Einen Buchtipp habe ich nicht, nur meine eigene Erfahrung: für mich haben alle "radikalen" Ansätze nicht funktioniert, stattdessen die Strategie es ganz langsam angehen zu lassen und sich langsam umzugewöhnen. Wir sind nicht komplett zuckerfrei, die Kinder schon gar nicht, aber ernähren uns viel besser als noch vor einem Jahr
Im Prinzip hat "zuckerfrei" zwei Ansatzpunkte:
a) euren "Süßgeschmack" nach unten regulieren
b) weißen Kristallzucker (und Abkömmlinge davon, z.B. Glukosesirup) und leere Kohlenhydrate (allen voran weißes Weizenmehl...) nach und nach durch anderes zu ersetzen
Bei beidem kannst Du eine Strategie der kleinen Schritte fahren und nach und nach die Gewohnheiten verändern. Also z.B.
a) Bei jedem Rezept und jedem Kochen/Backen/Zubereiten ab sofort die Zuckermenge einfach mal um 10% reduzieren. Das schmeckt man nahezu gar nicht! Nach 1-2 Wochen nimmst Du die nächsten 10% weg, und so weiter. Üblicherweise ist es kein Problem innerhalb weniger Wochen den Süßgeschmack um ein Drittel bis zur Hälfte abzubauen, und fertig gekaufte Teilchen etc. schmecken einem dann plötzlich "viel zu süß". Bei fertig gekauften Dingen ist es freilich schwieriger, allerdings kann man dann schon mal schauen ob es zuckerärmere Varianten im Regal gibt, oder auch hier mal bewusst 10-20% weniger überhaupt erst auf den Tisch stellen bzw. auf seinen Teller laden.
b) Hier sollte man ein paar Gedanken reinstecken, bevor man in Aktionismus verfällt. Viele ersetzen beim Kochen und Backen von jetzt auf gleich weißen Zucker durch Süßstoff oder Agavendicksaft - beides ist überhaupt nicht sinnvoll, denn das ist kein bisschen gesünder, nur teurer. Überhaupt muss man sich überlegen, welche Süßungsmittel man zukünftig einsetzen möchte, und dazu muss man sie überhaupt erstmal kennen (Agavensirup, Ahornsirup, Honig, Reissirup, Stevia, Xylit, Erythrit, Flüssigsüßstoff, etc. und dann gibt es noch zig Mischformen aus diesen ganzen Produkten; außerdem kann man Gerichte süßen indem man pürierte Datteln, Bananen, Apfelmus, etc. einsetzt). Und man muss sich klarmachen, dass alle diese Produkte verschiedene Koch- und Backeigenschaften haben und dass zu viel Fruktose auch nicht besser ist als klassischer Haushaltszucker, und dass Süßstoffe nicht nur von Verschwörungstheoretikern zum Teil auch kritisch gesehen werden.
Was aber auch hier gut funktioniert: Langsam in kleinen Schritten vorgehen. Wenn man beim Selbstkochen den Zuckeranteil schon um 30% reduziert hat - siehe a) - kann man als nächstes anfangen, einen Teil der verbliebenen Zuckermenge durch alternative Süßungsmittel zu ersetzen. Für den Anfang reicht es, zwei oder drei davon im Haus zu haben und zu experimentieren.
Ebenso verhält es sich mit Auszugsmehl: Wer auf einmal überall Dinkelvollkorn statt 405er-Weizen reinschüttet, dem ist der Protest seiner Familie sicher. Aber niemandem wird es auffallen, erstmal einen Teil des bisherigen Mehls durch 1050er zu ersetzen. Und dann im nächsten Schritt mal einen Esslöffel Vollkornmehl unterzumogeln. Und dann nach und nach weiter so.
Ich backe außerdem inzwischen gern mit einem Anteil von Kokosmehl, Mandelmehl (entölt), Süßlupinenmehl, Hafermehl, Teffmehl, Buchweizenmehl - aber ich habe das nicht alles auf einmal angefangen und hatte dann zehn angefangene Tüten, sondern auch erstmal zwei Sachen besorgt, damit herumexperimentiert und dann geschaut was die Kinder essen und was geht. (Auch jetzt habe ich nie alle diese Dinge gleichzeitig da und offen. Ich nehme gerne mal mit, was Aldi oder Lidl gerade in der Bio-Aktion haben oder was woanders reduziert ist...)
Wenn man ein paar Wochen lang mit a) und b) einen Einstieg geschafft hat kommt der Rest dann mehr und mehr von selbst. Wer seinen Süßgeschmack reduziert hat, dem schmeckt auch das zuckerfreie Apfelmark statt des gezuckerten Apfelmus (und da das Apfelmark teurer ist, konsumiert man es bewusster und vielleicht weniger). Wenn man seine bevorzugten Trockenfrüchte gefunden hat, kann man damit einen durchaus veritablen Nasch-Ersatz für abends aufm Sofa anlegen. Und auch der Griff zu Vollkornprodukten beim Bäcker fällt leichter, wenn man das weiß-süße Pappzeug eigentlich inzwischen schon zu weiß und pappig findet. (Wir backen die Wochenendbrötchen inzwischen nur noch selbst, weil ich die Körnerbrötchen vom Bäcker eklig finde, die weißen uns aber auch zu labbrig und unsättigend geworden sind.)
Auch Pizzeria-Pizza oder gar TK-Pizza verliert erheblich an Genusswert, wenn man sich erstmal an die viel nahrhafteren intensiveren Varianten gewöhnt hat.
Ebenso mit Marmelade: ich habe Sorten, die weniger süß sind, aber letztlich ist da ja immer Zucker oder Fruchtzucker drin, also hilft nur sparsamer einsetzen. Erdnussmus ohne Zucker und Palmöl zu finden, was trotzdem schmeckt, fand ich auch schwierig, hat Monate Testerei gedauert, jetzt hab ich endlich welche.
Eis machen wir quasi nur noch selbst. Haben wir früher auch, da aber noch mit viel Milch und Sahne und Zucker, inzwischen viel mehr mit Joghurt, Obst, Mandelmilch, kreativen Süßungsmitteln. Aber ja, ab und zu mache ich den Kids auch mal normales Butterkaramell - es geht ja nicht um Dogmatismus, sondern um Genuss.
Nimm es als Weg, der nicht Tage dauert, sondern eher Monate oder Jahre. Am besten hilft Neugierde, Experimentierfreude und kein schlechtes Gewissen.
Ach doch, einen Blogtipp habe ich noch:
https://www.carrotsforclaire.com/ Dort gibt es viele Rezepte, die Vollkornmehl und alternative Süßungsmittel unbemerkt unterschmuggeln. Ist aber wirklich eher was für Stufe zwei, wenn man seinen Geschmack schon ein bisschen neu justiert hat, sonst streiken die Kinder
Viel Spaß beim Experimentieren!