Täglicher Stillk(r)ampf - was kann ich tun?
Verfasst: 22.12.2022, 01:57
Grüßt euch!
Eurem Rat folgend, würde ich gerne um Ideen bezüglich meine Stillprobleme bitten. Ich bitte um Entschuldigung, falls ich manchmal nur vage Zeitangaben machen kann, da ich lange nichts aufgeschrieben bzw aufgezeichnet habe.
Mein eigentliches Wunschziel war, meinen kleinen Bubi voll zu stillen und bei einer stundenweisen Abwesenheit meinem Partner etwas abgepumpte Muttermilch dalassen zu können, so dass der Kleine ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden kann.
Die Schwangerschaft an sich verlief komplikationslos, ich musste aber häufiger zu Kontrollen, da der Kleine an der 5er-Perzentile wuchs. Was er aber konstant und schön gemacht hat und ohne irgendwelche sonstigen Auffälligkeiten. Aufgrund der Konstellation wurde es eine Einleitung am Termin, um das Risiko einer Plazenta-Insuffizienz bei Übertragung zu reduzieren. Die Geburt selbst brachte ein paar Komplikationen – nach ca 9 Stunden Wehen gab es Dezelerationen, ich musste mich mehrfach umlagern, worauf das CTG wieder besser wurde. Geendet hat es in einer vaginalen Geburt nach 10 Stunden Wehen mit einer geschnittenen Epi und einem üblen hohen Vaginalriss, gefolgt von einem deutlich erhöhtem Blutverlust und einer Vollnarkose, da der Riss nicht ausreichend lokal betäubt werden konnte. Ich hatte meinen Kleinen kurz auf dem Brustkorb liegen, dann musste ca 2 Stunden der Papa auf den Kleinen aufpassen, bis ich im Aufwachraum gelandet bin. Dort half man mir im Halbschlaf, den Bubi an die Brust zu legen, was so la-la funktioniert hat. Hauptsächlich dockte er eine gefühlte Ewigkeit nicht richtig an, dann saugte er nur wenige Male, dafür aber recht kräftig und fuchtelte viel dabei herum, dann schlief er ein.
Auf dem Familienzimmer durfte ich erstmal nur liegen, das erneute Anlegen war bescheiden. Ich hatte mit einer ziemlich ausgeprägten Anämie zu kämpfen und ordentlichen Beinödemen (erst nach Geburt wg der vielen Infusionen). Nachdem die Geburt in der Nacht war, wurde Bubi irgendwann wieder hungrig, die Schwester (alleine auf Station) half mir einmal beim Anlegen, aber der Kleine saugte nicht richtig und hatte irgendwie Probleme mit dem Andocken, war auch recht unruhig-suchend und fuchtelte viel mit den Armen. Ich versuchte es trotzdem ca alle 3 Stunden zu stillen, was wegen dem Andocken nicht so ganz erfolgreich war. Schließlich kam eine Stillberaterin, die ihn irgendwie angelegt bekam und mir Brustmassage und 2 Anlegetechniken gezeigt hat. Kaum war sie weg, funktionierte beim nächsten Mal wieder nichts. Ich sollte ihn alle 2-3, „eher alle 2“ Stunden anlegen und dafür notfalls aufwecken. Das ging gründlich schief, aufwecken führte zu einem schläfrigen Baby, das keinerlei Lust auf Stillen hatte -Thema durch, ich fütterte auf Bedarf.
Es endete schließlich am Abend des ersten Tages nach Geburt in anhaltendem Hunger-Gebrüll, so dass uns die Schwester ein paar Schlucke Pre in einem Fläschchen brachte – zack, weg, Kind aber ruhig und fast 3h geschlafen. Am darauffolgenden Vormittag kam die Stillberaterin wieder, war nicht erfreut, dass er Pre bekommen hatte und meinte, dass ich wohl mit Stillhütchen bei meinen asymetrischen Brustwarzen besser bedient sei, da er jetzt ja auch durch den Sauger einen falschen Hyper-Saugreiz bekommen habe. Tatsächlich habe ich ihn damit (erstmal) problemlos andocken können, wobei er meist recht unruhig fuchtelnd war und fordernd und unangenehm ansaugte. Auffallend war aber auch schon im KH, dass er ziemlich schnell ziemlich hungrig wird und sehr schnell schreit aus Leibeskräften – beim Andocken dann auch erstmal wütend „beißt“ für 3-5 Züge, bis er dann runterreguliert und zügig trinkt. Da trank er, wie auch die ersten anderthalb Wochen, dann zwischen 5-20 min, bis er am Schluß nur noch nuckelte und dann einschlief .
So wurden wir am 2. Tag nach Geburt entlassen, da hatte ich noch kaum Milch eingeschossen, die kam erst am Tag 3-4. Zu Hause hatte ich eine „Notfallpackung“ Pre und 125ml-Fläschchen, nur für den Fall der Fälle gedacht gewesen, dass es zu Stillproblemen käme.
Ich war von 3 durchwachten Nächten (2 Nächte vor Geburt wegen starker Rückenschmerzen und Einleitungsmed/Kontrollen, 3.Nacht eigentliche Geburt) quasi permanent wach gewesen und hatte massivsten Schlafmangel. Ich schlief beim Stillen, das ich nach Bedarf machte, immer wieder ein und hatte gelegentlich Kreislaufprobleme. Es kam wie es kommen musste, der Kleine hat nicht genug abbekommen und schrie trotz wechselweisem Anlegen nur noch wie am Spieß. Also hat er schließlich nach fast jedem Stillversuch danach Pre dazubekommen, worauf er jeweils prompt schlief und er kam auf 2-3 Stunden gelegentliche Schlafphasen. Einen regelmäßigen Rhythmus Schlafen/Stillen hat er bis heute nicht entwickelt, manchmal 2-3 Stunden, manchmal nur 5min und dann wieder wach.
Um wieder auf die Beine zu kommen, haben wir ein paar Nächte Schichten praktiziert, ich war bis ca 2 Uhr wach, hab da ein letztes Mal gestillt und dann hat mein Partner Windeln gewechselt und bei Hungerzeichen etwas Pre mit Fläschchen gegeben (10-30ml), bis ich ab ca 7-8 Uhr wieder begonnen habe zu stillen. Sein Geburtsgewicht von 2990 g hatte er an Tag 10 wieder drin und er hat sich klinisch gut entwickelt. Gewogen habe ich ihn selbst nicht, nur wenn die Hebamme kam.
Nach ca anderthalb Wochen begannen dann die Schreitage. Ca 5 Tage am Stück schrie er mehrere Stunden, zeigte teils Kolik-Zeichen (Anziehen Beine, Zappeln, herzzerreißendes Weinen/Schreien, Pressen, viele Winde), teils aber auch nicht genauer nachvollziehbares Schreien. Er hing mitunter Stunden fast ununterbrochen an der Brust, hat dabei sehr wütend und Kopf hin und her-werfend irgendwie auf sanften Druck mit der Hand doch die Brustwarze samt Stillhütchen genommen, nur um sie nach ein paar Mal saugen wieder auszuspucken und sich wie wild zur verbiegen und weiterzuschreien. Selbes Spiel wieder von vorne, bis er irgendwann so stinkwütend war, dass nur noch die Brust geschlagen wurde und schließlich gar nichts mehr ging. Am Ende hat er auch die Flasche nicht mehr genommen, bis er nach mehreren Stunden erschöpft eingeschlafen ist. Das Ganze ging erstmal 5 Tage und mein Partner und ich waren am Rande des Zusammenbruchs in Tränen aufgelöst. Wenn überhaupt relevant Nahrungsaufnahme in diesen Tagen, dann per Fläschchen, die unzähligen kurzen Züge an der Brust dürfte nicht viel rübergekommen sein. Ich protokollierte etwas mit und kam auf summiert ca 7h „Stillversuche“ pro Tag.
Da er die Stillhütchen bei seinen Brust-Hau-Aktionen sowieso meistens x-mal wegschlug, hab ich sie schließlich frustriert weggelassen – wozu noch, ich war geistig eh schon beim Abstillen? Doch überraschenderweise: zack, hat er die Brust ohne Hütchen genommen – und seitdem nie wieder eins gebraucht. Das blieb aber der einzige fassbare „Erfolg“. Mittlerweile fütterten wir über den gesamten Tag verteilt ca 160-260 ml/Tag in mehreren Portionen nach dem Stillen zu.
Allerdings hatten seine Beißattacken Spuren hinterlassen, die sich aber mit intensiver Brustpflege gut kontrollieren ließen. Geblutet hat nur die rechte Brustwarze nach einer Beißattacke einmal.
Ich klagte meiner Nachsorge-Hebamme wiederholt die Vorkommnisse und wir versuchten zuerst meine Situation zu verbessern: ausreichende Essens- und Flüssigkeitsaufnahme, Schlafphasen durch „Schichten“ abwechselnd mit meinem Partner, Spaziergänge um aus der Situation räumlich rauszukommen. Dafür akzeptierte ich erstmal das Pre-Zufüttern, fühlte mich aber dabei wie ein noch größerer Versager. Ausgerechnet beim nächsten Besuch zeigte er sich dann als Musterknabe und ließ sich wie aus dem Lehrbuch anlegen, ca 15min lang.
Meine derzeitige Situation: Hunger zeigt sich bei ihm ziemlich schnell, tlw bleibt nicht einmal Zeit, ein Stillkissen hinzulegen oder kurz noch auf Toilette zu gehen. Angesaugt wird sehr fordernd mit nachfolgend 3-5 starken unangenehmen Zügen, dabei muss er den Kopf gut geführt bekommen, da er sonst gierig hin- und herwirft und die Brustwarze „nicht trifft“ oder mit den Händen ständig dazwischenfummelt. Ca in 2/3 der Fälle wird dann ein paar Minuten gesaugt und er schläft dann schnell ein, legt man ihn dann ab, geht das Geschrei aber wieder von vorne los – oft 4-8 mal hintereinander mit immer kürzeren Saug-Phasen an den Brüsten. In ca 1/3 der Fälle wird auch ganz gut angesaugt, allerdings wird er dann zunehmend unruhig an der Brust, schlägt mit den Fäustchen auf die Brust ein, wirft den Kopf hin und her, dockt minütlich ab, biegt sich irgendwann durch. Oft kommt dann die Situation, dass er dann gar nicht mehr von der Brust will und wir dann beim Zufüttern landen – Alternative, falls kein Fläschchen folgt: anhaltendes Geschrei. Übliche „Nachfütter-Menge aktuell: meist 20-30 ml, gelegentlich bis 60 ml. Abstände zwischen den Stillsitzungen völlig unterschiedlich, ein Muster gibt es keines, ich stille nach Bedarf, manchmal (sehr selten) maximal 3,5h Abstand, oft auch mal nur 5min bis halbe Stunde. Clusterphasen hat er seit der 2.Lebenswoche, abends fast immer über 3-5 Stunden, oft auch zwischen 8-14 Uhr, täglich mindestens eine in der gesamten letzten Woche.
Zwischenzeitlich hab ich mir auf Empfehlung der Hebamme zur Steigerung der Milchmenge eine Pumpe besorgt, allerdings sind hier in den wenigen verleihenden Apotheken irgendwie alle erdenklichen Pumpen länger verliehen, so dass ich nur noch eine ältere elektrische Einzel-Pumpe bekommen konnte. Womit natürlich Powerpumping mit den mir empfohlenen 15-15-10-10-5-5min doppelt so lange dauert. Ich komme aufgrznd der vielen Clusterphasen grade auf 1-3 solcher Sitzungen pro Tag, oft nicht komplett, da zwischendurch das Baby sein Vorrecht auf meine Brust wieder einfordert. Abgepumpte Mengen: links 0-15ml/Sitzung, rechts 10-45ml/Sitzung. Die linke Brust mag das Baby beim Stillen auch auffällig weniger gern als rechts.
Als Problem und Versagen meinerseits empfand ich, dass wir nie von dem zusätzlichen Pre wegkamen, er zieht ca 120-260ml/Tag zusätzlich, wobei ich darauf achte, dass ich ihn mehrfach an beiden Brüsten angelegt habe, bevor er die Flasche bekommt. Während der „aggressiven“ Schreiphase oben hat er eher 260ml über 24h bekommen, aktuell stehen wir bei ca 140ml/Tag. Wenn mein Partner ihn füttert, neigt er dazu, ihn solang an der Flasche trinken zu lassen, bis er nicht mehr mag, das ist meist bei ca 60ml der Fall. Manchmal kommt es dann trotz Bäuerchen zu etwas spuckeln. Mittlerweile weiß auch mein Partner, dass er kleinere Portionen langsam gibt, damit konnten wir die Milchmenge schon reduzieren pro „Zufüttermahlzeit“.
Leider waren wir heute 3 Stunden weg und ich hinterließ meiner Mutter 30 ml Muttermilch und eine „Notfall-Flasche“ mit 130ml Pre – als ich wiederkam, war alles weg und er hat natürlich gespuckt. Aussage: „der arme Bub war doch so verhungert und hat gleich nach dem Aufwachen so erbärmlich geschrien, und dann hat er die gaaanze Flasche in einem Haps vernichtet“. Ich habe zu Hause nur noch geheult, da die ganzen Mühen der letzten Woche komplett zunichte war mit der Pre-Reduktion.
Sorry für die ganze riesige Story. Ich bin mir aber nicht sicher, wo genau der Wurm drin ist und habe daher lieber ausführlicher erzählt. Glaubt ihr, ich schaffe es, zum einen eine relevante Milchmenge aufzubauen, dass er auch mal satt wird und nicht ständig nach der Mahlzeit noch Nahrung nachfordert und zum zweiten, noch zum Vollstillen zu kommen? Meine Geduldsreserven sind leider mittlerweile ziemlich erschöpft und einen Plan zum weitermachen habe ich auch keinen. Ich fühle mich ständig hinter Windmühlen herrennend, Milchmenge aufzubauen und gefühlsmäßig läuft es in die verkehrte Richtung und die Zufütterung steigt eher bzw ich bin gefühlt ständig am Dauerstillen – kriegt er stattdessen eine Fläschchenmahlzeit, ist danach 2-3 Stunden Ruhe. Mir drängt sich da ständig das Gefühl auf, er würde nicht satt werden, außerdem habe ich wenig Gefühl, wie viel Zufütterung er wirklich braucht und ab wann er sich am Fläschchen „übernimmt“.
Ich wäre sehr froh, wenn ihr mir wenigstens ein bisschen weiterhelfen könntet. Möchte das Stillen nicht ganz kampflos aufgeben, aber aktuell quälen wir uns glaube beide ziemlich damit.
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Gewichte habe ich nur 4:
- Geburt 16.11.2022: 2990 g
- 25.Nov: 3000g (Hebamme)
- 15.12: 3700g (Hebamme)
- 19.12.: 3800g (Kinderarzt)
Hier noch Antworten auf die Fragen:
* Ist Euer Baby ein Junge oder ein Mädchen? – Junge; erstes Kind
* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, wenn ja, mit was (Muttermilch, Formulanahrung)? Schreibt bitte die Mengen auf (wie oft und wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.
- vom KH bis jetzt Muttermilch hpts über die Brust, dazu 1-3x/Tag abpumpen und Rückgabe der abgepumpten Muttermilch mit Flasche, dazu zwischen 120-210 ml/Tag PRE-Nahrung mit Fläschchen
* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: Wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen? – siehe obigen Text
* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig hat es Stuhlgang?
- Stuhlgang anfangs 2x/Tag, aktuell 1x Tag (curry/cremig, 1 Einserwindel ziemlich voll), Urin ca 7-8x/Tag
* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andock-Probleme? – siehe obigen Text
* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
- Ja, siehe oben. Stillhütchen ab KH, ca 1,5 Wochen lang. Schnuller anfangs häufiger, jetzt nur noch für z.B. Autofahrt oder Sono beim Kinderarzt
* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
- Nur die üblichen U´s; 1x wegen der o.g. Schrei-Phase in der 2.Lebenswoche (ohne pathologischen Befund). Nachsorge-Hebamme war glaube 4 oder 5x da, seit 1 Woche nicht mehr
* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen könnten? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?
- Nein beim Baby mit der Ausnahme, dass er formal ein SGA-Kind war (5-8. Perzentile lt 4x Ultraschall) – bin aber selbst sehr klein (ca 1,60). Ich selbst hatte mal eine ca 2-jährige Hypothyreose-Phase, seit ca 8 Jahren perfekte TSH-Werte und keine Substitution mehr, TSH kontrolliere ich ca 2x/Jahr. Mein linker Brustwarzen-Vorhof hat eine bohnenförmige längliche Form, lateral fehlt bis nahe an die Brustwarze die Färbung (ist seit Geburt so). Adipositas I°, keine weiteren Vorerkrankungen
Eurem Rat folgend, würde ich gerne um Ideen bezüglich meine Stillprobleme bitten. Ich bitte um Entschuldigung, falls ich manchmal nur vage Zeitangaben machen kann, da ich lange nichts aufgeschrieben bzw aufgezeichnet habe.
Mein eigentliches Wunschziel war, meinen kleinen Bubi voll zu stillen und bei einer stundenweisen Abwesenheit meinem Partner etwas abgepumpte Muttermilch dalassen zu können, so dass der Kleine ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden kann.
Die Schwangerschaft an sich verlief komplikationslos, ich musste aber häufiger zu Kontrollen, da der Kleine an der 5er-Perzentile wuchs. Was er aber konstant und schön gemacht hat und ohne irgendwelche sonstigen Auffälligkeiten. Aufgrund der Konstellation wurde es eine Einleitung am Termin, um das Risiko einer Plazenta-Insuffizienz bei Übertragung zu reduzieren. Die Geburt selbst brachte ein paar Komplikationen – nach ca 9 Stunden Wehen gab es Dezelerationen, ich musste mich mehrfach umlagern, worauf das CTG wieder besser wurde. Geendet hat es in einer vaginalen Geburt nach 10 Stunden Wehen mit einer geschnittenen Epi und einem üblen hohen Vaginalriss, gefolgt von einem deutlich erhöhtem Blutverlust und einer Vollnarkose, da der Riss nicht ausreichend lokal betäubt werden konnte. Ich hatte meinen Kleinen kurz auf dem Brustkorb liegen, dann musste ca 2 Stunden der Papa auf den Kleinen aufpassen, bis ich im Aufwachraum gelandet bin. Dort half man mir im Halbschlaf, den Bubi an die Brust zu legen, was so la-la funktioniert hat. Hauptsächlich dockte er eine gefühlte Ewigkeit nicht richtig an, dann saugte er nur wenige Male, dafür aber recht kräftig und fuchtelte viel dabei herum, dann schlief er ein.
Auf dem Familienzimmer durfte ich erstmal nur liegen, das erneute Anlegen war bescheiden. Ich hatte mit einer ziemlich ausgeprägten Anämie zu kämpfen und ordentlichen Beinödemen (erst nach Geburt wg der vielen Infusionen). Nachdem die Geburt in der Nacht war, wurde Bubi irgendwann wieder hungrig, die Schwester (alleine auf Station) half mir einmal beim Anlegen, aber der Kleine saugte nicht richtig und hatte irgendwie Probleme mit dem Andocken, war auch recht unruhig-suchend und fuchtelte viel mit den Armen. Ich versuchte es trotzdem ca alle 3 Stunden zu stillen, was wegen dem Andocken nicht so ganz erfolgreich war. Schließlich kam eine Stillberaterin, die ihn irgendwie angelegt bekam und mir Brustmassage und 2 Anlegetechniken gezeigt hat. Kaum war sie weg, funktionierte beim nächsten Mal wieder nichts. Ich sollte ihn alle 2-3, „eher alle 2“ Stunden anlegen und dafür notfalls aufwecken. Das ging gründlich schief, aufwecken führte zu einem schläfrigen Baby, das keinerlei Lust auf Stillen hatte -Thema durch, ich fütterte auf Bedarf.
Es endete schließlich am Abend des ersten Tages nach Geburt in anhaltendem Hunger-Gebrüll, so dass uns die Schwester ein paar Schlucke Pre in einem Fläschchen brachte – zack, weg, Kind aber ruhig und fast 3h geschlafen. Am darauffolgenden Vormittag kam die Stillberaterin wieder, war nicht erfreut, dass er Pre bekommen hatte und meinte, dass ich wohl mit Stillhütchen bei meinen asymetrischen Brustwarzen besser bedient sei, da er jetzt ja auch durch den Sauger einen falschen Hyper-Saugreiz bekommen habe. Tatsächlich habe ich ihn damit (erstmal) problemlos andocken können, wobei er meist recht unruhig fuchtelnd war und fordernd und unangenehm ansaugte. Auffallend war aber auch schon im KH, dass er ziemlich schnell ziemlich hungrig wird und sehr schnell schreit aus Leibeskräften – beim Andocken dann auch erstmal wütend „beißt“ für 3-5 Züge, bis er dann runterreguliert und zügig trinkt. Da trank er, wie auch die ersten anderthalb Wochen, dann zwischen 5-20 min, bis er am Schluß nur noch nuckelte und dann einschlief .
So wurden wir am 2. Tag nach Geburt entlassen, da hatte ich noch kaum Milch eingeschossen, die kam erst am Tag 3-4. Zu Hause hatte ich eine „Notfallpackung“ Pre und 125ml-Fläschchen, nur für den Fall der Fälle gedacht gewesen, dass es zu Stillproblemen käme.
Ich war von 3 durchwachten Nächten (2 Nächte vor Geburt wegen starker Rückenschmerzen und Einleitungsmed/Kontrollen, 3.Nacht eigentliche Geburt) quasi permanent wach gewesen und hatte massivsten Schlafmangel. Ich schlief beim Stillen, das ich nach Bedarf machte, immer wieder ein und hatte gelegentlich Kreislaufprobleme. Es kam wie es kommen musste, der Kleine hat nicht genug abbekommen und schrie trotz wechselweisem Anlegen nur noch wie am Spieß. Also hat er schließlich nach fast jedem Stillversuch danach Pre dazubekommen, worauf er jeweils prompt schlief und er kam auf 2-3 Stunden gelegentliche Schlafphasen. Einen regelmäßigen Rhythmus Schlafen/Stillen hat er bis heute nicht entwickelt, manchmal 2-3 Stunden, manchmal nur 5min und dann wieder wach.
Um wieder auf die Beine zu kommen, haben wir ein paar Nächte Schichten praktiziert, ich war bis ca 2 Uhr wach, hab da ein letztes Mal gestillt und dann hat mein Partner Windeln gewechselt und bei Hungerzeichen etwas Pre mit Fläschchen gegeben (10-30ml), bis ich ab ca 7-8 Uhr wieder begonnen habe zu stillen. Sein Geburtsgewicht von 2990 g hatte er an Tag 10 wieder drin und er hat sich klinisch gut entwickelt. Gewogen habe ich ihn selbst nicht, nur wenn die Hebamme kam.
Nach ca anderthalb Wochen begannen dann die Schreitage. Ca 5 Tage am Stück schrie er mehrere Stunden, zeigte teils Kolik-Zeichen (Anziehen Beine, Zappeln, herzzerreißendes Weinen/Schreien, Pressen, viele Winde), teils aber auch nicht genauer nachvollziehbares Schreien. Er hing mitunter Stunden fast ununterbrochen an der Brust, hat dabei sehr wütend und Kopf hin und her-werfend irgendwie auf sanften Druck mit der Hand doch die Brustwarze samt Stillhütchen genommen, nur um sie nach ein paar Mal saugen wieder auszuspucken und sich wie wild zur verbiegen und weiterzuschreien. Selbes Spiel wieder von vorne, bis er irgendwann so stinkwütend war, dass nur noch die Brust geschlagen wurde und schließlich gar nichts mehr ging. Am Ende hat er auch die Flasche nicht mehr genommen, bis er nach mehreren Stunden erschöpft eingeschlafen ist. Das Ganze ging erstmal 5 Tage und mein Partner und ich waren am Rande des Zusammenbruchs in Tränen aufgelöst. Wenn überhaupt relevant Nahrungsaufnahme in diesen Tagen, dann per Fläschchen, die unzähligen kurzen Züge an der Brust dürfte nicht viel rübergekommen sein. Ich protokollierte etwas mit und kam auf summiert ca 7h „Stillversuche“ pro Tag.
Da er die Stillhütchen bei seinen Brust-Hau-Aktionen sowieso meistens x-mal wegschlug, hab ich sie schließlich frustriert weggelassen – wozu noch, ich war geistig eh schon beim Abstillen? Doch überraschenderweise: zack, hat er die Brust ohne Hütchen genommen – und seitdem nie wieder eins gebraucht. Das blieb aber der einzige fassbare „Erfolg“. Mittlerweile fütterten wir über den gesamten Tag verteilt ca 160-260 ml/Tag in mehreren Portionen nach dem Stillen zu.
Allerdings hatten seine Beißattacken Spuren hinterlassen, die sich aber mit intensiver Brustpflege gut kontrollieren ließen. Geblutet hat nur die rechte Brustwarze nach einer Beißattacke einmal.
Ich klagte meiner Nachsorge-Hebamme wiederholt die Vorkommnisse und wir versuchten zuerst meine Situation zu verbessern: ausreichende Essens- und Flüssigkeitsaufnahme, Schlafphasen durch „Schichten“ abwechselnd mit meinem Partner, Spaziergänge um aus der Situation räumlich rauszukommen. Dafür akzeptierte ich erstmal das Pre-Zufüttern, fühlte mich aber dabei wie ein noch größerer Versager. Ausgerechnet beim nächsten Besuch zeigte er sich dann als Musterknabe und ließ sich wie aus dem Lehrbuch anlegen, ca 15min lang.
Meine derzeitige Situation: Hunger zeigt sich bei ihm ziemlich schnell, tlw bleibt nicht einmal Zeit, ein Stillkissen hinzulegen oder kurz noch auf Toilette zu gehen. Angesaugt wird sehr fordernd mit nachfolgend 3-5 starken unangenehmen Zügen, dabei muss er den Kopf gut geführt bekommen, da er sonst gierig hin- und herwirft und die Brustwarze „nicht trifft“ oder mit den Händen ständig dazwischenfummelt. Ca in 2/3 der Fälle wird dann ein paar Minuten gesaugt und er schläft dann schnell ein, legt man ihn dann ab, geht das Geschrei aber wieder von vorne los – oft 4-8 mal hintereinander mit immer kürzeren Saug-Phasen an den Brüsten. In ca 1/3 der Fälle wird auch ganz gut angesaugt, allerdings wird er dann zunehmend unruhig an der Brust, schlägt mit den Fäustchen auf die Brust ein, wirft den Kopf hin und her, dockt minütlich ab, biegt sich irgendwann durch. Oft kommt dann die Situation, dass er dann gar nicht mehr von der Brust will und wir dann beim Zufüttern landen – Alternative, falls kein Fläschchen folgt: anhaltendes Geschrei. Übliche „Nachfütter-Menge aktuell: meist 20-30 ml, gelegentlich bis 60 ml. Abstände zwischen den Stillsitzungen völlig unterschiedlich, ein Muster gibt es keines, ich stille nach Bedarf, manchmal (sehr selten) maximal 3,5h Abstand, oft auch mal nur 5min bis halbe Stunde. Clusterphasen hat er seit der 2.Lebenswoche, abends fast immer über 3-5 Stunden, oft auch zwischen 8-14 Uhr, täglich mindestens eine in der gesamten letzten Woche.
Zwischenzeitlich hab ich mir auf Empfehlung der Hebamme zur Steigerung der Milchmenge eine Pumpe besorgt, allerdings sind hier in den wenigen verleihenden Apotheken irgendwie alle erdenklichen Pumpen länger verliehen, so dass ich nur noch eine ältere elektrische Einzel-Pumpe bekommen konnte. Womit natürlich Powerpumping mit den mir empfohlenen 15-15-10-10-5-5min doppelt so lange dauert. Ich komme aufgrznd der vielen Clusterphasen grade auf 1-3 solcher Sitzungen pro Tag, oft nicht komplett, da zwischendurch das Baby sein Vorrecht auf meine Brust wieder einfordert. Abgepumpte Mengen: links 0-15ml/Sitzung, rechts 10-45ml/Sitzung. Die linke Brust mag das Baby beim Stillen auch auffällig weniger gern als rechts.
Als Problem und Versagen meinerseits empfand ich, dass wir nie von dem zusätzlichen Pre wegkamen, er zieht ca 120-260ml/Tag zusätzlich, wobei ich darauf achte, dass ich ihn mehrfach an beiden Brüsten angelegt habe, bevor er die Flasche bekommt. Während der „aggressiven“ Schreiphase oben hat er eher 260ml über 24h bekommen, aktuell stehen wir bei ca 140ml/Tag. Wenn mein Partner ihn füttert, neigt er dazu, ihn solang an der Flasche trinken zu lassen, bis er nicht mehr mag, das ist meist bei ca 60ml der Fall. Manchmal kommt es dann trotz Bäuerchen zu etwas spuckeln. Mittlerweile weiß auch mein Partner, dass er kleinere Portionen langsam gibt, damit konnten wir die Milchmenge schon reduzieren pro „Zufüttermahlzeit“.
Leider waren wir heute 3 Stunden weg und ich hinterließ meiner Mutter 30 ml Muttermilch und eine „Notfall-Flasche“ mit 130ml Pre – als ich wiederkam, war alles weg und er hat natürlich gespuckt. Aussage: „der arme Bub war doch so verhungert und hat gleich nach dem Aufwachen so erbärmlich geschrien, und dann hat er die gaaanze Flasche in einem Haps vernichtet“. Ich habe zu Hause nur noch geheult, da die ganzen Mühen der letzten Woche komplett zunichte war mit der Pre-Reduktion.
Sorry für die ganze riesige Story. Ich bin mir aber nicht sicher, wo genau der Wurm drin ist und habe daher lieber ausführlicher erzählt. Glaubt ihr, ich schaffe es, zum einen eine relevante Milchmenge aufzubauen, dass er auch mal satt wird und nicht ständig nach der Mahlzeit noch Nahrung nachfordert und zum zweiten, noch zum Vollstillen zu kommen? Meine Geduldsreserven sind leider mittlerweile ziemlich erschöpft und einen Plan zum weitermachen habe ich auch keinen. Ich fühle mich ständig hinter Windmühlen herrennend, Milchmenge aufzubauen und gefühlsmäßig läuft es in die verkehrte Richtung und die Zufütterung steigt eher bzw ich bin gefühlt ständig am Dauerstillen – kriegt er stattdessen eine Fläschchenmahlzeit, ist danach 2-3 Stunden Ruhe. Mir drängt sich da ständig das Gefühl auf, er würde nicht satt werden, außerdem habe ich wenig Gefühl, wie viel Zufütterung er wirklich braucht und ab wann er sich am Fläschchen „übernimmt“.
Ich wäre sehr froh, wenn ihr mir wenigstens ein bisschen weiterhelfen könntet. Möchte das Stillen nicht ganz kampflos aufgeben, aber aktuell quälen wir uns glaube beide ziemlich damit.
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Gewichte habe ich nur 4:
- Geburt 16.11.2022: 2990 g
- 25.Nov: 3000g (Hebamme)
- 15.12: 3700g (Hebamme)
- 19.12.: 3800g (Kinderarzt)
Hier noch Antworten auf die Fragen:
* Ist Euer Baby ein Junge oder ein Mädchen? – Junge; erstes Kind
* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, wenn ja, mit was (Muttermilch, Formulanahrung)? Schreibt bitte die Mengen auf (wie oft und wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.
- vom KH bis jetzt Muttermilch hpts über die Brust, dazu 1-3x/Tag abpumpen und Rückgabe der abgepumpten Muttermilch mit Flasche, dazu zwischen 120-210 ml/Tag PRE-Nahrung mit Fläschchen
* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: Wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen? – siehe obigen Text
* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig hat es Stuhlgang?
- Stuhlgang anfangs 2x/Tag, aktuell 1x Tag (curry/cremig, 1 Einserwindel ziemlich voll), Urin ca 7-8x/Tag
* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andock-Probleme? – siehe obigen Text
* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
- Ja, siehe oben. Stillhütchen ab KH, ca 1,5 Wochen lang. Schnuller anfangs häufiger, jetzt nur noch für z.B. Autofahrt oder Sono beim Kinderarzt
* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
- Nur die üblichen U´s; 1x wegen der o.g. Schrei-Phase in der 2.Lebenswoche (ohne pathologischen Befund). Nachsorge-Hebamme war glaube 4 oder 5x da, seit 1 Woche nicht mehr
* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen könnten? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?
- Nein beim Baby mit der Ausnahme, dass er formal ein SGA-Kind war (5-8. Perzentile lt 4x Ultraschall) – bin aber selbst sehr klein (ca 1,60). Ich selbst hatte mal eine ca 2-jährige Hypothyreose-Phase, seit ca 8 Jahren perfekte TSH-Werte und keine Substitution mehr, TSH kontrolliere ich ca 2x/Jahr. Mein linker Brustwarzen-Vorhof hat eine bohnenförmige längliche Form, lateral fehlt bis nahe an die Brustwarze die Färbung (ist seit Geburt so). Adipositas I°, keine weiteren Vorerkrankungen