Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

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Dawn79
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Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von Dawn79 »

Hallo,

angeregt durch eine Unterhaltung mit einer Freundin (die auch trägt) und weil ich selbst immer wieder drüber nachdenke (siehe Thread weiter unten), würde mich interessieren, ob Ihr "Perfektionismus beim Tragen" auch ab und zu in Frage stellt.

Liest man sich hier so durch, dann könnte man meinen, dass nur ein 100% perfekt gebundenes Tragetuch gut genug ist, noch besser 120%. In der "Praxis" sieht das doch irgendwie anders aus, zumindest ist das mein Eindruck. Ich hatte jetzt schon ein paar Trageberatungen und ich kann nur sagen, dass ich es bei allen lobe, wie sehr sie sich Mühe geben, das Tuch gut zu binden. Einige von denen, die ich beraten habe, sah ich auch später mit Kind im Tuch. Das Tuch ist dann meistens zu 90% gut gebunden. So wie auch in meinem Alltag, zum Beispiel Baby ins Tragetuch, um den Sohnemann zum Kindergarten zu bringen. Je nachdem wie sehr Mia zappelt und wieviel Zeit ich habe, sitzt das Tuch dann mehr oder weniger gut.

Nie würde ich auf die Idee kommen, bei denen, die ich beraten habe, "herumzumeckern", weil das Tuch nur 90% gut gebunden ist. Ich weise höchstens darauf hin, dass sich der Tragekomfort wesentlich erhöht - für beide - wenn das Tuch sehr gut gebunden ist. Man riskiert einfach Rückenschmerzen, vielleicht einen unbequemen oder zu wenig gestützten Sitz beim Kind,... aber ansonsten? Natürlich erkläre ich immer die ASH usw. Aber wenn man sich die Fotos von ethnischen Völkern ansieht, dann wird da längst nicht so ein Aufwand betrieben.

Ich möchte damit nicht anzweifeln, dass es wichtig ist, ein Tuch gut und fest zu binden, grade bei kleinen Babys. Und es gibt auch Menschen, wo das Kind unzumutbar im Tuch hängt. Aber der Rest... also ich kann mich da einfach nicht mit dem "Perfektionismus" identifizieren. Mir verdirbt das eher die Freude an Tragen, wenn ich unterwegs bin und die ganze Zeit an der Pokante herumzuppele, weil die nicht ganz fest geworden ist beim Einbinden. Eine (farbige) Bekannte trägt ihr Kleines viel im Kanga, und wenn dann mal der eine Fuß tiefer hängt als der andere, was solls.

Also, wie perfekt ist perfekt genug?
xknäckebrotx

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von xknäckebrotx »

Interessanter Thread, ich schreib später vielleicht noch ausführlicher was dazu.

Aber prinzipiell kann ich sehr gut nachvollziehen, was du schreibst und was die REALITÄT angeht (ja, da schmeiße nur der, der ganz ohne "Schuld" ist, den ersten Stein): Kann doch keiner dem Perfektionismus gerecht werden, aus vielen ganz alltäglichen Gründen nicht.

Ich glaube aber auch, dass vieles nicht so heiß gegessen wird, wie es (im Internet) manchmal gekocht wird...Perfektion beim Binden gehört ziemlich sicher auch dazu.
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chaosmami
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von chaosmami »

darüber hab ich mir auch schon gedanken gemacht, denn mir fiel auf, dass immer wenn bilder gezeigt werden ist grundsätzlich der satz dabei: "sorry fürs grausig gebundene tuch, ist so weil...." ich denk dann meistens, naja, soo schlecht isses doch nicht, bei mir siehts immer so aus :roll: klar ich darf auch nicht so viel sagen, hatte noch nie ne trageberatung :oops:
ich für mich denke, solang ich mich wohl fühle und mir sicher bin baby gehts auch gut, dann ist alles ok. will jetzt keinen freibrief für schlampiges binden schreiben, bin schon dafür immer so gut wie möglich zu binden
nett??? ich??? manchmal!

"chaos is my life"
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Blümchen
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von Blümchen »

Ich war meist froh mein Schreibaby überhaupt irgendwie im Tuch zu haben und das war oft grauselig gebunden.
Die gesunde Seele meines Kindes war mir da wichtiger.

Wenn ich anderen Mamas Tips gebe wie man Bindefehler vermeidet, dann eher um die Bequemlichkeit zu steigern.
Blümchen mit der Frühlingsmaus '07, dem Sommermäuschen '14 und **
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Krötenmama
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von Krötenmama »

das ist ein nettes thema...letzens unterhielt ich mich mit einer bekannten, die extrem fanatisch ist, das auch nur bestimmte markentücher gut sein, alle anderen währen eine zumutung fürs baby und ungesund für den rücken etc... ich meinte dann auch, eskimos "befestigen" ihre kinder in fellen am körper, in kenia war ein guter freund letztens im urlaub, da ist es der letzte schrei die kinder im badetuch ins kanga zu binden, ich persöhnlich schwöre im sommer auf windelmull als tragetuch... wo ist da die querelastizität und so weiter??? und trotzdem haben wir uns von den urvölkern soviel abgeguckt!!!

klar, mit einem guten tuch fällt das binden leichter, und je besser gebunden desto bequemer.
aber ich bin der festen überzeugung perfekt binden kann man nur meit einer puppe und 4 händen.
Liebe Grüße!
Janina


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Muschelsucherin
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von Muschelsucherin »

Ich denke, man "perfektioniert" das Binden für sich nach und nach von selbst, weil man während des Tragens Dinge feststellt, die einem selbst und dem Kind das Tragen unbequem machen können. Mir und auch Freundinnen ging das jedenfalls so.
Wichtig finde ich immer, dass der Kopf bei kleinen Babys gut gestützt ist und dass sie nicht in sich zusammensacken können. Darauf weise ich Freundinnen dann auch hin.
Auch wenn das Kind nicht so super angehockt ist, merkt man das doch schnell, weil es einfach nach vorne zieht und man bindet das Tuch kurz nach.
Ob jetzt bei einem älteren Kind der eine Fuß mal tieder hängt als der andere, ist jetzt kein Drama.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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Montanara
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von Montanara »

Ich sehe das ganz ähnlich.
Als Referentin von ClauWi muss ich auf einer Perfektion gerade bei Beraterinnen bestehen. Nur wer selber gut binden kann, kann das auch Eltern gut vermitteln. Aber wie Ihr schreibt: Im täglichen Leben sieht es oft anders aus.
Ich finde es vor allem wichtig, dass Eltern wissen, worauf es ankommt und warum. Aber was die dann draus machen - das ist ihnen alleine überlassen!

Ich denke, es ist schon wichtig, dass man gut gebunden trägt. Man weiss einfach viel zu wenig über Langzeitfolgen von ungeeignetem Tragen. Daher lieber nach der Devise "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste", also so gut es geht korrekt gebunden.

Selber habe ich meine Kinder vor dem Bauch vor allem in der DXT getragen und auf dem Rücken in mittelprächtigen Rucksäcken, und beide sind gesund und geschickt. :wink:

Ich stelle mir vor, das ist irgendwie ähnlich wie mit Rauchen. Manche paffen wie ein Schlot und werden nie krank. Andere werden bereits von gelegentlichem Passivrauchen krank.
Oder Asbest: Arbeiter, die jahrelang mit Asbest gearbeitet haben und wohl Millionen dieser schädlichen Fasern eingeatment haben, sind gesund - und ein Handwerker, der ein Mal eine Asbestplatte ohne Atemmaske zersägt hat, bekommt Lungenkrebs....

Es kommt wohl auf die persönliche Disposition an, die man selber mitbringt....

Es bräuchte dringend Untersuchungen und Studien dazu.
Bis dahin vermitteln wir lieber gutes Binden, weil wir lieber auf Nummer Sicher gehen.
Gutes binden heisst aber auch nicht bloss, dass es perfekt aussieht. Am allerwichtigsten ist, dass sich Mama und Kind wohlfühlen.
Lieber nur 80% gut gebunden, aber beide fühlen sich gut, als 90% gut gebunden und sich eingeschnürt fühlen.....

Versteht Ihr, was ich meine? Klar ist es gut, wenn so genau wie möglich gebunden wird, aber es muss einem immer wohl sein dabei!

Liebe Grüsse
Dorothea
hausgeburtserprobte, langzeitstillende und kinderwagenfreie Mutter von Eva Sophia (Mai 2002) und Susanna Martina (Sept. 2004)
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xknäckebrotx

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von xknäckebrotx »

Ich stelle mir vor, das ist irgendwie ähnlich wie mit Rauchen. Manche paffen wie ein Schlot und werden nie krank. Andere werden bereits von gelegentlichem Passivrauchen krank.
Oder Asbest: Arbeiter, die jahrelang mit Asbest gearbeitet haben und wohl Millionen dieser schädlichen Fasern eingeatment haben, sind gesund - und ein Handwerker, der ein Mal eine Asbestplatte ohne Atemmaske zersägt hat, bekommt Lungenkrebs....
Huch, harter Vergleich :shock:
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Montanara
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von Montanara »

Klar - aber anschaulich....
Und ich meine, echt schlechtes Tragen ist genauso schlimm!

Herzlich
Dorothea
hausgeburtserprobte, langzeitstillende und kinderwagenfreie Mutter von Eva Sophia (Mai 2002) und Susanna Martina (Sept. 2004)
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xknäckebrotx

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von xknäckebrotx »

Ich denke, das müsste man diskutieren. Hüftdysplasie vs. Lungenkrebs...wobei, nee, ich mag da eigentlich nicht weiter drüber nachdenken. Ich glaube, deshalb fand ich auch den Vergleich etwas (zu) hart.
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