnitt 18 Monate gestillt. (Die ärztlichen Empfehlungen lagen bei 9 Monaten.) Hier gab es eine Sterbequote von ca 15%!

Was das Tragen angeht, so kann man in den alten Erziehungsratgebern indirekt lesen, dass die Mütter ihre Kinder bei jedem Weinen zu trösten suchten und die Kinder die meiste Zeit des Tages auf dem Arm der einen oder anderen Betreuungsperson (also nicht nur der Mutter) verbrachten. Indirekt, weil die Ärzte der Meinung waren, es sei nicht schlimm für ein Kind, wenn es mal weinen müsse.

Zur Geschichte des Tragens und des Kinderwagens gab es einen Artikel von mir in der letzten Stillzeit (Fach- und Vereinszeitschrift der AFS). Wer mal nachlesen will... ;-)
kruemel09 hat geschrieben:Aber in dem Buch, was ich am Anfang erwähnte, steht ja wenigstens der Satz "Es ist die heilige Pflicht der Mutter zu stillen"
Tja, das ist der Ton, den später auch die N*zis angeschlagen haben. "Heilige Pflicht", "gute, deutsche Mutter" etc pp. Einerseits waren sie sehr -ich nenn es mal so- fordernd. Andererseits wurde es den Müttern durch die Vorschriften nahezu unmöglich gemacht, diese Anforderungen zu erfüllen. Folge: permanent schlechtes Gewissen, sowie Wut und Verzweiflung gegenüber dem Kind, das nicht so funktionieren wollte, wie es sollte.
kruemel09 hat geschrieben:Mir tun auch immer die Kinder und Mütter leid, die das nächtliche Schreien "aushalten" mussten. Aber die waren wahrscheinlich so überzeugt davon oder hatten solche Angst davor, was falsch zu machen, dass sie's halt gemacht haben.
Sie wurden massiv unter Druck gesetzt. Ihnen wurde deutlich gesagt, dass sie ihrem Kind schaden würden, wenn sie ihm nachts zu essen gäben.
kruemel09 hat geschrieben:Denkt ihr, dass es in ??? 40 Jahren ??? oder 60 Jahren ???? wieder 'ne andere Einstellung zum Stillen geben wird?
Ich denke, uns kommt massiv zu gute, dass es heutzutage irrsinnig einfach ist, Informationen zu verbreiten. Ich denke, es wird besser werden. Ich denke nicht, dass wir wieder zu den 1930er Jahren zurückkehren werden, weil der Umgang mit den Kindern damals von einem schrecklichen, verachtenden Menschenbild geprägt war. (Merkt man schon an der Sprache in den Ratgebern. In den frühen Werken ist das Kind "der kleine Liebling", "das zarte Wesen". In den 30ern dann "der Quälgeist", "der Tyrann".)
Meiner Meinung nach führt kein rationaler (emotional sowieso nicht) Weg daran vorbei, Kinder respektvoll zu behandeln und ihre Bedürfnisse als solche zu erkennen und ernst zu nehmen. Daher gehe ich davon aus, dass das "Stillen und Tragen" ;-) sich noch viel weiter verbreiten wird.

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Karin
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Kullerkeks
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Re: "Es ist die heilige Pflicht einer Mutter...

Beitrag von Kullerkeks »

Iffebim hat geschrieben:Eine meiner Omas hat mir Folgendes erzählt (Achtung traurig)

Ihr Kind habe von 10 Uhr bis 6 Uhr nichts zu trinken bekommen. NIE. Seit er auf der Welt war, hat er jede Nacht Stunden vor Hunger gebrüllt. So gegen 2 ging es wohl los und dann bis frühs um 6, als sie ihm endlich wieder was geben durfte. Die 4 Stunden hat sie oder ein Verwandter ihn jede Nacht durch die Wohnung getragen.
Das Ganze war so Anfang der 60er Jahre.
Das ist nich nur in den 60iger Jahren der Fall gewesen, sondern noch weit bis in die 80iger (zumindest im Osten). Meine Mutter hat mir letztens einen Kalender gegeben indem stand, wie man sich den Tagesablauf mit einem Säugling erleichter. Unter anderen darf nur 6, 10, 14, 18 und 22 Uhr gefüttert werden. Gespielt wird nur nach dem Stillen/Schlaf der nach 14 Uhr ist. Nach den anderen Zeiten brauch das Kind Ruhe und ist sowieso müde. Weiterhin wird geraten, dass das Kind in den Vormittagsstunden einen so tiefen langen Schlaf hat (wahrscheinlich weil es glücklich und zufrieden die Stillmahlzeiten nach einer verbrüllten Nacht bekam), dass man in Ruhe den Einkauf erledigen konnte.

Ich verstehe nicht, wie man als Mutter nicht das Bedürfnis hat, das eigene Kind zu beruhigen und zu stillen? Mein Kleiner weint fast nie und ist so lieb, aber er ist auch nach Bedarf gestillt und das kann zwischen 10 und 6 Uhr immer mal seeeehr oft sein!
LG Kullerkeks 08/87 mit großem Glück 12/83

Engelskind 01/10 (Krankenhaus)
Räubersohn 12/14 (Hausgeburt)
Wirbelwind 08/17 (Beleggeburt nach abgebrochener HG)
Krümelkeks 10/20 (Hausgeburt)

* 02/14 und * 08/16 fest im Herzen
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