Linda81 hat geschrieben:der eine hängt am Menschen, der andere nicht.
Genau das ist der Unterschied.
Damit ist die Fingerverwendung
* vom Material der Brust deutlich näher als jeder künstliche Sauger es je sein könnte: der Finger ist nämlich auch "aus Mensch"
* mit direktem Feedback für die Betreuungsperson verbunden (man spürt über das Saugen ja, wie es dem Baby geht).
* mit direktem Feedback für das Baby verbunden (wenn man z.B. mit den tollen neuen Zähnchen herzhaft in einen nackten Finger beißt, beschweren sich Mama oder Papa sicher deutlich oder nehmen den Finger erschrocken weg, während der Schnuller das geduldig erträgt: jeweils sehr unterschiedlicher Lerneffekt für's Stillen!)
* meist nur so kurz wie nötig. Mamafingernuckel-Babys haben tendenziell viel seltener "was im Mund" als Schnuller-Babys, weil die Mütter normalerweise sofort wahrnehmen, wann der Finger wieder entzogen werden kann bei dennoch zufriedenem Baby, und den Finger dann auch rausziehen.
Das spielt alles eine Rolle für das Risiko des Auftretens einer Saugverwirrung.
Außerdem ist Fingerverwendung:
* ebenso wie das Stillen daran gebunden, dass eine vertraute Person im unmittelbaren Nahbereich des Babys ist und somit
a) diese Person für das Baby "wahrnehmbar da" ist, und
b) der Finger im Verwendungsmuster im Alltag deutlich verschieden vom Schnuller ist, insbesondere was
Häufigkeit und Dauer der Nutzung anbetrifft. Gerade das im Krabbel- und Kleinkindalter weitverbreitete stundenlange "Rumrennen" mit Schnuller im Mund ist bei Mamafingernuckel-Kindern absolut ausgeschlossen, was günstig ist.
Aber auch die Situationen, in denen der Finger gegeben wird, unterscheiden sich von denen, in denen man Schnuller gibt. Oder anders ausgedrückt:
* je nachdem, wie diszipliniert und überzeugt man die Schnullernutzung beschränkt (z.B. auf "Baby im Autositz weint im Stau") oder eben nicht, kann sich das Still- und Beruhigungsverhalten der Eltern durch Schnullergabe deutlich verändern, da der Schnuller einen distanzierteren Betreuungsstil ermöglicht und begünstigt. Beim Finger ist es weitaus weniger wahrscheinlich, dass er sich auf Stillen nach Bedarf, Tragen zum Beruhigen etc. auswirkt.
Vermutlich macht es auch psychologisch einen Unterschied, ob ein Kind sich zur Beruhigung gewohnterweise den angenehmen Direktkontakt zu einer Bezugsperson sucht, oder dazu gewohnterweise "ein Ding braucht".
LG, blueberry