Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

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Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Baba hat geschrieben:Ich lese hier gespannt mit.

Für meinen Teil: Ich hasse Schmerzen! Mein Schmerzempfinden ist wohl auch eher an der unteren Skala anzusiedeln, ich knicke relativ schnell ein. Habe ich Schmerzen, wünsche ich mir, dass diese SOFORT irgendwie beendet werden. Das war auch unter den Eröffnungswehen so. Andere hatte ich ja nicht. In meinem Kopf kreiste nur ein Gedanke: Warum macht keiner, dass das hier aufhört, denn es wird vermutlich noch viel schlimmer als jetzt werden.
Wenn ich Schmerzen habe, verkrampfe ich mich. Ich fühle mich krank und elend, so war´s auch während der Wehen. Ich spürte da nix von irgendwelchen starken Wellen, die mir mein Kind näher bringen oder was man sonst so liest.
Seit Mitte der SwS fange ich wieder an sehr stark über die Geburt nachzudenken. Im Moment zweifle ich wieder ein wenig daran, dass ich das schaffen werde, weil ich schmerzmäßig echt ne Nullnummer bin.
diese Wellen, diese Euphorie - viele Frauen berichten ja auch von schmerzfreien Geburten - das hatte ich auch nie....darauf habe ich auch gewartet und war nach der ersten Geburt erstmal total ernüchtert
aber bei der zweiten GEburt war es viel, viel einfacher - es tat auch weh, es tat sogar sehr weh, ich war laut, habe auch oft gesagt "ich kann das nciht mehr, ich will nicht mehr" - aber es fühlte sich besser an, ich war vorbereitet, wußte, was noch kommt und ich kann dann damit viel, viel besser umgehen, zwischen den sehr, sehr kurzen Wehenpausen war ich ganz locker, entspannt - und beim dritten Mal wurde es noch mal besser
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Talgaro
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

Ich für mich finde den Gedanken an eine Hausgeburt/Geburtshausgeburt als angenehmer, weil ich nicht denke, dass ich dort mehr Schmerzen haben werde, an denen ich dann wachsen kann. Ich denke eher, ich kann dort in einer ruhigen mich und das Baby respektierenden Umgebung eher schmerzärmer eine Geburt erleben. Aber das liegt sicher im Auge des Betrachters, für mich sind solche Sachen wie Eingangsuntersuchung, Krankenhausflure, Zugang in der Hand, ungefragtes Eintreten von Personal so dermaßen störende Dinge, die kann ich einfach nicht mit der Geburt überein bekommen. Auch will ich die ersten Lebenstage des Baby zu Hause in der Familie verbringen, in mein Bad gehen usw. Dass alles ist mir viel mehr Wert - nicht irgendein "Stolz" oder eine "Leistung".
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
inkognito
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von inkognito »

Talgaro hat geschrieben:Ich für mich finde den Gedanken an eine Hausgeburt/Geburtshausgeburt als angenehmer, weil ich nicht denke, dass ich dort mehr Schmerzen haben werde, an denen ich dann wachsen kann. Ich denke eher, ich kann dort in einer ruhigen mich und das Baby respektierenden Umgebung eher schmerzärmer eine Geburt erleben. Aber das liegt sicher im Auge des Betrachters, für mich sind solche Sachen wie Eingangsuntersuchung, Krankenhausflure, Zugang in der Hand, ungefragtes Eintreten von Personal so dermaßen störende Dinge, die kann ich einfach nicht mit der Geburt überein bekommen. Auch will ich die ersten Lebenstage des Baby zu Hause in der Familie verbringen, in mein Bad gehen usw. Dass alles ist mir viel mehr Wert - nicht irgendein "Stolz" oder eine "Leistung".
kann ich nachvollziehen.

wächst man an schmerzen? warum? wächst man auch an schlimmen erfahrungen, im stil von "was mich nicht umbringt, macht mich stark?
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Talgaro
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

inkognito hat geschrieben: dass es dieses ideal von einer spontangeburt, möglichst ohne irgendjemanden gibt, ist komisch, verwunderlich,
Die meisten der hier anwesenden mit "alternativen" Geburten, also zu Hause oder im Geburtshaus haben doch sogar mehr Hilfe gehabt! Eine so intensive Betreuung durch Hebammen bekommt man im Krankenhaus in der Regel nicht. Einen Kaiserschnitt empfinde ich auch nicht als mehr Hilfe, denn danach muss man auch größtenteils allein damit klar kommen und sein Baby versorgen (die Schwestern werden ja auch nur kurz helfen können).

Alleingeburten sind die absolute Ausnahme und nochmal: für die paar gaaanz wenigen Faruen, die solch eine Geburt planen ein Gegenbuch zu schreiben ist in meinen Augen ein kaum gerechtferigter Aufwand - auch untersuchenswert, was jemanden in der Hinsicht antreibt :wink: .
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Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

inkognito hat geschrieben:
kann ich nachvollziehen.

wächst man an schmerzen? warum? wächst man auch an schlimmen erfahrungen, im stil von "was mich nicht umbringt, macht mich stark?

Es geht doch keine Frau hin und sagt "Hah, denen zeigi chs,ich brauche keine Schmerzmittel,ich bin toll und schaff das ohne".
Es hatte viele Gründe, warum ich nichts wollte - u.a. auch den, dass ich nicht unnütz eingreifen wollte, mir andere Dinge in dem Moment mehr geholfen haben.
Das hört sich alles so negativ bei vielen an - eine Geburt ist kein Spaziergang, auch mti Schmerzen verbunden, aber doch auch eine tolle Erfahrung.
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LaLeMi
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

inkognito hat geschrieben:wächst man an schmerzen? warum? wächst man auch an schlimmen erfahrungen, im stil von "was mich nicht umbringt, macht mich stark?
Die Frage habe ich mir auch gestellt. Ich finde diese Sicht auch befremdlich - auch wenn ich sie leider von mir selbst auch kenne !- , um nicht zu sagen, daß kann auch in eine recht gefährliche Richtung gehen.
Bedingt durch lange und häufige chronische Schmerzen habe ich eine relativ hohe Schmerztoleranz. Man empfindet dann Dinge erst relativ spät als "Schmerz", was auch nicht unbedingt positiv ist :? Meinem Vater geht es bedingt durch einen Unfall vor vielen Jahren ähnlich, was ihn in diesem Jahr fast das Leben gekostet hätte - man geht dann halt auch erst relativ spät zum Arzt... Auch im Freundeskreis habe ich da noch ein, zwei Beispiele. Insofern, vor den Schmerzen einer Geburt habe ich keine Angst. Null.
Aber ich freue mich bei jedem Schmerz, wenn er vorbei ist oder schwächer wird. Auch beim "Sportler-Schmerz", den ich durchaus auch kenne.

Dieser -IMHO falsche- "Stolz", oder hohe Schmerztoleranz, führen eher dazu (bei mir!), daß man andere schnell ein bißchen als "Weichei" ansieht... frei nach dem Motto, "nur die Harten kommen in den Garten" ;-) (um einen etwas politikfreieren Spruch zu bringen - der mir allerdings auch zuerst in den Sinn kam...)
Manche halten Schmerz aus, andere zerbrechen daran. WAs ist daran toll?

Man stellt sich über andere - bewußt oder unbewußt. Ob das der Sportler-Spruch zur Couchpotatoe ist ("Du hast ja keine Aaaahnung!"), ein Spruch im normalen Leben ("Stell Dich nicht so an"), oder ob es um die Geburt geht - der Stolz, es geschafft zu haben, impliziert ja auch für viele, wie man hier ja auch immer wieder liest, ein Gefühl des versagt zu habens... den Schmerz nicht ausgehalten zu haben, sich verkrampft zu haben, dann geht die Geburt nicht voran und es kommt zu einem KS (und der Zusammenhang ist denke icn nicht allzu selten...)

@Sandküste: ehrlich nicht?? Das liest man hier aber doch auch immer wieder...

Ich stimme Talgaro auch zu, bei den Alternativgeburten hat man doch z.T. eher mehr Hilfe. Ich bin jetzt ja auch zur Vorsorge im Geburtshaus, bei der Hebi, die auch meine KS-Geburt etc begleitet hat, und man wird dort ja schon in der Vorsorge gepampert im Vergleich zum FA ;-)
Die Schwestern und Ärzte waren die Tage nach dem KS für mich da, keine Frage. Das war auch gut. Danach, zuhause, dann allerdings ja nicht mehr.
Worauf ist man stolz? Ein paar Stunden oder ein, zwei Tage Schmerzen überstanden zu haben? Die hatte ich direkt nach dem KS auch - und anschließend noch ne Nahtentzündung und an der inneren Narbe ein Jahr lang Schmerzen. Bin ich darauf stolz ? Eher nicht.
(Ich würde trotzdem gerne jetzt beim zweiten Mal eine "natürliche Geburt" erleben, weil ich ja ein neugieriges Menschlein bin und gern vergleichen können würde. Aber um jeden Preis ? Nö. Wenn es nicht sein soll, ist das so.)
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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inkognito
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von inkognito »

Talgaro hat geschrieben:
inkognito hat geschrieben: dass es dieses ideal von einer spontangeburt, möglichst ohne irgendjemanden gibt, ist komisch, verwunderlich,
Die meisten der hier anwesenden mit "alternativen" Geburten, also zu Hause oder im Geburtshaus haben doch sogar mehr Hilfe gehabt! Eine so intensive Betreuung durch Hebammen bekommt man im Krankenhaus in der Regel nicht. Einen Kaiserschnitt empfinde ich auch nicht als mehr Hilfe, denn danach muss man auch größtenteils allein damit klar kommen und sein Baby versorgen (die Schwestern werden ja auch nur kurz helfen können).

Alleingeburten sind die absolute Ausnahme und nochmal: für die paar gaaanz wenigen Faruen, die solch eine Geburt planen ein Gegenbuch zu schreiben ist in meinen Augen ein kaum gerechtferigter Aufwand - auch untersuchenswert, was jemanden in der Hinsicht antreibt :wink: .
ich hatte mich auch mal für eine hebammenbeleitete geburt entschieden, weil ich wollte, dass immer jemand da ist, den ich ansprechen, schreien, weinen kann.

muss ja keiner einen kaiserschnitt machen lassen. aber es sollte auch niemand jemanden mit unverständnis und missgunst begegnen, weil sie vielleicht einen kaiserschnitt möchte, damit sie unten eng bleibt. diesen fall diskutiere ich gerade mit meiner (kinderlosen) freundin. die es auch scheiße findet, dass frauen nicht stillen wollen und sofort wieder im beruf sind. dann sollten sie doch keine kinder kriegen.
ähnliche ansichten lese ich auch hier im forum.

jede soll ihr kind nach ihren vorstellungen bekommen, ja. hab ich auch so gemacht. doch läuft es anders, notkaiserschnitt, ruf nach pda etc. dann würde es sicher allen beteiligten und unbeteiligten helfen, wenn es nichts bemitleidenswertes wäre, sondern den gleichen status hätte. und wenn eine frau sich nicht für ihre entscheidung zum geplanten kaiserschnitt rechtfertigen müsste wäre alles noch mehr friede freude eierkuchen.
inkognito
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von inkognito »

LaLeMi hat geschrieben: Man stellt sich über andere - bewußt oder unbewußt. Ob das der Sportler-Spruch zur Couchpotatoe ist ("Du hast ja keine Aaaahnung!"), ein Spruch im normalen Leben ("Stell Dich nicht so an"), oder ob es um die Geburt geht - der Stolz, es geschafft zu haben, impliziert ja auch für viele, wie man hier ja auch immer wieder liest, ein Gefühl des versagt zu habens... den Schmerz nicht ausgehalten zu haben, sich verkrampft zu haben, dann geht die Geburt nicht voran und es kommt zu einem KS (und der Zusammenhang ist denke icn nicht allzu selten...)
ich ertappe mich auch oft bei dem gedanken, hat sich verkrampft, hätte sie es nicht getan, wärs auch so gegeangen.
aber meine vernunft sagt mir: ich denke scheiß.

und suche gründe. in meiner welt ist das ideal der spontangeburt schon sehr verbreitet. ks im kh wird als rettende notmaßnahme gefeiert, aber geplant verurteilt. nur warum.

es gibt so viele weitere beispiele: krebs kriegen menschen, die nicht in ihrer mitte sind, und konflkte nicht heraustragen, die die welt schlecht sehen und es sich selbst herbeireden.
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

Ja genau.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Iris »

Inkognito, ich stimme ich Dir überwiegend zu. Diese Ideologisiererei unter Müttern ist echt blöd. Die führt dann auch dazu, dass z. B. gut gemachte Stillförderung als Extremismus diffamiert wird oder Frauen, die eine außerklinische Geburt anstreben, beim Mainstream sofort als bekloppt abgestempelt werden. Das geht also kräftig nach hinten los.
Wenn eine Frau Angst vor den Schmerzen hat, dann ist es für sie sicher gut zu wissen, dass Linderung möglich ist. Aber daraus dann wieder ein Evangelium zu machen, halte ich für falsch, denn das weckt falsche Erwartungen. Eine völlig schmerzfreie Geburt gibt es einfach nicht. Es gibt aber mehr Methoden der Schmerzbewältigung als Chemie.
Zu der KS-Frage: Ich hatte ja leider zwei KS. Mir ist schleierhaft, was daran besser sein soll als an einer Spontangeburt. Die Entbindung selbst tut natürlich wirklich nicht weh. Aber dafür kann man am ersten Tag fast nichts machen - selbst das Schmusen mit dem Baby fällt vielfach schwer. DAS ist m. E. die Hauptursache für die Erfahrung vieler Frauen, die per KS entbunden haben, dass das Stillen oder der Bindungsaufbau anfänglich gestört waren.
Das Gefühl versagt zu haben, kommt gelegentlich auch bei mir auf, aber es steht nicht im Vordergrund und ich weiß ja letztlich auch, dass ich nicht versagt habe.
An Julias Sportvergleich stört mich auch, dass man ihn in der Hinsicht missverstehen kann, als wäre eine Geburt eine LEISTUNG, die man, wenn man sich nur genügend anstrengt, auch erbringen kann. Aber ich weiß auch, dass sie es nicht so gemeint hat. :wink:
Iris mit Großer -10/05- und Kleiner -02/08- , erzogen und geimpft
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