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Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 18:28
von Persephone
Hallo ihr Lieben,
ich bin derzeit etwas unsicher, was Jonas derzeitges Stillverhalten angeht. Er trinkt recht häufig, aber dafür manchmal auch nur sehr kurz. An sich kommt er so ca. alle 2 Stunden und er gehört eh nicht zu den "Genusstrinkern"

, sondern ist binnen maximal 10 Minuten fertig. (Nur das abendliche Einschlafstillen macht er genüsslich. Da muss man sich ja auch nicht mehr nebenbei alles angucken...

) Jedenfalls ist es nun so, dass auch auch gern nach ner halben Stunde oder knappen Stunde schon mal wieder ein Schlückchen nimmt. Aber eben auch nicht viel mehr. Manchmal haben wir auch 4 Stillmahlzeiten hintereinander, die nur aus 3 Minuten bestehen. Nun frage ich mich, ob er in der kurzen Zeit überhaupt an die Hintermilch kommt.

Ist es irgendwie "schlecht" für die Milchbildung, wenn er oft nur so kurz an der Brust nuckelt? Ich habe nämlich festgestellt, dass meine Brüste ziemlich weich und auch kleiner geworden sind, als sie es noch vor 2,3 Wochen waren. Vielleicht kommt das auch einfach daher, dass sich unsere Stillbeziehung nun eingespielt hat? Außerdem läuft auch die 2. Brust nicht mehr beim Stillen aus, bzw. es kommen meist nur noch ein paar Tropfen. Ist das normal, dass das aufhört?
Ich habe unsere Tochter zwar auch bis kurz vor der Geburt von Jonas gestillt (sie hat sich dann abgestillt), aber irgendwie war das ja kaum "normale" Stillzeit, da ich gleich nach 4 Monaten wieder schwanger war. Damals ist auch so mit 4 bis 4,5 Monaten die Brustgröße merklich geschrumpft, aber ich dachte, dass das an der erneuten Schwangerschaft lag und man das wohl nicht vergleichen kann.
Also noch mal zusammen gefasst: Ist es normal, dass sich die Milchmenge nun nach knapp 4 Monaten so reduziert hat, dass zumindest die zweite Brust nicht mehr "überläuft"? Und kommt J. auch bei kurzen Stillmahlzeiten an die Hintermilch? Wirkt es sich irgendwie nachteilig auf die Milchbildung aus, wenn die Brust oftmals nur Vormilch abgibt?
Vermutlich mache ich mir unnötige Gedanken, zumal unser Söhnchen nicht grad aussieht als wäre er auf Diät.

Aber irgendwie schwirren mir diese Fragen doch immer im Kopf rum, so dass ich euch nun um Rat fragen möchte.
Viele liebe Grüße
Jessica
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 20:04
von vroni
Also, eine der neueren Studien zur Anatomie der laktierenden Brust hat anhand von Ultraschalluntersuchungen herausgefunden, daß es die zunächst angenommenen sog. Milchseen tatsächlich nicht gibt. Es kann sich in den Milchgängen ein wenig Muttermilch sammeln, allerdings wird der größte Teil der Milch während des Stillens selbst produziert. Damit ist der Unterschied Vor- und Hintermilch nicht so groß, wie anfangs angenommen.
Es gibt einfach Kinder, die als "Schnelltrinker" die in ziemlich kurzer Zeit effektiv an der Brust trinken, während andere da eher genüßlich vorgehen.
Und bei einigen Babys ist der Stillabstand nie besonders groß, zwei Stunden ist da absolut im Rahmen.
Daß die Brust nach einiger Zeit wieder etwas weicher ist als zu Beginn der Stillzeit ist normal.
Anfangs ist teilweise auch das Brustgewebe einfach geschwollen, bzw. mit Lymphe gefüllt und mit der Zeit stellt sich zudem die Brust auf den tatsächlichen Bedarf ein (und wie gesagt, die Muttermich wird beim Stillen produziert.) Und das kann auch heißen, daß z.B. die zweite Seite beim Stillen nicht mehr einfach so "mitläuft".
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 21:04
von jusl
Hallo Jessica,
Vroni hat Recht.
"Auslaufen-Aufhören" der zweiten Seite sagt NICHTS über Milchmengen aus, sondern ist schlicht ein Zeichen dafür, dass die winzigen Schließmuskeln rund um die BW jetzt langsam richtig funktionieren (DAS ist der Normalfall

). In den ersten Wochen/Monaten brauchen viele Frauen noch Stilleinlagen, weil diese Schließmuskelchen noch nicht richtig arbeiten; danach dann nicht mehr, weil gar nix mehr ausläuft (dabei ist mehr Milch "da" denn je).
Noch mal kurz zur "Hintermilch": auch wenn eine strikte Unterscheidung in Vordermilch und Hintermilch etwas künstlich klingen mag, in den meisten neueren Fachbüchern ist dieses Konzept immernoch beibehalten. Ich persönlich finde dies auch sinnvoll, da sich die Zusammensetzung der ersten Schlucke Milch von derjenigen Zusammensetzung einige Minuten später erheblich unterscheiden kann. Wann und wie genau - DAS ist aber von Frau zu Frau verschieden (und das wiederum ist auch gut so

). Das Speichervolumen der Brust z.B. kann EXTREM unterschiedlich sein, genauso wie die Milchmenge, die sich zwischen den Stillmahlzeiten bildet (stark abhängig vom Basisprolaktinwert bzw. vom Alter des Kindes!), genauso wie die Zeitspanne, WANN der MSR einsetzt (ab dann kommt nämlich die "Hintermilch" - genau dazu dient der MSR

), durchschnittliche Stilldauer nach dem MSR (abhängig vom Saugbedürfnis des Kindes) usw...
Sprich: die Mutter eines Kleinkindes mit sehr geringem Speichervolumen, die immer nach wenigen Sekunden einen MSR hat, hat praktisch gar kaum Vordermilch. Hingegen bei einer Mutter mit frischem Baby, die noch ausläuft ohne Ende, auch zwischendrin, die oft (noch) mit "zuviel Milch" kämpft, und die erst nach mehreren Minuten einen MSR hat - da muss sich das Kind vermutlich erstmal durch Berge voller Vordermilch arbeiten

(was selbstverständlich auch überhaupt nicht schlimm ist - es sei denn, ausgerechnet dieses Baby ist supermini, hat zufällig einen Magen mit offenbar nur geringer Dehnfähigkeit und trinkt eher selten, weil zufällig geringes Saugbedürfnis. Das kann dann knirschen, denn dieses Kind schafft möglicherweise gar nicht, während einer Mahlzeit genug Kalorien zu sich zu nehmen, dabei ist der Magen schon randvoll. Kind nimmt dann schlecht zu, und Mutter quillt über vor Milch.... der worst case sozusagen. Meistens können die physiologischen Eigenschaften der Mutter und das Stillverhalten des Kindes aber einander problemlos angepasst werden: übers
Stillen nach Bedarf nämlich - GENAU DESHALB ist das so sinnvoll.)
Ich hoffe, diese Erklärung war hilfreich, Rückfragen immer gerne und LG,
Julia
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 21:17
von Paloma
Echt? Kommt dann ab dem MSR die Hintermilch? Oder ist das, was dann da rausströmt noch Vordermilch? Manchmal hab ich nämlich einen MSR noch bevor das Baby richtig andockt. Kann ich dann also davon ausgehen, dass es definitiv Hintermilch bekommt? Aufgrund seltenen Stuhlgangs und diverser anderer Faktoren grübeln wir hier nämlich grad ob es genug bekommt. Es hat übrigens genau dasselbe Trinkverhalten wie das Baby der Beitragsstarterin *g*
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 21:31
von jusl
"Vordermilch" nennt man die Milch, die sich zwischen den Stillmahlzeiten in den Milchgängen sammelt. (wer zwischendrin aus Spaß mal einen Tropfen ausdrückt: DAS ist Vordermilch

). Verantwortlich hierfür ist der Basisprolaktinspiegel im mütterlichen Blut.
Durch den Saugreiz des Babys hingegen wird plötzlich eine große Menge Prolaktin ausgeschüttet, deswegen bilden die milchbildenden Zellen der Brustdrüsen auf einmal ganz viel Milch. Durch den MSR wird diese Milch dann herausbefördert (diese nennt man "Hintermilch"). Je länger gesaugt wird (es können pro Stillmahlzeit - auch unbemerkt - auch mehrere MSR ausgelöst werden), desto höher steigt z.B. der Fettgehalt (die Zusammensetzung der Hintermilch ist also keineswegs konstant).
Diesen (vereinfacht dargestellten) physiologischen Zusammenhängen haftet aber an sich erstmal nichts "wertendes" inne

- denn: "Stillen nach Bedarf" ist das Zauberwort. Die Ernährungsbedürfnisse der Babys sind individuell, genauso wie das Laktationsverhalten der Frauen.
Als Beispiel: Mein erstes Kind mochte große Mahlzeiten mit langen Pausen dazwischen, immer beide Seiten (und ich brauchte ebenfalls lange Saugzeiten

der MSR kam oft "erst" nach ein paar Minuten). Gewichtszunahme war überdurchschnittlich. Mein zweites Baby hat NIE länger als 3 Minuten getrunken. Nie beide Seiten. Dafür etwa 12-20 mal am Tag

Mein MSR kam quasi direkt bei Mahlzeitenbeginn. Gewichtszunahme: noch deutlich doller
Mit anderen Worten: wird ausschließlich nach Bedarf gestillt, nimmt ein gesundes Kind einfach gemäß seinem natürlichen Wachstumsmuster zu - das kann man quasi gar nicht beeinflussen.
LG,
Julia
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 21:35
von Paloma
Ja, wir stillen auch nach Bedarf. Obwohl ich das Babylein derzeit immer wecke, weil ich den Eindruck hab es bekommt zu wenig. Gewogen haben wir es seit 3 Wochen nicht mehr. Aber es hat so selten Stuhlgang und die Windel blieb heute nacht nach 5 Stunden noch trocken. Das hat mich dann noch ein wenig besorgt. Aber es ist schön zu wissen, dass mein Babylein dann scheinbar doch nicht nur den "Durstlöscher" bekommt. Meint ihr ich sollte es trotzdem weiterhin wecken? Nachts hätte es sonst sicher heftige Abstände. Es wird zwar kurz wach, aber nuckelt wirklich nur Sekunden. Dann kommt der MSR und Babylein schläft schon längst wieder.
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 21:45
von jusl
Wie alt ist Dein Baby denn? Wie sieht der Gewichtsverlauf aus? Wie selten ist denn "seltener Stuhlgang"? Und: wie oft musst Du Pipiwindeln wechseln?
LG,
Julia
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 21:53
von Paloma
Babylein ist knapp einen Monat alt. Ich hatte hier in der Stillecke einen Beitrag wegen dem Stuhlgang eröffnet. Ich kann mich nur an 4-5x erinnern, wo das Babylein so richtigen Stuhlgang hatte. Also auch richtig viel. Sonst waren es immer nur kleine Fleckchen. Es hatte Mittwoch und Donnerstag "normalen" Stuhlgang und dann heute. Hat sich sogar richtig dabei erschrocken, weil es das nicht kennt. Windeln wechsel ich so alle 4-5 Stunden. Dann sind sie normalerweise immer recht nass. Gewicht kenne ich nicht. Babylein hatte aber eine Woche nach der Geburt 200g zugenommen. Und als die Hebi kam meinte sie, dass es sehr mopsig geworden sei (kann aber auch an der Kleidung gelegen haben, dass das so aussah)
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 25.10.2009, 22:27
von jusl
Ah ja, jetzt hab ich Deinen Beitrag nebenan gefunden
Ferndiagnosen sind schwierig

- deshalb folgende allgemeine Infos, woran Du sicher erkennen kannst, ob Dein Baby genug Milch bekommt:
• täglich mindestens fünf bis sechs Pipiwindeln
• in den ersten sechs Wochen täglich mindestens eine Stuhlentleerung (später sind seltenere Darmentleerungen normal),
• eine rosige Hautfarbe und eine feste Haut, die sich sofort zurückzieht, wenn man eine Falte etwas hochzieht und wieder loslässt,
• Zunahme in Längenwachstum und Kopfumfang
• ein munteres Verhalten in den Wachphasen.
Außerdem ist die Gewichtszunahme ein wichtiges Kriterium: in den ersten 3-4 Monaten liegt die durchschnittliche Gewichtszunahme pro Woche (gerechnet vom niedrigsten Gewicht nach der Geburt) zwischen ca. 110 und 220 g. Allgemein empfohlen ist das Wiegen des Baby EINMAL PRO WOCHE unter möglichst gleichen Bedingungen. Hierauf verzichten viele Mütter; dies ist auch in Ordnung, so lange sie sich sicher sind, dass ihre Babys gut gedeihen. Wenn Du Dir jetzt aber Sorgen machst, dann ist es sinnvoll, das Gewicht regelmäßig zu notieren. Denn in Bezug auf Deine Ausgangsfrage: sollte Dein Baby jede Woche gut zunehmen, kommt der Tatsache, dass es so selten Stuhlgang hat, offensichtlich in Puncto Gedeihen keine med. Bedeutung zu

und ist als biologische Variation zu werten (die sich auch wieder ändern kann...).
ist jedoch die Gewichtszunahme auffallend gering, gibt es evtl. Stillprobleme oder -besonderheiten (z.B. ein sehr schläfriges Baby welches seltener als 8 mal in 24 Stunden stillt), dann besteht Handlungsbedarf.
LG,
Julia
Re: Frage zu Stilldauer und Hintermilch
Verfasst: 26.10.2009, 11:57
von Paloma
Danke für deine Antwort. Wir waren heute auch beim Kinderarzt, weil das MiniBaby Schnupfen hat. Der Arzt sagt es sehe nicht so aus, als würde es zuwenig Milch bekommen. Morgen kommt aber die Hebi und ich mag das Babylein dann mal wiegen. Das mit den nassen Windeln kommt jedenfalls hin. Es sieht so auch recht gesund aus und wenn es wach ist, dann guckt es munter umher. Es ist zwar recht selten wach, dafür dann aber länger. Auf die Stillmahlzeiten kommen wir auch. Auch wenn es nicht immer so wirklich viel trinkt. Meine Hebi meint es würde sehr stark ziehen und deshalb so schnell fertig sein.