Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

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Himmelszelt
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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Himmelszelt » 16.09.2018, 16:48

08u11 hat geschrieben:
16.09.2018, 16:03
Himmelszelt hat geschrieben:
16.09.2018, 14:39
Ich finde, ein Staat kann Anreize setzen, aber genauso muss auch Bewegung zu Hause statt finden. Und- weil ich grad das Beispiel mit den beide arbeiten 30h sehe- das gibt es doch jetzt mit EG Plus, und in vielen Betrieben ohnehin schon? Und wieso sollte das ohne Aufwand passieren? Gerade wenn man Veränderung möchte, geht es nun mal nicht ohne Aufwand, ohne kritische bzw reflektiere Diskussionen, ohne auch mal dreimal nachzufragen.
Ähm - 30h/Woche für eine 1,2 oder sogar drei Jahre vielleicht. Und dann?
Ich weiß, das es viele Berufe gibt, bei denen das auch später noch geht. Aber eben längst nicht alle. Mein Mann ist Philosoph, derzeit als Juniorprofessor. Da geht halt leider - zumindest subjektiv - nur ganz oder gar nicht. Denn die Alternative ist am Ende nicht, auf der Karriereleiter eine Stufe runter gerutscht zu sein, sondern ganz ohne Job dazustehen, beziehungsweise etwas völlig Fachfremdes machen zu müssen. Denn blöder Weise wird er sich in 6 Jahren um eine 'richtige' Professur bewerben müssen und da wird halt dann einfach niemand fragen, wie viel er sich in der Kinderbetreuung eingebracht hat. Gleichzeitig werde ich aber gerade ständig gefragt, ob ich nach Kind Nr. 4 wirklich schon nach einem Jahr wieder einsteigen will und ob ich das denn überhaupt schaffe?
Ich will mich gar nicht beklagen: ich wusste vorher von den beruflichen Pänen meines Mannes und wollte und will die Kinder trotzdem. Bei uns zumindest geht es auch nur sehr indirekt um eine Genderfrage - Frauen, die Professorin werden wollen, hätten das gleiche Problem, weshalb ich auch keine Professorin mit 4 Kindern kenne. Mein Mann macht (relativ) viel. Aber gleichzeitig ist hier halt von vornherein klar: einer von uns arbeitet mindestens 100, eher 150 Porzent beruflich und der andere halt dann höchstens noch 50 Prozent. Und ja, das könnten wir anders organisieren - aber der Preis dafür ist dann halt schon sehr hoch und da geht's nicht mehr um ein paar 100 Euro für ein paar Monate oder Jahre, sondern schon um ganze Lebensentwürfe.
Zufällig genau mein Berufsfeld. 😉 Bei uns in Berufungskommissionen (Uni in NRW) sowie auch bei Drittmittelprojekten wird da extrem drauf geachtet, und ich kenne viele Juniorprofessor*innen und auch C3 Professor*innen wo besonders die Männer ganz klar in E-Mails (an die komplette Mailingliste) schreiben: „Leider kann ich an dem Meeting in den Ferien nicht teilnehmen weil ich mich um die Kinder kümmere/weil mein Kind krank ist und ich kindkrank mache/weil meine Frau auf Dienstreise ist.“ Das machen sie extra und aus gutem Grund, und hat bei uns dazu geführt das wirklich keiner mehr mit der Wimper zuckt wenn Familie vorgeht.

Zumal ich ehrlich sagen muss dass ich wiss. Mitarbeiterstellen bzw. Professuren als ideal ansehe um flexibel arbeiten zu können. Klar arbeitet man viel (und über die Notwendigkeit von viel zu vielen Überstunden bei gleichzeitiger finanzieller Ausbeutung und prekärer Befristung die passenderweise oft auch bei der Elternzeit dann doch Probleme macht könnte ich SEITENWEISE schreiben), aber in anderen Jobs ist es sicher schwerer Familie und Beruf flexibel zu vereinbaren.
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Himmelszelt
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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Himmelszelt » 16.09.2018, 16:49

Um es nochmal kurz zu machen, gerade tenure track KANN auch länger laufen. Ob man sich das als Erste*r an der eigenen Uni traut, ist eine andere Frage.
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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von 08u11 » 16.09.2018, 17:32

Ja, von der Flexibiltät her stimmt das. Das ist auch schön und ermöglicht es mir immerhin in einem sinnvollen Beruf halbwegs drinzubleiben.

Wie wäre das aber, wenn der Juniorprofessor mal sagt: schön, ich mache die nächsten 3 Jahre nur halbtags, damit meine Frau ihr Ref/ihre Habil/... in Ruhe abschließen kann?
Ich hatte vor 2 Jahren darüber nachgedacht, noch eine Ausbildung anzugehen - die wäre 3 Jahre gegangen mit Seminarwochen, Vollzeitstelle, ... . Gewohnt haben wir natürlich am Uni-Ort meines Mannes - 500km von unseren Familien entfernt. Ähm, ja, geht einfach nicht (wirklich).
Tenure track - gestatten dass ich lache :( . So gescheit waren wir schon.

Mir ist schon klar, dass ich hier auf sehr hohem Niveau jammere und zum Teil auch selbst Schuld dran sind. Nur, es ist halt nicht NUR die Entscheidung der jeweiligen Partner selbst, auch wenn die natürlich dazu beitragen.
Und die Uni ist ja eben - erschreckenderweise - noch lange nicht das Schlimmste. Von freier Wirtschaft und ähnlichem will ich gar nicht erst reden.
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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Yllana » 16.09.2018, 18:26

Ich habe im Freundeskreis auch so einen Fall. Der Mann wollte sehr gerne viel Elternzeit machen, war sogar schon fest eingeplant, weil die Frau wieder zurück in ihren Beruf wollte. Dann wurde die Firma verkauft, umstrukturiert und mein Freund musste durch die Blume hören, dass er das mit der Elternzeit entweder sein lässt oder in der neuen Organisation halt kein Platz für ihn ist. Bodenlose Frechheit, aber meine Freunde haben es geschluckt und jetzt halt anders organisiert.

Gleichzeitig habe ich einen Kollegen, der genau im gleichen Bereich arbeitet wie ich mit dem gleichen Chef etc. Und der auch behauptet Elternzeit geht ja in unserem Bereich nicht. Den habe ich lange und ausdauernd ausgelacht weil es glaube ich auf der Welt keinen besseren Job als unsren gibt um Elternzeit und/oder Teilzeit zu machen. Er war aber trotzdem voll davon überzeugt und erzählt das wahrscheinlich auch so seinem Umfeld.....
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Amber
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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Amber » 16.09.2018, 18:32

Frech aus einem anderen Thread rüberkopiert:
Batinka hat geschrieben:
16.09.2018, 09:05
Auf dem Elternabend wurde auch die Schulbücherei vorgestellt. Einen Ausweis dafür bekommen nur Kinder, deren Mütter sich zu Bib-Diensten melden. Der (immerhin geäußerte) Einwand von Elternseite, dass Väter das ja auch können, wurde übergangenen. Es ist eine große Schule, vom reinen Zeitaufwand dürfte da wenig pro Familie anfallen.
Noch Fragen?

Es scheint in anderen Regionen Deutschlands vielleicht anders zu sein. Viele hier erleben tagtäglich genau solche Geschichten. Bayern (in meinem Fall) ist besonders rückständig, da wird z.B. explizit nach "Müttern" gesucht, die den Schulausflug begleiten.

Wie auch immer, in meinem (zugegeben eher älteren) Freundeskreis ist es schon beinahe unglaublich, dass ich mit zwei Kindern noch 20 Stunden arbeite. Wir hatten in großer Runde wirklich mal ne Diskussion, warum ich die Wäsche des Gatten nicht IN den Schrank räume sondern ihm nur hinlege.

Meine Kinder sind nun schon 7 und 9, jetzt habe ich wieder Luft, Zeit zum Reflektieren. Hätte ich in der Säuglingszeit von Mental Load gewusst, wären die letzten Jahre sicher anders verlaufen. Nein, Mütter "jammern" nicht nur in solchen Artikeln, sie sehen von alleine keinen Ausweg. Ich hatte jedenfalls keine Energiereserven mehr, um für mich zu kämpfen. Damit fange ich erst jetzt an, dafür richtig :wink:
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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Himmelszelt » 16.09.2018, 19:11

Meine sind ja auch schon 8 und 5. 😉 Ich habe weiter oben auch schon geschrieben,

Bei dem oben zitierten Beispiel würde ich einfach hoffen, dass genügend Eltern etwas sagen und darauf hinweisen dass wir 2018 haben und 1953 gerne sein Rollenbild zurück hätte. 😉 Denn nochmal: was soll der Staat denn bitte gegen sowas machen? Das MUSS von uns kommen. Leider kann ich nur sagen dass wenige laut solchen Äußerungen etwas entgegnen. Man will ja nicht anecken, wenn der Musiklehrer sagt „Oh super, heute sind ja mal drei Väter hier, toll, dass Sie sich trotz Job die Zeit nehmen! Vielleicht können Sie ja nachher die Stühle aufeinander stapeln.“

Deshalb: ich habe absolut nichts dagegen wenn sich Mütter beschweren, oder jammern. Muss ich auch gelegentlich. Aber es wäre schön wenn man nicht nur nach dem Staat oder der Politik, wer auch immer das konkret ist, schreit, sondern auch im eigenen Kreis nach Lösungen und Änderungspotenzial sucht. Und das fängt in meinem Umfeld sehr wohl bei a) den eigenen Erwartungen und b) dem Partner an.
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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Elena » 16.09.2018, 19:31

Amber hat geschrieben:
16.09.2018, 18:32

Es scheint in anderen Regionen Deutschlands vielleicht anders zu sein. Viele hier erleben tagtäglich genau solche Geschichten. Bayern (in meinem Fall) ist besonders rückständig, da wird z.B. explizit nach "Müttern" gesucht, die den Schulausflug begleiten.
Das glaube ich dir sofort. Solche Geschichten kenne ich aus Bayern (aus dem ländlichen Bayern!) auch. :evil:

Wir hatten gerade die Schwiegereltern zu Besuch und mir (und meinem Mann) ist so vieles aufgefallen: Sie fragt mich z.B., ob ICH denn mal eine neue Küche haben möchte. Sie erzählt von meiner Schwägerin (die sich die Familienarbeit relativ gleichberechtigt mit ihrem Mann teilt!): "Die XY hat da schon wirklich viel Arbeit mit den Kindern". Sie geht in allem unterbewusst davon aus, dass Herd und Kinder Frauensache sind. Ach ja, und Hammer und Bohrmaschine natürlich Männersache. Mein Mann hat sich, glaube ich, extra viel in die Küche gestellt an dem Wochenende, während er mir im Auto immer den Vortritt gelassen hat, damit ich am Steuer sitze. :lol: Sowas ist wirklich, wirklich tief drin.

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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Carlotta » 16.09.2018, 20:21

Aber eure ganzen Beispiele zeigen doch dass da nicht die Politik sich ändern muss sondern wir uns! Dann müssen eben Väter beim Elternabend aufstehen und sich laut beschweren! Deutlich den Leuten sagen dass sich beide kümmern! Wenn man sich als Vater dann raushält befeuert man das doch nur!
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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Elena » 16.09.2018, 21:08

Carlotta hat geschrieben:
16.09.2018, 20:21
Aber eure ganzen Beispiele zeigen doch dass da nicht die Politik sich ändern muss sondern wir uns! Dann müssen eben Väter beim Elternabend aufstehen und sich laut beschweren! Deutlich den Leuten sagen dass sich beide kümmern! Wenn man sich als Vater dann raushält befeuert man das doch nur!
Das sehe ich genauso. Gleichzeitig denke ich, dass die Politik schon unterstützen kann und muss. Ich finde, das Konzept Elterngeld z.B. hat schon einiges bewirkt. Auch wenn viele Väter nur die beiden Alibimonate nehmen und in der Zeit mit der Familie verreisen, führt das doch dazu, dass alte Grenzen allmählich aufgeweicht werden. Wer Elternzeit nimmt, befasst sich oft zumindest gedanklich auch mit Teilzeit. Und das wird dann irgendwann vielleicht normal. Mein Mann war der erste in seiner riesigen Firma, der aus familiären Gründen Teilzeit gearbeitet hat. Er wurde mittlerweile häufig von Kollegen darauf angesprochen und hat von unseren guten Erfahrungen mit dem Modell erzählt. Den einen oder anderen hat er auch angesteckt. Und für viele ist das das Elterngeld auch ein handfestes Argument, Elternzeit zu nehmen.

Andererseits sehe ich natürlich die Männer in der Pflicht, dafür zu kämpfen, dass sie ihren Teil der familiären Verpflichtungen auch übernehmen können und nicht beim kleinsten Hindernis, das der Arbeitgeber aufbaut, gleich einzuknicken. ABER: Das ist leichter für die Männer, wenn ihre Frauen sich nicht gleichzeitig darauf verlassen, dass der Mann schon genug Geld nach hause bringt! Und wenn der Mann Familienarbeit übernimmt, sollte er das zu seinen Bedingungen tun dürfen. Man kann ja wohl von einem erwachsenen Mann nicht Engagement einfordern, wenn man ihm gleichzeitig nicht zutraut, dass das Kind alleine mit ihm den Tag überlebt. Nach meinem Eindruck halten sich viele Mütter für absolut unersetzlich und trauen ihrem Mann kaum was zu.

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Re: Artikel zum Thema Mutterschaft in der heutigen Zeit

Beitrag von Sandküste » 16.09.2018, 21:14

Alleinerziehend mit schlecht bezahlten 30h-Job schaffe ich es kaum, mir über Morgen Gedanken zu machen. Und keine Kinder sind zum Glück nicht mehr klein.
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