Seite 1 von 2
Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 06.11.2018, 21:06
von anirahtaK
Meine Cousine hat letzte Woche ein Mädchen geboren, die Kleine kam nach Blasensprung ca 2 Wochen zu früh und hatte so um die 2500g.
Sie war sehr gelb, und musste lange im Fotokasten liegen. Das hat natürlich nicht dazu beigetragen, den Milchfluss durch Kuscheln etc gut anzuregen. So es wurde dann zugefüttert per Brustset wenn ich das richtig mitbekommen habe, und fleißig abgepumpt.
Dann kam die Aussage, die meine Cousine echt geschockt hat. Es heiß: wenn sie nicht mehr trinkt, dann müssen wir mal über eine Magensonde nachdenken. Flasche? Nein, das geht gar nicht.
Meine Cousine hat verständlicher Weise einen Anfall bekommen, und inzwischen ist sie zuhause und füttert mit der Flasche zu, nach jedem Stillen wenn es nicht gereicht hat.
also ich bin irritiert - stillfreundlich schön und gut, aber wie sinnvoll ist es bitte, einem Neugeborenen eine Magensonde zu verpassen, bloß um die "böse" Flasche zu vermeiden? Und vor allem, wie kann man eine völlig unvorbereitete junge Mutter mit so was konfrontieren - das muss doch abschrecken...
Kann mir da bitte eine der Stillprofis was zu schreiben?
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 06.11.2018, 21:14
von Kleine
Ich kann nur von meinem Mini berichten: für den war das Saugen unfassbar anstrengend, egal woran (er war aber auch ein Frühchen). Da war die Magensonde eine Option, ihm Ruhepausen zu gönnen, damit er dann zB jede zweite Mahlzeit stillen kann und längere Schlafpausen dazwischen haben kann, um sich zu erholen. Heute bereue ich es ein bisschen, das damals so vehement abgelehnt zu haben, denn vielleicht hätte sich vieles anders entwickelt (oder wir hätten ähnliche Probleme aufgrund der Sonde, keine Ahnung

).
Das Baby meiner Zimmernachbarin (auch zu früh, aber fitter wie meiner), bekam für 3 Tage eine Sonde und hat sich darunter sichtlich erholt und sie konnte danach voll stillen...
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 06.11.2018, 21:28
von anirahtaK
aha.. ok das wäre eine Begründung, wenn das Kind zu schwach ist. Ich glaube, dann wären auch weder meine Cousine noch ich so irritiert gewesen.
Aber die Aussage war wohl wirklich nur: bevor das Kind eine Flasche bekommt, kriegt es eine Magensonde, denn Flasche geht gar nicht.
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 06.11.2018, 21:47
von Kleine
Das kann bei einem stillfreundlichen Krankenhaus durchaus passieren, denke ich. Wir sind auch mit Becher nach Hause, um eine Saugverwirrung zu verhindern. Nach 6 Wochen bin ich dann auf die Flasche umgestiegen (parallel zum Stillen), weil ich nicht mehr konnte und mich mein Mann so besser entlasten konnte... Mein Mini wurde per Fingerfeeding und Becher zugefüttert, aber Flaschen gab es in meinem KH auch nur für Babies, deren Mütter nicht stillen wollten oder konnten.
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 06.11.2018, 22:03
von Brianna
Mein Großer war ein SGA-Frühchen, die Klinik alles aber nicht stillfreundlich. Er hatte eine Sonde und wurde am Anfang viel sondiert, um ihm Ruhe zu lassen. Es gab sonst nur Flasche. Stillen durfte ich nicht. Nachts wollten sie noch länger lieber sondieren. Er hat sich nicht an den Dreistundenrhythmus gehalten und kam eine halbe Stunde nach dem Sondieren und hat sich vehement bemerkbar gemacht, bis er etwas bekam.
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 06.11.2018, 22:11
von Mondenkind
Das kann bei einem stillfreundlichen Krankenhaus durchaus passieren, denke ich.
Bitte Vorsicht mit Spekulationen und Unterstellungen. Natürlich werden auch in babyfreundlich zertifizierten Häusern (es heißt extra babyfreundlich, nicht stillfreundlich!) keine Kinder mit unnötig invasiven Maßnahmen traktiert, um vermeintlich "böse" Flaschen zu vermeiden.
also ich bin irritiert - stillfreundlich schön und gut, aber wie sinnvoll ist es bitte, einem Neugeborenen eine Magensonde zu verpassen, bloß um die "böse" Flasche zu vermeiden?
Kinder nach schweren GEburten, zudem mit Hyperbilirubinämie, sind mitunter zu schwach zum saugen und
das Trinken an der Flasche ist bekanntermaßen anstrengender als das an der Brust und verursacht nachweislich mehr Stress und Atemaussetzer. Es kann also sein, dass ein Kind, dass schon an der Brust Probleme hat, mit einer Flasche gar nicht klarkäme. Eine Magensonde kann da eine sinnvolle Unterstützung sein, um das Kind schneller zu Kräften zu bringen und jegliche eigenständige Nahrungsaufnahme überhaupt erst möglich zu machen.
Es mag sein, dass das nicht gut kommuniziert wurde, das wäre natürlich schade und unprofessionell. Es kann auch sein, dass Blödsinn vorgeschlagen wurde, soll vorkommen. Sehr gut möglich ist aber auch, dass etwas falsch aufgefasst wurde (welche Mutter kann in so einer Situation schon all die Informationen aufnehmen, geschweige denn wiedergeben). Und die Flasche ist mitnichten der Königsweg für saugschwache oder beeinträchtigte Kinder. Mit "Stillen über alles" muss das gar nichts zu tun haben.
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 07.11.2018, 08:15
von anirahtaK
Danke für Deine Antwort.
Ich muss wohl noch mal Stillgrundwissen lesen gehen. Wenn saugen an der Flasche schwerer ist als an der Brust, wieso entscheiden sich dann so viel Kinder die beides bekommen, für die Flasche?
Wenn das Kind zu schwach ist, keine Frage, Nahrung muss ja rein, "egal wie".
Ich war ja nicht dabei, darum kann ich nur wiedergeben was mir erzählt wurde - und das war eben, dass sie gut saugen würde, und auch gut was käme, aber eben nicht genug.
Und wenn ich was nicht weiß, frag ich nach. Habe ich hiermit getan, und es rückt mein Bild wieder etwas gerade.
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 07.11.2018, 08:46
von Februarmama
Ich glaube von einer „Entscheidung“ für die Flasche kann man eher nicht sprechen, die Technik unterscheidet sich und bei einer Saugverwirrung können die Babys dann nur noch eine von beiden Techniken.
Ich hätte auch noch eine Theorie in Sachen Magensonde- man kann doch auch ein BES mit einer Sonde improvisieren...also an der Brust stillfreundlich zufüttern- vielleicht war das gemeint und es gab ein Missverständnis?
Alles alles Gute deiner Cousine und ihrem Baby!
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 07.11.2018, 09:47
von anirahtaK
Danke... den beiden gehts aktuell recht gut.
Mit BES zugefüttert hatte sie im KH schon, hat sie zumindest erzählt. Warum das dann nicht gereicht hat - nun vielleicht war wirklich zu wenig Kraft da.
Sobald ich Zeit habe fahr ich sie mal besuchen, vielleicht krieg ich dann noch die entscheidene Info, ob das ein Missverständnis war oder einfach unprofessionell.
Re: Stillen über alles - lieber Magensonde als Flasche?
Verfasst: 07.11.2018, 10:54
von Regenbogen82
Ich kenne es von der Neo auch so, dass bei kleinen, schlappen Kindern, die trotz zufüttern Probleme mit der Gewichtszunahme haben, eine Technik mit Saugen (Brust oder Flasche) pro Mahlzeit eingesetzt wird, bis das Kind nicht mehr kann und dann der Rest nachsondiert wird, damit sie sich nicht völlig verausgaben.
Alles Gute für sie!