interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

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Nudelsuppe
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interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von Nudelsuppe »

Hallo,
ich hab einen echt interessanten Artikel entdeckt: im Tagesspiegel
Ich find ihn irgendwie auch erschreckend aber sehr aufschlussreich.
Liebe Grüße,
Nudelsuppe
mit mehreren Kindern
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Celiana
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von Celiana »

Danke dir!

2 Jahre aufs Land gegeben - Da kann man sich ja vorstellen - wie die Eltern Kind Bindung aussah. :? (wenns denn zu den richtigen zurückkam... :shock: )
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Sohn 11-1996, Sohn 03-2006 und Tochter 08-2009
Funkelstern
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von Funkelstern »

Na super, da kämpfen wir heute ja gegen Jahrhunderte alte festgefahrene Meinungen. Ich dachte das wäre erst seit Erfindung der Säuglingsmilch so, das Stillen nicht gut und ekelig wäre. Aber das gabs ja schon vorher. Eigentlich ein Wunder das die Menschheit so alt geworden ist, wo sie sich so viel Mühe gibt das natürliche als ekelig abzutun.
Meine Tatstatur klemmt und beim schnell Tippen fehlen dann teilweise Buchstaben, Großschreibung ist leider oft Glückssache

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Iris
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von Iris »

Na ja, was sind schon ein paar Jahrhunderte gegen 7 Millionen Jahre Menschheitsgeschichte? :wink:
Iris mit Großer -10/05- und Kleiner -02/08- , erzogen und geimpft
inmediasres
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von inmediasres »

Hallo,

naja, der Artikel ist sehr lokal geprägt. Paris war schon eine Besonderheit. Es gab von Region zu Region und in den verschiedenen Ständen große Unterschiede in der Ammenbeschäftigung. So wurde z.B. im 19. Jhd in Süddeutschland so gut wie gar nicht gestillt, in Norddeutschland dagegen häufig. Und ihr wollt ja gar nicht wissen, was die nichtgestillten Kinder zu essen bekamen, deren Eltern sich keine Amme leisten konnten (oder die Kinder der Ammen!)

Unten ein Ausschnitt aus "Mutter und Kind - Ein Lexikon der Kinderstube" von J. von Wedell, um 1900.

Viele Grüße
Karin
Amme. Kannst du die schönste und heiligste Mutter-
pflicht, das Stillen, an deinem Kinde aus irgend einem
schwerwiegenden Grunde nicht erfüllen, so wirst du bestrebt
sein, für einen möglichst ähnlichen Ersatz zu sorgen. Trotz
der heute weit verbreiteten Ansicht, daß die künstliche Er-
nährung vorzuziehen ist, wirst du dennoch in manchen
Fällen unbedingt eine Amme nehmen müssen. Zunächst,
sobald dein Kind zart oder schwächlich ist. Da würde
das Experimentieren mit künstlichen Nahrungmitteln ge-
radezu ein Unrecht sein. Die Muttermilch thut da oft
förmlich Wunder, wo man bereits das Schlimmste be-
fürchtete. Zweitens bist du genötigt, eine Amme zu
nehmen, sobald du auf Reisen oder zu reisen gezwungen
bist. Brustkinder empfinden den Wechsel von Land und
Luft kaum, während ein Wechsel der Kuhmilch gefährlich
werden kann.

Nehmen wir also an, liebe junge Mutter, daß du
eine Amme nehmen mußt. An wen willst du dich nun
wenden, um eine körperlich und geistig gesunde Persön-
lichkeit zu erlangen? Zunächst wird der Arzt und die
Hebamme um Auskunft anzugehen sein; eine Annonce in
einer auf dem Lande gelesenen Zeitung hat ebenfalls oft
Erfolg. Lebst du in der Nähe einer Univeritätsstadt, so
wende dich an den Leiter der Enbindungsanstalt. Der-
selbe hat Gelegenheit, die Wöchnerinnen kennen zu lernen,
hat ihren Gesundheitszustand beobachtet, weiß, wie die
Beschaffenheit des Kindes und (hieraus läßt sich auf die
Gesundheit der Mutter schließen) ob die Milchabsonderung
genügend ist. Diese ärztliche Beobachtung bietet dir die
weitgehendste Garantie. Ferner ist es möglich, eine Amme
auszusuchen, deren Kind ungefähr do alt ist wie das deine.
Auch weiß man genau, wie lange sie vom Kinde entfernt
ist, wenn sie bei dir eintrifft. Beides ist aus folgenden
Gründen wertvoll. Die weise Mutter Natur steigert mit
dem zunehmenden Alter des Kindes auch die Zusammen-
setzung der Muttermilch. Dieselbe ist in der ersten Zeit
für das Neugeborene gerade verdaulich und nimmt all-
mählich an Konsistenz zu. Nun liegt es auf der Hand,
daß ein Kind von drei Tagen geeignetere Nahrung finden
wird, wenn der Amme Kind etwa vierzehn Tage alt ist,
als wenn es an die Brust gelegt wird, die bereits monate-
lang stillte. Ist die Amme längere Zeit vom Kinde weg,
so muß sie sich regelmäßig die Milch mittelst einer Milch-
pumpe abziehen. Ist man im Zweifel, seit wie lange
die Amme dies zuletzt getan hat, so warte man lieber
mit dem Anlegen des eigenen Kindes und lasse die Milch
zunächst erst abziehen und lege dann nach zwei Stunden
das Kind an. Die Amme soll zwischen 20 und 30 Jahren
sein. Aeltere Ammen haben fettärmere Milch. Frauen,
die zum zweitenmal bereits den Ammenberuf üben, sind solchen
vorzuziehen, die das erstemal stillen. Sie sind erfahren,
ruhig, regen sich nicht so leicht auf und sind für die junge
Mutter eine wirkliche Stütze. Auch liefert der Zustand
des ersten von ihr gestillten Kindes der Mutter gewisser-
maßen eine Probe für ihre Leistungen.

Die Annahme der Amme geschehe erst nach ärztlicher
Untersuchung. Physische Haupterfordernisse sind nach Dr.
Fürst gesundes Aussehen, wohlgebildete Brüste von einer
gewissen Straffheit, bei Druck leichte Milchentleerung im
Strahle, moralische: Sanftmut, Reinlichkeit, Ordnungsliebe.

Der Arzt hat sich ferner nach dem Kinde event. nach
dessen Todesursache zu erkundigen. Empfohlen wird, das
Kind an der Amme trinken zu lassen, um zu sehen, ob
die Milch sich rasch wieder ersetzt.

Bei meinem älteren Knaben hatte ich eine niedliche
kleine Bauerndirne, hübsch und frisch wie eine Apfelblüte.
Wir hatten sie durch den Lehrer einen kleinen Schwarz-
walddörfleins bekommen. Wir fanden sie sehr freundlich
und bescheiden, aber obgleich sie sich die redliche Mühe
gab, diät lebte, und alle Vorsichtsmaßregeln genau und
mit Eifer innehielt, das Resultat war ein negatives.
Jedesmal, wenn am Sonnabend abend mein lieber Mann,
der sich diese stolze Vaterpflicht nicht nehmen ließ, den
Kronprinzen auf Kilo und Gramm wog, war die Zu-
nahme an Gewicht, auf die wir Eltern mit Grete ge-
spannt gewartet hatten, nicht die normale. Vater machte
ein enttäuschtes Gesicht, die Mutter weinte im stillen, und
Grete schluchzte öffentlich zum Erbarmen. Diese Auf-
regung, etwas leisten zu wollen, verbunden mit ihrer
Jugend, dem Wechsel der Umgebung, Kost und Pflichten
- denn man verlangte jetzt von ihr peinliche Accuratesse
beim Herrichten des Kinderzeugs und dergl., während sie
bisher die Weinberge gerodet hatte - wirkte immer un-
günstiger. Das Ende war, daß Baby zurückging, mit
einem Vierteljahr 9 Pfund wog und wir Eltern nicht
ein noch aus wußten. Der Arzt empfahl einen Wechsel
der Anne, und obgleich Grete herzerweichend flehte und
bettelte, suchten wir nach Ersatz. Wir fanden ein Mädchen,
das bereits einmal und merkwürdigerweise auch unter den
Augen unseres Hausarztes genährt hatte. "Die nehmen
Sie gleich, die ist ausgezeichnet, deren Leistungen kenne
ich." Wir sollten es nicht bereuen. Mit Lene zog die
Gesundheit für Baby ein. Baby nahm regelmäßig zu.
Lene handhabte den ganzen Dienst in der Kinderstube wie
ein Kinderspiel. Sie war weder aufgeregt noch ließ sie
sich aufregen, wußte was sie essen durfte, was nicht, und
war mir in guten und bösen Tagen eine vortreffliche Stütze.

Diese kleine persönliche Erinnerung hat dir vielleicht
Mut gemacht, liebe junge Frau, es mit einer Amme, die
den Ammenberuf bereits kennt, zu versuchen. Am Anfang
warst du entsetzt; ich las dir dein Widerstreben an der
Stirne ab. Gewiß, es ist nicht leicht für eine junge
Frau, der die Eltern und der Gatte bisher jegliche mo-
ralische und sittliche Unreinlichkeit aus dem Lebenswege
entfernt haben, nun auf einmal eine Gefallene in ihr
eigenes Haus, in die enge Gemeinschaft der Familie auf-
zunehmen, ihr Kind an die Brust eines Mädchens zu
legen, an dem die sonst verachtungsvoll vorbeigehen würde.
Aber du lernst milder denken, meine junge Freundin; du
lernst in der Amme eine beklagenswerte, weil unbehütete,
schlechterzogene Schwester sehen, die deine Hand und deine
Hilfe wieder dem Guten zurückgewinnen kann. Von dem
Augenblick an, wo dir die vielleicht nicht unverschuldete,
aber doch erklärliche menschliche Sünde nahe tritt, wirst
du mitleidig deine Hilfe und Theilnahme dein Leben lang
allen denen zuwenden, die in solcher Lage sind. Sieh,
das ist ein Gutes, was die Aufnahme der Amme in dein
Haus für dich und deinen Charakter bedeutet. Bemühe
dich, einen versittlichenden Einfluß auszuüben. Sei mensch-
lich und denke an das Kind der Amme, das, der Quelle
seines Lebens, an der dein Kind sich kräftigt, beraubt,
vielleicht elend zu Grunde geht. Lehre die Amme Mutter-
pflichten üben am eigenen Kind, hilf ihr dasselbe unter-
halten. Dein eigenes Kind wird den Dank davon haben;
denn fühlt sich die Amme frei von Sorgen, so erfüllt sie
freudiger ihren Beruf. Die Wechselwirkung zwischen
Stillender und Säugling ist ja bekannt.

Aber du wirst noch anderes in dieser Zeit lernen,
nämlich Selbstbeherrschung. Zunächst mußt du die Eifer-
sucht bezwingen, die dich beherrscht, wenn du siehst, daß
eine andere deinem Kleinod zum Wohlbefinden unentbehr-
licher ist wie du. Denke fortgesetzt, daß alle Unnannehm-
lichkeiten, die du trägst, ein Opfer sind, das du deinem Kinde
schuldig bist. Die Gesundheit des Kindes geht allem vor,
deshalb mäßige deinen Aerger über unangenehme Charakter-
eigenschaften der Amme, über die Art, wie sie mit dem
Kinde verkehrt, die der deinen nicht entspricht. rege sie
nicht auf, versuche den Frieden aufrecht zu halten, denn
dein Kind büßt für dich. Sei aber selbst doppelt de-
wissenhaft in der Ueberwachung der Amme und ihrer
Pflichten. Sei bestimmt und ruhig in deinen Anord-
nungen, gleichmäßig gütig, aber nicht zu rücksichtsvoll
und verlange unbedingten Gehorsam. Die Amme muß
wissen, dass d u, nicht s i e die höchste Autorität in der
Kinderstube ist. Ist es dir nicht möglich, dies in Frieden
zu erreichen, so rufe dir den Arzt als Helfer. Dessen
Machtgebot pflegt sich auch eine störrische Amme meist zu
fügen.

Du hast dafür zu sorgen, daß die Amme ein warmes
Bett in einem gut gelüfteten Raum hat und eine ausgiebige
Waschgelegenheit. Willst du sie nicht bei dir schlafen
lassen, so stelle ihr Bett im Nebenzimmer auf, wo du
sie kontrollieren kannst, ob sie das Kind ins eigene Bett
nimmt, nachlässig im Trockenlegen ist oder gar Schlaf-
mittel eingiebt. Sie muß regelmäßig ihre Nahrung be-
kommen. Regelmäßigkeit sei überhaupt das Losungswort
für deine Kinderstube. Sorge auch für regelmäßige Be-
wegung, sei es durch Verrichtung von häuslichen Arbeiten,
wie Reinigen der Kinderstube, Waschen der Wäsche, oder
durch Spazierengehen, Gartenarbeit ec. Die Amme ist
meist von früherher Anstrengung gewöhnt. Ihre Lebens-
weise darf nicht allzu verändert sein, sonst leidet die Ge-
sundheit und dadurch die Milchbeschaffenheit darunter. Zur
regelmäßigen Milchabsonderung gehört tüchtige Bewegung.
Daher wird auch jeder stillenden Mutter Beweung em-
pfohlen.

Auf das genaueste hast du die Besuche der Amme zu
beaufsichtigen. Im Interesse deines Kindes sind dieselben
in der ersten Zeit überhaupt zu verbieten, später sehr
einzuschränken. Besuche des Mannes der Amme sind nur
unter deiner Aufsicht zu gestatten. Ueberwache ferner das,
was die Amme genießt. Nicht selten trinken schlechte
Ammen Schnaps, um dadurch für sich und den Säugling
ruhige Nächte zu erzielen. Von welch verderblichem Ein-
fluß Alkoholgenuß für Kinder - und nun gar erst in
diesem zarten Alter! - ist, weißt du. Aber selbst, wenn
es anscheinend gut verläuft, so lassen sich Hautausschläge,
Krämpfe u. A., die im vierten und sechsten Jahre auf-
treten, auf diese Versündigung im Säuglingsalter zurück-
führen.

Die Diät sei vom Arzte vorgeschrieben, Du ver-
meidest so jede Verantwortlichkeit für Gerichte, welche die
Amme nicht mag, und wogegen sie aufbegehren könnte.
Im allgemeinen dürfte sich folgender Speisezettel eignen:
Früh 3/4 l Milch, Semmel mit Butter, um 10 Uhr
2 Eier, Butterbrot, leichtes Bier, um 1 Uhr Mittagessen,
bestehend aus Milch- oder Mehlsuppe oder Hafer- oder Gersten-
schleim, Fleisch, Kartoffeln, nicht blähendem Gemüse, oder
gekochtem Obst, um 4 Uhr 3/4 l Milch, Butterbrot, abends
Eier und Bier. Kaffee und Thee sind zu vermeiden.
Ungewohnt kräftige Kost verbessert durchaus nicht die Milch-
beschaffenheit, wie so manche schwache Mütter glauben.
Jede Ueberfüllung des Magens der Amme büßt der Säug-
ling. Auch ein Uebermaß an Getränken - ein alter
Ammenglaube besagt, daß dadurch mehr Milch abgesondert
wird - ist nicht erlaubt. Die Milch wird in diesem
Fall dünner, weniger wertvoll.

Du mußt die Amme gewöhnen, dir hinsichtlich ihres
eigenen Gesundheitszustandes alles mitzuteilen. Ein ver-
heimlichtes Leiden der Amme ist oft Ursache von uner-
klärlichen Veränderungen des Kindes. Auf der andern
Seite ist unnötiges Doktern mit Hausmitteln streng zu
vermeiden. Lieber sofort den Arzt fragen, als erst die
Sache verpfuschen lassen.

Der Arzt muß dir auch zur Seite stehen in der
Beobachtung der Amme, ob sie genügend Nahrung hat
oder nicht. In der Angst, um die einträgliche Stelle zu
kommen, versucht die Amme den Mangel so lange wie
möglich zu verdecken. Sie beruhigt das Kind auf andere,
vielleicht verwerfliche Weise, oder das Kind, wemattet vom
vergeblichen Saugen, schläft von selbst erschöpft ein. Die
Mutter glaubt es gesättigt und ahnt nicht, daß bitterer
Hunger es erschlafft. Die genaueste Kontrolle ist das
regelmäßige Wägen des Kindes. Bleibt die Gewichts-
zunahme gering, so hat der Arzt die Amme zu unter-
suchen. Er wird entweder Ammenwechsel oder eine Ersatz-
mahlzeit von Kuhmilch verordnen. Ist das Kind aus
dem ersten Halbjahr heraus, so mag man es wohl auch
allmählich entwöhnen. Ueber alle diejenigen Kräftigungs-
und Ernährungsmittel, welche die Muttermilch ersetzen
sollen, sprechen wir an anderer Stelle.
Nudelsuppe
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von Nudelsuppe »

Hallo Karin
Vielen Dank für das Zitat. Ich find es wirklich erschreckend, in welchem Maße den Frauen eingetrichtert wurde was richtig sei und den Frauen so den Glaube an das eigene Bauchgefühl abzugewöhnen.
Wenn ich das lese, find ich es beachtlich, wie sehr sich die Lage wieder gewandelt hat und wie stolz wir auf uns sein können, dass wir (auch durch kompetente Information von anderen Müttern, Stillberaterinnen und Hebammen) wieder an unser Bauchgefühl glauben und danach handeln. Dass wir es schaffen von "altem Denken" Abstand zu nehmen und unsere Kinder nach Gefühl zu versorgen.
Liebe Grüße,
Nudelsuppe
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Zierbanane
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von Zierbanane »

ich bin schon entsetzt über das zitat. klar wußte ich das alles schon, aber das SO noch einmal zu lesen ist schon schlimm und so widersinnig!

mich treibt die frage um: was war denn mit den eigenen kindern der amme? da muß es ja viele gegeben haben, deren kinder aus den unterschiedlichsten grünen nicht mehr "da" waren. :?: :!: (und die werden doch nicht alle eines natürlichen todes gestorben sein)
inmediasres
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von inmediasres »

Zierbanane hat geschrieben:mich treibt die frage um: was war denn mit den eigenen kindern der amme? da muß es ja viele gegeben haben, deren kinder aus den unterschiedlichsten grünen nicht mehr "da" waren. :?: :!: (und die werden doch nicht alle eines natürlichen todes gestorben sein)
Hallo!

Die Kinder waren häufig (noch) nicht tot, gingen dann aber oft an der Ersatznahrung zugrunde. :cry:

Bitte nur weiterlesen bei starken Nerven!

Aus "Der Säugling - seine Ernährung und seine Pflege", Walther Kaupe, 1907:
Sie bedenken aber vor allem nicht, daß sie in den meisten Fällen das Ammenkind selbst ruinieren, indem sie ihm die Quelle seiner Gesundheit rauben, die Brust der Mutter, welch letztere aus Not gezwungen ist, sich und vielleicht auch die Gesundheit und das Leben ihres eigenen Kindes zu verkaufen. Und vielleicht liebt sie ihr Kind, wenn es auch in Schande geboren sein mag, mehr als die Mutter, deren Kind sie nähren soll und sich selbst dem Kinde gegenüber so lieblos zeigt, daß sie ihm, obwohl die Fähigkeit dazu besteht, das Stillen an ihrer eigenen Brust versagt.

Sehen wir uns doch einmal um in der großen Zahl der Ammenkinder, die unter dem harten Zwange der Verhältnisse von ihrer Mutter in fremde Pflege gegeben werden müssen! Was ist ihr Los in einem so großen Teil der Fälle? Siechtum, Krankheit und Elend, bis vielleicht der Tod sich ihrer erbarmt. Und warum das? Weil ihnen die Mutterbrust und die Mutterliebe fehlt, die diesen Armen geraubt werden durch den Leichtsinn, die Herzlosigkeit der Frauen wiederum, die glauben für Geld alles haben zu können und sich damit auch darüber hinwegtäuschen, was sie ihrem eigenen Kinde durch Gewährung der Mutterbrust vorenthalten.
Aus "Die ersten Mutterpflichten und die erste Kindespflege", Friedrich von Ammon, 1854
Kann oder darf eine Mutter nicht selbst ihr Kind stillen, so ist die Ernährung desselben durch eine Amme wol das beste Ersatzmittel. Viel zu leichtsinnig denkt man aber jetzt über diesen wichtigen Punkt, und leider ist die Ernährung der neugebornen Kinder durch Ammen wieder zu allgemein geworden. Mütter, die fähig sind, ihre Kinder an ihrer Brust zu nähren, ziehen es vor, eine Amme zu halten, und bedenken nicht, daß dem Kinde der Amme die Nahrung, welche ihr Kind jetzt nimmt, bestimmt war, daß jenes von seiner Mutter, die es jetzt nicht entbehren kann, aber entbehren muß, verlassen, nicht selten dem nahen Tode entgegengeht.
Folgende Statistik zur Säuglingssterblichkeit (Kinder unter 1 Jahr) stammt aus "Das Buch von der gesunden und kranken Frau", Dr. med. Ernst Kormann, 1883.
in der Stadt Genf 12,50 %
im Herzogth. Meiningen 16,15 %
in der Stadt London 17,00 %
in der Stadt Paris 17,50 %
in ganz Preußen 18,00 %
in ganz Sachsen 18,10 %
im Großherzogth. Sachsen-Weimar-Eisenach 18,51 %
im Herzogth. Coburg-Gotha 21,39 %
in der Stadt Leipzig 23.02 %
in der Stadt Berlin 24.00 %
in der Stadt Frankfurt a.M. 24,00 %
im Bezirk Oberfranken (Bayern) 25,00 %
in der Stadt Würzburg 25,4-26,30 %
im Großherzogthume Baden 26,13 % (hier bei den jüdischen Familien nur 15 %)
in ganz Bayern 31,54-33,48 %
in ganz Württemberg 31,20-40,80 %
in den nördlichen Gegenden Württembergs 32,00 %
in den Donaugegenden Württembergs 49,90 %
in Niederbayern, in der Oberpfalz (Bayern) 50,00 %

weiterhin steht hier, dass in München 15 % aller Kinder gestillt wurden (von Mutter oder Amme), die übrigen wurden künstlich ernährt. In Genf hingegen stillen "viele" Mütter ihr Kinder selbst (keine Angabe von Zahlen).

Viele Grüße
Karin
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Zierbanane
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von Zierbanane »

danke karin. sehr interessant.
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Re: interessanter Artikel zur Berufsgechichte von Ammen

Beitrag von inmediasres »

Noch ein Nachtrag über die Pariser Verhältnisse aus der Sicht eines deutschstämmigen Vaters.

"Aus dem Tagebuch eines Säuglings", Abgeschrieben von seinem Vater Karl-Eugen Schmidt, 3. Auflage, 1905
Vorwort des Vaters

Dieses Büchlein verdankt sein Entstehen einem an sich sehr unerfreulichen Umstand, der von mir schon oft getadelt und verwünscht worden ist: nämlich der Beschränktheit der Wohnungen in Paris. Davon hat man in deutschen Landen überhaupt keine Ahnung, wieviele Wohnungen und Kamern ein Pariser Baumeister in sein Mauergeviert einzusperren versteht. Wo sein deutscher Kollege zwei Stockwerke anbringt, langt es dem Pariser reichlich für drei, und wo der Deutsche ein Zimmer baut, richtet der Franzose drei ein.

Eines Tages habe ich einen Bericht über das Gefängnis zu Fresnes gelesen, worin die Dimensionen der Zellen angegeben waren. Da habe ich nachgemessen und gefunden, daß meine Zimmer genau ebensoviel Kubikinhalt haben wie eine solche Gefängniszelle.

In diesem beschränkten Raume kann keiner dem andern aus dem Weg gehen, und da die Wände zwischen den einzelnen Zimmern nicht ganz so dick sind wie ein Band des Konversationslexikons, so hört man, was in der ganzen Wohnung vorgeht, mit aller wünschenswerten Deutlichkeit. Ja, man kann sogar erfahren, was die Nachbarn über und unter uns treiben, wenn man irgendwie neugierig ist und sich aufs Horchen verlegt.

Unter diesen Umständen darf man es den Parisern nicht allzusehr verdenken, wenn sie ihre Säuglinge alsbald nach der Geburt wegschicken. Nur die allerwenigsten Pariser Mütter, nämlich die ärmsten und die reichsten, behalten ihre Kleinen im Hause. Der Mittelstand aber schickt den Säugling „en nourrice“, und es gibt ganze Dörfer in der nahen und fernen Umgebung von Paris, die nur davon leben, daß sie Pariser Säuglinge aufpäppeln.

Zola hat gegen diesen Brauch in seinem Roman „Fecondite“, Brieux in seinem Drama „Les Remplacantes“ geeifert, aber die beiden haben gut reden. Zola hatte überhaupt keine Kinder, und wenn er welche gehabt hätte, so wäre in seinem schönen Hause der Rue Bruxelles Platz genug gewesen, eine Kinderstube einzurichten, sodaß der Schriftsteller von dem Vorhandensein der Kleinen nur dann etwas gemerkt hätte, wenn er sie in ihrem Reiche besucht hätte.

Anders aber wenn man eine der niederträchtig engen Mietswohnungen hat, die in speziell pariserisches Erzeugnis sind. Da geht einem doch manchmal die Geduld aus, wenn man am Schreibtisch sitzt und einem durch das Hirn huschenden Gedanken nachjagt, während gleichzeitig der Säugling auf dem Boden herumkrabbelt und ins offene Kaminfeuer zu fallen droht.

Seit der Bursche auf der Welt ist, habe ich keinen ruhigen Tag und keine ruhige Nacht gehabt, ausgenommen im Sommer, wo er mit seiner Mutter Waldluft atmete. Sonst aber bin ich nachts aufgestanden, habe den Waschungen, dem Kleiderwechsel und der Abfütterung mit täglich wachsendem Sachverständnis beigewohnt, habe mitunter selber da Kindermädchen gemacht, habe, während ich am Schreibtisch arbeitete, zugleich auf den Knirps achtgegeben und bin in alle Leiden und Freuden seines Säuglingsdaseins ebenso tief eingedrungen wie seine Mutter selbst.

Und nachdem ich so gründlich erfahren, was es heißt, in einer Pariser Mietswohnung ein kleines Kind aufzuziehen, werde ich keinen tadeln, der das hiesige System des „mettre en nourrice“ vorzieht.

Der eine hat eben mehr Spaß an Kindern als der andre, und bei mir überwiegt der Spaß den Aerger.

Und deshalb bin ich beinahe froh, diese enge Klause zu bewohnen. Denn sonst hätte ich alle die kleinen Freuden nicht erlebt, die mir Bubi gemacht hat, und der Kleine hätte sein Tagebuch nicht schreiben können. Allerdings hätte ich dann nachts schlafen und am Tage ungestört arbeiten können, was auch nicht zu verachten ist.

Aber man kann eben nicht alles haben, und so habe ich aus der Not eine Tugend gemacht, die Seele des Säuglings studiert und das, was ich darin zu lesen glaubte, in den folgenden Blättern aufgezeichnet.
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