Weiter zufüttern oder Abstillen??
Verfasst: 19.04.2017, 18:03
Ein liebes Hallo an alle Forennutzer und Stillberaterinnen,
ich eröffne einen neuen Thread, weil ich meine Lage als ziemlich dringlich empfinde und eine helfende und richtungsweisende Antwort suche... Ich hoffe, das ist okay, denn von den Titeln der anderen Themen, scheinen andere in einer ähnlichen Situation zu stecken.
Ich bin bereits bei einer Stillberaterin gewesen, das schon mal vorab. Leider fühle ich mit im Moment etwas allein gelassen, ich erreiche Sie kaum telefonisch, obwohl ich ihr auf die Mailbox spreche. Nun soll ich mich nur noch per SMS melden. Und obwohl ich ihr so gut wie möglich zu verstehen gebe, dass aus meiner Sicht nicht alles wie geschmiert läuft, kommt nicht viel mehr Feedback als ein gut gemeintes "Das wird schon!". So fühlt es sich aber nicht an.
Ich versuche mal, ein vollständiges Bild von unserer Lage zu vermitteln.
Meine Tochter Mira wurde am 23.11.2016 nach einem vorzeitigem Blasensprung (36+6) im Krankenhaus spontan zur Welt gebracht. Sobald sie auf meinem Bauch lag, hat sie sofort das Suchen angefangen. Mit etwas Kopfunterstützung meinerseits hat sie an beiden Brüsten getrunken und erst danach mal einen Blick hoch zu Mama und Papa geworfen
Die Tage im Krankenhaus war ich viel mit Stillen beschäftigt. Ich durfte sie die ganze Zeit mit im Bett bei mir schlafen lassen, sie war fast nackig, wir hatten viel Hautkontakt. Nach zwei Tagen hatte ich den Milcheinschuss. Sie nahm nicht mehr als 7 % ihres Geburtsgewichtes ab und am dritten Tag durften wir nach Hause. Da meine Hebamme eine OP hatte, kam bis Tag 12 des Wochenbettes ihre Vertretung. Meine Tochter hatte von Beginn an ein großes Saugbedürfnis, ich hab gefühlt Tag und Nacht dauergestillt. Trotzdem verlief ihre Gewichtszunahme schleppend. Ihr erster MuMi-Stuhl kam an Tag 10. Die Hebammenvertretung wurde an Tag 12 nervös, weil das Geburtsgewicht noch nicht erreicht war. Ab dann kam wieder meine ursprüngliche Hebamme. An Tag 15 war Mira dann bei 25 g unter ihrem Geburtsgewicht angekommen. Wir haben uns sehr gefreut und die Hebamme meinte, Mira sähe gut aus, wir bräuchten sie nicht weiter wiegen... Der Stuhlgang blieb weiter so selten, alle 5-6 Tage. Die Hebamme meinte, das sei normal bei vollgestillten Kindern (von 10x pro Tag bis 1x alle 10 Tage alles möglich). Leider wurde das Stillen dann sehr schnell sehr unruhig. Mira trank nicht schön ruhig vor sich hin, sie dockte an und ab und an und ab, schrie zwischendurch und wurde sehr sehr unzufrieden. Sie hatte täglich schlimme Schreianfälle, manchmal mehrere Stunden lang, durch nichts zu beruhigen (Brust regte sie noch mehr auf). Sie wachte weinend auf, sie schlief weinend ein, meist vor Erschöpfung. Wir hatten sie 24 h im Tuch, auf dem Arm oder an uns dran. Aber das machte sie nicht zufriedener. Ihr Schlaf war immer nur ganz oberflächlich, sie wachte bei jedem Pieps auf. Nachts ließ sie meine Brust nicht los. Es war sehr anstrengend. Unsere Hebamme meinte, Mira hätte halt ein großes Schreibedürfnis, müsste Anspannungen verarbeiten etc. Und wir haben versucht uns damit anzufreunden, dass unsere Anfangszeit tränenreicher verlief als gedacht... Wir waren auch drei Mal beim Osteopathen, um von dieser Seite irgendwelche Blockaden auszuschließen.
Bei der U3 zeigte sich eine Gewichtszunahme von 325 g (ausgehend vom Geburtsgewicht), das war ziemlich genau 4 Wochen nach Geburt. Ich beschrieb dem KiA (anthroposophischer Arzt) Miras Verhalten und er meinte, es klingt so, als würde sie nicht satt werden. Er stellte mir ein Rezept für eine Milchpumpe und eine Babywaage aus und meinte, ich solle alles mit meiner Hebamme besprechen, wir sollten wiegen und durch Abpumpen die Milchproduktion ankurbeln. Am nächsten Tag rief ich die Hebamme an (ein Tag vor Weihnachten). Die hat meine Sorge, Mira würde nicht genug Milch bekommen, sofort ausgehebelt. Sie meinte, Mira hätte zugenommen, also könne sie nicht zu wenig bekommen. Sie sagte, das ganze Wiegen und Abpumpen würde nur unnötiger Stress sein. Wir sollten Mira endlich so annehmen, wie sie ist, also auch mit ihrem Weinen... Ich meine, das haben wir gemacht! Wir waren immer bei ihr, haben sie gehalten. Aber es ist nicht einfach, dieses Schreien Tag für Tag zu hören und sich nicht zu fragen, ob da vielleicht was nicht stimmt. Die Hebamme versprach, sie würde in 14 Tagen mit Waage vorbeikommen. Diesen Termin hat sie dann verschieben müssen. Drei Wochen später kam sie dann und meinte wieder, Mira würde gut aussehen, sie würde sie nicht wiegen. Okay... Ich habe ihr wirklich vertraut.
Zur U4 hat Mira dann 4830 g gewogen (Gewichtszunahme von 1450 g in 10 Wochen). Sie war damit auf der 25. Perzentile geblieben und für den KiA war es okay, dass ich mit meiner Hebamme ein anderes Vorgehen beschlossen hatte.Er vertraute ihrer Einschätzung, dass es nicht an der Milchmenge lag. Ich bekam sogar noch ein Rezept für verlängerte Hebammenbetreuung ausgestellt (die Idee hatte meine Hebamme, aber nicht wegen der Stillschwierigkeiten, sondern um uns noch ein wenig länger begleiten zu können).
Anfang März hat sich die Situation für mich etwas zugespitzt. Mein Mann wurde krank und ich war mit Mira alleine. Ihr Schreien wurde so unerträglich, dass in mir die Sorge wieder ganz laut wurde, ich könnte etwas übersehen. Das Stillen war nur noch furchtbar, sie blieb nur einige Sekunden an einer Brust und ich musste sie hin und her wechseln. Ich hab nicht gezählt, aber es waren bestimmt zwanzig Mal pro Stillmahlzeit. Die dauerte dann nur wenige Minuten und endete jedes Mal damit, dass Mira schrie... Einmal abends kam dann für mich die Gewissheit, dass sie Hunger hatte, und zwar richtig doll! Ich kann es nicht beschreiben. Sie hat mich beim Stillen angeschaut und richtig verzweifelt angebrüllt. Ich hatte wieder einen Termin mit der Hebamme. Die hat natürlich nur gesehen, dass ich geweint habe und meinte, mich wegen Wochenbettdepression einweisen zu wollen. Ich habe das aber abgelehnt, weil ich wusste, dass ich nur fertig war und nicht mehr weiter wusste, aber keineswegs depressiv... Ich habe sie stattdessen wiederholt auf das Stillen angesprochen, und sie war sogar beim Stillen dabei - sie hat gesehen, wie Mira sich gequält hat. Sie meinte, man könne es nun durchaus mal mit einem Fläschchen am Abend probieren. Sie empfahl mir den Calma-Sauger von Medela, da würde es nicht zu einer Saugverwirrung kommen. Ich bin sofort losgelaufen und habe alles besorgt.
Am 08.03. habe ich am Abend das erste Mal mit Pre-Nahrung zugefüttert. Und was soll ich sagen? Mira hat 70 ml getrunken, mir dabei friedlich in die Augen geschaut, ist danach an der Brust SOFORT ohne einen Ton eingeschlafen und hat die Brust daraufhin sofort losgelassen. Ich war fassungslos!! Ganz ehrlich.
Am nächsten Tag habe ich dann immer zugefüttert, wenn sie so doll zu Weinen anfing - sie beruhigte sich jedes Mal sofort und schlief dann ganz ruhig im Tuch ein. Das war vorher undenkbar gewesen. Mira war wie ausgewechselt. Sie war nicht mehr unzufrieden, sie war entspannt, quietschfidel und ganz kommunikativ. Ich war immer noch geschockt. Und ich bemerkte, dass Mira immer mehr Pre aus dem Fläschchen wollte. Das trank sie so hastig, dass sie Unmengen davon verdrückte, manchmal sogar 100 ml... Nach einer kurzen Phase, wo wir ein zufriedenes Kind hatten, kam dann nach ein paar Tagen die Ernüchterung - wir waren im Stillstreik gelandet. Mira verweigerte die Brust und bestand auf ihr Fläschchen. Nun war ich wieder am Rande der Verzweiflung. Meine Hebamme antwortete mir nicht, so rief ich sonntags eine Stillberaterin an, die zu meiner Verwunderung sogar ranging
Naja, sie hat mir dann erst mal den Kopf gewaschen wegen dem Calma-Sauger und meinte, die Geschichte hört sich so an, als wäre da von Anfang an was übersehen worden. Sie riet mir, sofort auf Zufüttern an der Brust umzusteigen. Ich besorgte mir eine Sonde und hatte einen Termin vier Tage später. Durch die Sondenzufütterung konnte ich Mira wieder an die Brust gewöhnen, aber Stillen war trotzdem noch ein Krampf für uns beide, da ich sie natürlich vorher an die Brust anlegen sollte. Und dann war sie so sauer, dass sie sich auch durch die Pre-Milch kaum beruhigen konnte. Sie trank auch über die Sonde extrem hastig und merkte kaum, wann sie dann satt war...
Im Termin besprachen wir die ganze Situation noch mal und sie meinte weiterhin, dass meine Muttermilchproduktion wahrscheinlich nie über eine "Low-Level-Versorgung" hinausgekommen sei und das Mira nie ausgereicht hätte, um wirklich satt zu sein. Sie meinte auch, die Gewichtszunahme sei zu gering gewesen und besonders die Ausscheidung von MuMi-Stuhl viel zu selten. Eine Ultraschalluntersuchung meiner Brüste zeigte dann auch, dass von dem Drüsengewebe nur ein kleiner Teil aktiv war...
Die Entscheidung fiel, dass ich Domperidon nehmen sollte und über das Brusternährungsset weiter zufüttern sollte, natürlich immer erst nachdem ich Mira ohne BES angelegt hatte... Wir begannen mit 50 ml Pre pro Mahlzeit und sollten dann immer weiter unter Gewichtskontrolle reduzieren.
Gesagt, getan. Ich war sehr dankbar, endlich Bescheid zu wissen und einen Plan zu haben.
Wir besorgten eine Waage und fingen dann auch ziemlich schnell mit dem Reduzieren an - immer in Absprache mit der Stillberaterin.
Mira machte die Reduktion auf 30 pro Mahlzeit gut mit. Aber ihr Verhalten beim Stillen blieb weiterhin sehr unruhig. Ihre gemachten Erfahrungen versetzten sie immer in höchsten Alarmzustand, wenn sie Hunger bekam oder es an die Brust ging. Ich ging schnell zum Stillen im Liegen über, um soviel Ruhe wie möglich reinzubringen. Der Plan war, auf 20 ml zu reduzieren. Nachts sollte ich nicht zufüttern. Dann auf 30 ml alle zwei Mahlzeiten, dann 20 ml alle zwei Mahlzeiten etc.
Ich merkte schnell, dass das weitere Reduzieren mit Mira nicht so gut ging... Ganz besonders am Abend, wenn ich sie zu Bett brachte, wollte sie mehr Milch, meist die doppelte Ration. Die Stillberaterin erklärte mir, dass das nicht so gut sei, ihr mehr zu geben, sondern bei konstanten Zufütterungsmengen pro Mahlzeit zu bleiben. Mira wäre ein normales Kind, was am Abend unruhig wäre und Clusterfeeding betreiben würde. Ich solle sie anders beruhigen... Auch diesen Vorschlag habe ich versucht umzusetzen, habe Mira nicht mehr nach Bedarf zugefüttert und hatte wieder ein schreiendes Kind im Arm. Auch an Clusterfeeding war in keiner Weise zu denken, denn wenn Mira nicht satt wurde, hat sie die Brust nur noch angeschrien. Sie hat dann nicht mehr genuckelt oder gesaugt, das macht sie erst, wenn sie satt und zufrieden ist
Wir haben sie dann regelmäßig gewogen und nach 14 Tagen war klar, dass sie nicht zugenommen hatte (es ging mal ein wenig hoch, dann aber wieder runter). Da war ich bei 20 pro Mahlzeit. Miras zunehmende Unruhe auch am Tag zeigte mir, dass sie wieder Hunger hatte. Nach Absprache mit der Stillberaterin legte ich sie jetzt so oft wie möglich an - ein weiterer Versuch, die Milchmenge zu erhöhen. Außerdem fing Mira an, nachts nach dem Stillen nicht mehr ohne Zufüttern einzuschlafen. So wurden auch die Nächte wieder sehr unruhig.
Beim Gewicht ging es dann ein wenig nach oben, ich lockerte aber auch ein wenig die 20 ml-Grenze, eben besonders am Abend. Ich war nur noch mit Stillen und BES reinigen beschäftigt
Stillen blieb ein ziemlicher Akt... Dann habe ich einen schmerzenden Knoten in der Brust bekommen, fühlte mich zwei Tage krank. Die Stillberaterin hält daran fest, dass ich weiter reduzieren soll und dass das Stillen schon bald besser werden würde.
Die aktuelle Situation sieht so aus:
Sobald ich die Zufütterungsmenge zu sehr reduziere, stagniert Miras Gewicht.
Ich füttere im Moment mehr oder weniger nach Bedarf zu, auch wenn ich weiß, dass das nicht gut ist
Ich bin bei 30-50 ml ca. alle zwei Mahlzeiten. Ich gebe mittlerweile wieder zuerst 30 ml, wenn Mira dann wieder anfängt zu weinen noch mal 20 ml.
Nachts verlangt Mira jetzt auch Zufütterung. Die Nächte sind im Moment alles andere als erholsam, das ist sehr kräftezehrend.
Ich mache konsequent Wechselstillen!! Min. zwei Mal pro Seite, eher aber viel häufiger. Mira trinkt weiterhin nur sehr kurz pro Seite, dafür höre ich jetzt wieder richtige Schmatzgeräusche.
Stillen ist weiterhin nicht entspannt. Mira weint am Tag oft nur, weil sie Hunger hat bzw. es an der Brust nicht so läuft, wie sie es möchte.
Ihre Gewichtsentwicklung zeigt mir, dass das mit dem Zufüttern ausschlaggebend für ihre Gewichtszunahme ist.
Ich nehme Domperidon seit dem 14.03. drei Mal täglich 30 mg.
Ich bin ganz ehrlich. Mein Partner und ich fragen uns, ob es nicht für alle besser sei, abzustillen. Und ich muss mich langsam fragen, warum ich so sehr am Stillen festhalte, obwohl ich merke, dass uns die Kräfte ausgehen. Mira trinkt diese Pre-Milch bedauernswerter Weise sehr gern. Und unser ganzer Tagesablauf ist von Stillen geprägt. Auf der anderen Seite ist es für mich extrem frustrierend, dass ich mein Baby mit Stillen nicht beruhigen kann. Im Gegenteil, es regt auch sie noch immer auf... Wir schlafen in einem Bett und wenn sie nachts so arg schreit, frage ich mich immer, was ich da mache, da der Sinn des Familienbettes ja ist, dass gestillte Babys nicht erst schreien müssen, wenn sie Hunger machen...
Ich weiß, dass es bestimmt schon viele Frauen in ähnlichen Situationen gegeben hat, in denen Domperidon Wunder gewirkt hat und alles gut geworden ist, aber bei uns fühlt sich das nicht so an. Und damit immer vertröstet zu werden, hilft mir langsam nicht mehr weiter...
Ich weiß auch, dass Mira von ihrer Persönlichkeit her sehr ungeduldig ist und das im Moment nicht gerade von Vorteil ist
Ich brauche Hilfe, eine ehrliche Meinung, wie ich weitermachen soll. Was überhaupt realistisch ist, denn wir bewegen uns gerade wieder vom Vollstillen weg. Und der ursprüngliche Plan des Reduzieren der Zufütterungsmenge macht uns ziemlichen Druck...
Ich hoffe, ich habe niemanden mit der Nachricht hier erschlagen und nicht allzu durcheinander geschrieben.
Ich freue mich über jede Antwort!!
23.11.2016 3055 g
26.11. 2800 g
28.11. 2880 g
02.12. 2930 g
05.12. 2940 g
08.12. 3030 g
22.12. 3380 g (U3)
11.02.2017 4570 g
28.02. 4780 g (U4)
08.03. 70 ml Pre
09.03. 70 ml Pre
10.03. 130 ml Pre
11.03. 250 ml Pre
12.03. 350 ml Pre - Telefonat mit Stillberaterin
14.03. Beginn Domperidon 3x30 mg
16.03. Termin Stillberatung
17.03. 165 ml Pre
18.03. 190 ml Pre
19.03. 225 ml Pre
20.03. 175 ml Pre
21.03. 160 ml Pre
22.03. 170 ml Pre
23.03. 160 ml Pre
24.03. 5500 g 125 ml Pre
25.03. 195 ml Pre
26.03. 5530 g 140 ml Pre
27.03. 5540 g 150 ml Pre
28.03. 5600 g 165 ml Pre
29.03. 105 ml Pre
30.03. 5580 g 125 ml Pre
31.03. 5620 g 120 ml Pre
01.04. 5560 g 80 ml Pre
02.04. 5560 g 60 ml Pre
03.04. 5620 g 90 ml Pre
04.04. 5600 g 100 ml Pre
05.04. 5570 g 90 ml Pre
06.04. 5610 g 115 ml Pre
07.04. 5620 g 120 ml Pre
08.04. 5570 g
09.04. 5650 g
10.04. 5690 g
11.04. 5700 g 140 ml Pre
12.04. 5740 g 145 ml Pre
13.04. 5750 g 160 ml Pre
14.04. 5790 g
17.04. 5750 g
18.04. 5800 g 160 ml Pre
19.04. 5850 g
ich eröffne einen neuen Thread, weil ich meine Lage als ziemlich dringlich empfinde und eine helfende und richtungsweisende Antwort suche... Ich hoffe, das ist okay, denn von den Titeln der anderen Themen, scheinen andere in einer ähnlichen Situation zu stecken.
Ich bin bereits bei einer Stillberaterin gewesen, das schon mal vorab. Leider fühle ich mit im Moment etwas allein gelassen, ich erreiche Sie kaum telefonisch, obwohl ich ihr auf die Mailbox spreche. Nun soll ich mich nur noch per SMS melden. Und obwohl ich ihr so gut wie möglich zu verstehen gebe, dass aus meiner Sicht nicht alles wie geschmiert läuft, kommt nicht viel mehr Feedback als ein gut gemeintes "Das wird schon!". So fühlt es sich aber nicht an.
Ich versuche mal, ein vollständiges Bild von unserer Lage zu vermitteln.
Meine Tochter Mira wurde am 23.11.2016 nach einem vorzeitigem Blasensprung (36+6) im Krankenhaus spontan zur Welt gebracht. Sobald sie auf meinem Bauch lag, hat sie sofort das Suchen angefangen. Mit etwas Kopfunterstützung meinerseits hat sie an beiden Brüsten getrunken und erst danach mal einen Blick hoch zu Mama und Papa geworfen
Bei der U3 zeigte sich eine Gewichtszunahme von 325 g (ausgehend vom Geburtsgewicht), das war ziemlich genau 4 Wochen nach Geburt. Ich beschrieb dem KiA (anthroposophischer Arzt) Miras Verhalten und er meinte, es klingt so, als würde sie nicht satt werden. Er stellte mir ein Rezept für eine Milchpumpe und eine Babywaage aus und meinte, ich solle alles mit meiner Hebamme besprechen, wir sollten wiegen und durch Abpumpen die Milchproduktion ankurbeln. Am nächsten Tag rief ich die Hebamme an (ein Tag vor Weihnachten). Die hat meine Sorge, Mira würde nicht genug Milch bekommen, sofort ausgehebelt. Sie meinte, Mira hätte zugenommen, also könne sie nicht zu wenig bekommen. Sie sagte, das ganze Wiegen und Abpumpen würde nur unnötiger Stress sein. Wir sollten Mira endlich so annehmen, wie sie ist, also auch mit ihrem Weinen... Ich meine, das haben wir gemacht! Wir waren immer bei ihr, haben sie gehalten. Aber es ist nicht einfach, dieses Schreien Tag für Tag zu hören und sich nicht zu fragen, ob da vielleicht was nicht stimmt. Die Hebamme versprach, sie würde in 14 Tagen mit Waage vorbeikommen. Diesen Termin hat sie dann verschieben müssen. Drei Wochen später kam sie dann und meinte wieder, Mira würde gut aussehen, sie würde sie nicht wiegen. Okay... Ich habe ihr wirklich vertraut.
Zur U4 hat Mira dann 4830 g gewogen (Gewichtszunahme von 1450 g in 10 Wochen). Sie war damit auf der 25. Perzentile geblieben und für den KiA war es okay, dass ich mit meiner Hebamme ein anderes Vorgehen beschlossen hatte.Er vertraute ihrer Einschätzung, dass es nicht an der Milchmenge lag. Ich bekam sogar noch ein Rezept für verlängerte Hebammenbetreuung ausgestellt (die Idee hatte meine Hebamme, aber nicht wegen der Stillschwierigkeiten, sondern um uns noch ein wenig länger begleiten zu können).
Anfang März hat sich die Situation für mich etwas zugespitzt. Mein Mann wurde krank und ich war mit Mira alleine. Ihr Schreien wurde so unerträglich, dass in mir die Sorge wieder ganz laut wurde, ich könnte etwas übersehen. Das Stillen war nur noch furchtbar, sie blieb nur einige Sekunden an einer Brust und ich musste sie hin und her wechseln. Ich hab nicht gezählt, aber es waren bestimmt zwanzig Mal pro Stillmahlzeit. Die dauerte dann nur wenige Minuten und endete jedes Mal damit, dass Mira schrie... Einmal abends kam dann für mich die Gewissheit, dass sie Hunger hatte, und zwar richtig doll! Ich kann es nicht beschreiben. Sie hat mich beim Stillen angeschaut und richtig verzweifelt angebrüllt. Ich hatte wieder einen Termin mit der Hebamme. Die hat natürlich nur gesehen, dass ich geweint habe und meinte, mich wegen Wochenbettdepression einweisen zu wollen. Ich habe das aber abgelehnt, weil ich wusste, dass ich nur fertig war und nicht mehr weiter wusste, aber keineswegs depressiv... Ich habe sie stattdessen wiederholt auf das Stillen angesprochen, und sie war sogar beim Stillen dabei - sie hat gesehen, wie Mira sich gequält hat. Sie meinte, man könne es nun durchaus mal mit einem Fläschchen am Abend probieren. Sie empfahl mir den Calma-Sauger von Medela, da würde es nicht zu einer Saugverwirrung kommen. Ich bin sofort losgelaufen und habe alles besorgt.
Am 08.03. habe ich am Abend das erste Mal mit Pre-Nahrung zugefüttert. Und was soll ich sagen? Mira hat 70 ml getrunken, mir dabei friedlich in die Augen geschaut, ist danach an der Brust SOFORT ohne einen Ton eingeschlafen und hat die Brust daraufhin sofort losgelassen. Ich war fassungslos!! Ganz ehrlich.
Am nächsten Tag habe ich dann immer zugefüttert, wenn sie so doll zu Weinen anfing - sie beruhigte sich jedes Mal sofort und schlief dann ganz ruhig im Tuch ein. Das war vorher undenkbar gewesen. Mira war wie ausgewechselt. Sie war nicht mehr unzufrieden, sie war entspannt, quietschfidel und ganz kommunikativ. Ich war immer noch geschockt. Und ich bemerkte, dass Mira immer mehr Pre aus dem Fläschchen wollte. Das trank sie so hastig, dass sie Unmengen davon verdrückte, manchmal sogar 100 ml... Nach einer kurzen Phase, wo wir ein zufriedenes Kind hatten, kam dann nach ein paar Tagen die Ernüchterung - wir waren im Stillstreik gelandet. Mira verweigerte die Brust und bestand auf ihr Fläschchen. Nun war ich wieder am Rande der Verzweiflung. Meine Hebamme antwortete mir nicht, so rief ich sonntags eine Stillberaterin an, die zu meiner Verwunderung sogar ranging
Im Termin besprachen wir die ganze Situation noch mal und sie meinte weiterhin, dass meine Muttermilchproduktion wahrscheinlich nie über eine "Low-Level-Versorgung" hinausgekommen sei und das Mira nie ausgereicht hätte, um wirklich satt zu sein. Sie meinte auch, die Gewichtszunahme sei zu gering gewesen und besonders die Ausscheidung von MuMi-Stuhl viel zu selten. Eine Ultraschalluntersuchung meiner Brüste zeigte dann auch, dass von dem Drüsengewebe nur ein kleiner Teil aktiv war...
Die Entscheidung fiel, dass ich Domperidon nehmen sollte und über das Brusternährungsset weiter zufüttern sollte, natürlich immer erst nachdem ich Mira ohne BES angelegt hatte... Wir begannen mit 50 ml Pre pro Mahlzeit und sollten dann immer weiter unter Gewichtskontrolle reduzieren.
Gesagt, getan. Ich war sehr dankbar, endlich Bescheid zu wissen und einen Plan zu haben.
Wir besorgten eine Waage und fingen dann auch ziemlich schnell mit dem Reduzieren an - immer in Absprache mit der Stillberaterin.
Mira machte die Reduktion auf 30 pro Mahlzeit gut mit. Aber ihr Verhalten beim Stillen blieb weiterhin sehr unruhig. Ihre gemachten Erfahrungen versetzten sie immer in höchsten Alarmzustand, wenn sie Hunger bekam oder es an die Brust ging. Ich ging schnell zum Stillen im Liegen über, um soviel Ruhe wie möglich reinzubringen. Der Plan war, auf 20 ml zu reduzieren. Nachts sollte ich nicht zufüttern. Dann auf 30 ml alle zwei Mahlzeiten, dann 20 ml alle zwei Mahlzeiten etc.
Ich merkte schnell, dass das weitere Reduzieren mit Mira nicht so gut ging... Ganz besonders am Abend, wenn ich sie zu Bett brachte, wollte sie mehr Milch, meist die doppelte Ration. Die Stillberaterin erklärte mir, dass das nicht so gut sei, ihr mehr zu geben, sondern bei konstanten Zufütterungsmengen pro Mahlzeit zu bleiben. Mira wäre ein normales Kind, was am Abend unruhig wäre und Clusterfeeding betreiben würde. Ich solle sie anders beruhigen... Auch diesen Vorschlag habe ich versucht umzusetzen, habe Mira nicht mehr nach Bedarf zugefüttert und hatte wieder ein schreiendes Kind im Arm. Auch an Clusterfeeding war in keiner Weise zu denken, denn wenn Mira nicht satt wurde, hat sie die Brust nur noch angeschrien. Sie hat dann nicht mehr genuckelt oder gesaugt, das macht sie erst, wenn sie satt und zufrieden ist
Wir haben sie dann regelmäßig gewogen und nach 14 Tagen war klar, dass sie nicht zugenommen hatte (es ging mal ein wenig hoch, dann aber wieder runter). Da war ich bei 20 pro Mahlzeit. Miras zunehmende Unruhe auch am Tag zeigte mir, dass sie wieder Hunger hatte. Nach Absprache mit der Stillberaterin legte ich sie jetzt so oft wie möglich an - ein weiterer Versuch, die Milchmenge zu erhöhen. Außerdem fing Mira an, nachts nach dem Stillen nicht mehr ohne Zufüttern einzuschlafen. So wurden auch die Nächte wieder sehr unruhig.
Beim Gewicht ging es dann ein wenig nach oben, ich lockerte aber auch ein wenig die 20 ml-Grenze, eben besonders am Abend. Ich war nur noch mit Stillen und BES reinigen beschäftigt
Die aktuelle Situation sieht so aus:
Sobald ich die Zufütterungsmenge zu sehr reduziere, stagniert Miras Gewicht.
Ich füttere im Moment mehr oder weniger nach Bedarf zu, auch wenn ich weiß, dass das nicht gut ist
Ich bin bei 30-50 ml ca. alle zwei Mahlzeiten. Ich gebe mittlerweile wieder zuerst 30 ml, wenn Mira dann wieder anfängt zu weinen noch mal 20 ml.
Nachts verlangt Mira jetzt auch Zufütterung. Die Nächte sind im Moment alles andere als erholsam, das ist sehr kräftezehrend.
Ich mache konsequent Wechselstillen!! Min. zwei Mal pro Seite, eher aber viel häufiger. Mira trinkt weiterhin nur sehr kurz pro Seite, dafür höre ich jetzt wieder richtige Schmatzgeräusche.
Stillen ist weiterhin nicht entspannt. Mira weint am Tag oft nur, weil sie Hunger hat bzw. es an der Brust nicht so läuft, wie sie es möchte.
Ihre Gewichtsentwicklung zeigt mir, dass das mit dem Zufüttern ausschlaggebend für ihre Gewichtszunahme ist.
Ich nehme Domperidon seit dem 14.03. drei Mal täglich 30 mg.
Ich bin ganz ehrlich. Mein Partner und ich fragen uns, ob es nicht für alle besser sei, abzustillen. Und ich muss mich langsam fragen, warum ich so sehr am Stillen festhalte, obwohl ich merke, dass uns die Kräfte ausgehen. Mira trinkt diese Pre-Milch bedauernswerter Weise sehr gern. Und unser ganzer Tagesablauf ist von Stillen geprägt. Auf der anderen Seite ist es für mich extrem frustrierend, dass ich mein Baby mit Stillen nicht beruhigen kann. Im Gegenteil, es regt auch sie noch immer auf... Wir schlafen in einem Bett und wenn sie nachts so arg schreit, frage ich mich immer, was ich da mache, da der Sinn des Familienbettes ja ist, dass gestillte Babys nicht erst schreien müssen, wenn sie Hunger machen...
Ich weiß, dass es bestimmt schon viele Frauen in ähnlichen Situationen gegeben hat, in denen Domperidon Wunder gewirkt hat und alles gut geworden ist, aber bei uns fühlt sich das nicht so an. Und damit immer vertröstet zu werden, hilft mir langsam nicht mehr weiter...
Ich weiß auch, dass Mira von ihrer Persönlichkeit her sehr ungeduldig ist und das im Moment nicht gerade von Vorteil ist
Ich brauche Hilfe, eine ehrliche Meinung, wie ich weitermachen soll. Was überhaupt realistisch ist, denn wir bewegen uns gerade wieder vom Vollstillen weg. Und der ursprüngliche Plan des Reduzieren der Zufütterungsmenge macht uns ziemlichen Druck...
Ich hoffe, ich habe niemanden mit der Nachricht hier erschlagen und nicht allzu durcheinander geschrieben.
Ich freue mich über jede Antwort!!
23.11.2016 3055 g
26.11. 2800 g
28.11. 2880 g
02.12. 2930 g
05.12. 2940 g
08.12. 3030 g
22.12. 3380 g (U3)
11.02.2017 4570 g
28.02. 4780 g (U4)
08.03. 70 ml Pre
09.03. 70 ml Pre
10.03. 130 ml Pre
11.03. 250 ml Pre
12.03. 350 ml Pre - Telefonat mit Stillberaterin
14.03. Beginn Domperidon 3x30 mg
16.03. Termin Stillberatung
17.03. 165 ml Pre
18.03. 190 ml Pre
19.03. 225 ml Pre
20.03. 175 ml Pre
21.03. 160 ml Pre
22.03. 170 ml Pre
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29.03. 105 ml Pre
30.03. 5580 g 125 ml Pre
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07.04. 5620 g 120 ml Pre
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19.04. 5850 g