Stillen fördert Essstörung?

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Muschelsucherin
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Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von Muschelsucherin »

kja1985 hat geschrieben:Hallo,

ein Kind zum Trösten grundsätzlich zu Stillen kann denke ich schon zu einer Essstörung führen. Genauso wie ein Kind streng nach Uhrzeit zu füttern. Wenn jemand Hunger hat soll er Nahrung bekommen *find*
Wenn ein Kind Trost durch saugen findet, ist es das Natürlichste sein Saugbedürfnis an der Brust der Mutter zu stillen. Manche Kinder schnullern dann ja auch. Soll das in deinen Augen etwa auch zu einer Essstörung führen?
Stillen/saugen bedeutet für Kinder eben nicht nur Nahrung.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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ClauWi-Trageberaterin GK
kja1985

Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von kja1985 »

Ich finds seltsam wenn ein Kind lediglich durch Nuckeln beruhigt werden kann.
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Jula82
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Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von Jula82 »

Ich glaube auch, dass Nuckelberuhigung für Babys normal ist. Wenn Nika sich weh tut (was im Moment leider fast täglich ist, z.B. auf den Kopf fallen) und ich sie dann in den Arm nehme, steckt sie sofort den Daumen in den Mund um sich zu beruhigen. Oft kriegt sie dann auch die Brust, aber sie würde halt auch ohne mein Zutun nuckeln.
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Julia

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Gluehsternchen
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Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von Gluehsternchen »

Ich finde alles irgendwie richtig und falsch.

Ich denke wenn ein Saugbedürfnis nicht erfüllt wird, wird es später Ersatzdrogen geben. Eventuell Rauchen...
Muß aber nicht sein... Das ist sicher auch Typbedingt.

Ansonsten finde ich es schon normal einen SÄUGLING an der Brust zu trösten, obwohl ich das bei Helene z.b. sehr wenig mache und sie sich auch oft sehr schnell anders beruhigt.

ich denke Essstörungen entstehen vor allem da, wo es Druck beim Essen gibt: Also Aufessen müssen, Essen wird als Strafe entzogen, Essen wird rationalisiert etc...
Yvi mit Teeny *06/05 und Sandwich *10/08 und kleinem Bär *02/15
Viveca

Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von Viveca »

Ich denke dazu folgendes:
Sicherheit und Trost an der Mutterbrust zu suchen ist ein natürliches Verhalten. Die Mama gibt mit der Brust Nahrung UND Trost durch ihre Nähe.
Dem Kind Nahrung (womöglich Süßigkeiten) zum Trost zu geben, das ist dann ein Ersatz. Das Kind bekommt dann die Nahrung OHNE die Nähe (zum Beispiel weil die Eltern gerade keine Zeit oder keinen nerv haben?). DAS sehe ich problematisch.
Wenn ein Kind nicht mehr gestillt werden will, dann kann es Trost erfahren nur durch das Gehaltenwerden, Sprechen oder Kuscheln.
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Muschelsucherin
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Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von Muschelsucherin »

kja1985 hat geschrieben:Ich finds seltsam wenn ein Kind lediglich durch Nuckeln beruhigt werden kann.
Das ist bei allen Säugetieren so.
Weißt du, wie man kleine Kälber zur Schlachtbank führt? Sie bekommen eine Art Schnuller/Nuckel, damit sie sich beruhigen und das Sigla haben, dass alles OK ist.

Bei Babies und Kleinkindern ist das nunmal die einfachste und natürlichste Art zur Beruhigung.
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ClauWi-Trageberaterin GK
jusl
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Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von jusl »

Also die Wissenschaft sagt dazu folgendes:

Es ist NICHT SINNVOLL zwischen Stillen als Nahrungsaufnahme und Stillen als Trost/Beruhigung/Wohlfühlen zu unterscheiden. (Wir in Westeuropa neigen massiv dazu, "ECHTES Stillen" wg Hunger von "UNECHTEM Stillen" wg alles anderem künstlich zu trennen - dies ist in anderen Teilen der Welt durchaus anders).

Stillen befriedigt ALLE Bedürfnisse eines Säuglings gleichermaßen. Das Wohlgefühl, welches Saugen auslöst (Ausschüttung von Endorphinen und anderen Hormonen beim Baby) ist eng verknüpft mit der Sicherheit, dass es angemessen versorgt wird: währenddessen wird es gewärmt, kann also nicht erfrieren; währenddessen wird es gehalten, kann also nicht körperlich und geistig verkümmern; währenddessen wird es genährt, kann also nicht verhungern; währenddessen wird es besänftigt, denn Frust und Spannungszustände kann es noch nicht selbst abbauen; währenddessen erhält es Stoffe, die es beruhigen und ihm beim Einschlafen helfen (Tryptophan z.B. - offensichtlich ist von der Natur gewünscht, dass wir unseren Babys dabei helfen...).

Diese Dinge sind aber faktisch nicht zu trennen und auch nicht nach "Wertigkeit" zu sortieren.

Stillen ist - über das Auslösen dieses Wohlgefühls, in das u.a. eben auch die Füllung des Magens einfließt - IMMER auch Leben von Beziehung: Kontakt zwischen zwei Menschen, die ihre Beziehung gestalten.
(Deshalb ist es auch so sinnvoll, dass bei künstlich ernährten Babys ausschließlich die Mutter die Flasche gibt, max. eine weitere Bezugsperson)

Selbstverständlich gibt es Möglichkeiten, das Stillen zu ersetzen: die Ernährung kann auch mit künstlicher Milch stattfinden, getröstet werden kann auch mit Gummibärchen, Stress kann auch über das Saugen an Schnullern abgebaut werden, zum Einschlafen kann das Baby auch im Auto rumfahren werden. Aber ALL DIES stellt EINEN ERSATZ dar - und eben diese Ersatzhandlungen können - insb wenn sie sie sich von menschlichem Kontakt WEG ZU DINGEN hin verschieben, später Probleme bereiten.
Denn dann kann die Beziehungsebene beeinträchtigt sein. Natürlich ist es völlig in Ordnung, wenn sich ein quengeliges Baby statt mit Dauerstillen auch im Tragetuch beruhigt. Aber auch Dauerstillen wäre ohne Einschränkung genauso in Ordnung.

(Mütter die nicht stillen aber zweifellos sensibel für die Bedürfnisse ihres Babys sind, wissen das intuitiv und handeln auch so: Schnuller nicht allein im Bettchen, sondern Schnuller bei Mama auf dem Arm. Flasche nicht von Tante Erna, die ja auch so gern mal füttern möchte, sondern nur von Mama (Tante Erna kann ja später Beikost geben ;-)), Flasche nicht im Kiwa festgebunden, sondern nur auf dem Arm, so dass Haut-und Blickkontakt möglich sind)

Mir ist keine einzige Studie oder wiss. Publikation zum Thema bekannt, in der ernsthaft eine Verquickung zwischen Stillen nach Bedarf und der späteren Neigung zu Essstöungen propagiert wird.
Allerdings ist bekannt, dass gerade die Nichtbefriedigung von Elementarbedürfnissen die Neigung zu Essstörungen (und zu anderen Störungen) begünstigt - stopfe ich ein trauriges Kind mit Essen voll, obwohl es vielmehr meiner Umarmung bedurft hätte, dann verschiebe ich die Beziehung weg vom Menschen hin zu Dingen und etabliere Ersatzbefriedigung - die Essstörungen begünstigt.

LG;
Julia
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Angela83
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Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von Angela83 »

Sehr schön geschrieben Julia - ich denke dass Thema ist nun vom Tisch :lol:
Lg
Angela mit Amelie 12/07, Annika 04/10 und Bauchmädchen 10/21
jusl
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Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von jusl »

"vom Tisch" ist gut :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
Viveca

Re: Stillen fördert Essstörung?

Beitrag von Viveca »

Julia
danke für die gute "Erklärung", sehr informativ und schön. Werde ich mir merken. :)
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