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Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 05.03.2009, 21:25
von sternchen84
Ich hoffe hier sind einige die mir bzw. ner Freundin von mir weiterhelfen können.
Es geht um folgendes, die Mama des kleinen hat eine Entzündung im Gehörgang (mit tierischen Schmerzen) und war jetzt auch beim Arzt. Der meinte sie müsse Antibiotika nehmen, aber dann müsste sie abstillen usw.
Letztendlich probiert sies jetzt ne Woche mit was homöopathischem, aber die Woche ist nun fast vorbei und wenn sie das Antibiotika nicht nimmt, kann sie u. U. sogar ihr Gehör verlieren. Jetzt ist sie total ratlos, sie würde ihren 15 monate alten Sohn gern weiter stillen (er wird tagsüber einmal und nachts noch recht oft gestillt), aber der Arzt sagt, dass das Antibiotika voll in die Mumi übergeht und sie abstillen müsste. Zu wieviel % geht denn Antibiotika in die Mumi über? Es gibt doch hier sicher einige die auch schon Antibiotika nehmen musste, wie habt ihr das gemacht?
Wär euch dankbar für schnelle Tips, damit ich sie ganz schnell irgendwie unterstützen kann.
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 05.03.2009, 21:29
von posy
Es gibt auch einige stillfreundliche Antibiotika. Leider bin ich da nicht so bewandert, aber Deine Freundin sollte sich mit dieser Auskunft nicht abspeisen lassen.
Finde ich nicht besonders gut von dem Arzt, so ein Pauschalurteil abzugeben... Man kann ja auch mal selbst nachschlagen!
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 05.03.2009, 21:53
von Julia
Sie soll ihn mal bitten, bei embryotox anzurufen. Es GIBT stillfreundliche Antibiotika. Oder ihn mal kackdreist fragen, was er denn einem 15 Monate alten Kind bei dieser Krankheit verschreiben würde - und das dann auch verlangen.
Himmel hilf, lernen die denn GAR nix? (Ich war vor fünf Tagen bei meinem neuen FA. Erzähl ich jetzt nicht, sowas stand hier schon mindestens zweitausendmal...

)
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 05.03.2009, 22:21
von Altraia
Julia, erzähl doch mal
Klar gibt es stillkompatible Antibiotika. Wenn er nicht bei Embryotox nachfragen mag - solche Ärzte gibt es leider zuhauf

- soll sie sich die Wirkstoffe möglicher Präparate aufschreiben lassen und selbst in der Datenbank von
http://www.embryotox.de nachschlagen.
Ich persönlich habe schon häufiger ABs in der Schwangerschaft und Stillzeit genommen, fast immer war es Amoxicillin. Klar geht das in die Milch über, aber Babys bekommen z.B. das gleiche AB bei den gleichen Beschwerden, gegen die ich es verschrieben bekommen habe.
Ich denke, der Arzt hat einfach kein Interesse, sich wegen eines "so alten" Stillkindes kundig zu machen.
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 05.03.2009, 22:24
von sternchen84
Ok dankeschön, ich werde ihr das alles weitergeben.
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 06.03.2009, 11:07
von jusl
Hallo,
die Muttermilchgängigkeit ist jeweils auch auf der Embrytoxseite angegben, sehr medizinisch formuliert, aber der Arzt sollte damit ja was anfangen können. (KEINE AHNUNG, wie er da auf "geht voll in die Mumi über" kommt - siehe unten!)
Ansonsten: vielleicht hilft auch dieses Zitat aus der "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" von Spielmann, Steinhoff, Schaefer, 7. Auflage 2006, weiter:
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Antibiotika allgemein
Bei vielen Antibiotika erhält ein gestilltes Kind unter Behandlung der Mutter weniger als 1 % der auf das Körpergewicht bezogenen therapeutischen Dosis. Damit werden allenfalls minimale, in keinem Fall Bakterien hemmende Konzentrationen im Säuglingsplasma erreicht.
In der Literatur werden immer wieder folgende Risiken diskutiert:
Beeinflussung der Darmflora (ggf. "dünnere" Stuhlkonsistenz, selten Durchfall),
Beeinflussung bakteriologischer Untersuchungen, die im Fall einer Erkrankung des Säuglings erforderlich werden könnten,
Entwicklung resistenter Keime,
Sensibilisierung.
Als klinisch relevant oder gar therapiebedürftig haben sich alle diese Nebenwirkungen bisher nicht erwiesen. Am ehesten ist mit einer vorübergehenden Auswirkung auf die Stuhlkonsistenz zu rechnen (Ito 1993).
Penicilline, Cephalosporine und andere ß Lactam Antibiotika
Erfahrungen. Bei allen gängigen Penicillinderivaten (z.B. Isocillin®, Amoxypen®) liegt der M/P Quotient unter 1. Der voll gestillte Säugling erhält in der Regel deutlich weniger als 1 % einer therapeutischen Dosis (Übersicht in Bennett 1996).
Ähnliches gilt für Cephalosporine, die zum Teil im Darm des Säuglings inaktiviert werden (Übersicht in Bennett 1996). Benyamini und Mitarbeiter (2005) haben 67 Mütter mit Amoxicillin plus dem Enzyminhibitor Clavulansäure (in Augmentan®) sowie 38 mit Cefuroxim nach Nebenwirkungen bei ihren gestillten Kindern gefragt. Bei der ersten Gruppe wurden mit 22 % häufiger Symptome berichtet als bei Amoxicillin alleine. Die Symptome waren dosisabhängig, bedurften aber keinerlei Intervention. Bei Cefuroxim wurden in knapp 3% der Fälle leichte Nebenwirkungen berichtet, die im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit Cefalexin nicht häufiger auftraten.
Bei Aztreonam (Azactam®) sind nach einer Einzeldosis an die Mutter 0,2 % als relative Dosis für das Kind in der auf die Applikation folgenden Stillmahlzeit ermittelt worden (Ito 1990).
Bei lmipenem (Zienam®) wurden in einer japanischen Untersuchung durchschnittlich 0,8 % einer gewichtsbezogenen, i.v. verabreichten Dosis in der Tagesmilchmenge gemessen (Ito 1988).
Von Sulbactam (z.B. Unacid®) beträgt die relative pro Tag übergehende Dosis maximal 1 % (Foulds 1985).
Enteral werden die zuletzt genannten Substanzen kaum resorbiert. Dies spricht zusätzlich für eine geringe biologische Verfügbarkeit beim gestillten Kind.
Zu anderen ß Lactam Antibiotika liegen keine ausreichenden Daten vor. Bisher gibt es keinen Anhalt für toxische Effekte beim gestillten Kind.
Empfehlung für die Praxis: Penicillinderivate und Cephalosporine gehören zu den Antibiotika der Wahl in der Stillzeit. Soweit möglich, sollten länger eingeführte Substanzen bevorzugt werden, d. h. im Fall der Cephalosporine solche der 2. Generation. Wenn erforderlich, können auch andere ß Lactam Antibiotika und Clavulansäure verwendet werden.
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Noch eine Anmerkung von mir: neben diesen grundsätzlichen Infos kann man sich auch noch überlegen, dass es sich in Deinem Fall um ein gestilltes KLEINKIND handelt, das bereits andere Nahrung als Mumi isst und von der Entwicklung her ja deutlich robuster ist als ein vollgestilltes Neugeborenes. Von daher ist die generelle Abstill-Empfehlung wirklich nicht ansatzweise sachlich begründet.
LG und gute Besserung für Deine Freundin,
Julia
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 06.03.2009, 11:35
von Lösche Benutzer 1828
Kann Julia - mal wieder- nur zustimmen.
Eigene Erfahrung. Ich hatte,als Simon 8 Wochen war eine fiese Lungen- und Rippenfellentzündung. Natürlich mußte ich AB nehmen und natürlich gibt es stillverträgliche Mittel. Simon hatte keine NEbenwirkungen - es kann jedoch zu Durchfall kommen. Der klingt dann aber auch wieder ab. Aber ind em Alter würde ich denken, dass es nicht der Fall ist.
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 06.03.2009, 12:37
von jusl
bissl off topic: uuuuha, Rippenfellentzündung. Hat gerade ne Bekante von mir, im Zusammenhang mit Influenza. Scheint schweineschmerzhaft zu sein

Und Ausheilen dauert gerade eeewig.

Armes *du* und *sie*!...
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 06.03.2009, 12:58
von Lösche Benutzer 1828
jusl hat geschrieben:bissl off topic: uuuuha, Rippenfellentzündung. Hat gerade ne Bekante von mir, im Zusammenhang mit Influenza. Scheint schweineschmerzhaft zu sein

Und Ausheilen dauert gerade eeewig.

Armes *du* und *sie*!...
Ja, das tat dermaßen weh - und ich bin nicht so "zimperlich". Ich habe echt Codein genommen zur Nacht.
Ich war einkaufen mit den Kindern, kam nach HAuse, mir wurde innerhalb von dreißig MInuten fiebrig, ich hatte höllische Schmerzen in der Schulter und bekam Schüttelfrost. Drei Ärzte haben auf Gliederschmerzen getippt - war echt nicht schön. Krank fühlte ich mich fast 8 Wochen.....
Gute Besserung für Deine Freundin. Ich habe Atemtherapie verschrieben bekommen- jedoch nie in Anspruch genommen. Soll aber helfen.
Re: Antibiotika+Stillen = Abstillen
Verfasst: 10.03.2009, 12:44
von Mama08
bei Penecelin ist weiterstillen auf alle Fälle möglich.
Falls Penecelin nicht geht ist immer noch abpumpen und hinterher weiterstillen möglich!
24 h nach der letzten AB-Gabe kann dann wieder gestillt werden.
Und AB ist immer 5-7 Tage....