Verwöhnen wir unsere Kinder?
Verfasst: 08.11.2014, 20:06
Hallo,
ich bekomme oft den Vorwurf, meine Kinder zu sehr zu verwöhnen. Besonders von der Schwiegerfamilie, aber auch von meiner eigenen und auch von völlig fremden.
Sicher, meine Kinder haben mehr Möglichkeiten, als das Durchschnittskind, mehr Möglichkeiten als man Mann oder ich. Aber wir sind nunmal in der glücklichen Lage, ihnen viel zu ermöglichen.
Konkret habe ich zwei Beispiele.
Die Schulsituation:
Die Zwillinge sind jetzt seit Sommer in der Schule. Hier im Dorf gibt es leider nur eine verpflichtende Ganztagsschule, um 15 Uhr ist da Schluss und dann kommen noch Hausaufgaben. Das will ich nicht. Erst recht nicht bei Grundschülern.
Deshalb sind meine beiden einen Ort weiter in einer freien Schule. Sie können morgens nach Geschmack (bis 9 Uhr) anfangen, bekommen um 13 Uhr ein Bio-Mittagessen (vegetarisch) und haben danach einen freiwilligen "Wunschkurs". Der geht bis 15 Uhr, es werden unterschiedliche Musikinstrumente angeboten, Sport, Malkurse, aber auch Lernkurse wie ein Chemielabor gibt es. Aber es ist eben freiwillig. Sonst ist um 13.30h nach dem Mittagessen Schluß.
Es gibt Zeitpunkte zu denen bestimmte Dinge sitzen müssen. Diese "Stichtage" werden den Kindern gegenüber zwar nicht kommuniziert, aber die Lehrer achten da schon drauf.
Zum Beispiel wird meine "Träumertochter" M ganz gezielt von den Lehrern in Mathe gefördert. Aber mit Mitteln, die sie annimmt. Zählen von Trommelschlägen zum Beispiel. Oder das Rechnen mit Pappäpfeln, dem Abakus usw.
Meine andere Tochter findet Lesen eher unspektakulär. Obwohl sie schon sehr weit ist (beide haben zu Hause lesen gelernt, auf eigenen Wunsch, fast autodidaktisch), bekommt sie nun vermehrt Textaufgaben in Mathe. Natürlich auf einem angepassten Niveau.
Für mich ist es einfach Gold wert, dass meine Kinder da abgeholt werden wo sie stehen und individuell gefördert werden können. Bei dem was ich von den Nachbarskindern mitbekomme, ist das bei der Regelschule bei uns nicht möglich. Die Klassen haben 25 Schüler, AGs sind hauptsächlich Sportangebote, Chor, Orchester. Jeweils ebenfalls in sehr großen Gruppen.
Eine Tochter geht zweimal die Woche zum Fußball (+ Spiele), die andere hat einmal Musikklasse und einmal Zeichenklasse. W geht ebenfalls zweimal zum Fußball, will er unbedingt, da seine große Schwester dieselben Trainingszeiten hat. Ausserdem geht er einmal wöchentlich zum Schwimmen. Dazu dann noch Unterhaltung zu Hause. Mein Mann musiziert viel, ich reite. Die Kinder dürfen natürlich mitmachen. Ich versuche ihnen auch so viel Freizeit wie möglich zu geben, aber würde ich einen Kurs streichen, wäre hier Holland in Not. Wichtig finde ich, dass die Kinder Spaß dran haben.
Ich hätte es gern gehabt, wenn sie zu einem Fremdsprachenkurs (Englisch z.B.) gehen. Möchten sie aber nicht, also muss ich das akzeptieren.
Ich erhoffe mir durch die Schule und die Freizeitangebote eine bessere Ausbildung, eine individuellere Förderung von dem Ganzen. Die Verwandtschaft sieht es aber als "Ketzerei" an, dass meine Kinder keine Regelschule besuchen.
Das geplante Weihnachtsgeschenk:
Eine meiner Töchter kriegt zu Weihnachten ein Pony. Wir halten und züchten selber Pferde, also ist das kein so großer Strecker wie für viele andere Eltern. Die andere bekommt ein Schlagzeug, sie hat mit Pferden nix am Hut, dass Schlagzeug ist seit zwei Jahren Herzenswunsch und wird jetzt als "Ausgleich" endlich gewährt. Unser Sohn ein Fahrrad, er hat noch keins will aber gerne Fahrradfahren lernen. Die pinken Räder seiner Schwestern gehen gar nicht, kann ich auch verstehen
Das Pony ist ein glücklicher "Schnapper". Wir "tauschen" mit Züchterfreunden. Sie haben eine 15 jährige Stute, Deutsches Reitpony, selbst gezogen. 136cm groß, also vergleichsweise groß für ein Kinderpony. Finde ich aber wichtig, so kann man dem Pony ein bisschen Korrekturberitt angedeihen lassen. Und das Kind passt lange drauf. Die Tochter der Züchter ist nun aber endgültig zu groß. Daher kriegt sie zu Weihnachten einen unserer "Jungspunde".
Also eine Win-Win Situation. Das Alter des Ponys finde ich perfekt, wenn meine Tochter raus gewachsen ist, ist das Pony wahrscheinlich rentenreif und kann sich dann bei uns die Weide geniessen.
Allerdings muss ich sagen, hätte sich die Tauschmöglichkeit nicht ergeben, hätten wir den Ponykauf auch noch rausgezögert. Gute Kinderponys sind selten und gehen oft "unter der Hand" weg. Daher habe ich die Möglichkeit genutzt. Gekauft hätte ich das Pony für den aufgerufenen Preis (der aber berechtigt ist) nicht. Denn eigentlich ist es für den Schleifensammler noch zu früh. Aber so habe ich auch noch einen von unseren in sehr gute, fördernde Hände gegeben.
Ich wurde jetzt von meiner Schwiegermutter angerufen, was das denn soll, ich soll doch nur was kleines schenken, sie sind erst sechs, wo soll das hinführen, die lernen ja nie den Wert des Geldes schätzen usw.
Auf der anderen Seite sind unsere Kinder nicht annähernd so gut ausgestattet wie andere Kinder. Die Mädels gingen vor der Einschulung in den Waldkindergarten (mein Sohn ab Sommer), sie hatten einen Rucksack, eine ordentliche Jacke und ansonsten nur Second Hand Klamotten. Auch die Jacken wären Second Hand gewesen, hätte wir hübsche gefunden (sie wollten unbedingt die Gleichen). Angesichts der Funktionsbekleidungsschlacht also sträflich vernachlässigt. Auch sonst wird hier bevorzugt Second Hand gekauft, allerdings auf Qualität geachtet. Neu werden hier nur Schuhe gekauft.
L und M haben jede ein ganz einfaches Handy, ohne Internet, ohne Apps oder sonstiges, es sind (ausser Notruf) vier Nummern freigeschaltet. Meine, die vom Papa, die Festnetznummer und die der Nachbarin. Im Haushalt haben wir kein Tablett, keinen empfangsbereiten Fernseher, die PCs sind mehr Arbeitsgeräte von meinem Mann und mir. In den Urlaub fahren wir, vor allem aus beruflichen Gründen, ebenfalls nicht.
Ich mach mir natürlich meine Gedanken. Ich will meinen Kindern das beste. Verwöhne ich sie? Verbaue ich ihnen Chancen, wo ich sie nur fördern will?
ich bekomme oft den Vorwurf, meine Kinder zu sehr zu verwöhnen. Besonders von der Schwiegerfamilie, aber auch von meiner eigenen und auch von völlig fremden.
Sicher, meine Kinder haben mehr Möglichkeiten, als das Durchschnittskind, mehr Möglichkeiten als man Mann oder ich. Aber wir sind nunmal in der glücklichen Lage, ihnen viel zu ermöglichen.
Konkret habe ich zwei Beispiele.
Die Schulsituation:
Die Zwillinge sind jetzt seit Sommer in der Schule. Hier im Dorf gibt es leider nur eine verpflichtende Ganztagsschule, um 15 Uhr ist da Schluss und dann kommen noch Hausaufgaben. Das will ich nicht. Erst recht nicht bei Grundschülern.
Deshalb sind meine beiden einen Ort weiter in einer freien Schule. Sie können morgens nach Geschmack (bis 9 Uhr) anfangen, bekommen um 13 Uhr ein Bio-Mittagessen (vegetarisch) und haben danach einen freiwilligen "Wunschkurs". Der geht bis 15 Uhr, es werden unterschiedliche Musikinstrumente angeboten, Sport, Malkurse, aber auch Lernkurse wie ein Chemielabor gibt es. Aber es ist eben freiwillig. Sonst ist um 13.30h nach dem Mittagessen Schluß.
Es gibt Zeitpunkte zu denen bestimmte Dinge sitzen müssen. Diese "Stichtage" werden den Kindern gegenüber zwar nicht kommuniziert, aber die Lehrer achten da schon drauf.
Zum Beispiel wird meine "Träumertochter" M ganz gezielt von den Lehrern in Mathe gefördert. Aber mit Mitteln, die sie annimmt. Zählen von Trommelschlägen zum Beispiel. Oder das Rechnen mit Pappäpfeln, dem Abakus usw.
Meine andere Tochter findet Lesen eher unspektakulär. Obwohl sie schon sehr weit ist (beide haben zu Hause lesen gelernt, auf eigenen Wunsch, fast autodidaktisch), bekommt sie nun vermehrt Textaufgaben in Mathe. Natürlich auf einem angepassten Niveau.
Für mich ist es einfach Gold wert, dass meine Kinder da abgeholt werden wo sie stehen und individuell gefördert werden können. Bei dem was ich von den Nachbarskindern mitbekomme, ist das bei der Regelschule bei uns nicht möglich. Die Klassen haben 25 Schüler, AGs sind hauptsächlich Sportangebote, Chor, Orchester. Jeweils ebenfalls in sehr großen Gruppen.
Eine Tochter geht zweimal die Woche zum Fußball (+ Spiele), die andere hat einmal Musikklasse und einmal Zeichenklasse. W geht ebenfalls zweimal zum Fußball, will er unbedingt, da seine große Schwester dieselben Trainingszeiten hat. Ausserdem geht er einmal wöchentlich zum Schwimmen. Dazu dann noch Unterhaltung zu Hause. Mein Mann musiziert viel, ich reite. Die Kinder dürfen natürlich mitmachen. Ich versuche ihnen auch so viel Freizeit wie möglich zu geben, aber würde ich einen Kurs streichen, wäre hier Holland in Not. Wichtig finde ich, dass die Kinder Spaß dran haben.
Ich hätte es gern gehabt, wenn sie zu einem Fremdsprachenkurs (Englisch z.B.) gehen. Möchten sie aber nicht, also muss ich das akzeptieren.
Ich erhoffe mir durch die Schule und die Freizeitangebote eine bessere Ausbildung, eine individuellere Förderung von dem Ganzen. Die Verwandtschaft sieht es aber als "Ketzerei" an, dass meine Kinder keine Regelschule besuchen.
Das geplante Weihnachtsgeschenk:
Eine meiner Töchter kriegt zu Weihnachten ein Pony. Wir halten und züchten selber Pferde, also ist das kein so großer Strecker wie für viele andere Eltern. Die andere bekommt ein Schlagzeug, sie hat mit Pferden nix am Hut, dass Schlagzeug ist seit zwei Jahren Herzenswunsch und wird jetzt als "Ausgleich" endlich gewährt. Unser Sohn ein Fahrrad, er hat noch keins will aber gerne Fahrradfahren lernen. Die pinken Räder seiner Schwestern gehen gar nicht, kann ich auch verstehen
Das Pony ist ein glücklicher "Schnapper". Wir "tauschen" mit Züchterfreunden. Sie haben eine 15 jährige Stute, Deutsches Reitpony, selbst gezogen. 136cm groß, also vergleichsweise groß für ein Kinderpony. Finde ich aber wichtig, so kann man dem Pony ein bisschen Korrekturberitt angedeihen lassen. Und das Kind passt lange drauf. Die Tochter der Züchter ist nun aber endgültig zu groß. Daher kriegt sie zu Weihnachten einen unserer "Jungspunde".
Also eine Win-Win Situation. Das Alter des Ponys finde ich perfekt, wenn meine Tochter raus gewachsen ist, ist das Pony wahrscheinlich rentenreif und kann sich dann bei uns die Weide geniessen.
Allerdings muss ich sagen, hätte sich die Tauschmöglichkeit nicht ergeben, hätten wir den Ponykauf auch noch rausgezögert. Gute Kinderponys sind selten und gehen oft "unter der Hand" weg. Daher habe ich die Möglichkeit genutzt. Gekauft hätte ich das Pony für den aufgerufenen Preis (der aber berechtigt ist) nicht. Denn eigentlich ist es für den Schleifensammler noch zu früh. Aber so habe ich auch noch einen von unseren in sehr gute, fördernde Hände gegeben.
Ich wurde jetzt von meiner Schwiegermutter angerufen, was das denn soll, ich soll doch nur was kleines schenken, sie sind erst sechs, wo soll das hinführen, die lernen ja nie den Wert des Geldes schätzen usw.
Auf der anderen Seite sind unsere Kinder nicht annähernd so gut ausgestattet wie andere Kinder. Die Mädels gingen vor der Einschulung in den Waldkindergarten (mein Sohn ab Sommer), sie hatten einen Rucksack, eine ordentliche Jacke und ansonsten nur Second Hand Klamotten. Auch die Jacken wären Second Hand gewesen, hätte wir hübsche gefunden (sie wollten unbedingt die Gleichen). Angesichts der Funktionsbekleidungsschlacht also sträflich vernachlässigt. Auch sonst wird hier bevorzugt Second Hand gekauft, allerdings auf Qualität geachtet. Neu werden hier nur Schuhe gekauft.
L und M haben jede ein ganz einfaches Handy, ohne Internet, ohne Apps oder sonstiges, es sind (ausser Notruf) vier Nummern freigeschaltet. Meine, die vom Papa, die Festnetznummer und die der Nachbarin. Im Haushalt haben wir kein Tablett, keinen empfangsbereiten Fernseher, die PCs sind mehr Arbeitsgeräte von meinem Mann und mir. In den Urlaub fahren wir, vor allem aus beruflichen Gründen, ebenfalls nicht.
Ich mach mir natürlich meine Gedanken. Ich will meinen Kindern das beste. Verwöhne ich sie? Verbaue ich ihnen Chancen, wo ich sie nur fördern will?