Hilfe bei Antistilldiskussion

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Lilia87
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Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von Lilia87 »

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, meine Bitte ist nicht zu unverschämt, aber ich befinde mich gerade leider in einer dieser unangenehmen Diskussionen darüber, ob Stillen nicht total überbewertet sei und Pulvermilch nicht sowieso besser. Die gesundheitlichen Vorteile des Stillens seien nicht belegt und Pulvermilch sättige besser, damit gedeihe das Kind besser, schlafe besser, etc. Außerdem sei das stillen den meisten Frauen nicht so leicht möglich.
Ich weiß, dass es ziemlich zwecklos ist, dagegen zu argumentieren, da meine Diskussionsgegnerin logischen Argumenten nicht zugänglich scheint und es auch schwer ist, halbwegs sensibel zu agieren ohne den Vorwurf zu verbreiten, das Stillen nur nicht genug versucht zu haben. Auf der anderen Seite kann ich ihre Behauptungen auch nicht so stehen lassen, weil ja auch andere (werdende) Mütter mitlesen und sich von ihren Un- Halbwahrheiten verunsichern lassen.

Daher dachte ich, hier sind ja die Experten unterwegs und können mir weiterhelfen:
1. Die Diskussion begann damit (Kurzfassung), dass ich sagte, der mögliche Beikostbeginn wurde vor allem deswegen "vorverlegt", um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass mehr Kinder gleichzeitig gestillt werden und andere Nahrung kennen lernen (Schutz der Muttermilch bei Allergenkontakt). Da sehr viele Mütter mit 6 Monaten nicht mehr stillen, ist ein Beikostbeginn nach 6. Monaten deswegen nicht ideal.
Gibt es dazu eine offizielle Erklärung, Stellungnahme, Quelle? Ich habe das im studium (Medizin) so gelernt und es erschien mir logisch. Die Unterlagen, die ich dazu finde, sind aber leider eher so gehalten, dass sie erklären, dass Beikost nach 4. Monaten eben nicht schadet.
2. Habt ihr generell Studien für mich, die die Vorteile von Muttermilch belegen? Ich habe bei pubmed schon öfter gesucht und auch in der Diskussion empfohlen, allerdings sind das ja soooooo viele, dass sich da niemand durchackert. Bevor ich mir also die Mühe mache, die "aussagekräftigsten" rauszusuchen, dachte ich, ich frage mal hier, ob ihr da eine "Sammlung" habt ;-)
3. Ich weiß, dass die Fragen teilweise etwas "absurd" klingen bzw. pauschal nicht zu beantworten sind, geschweige denn zu belegen. Vielleicht habt ihr Lust, diese Frage aus eurer Sicht zu beantworten und eventuell, falls möglich, zu belegen:

a. Warum halten sich so wenige Mütter bzgl. des Stillens an die WHO-Empfehlung? (Hier geht es erstmal nur um die 6 Monate vollstillen. Ihrer Meinung nach weiß das jede, macht aber keine, weil Stillen eben nicht klappt bzw. sowieso überbewertet ist und keine Vorteile hat.)

b. Welche Menge an Muttermilch ist nötig, um die erwünschte, gesundheitlich protektive Wirkung zu entfalten, die ja einer der größten Vorteile des Stillens ist?

c. Hat die Rückkehr zum Stillen – nachdem man erstmal Pre geben musste – überhaupt einen Effekt?

d. Wie lange halten die Stillbefürworterinnen hier es für vertretbar, einen Säugling per Löffel oder Becher zu füttern? (es geht um die Zeit nach der Geburt, falls noch keine/ nicht genügend Milch da ist)

e. Wie lange braucht man, um 60 ml Premilch in einen Säugling zu löffeln/bechern?


Solltet ihr die Diskussion müßig finden oder mein Thread hier fehl am Platz, dann ignoriert ihn einfach. Ich dachte, eine Sammlung von gut belegten Argumenten kann nie schaden, und ich schlage mich in dieser genannten Diskussion meiner Meinung recht wacker, habe aber das Gefühl, dass meine vorgebrachten Argumente entweder überlesen oder missinterpretiert werden. Ich überlege inzwischen, den Vorwurf, Vorteile des Stillens seien nicht belegbar, so stehen zu lassen, weil ich nicht weiß, ob sich die Arbeit lohnt, alles mühsam zusammensuchen. Daher wäre ich einfach über eure Hilfe wirklich sehr dankbar!

Ganz liebe Grüße!

Lilia
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Sabina
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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von Sabina »

Ich kann grad nicht viel schreiben aber hier werden dir bestimmt viele Prostillerinnen Argumente liefern!
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von Morgaine47 »

Stillen hat keine Vorteile. Es ist das natürliche. Die frage ist: Hat künstliche Milch Vorteile gegenüber dem Stillen?
Dazu: http://www.afs-stillen.de/index.php/run ... esem-titel

In dem Thread hat Jusl glaube ich noch einiges zu den Nachteilen künstlicher Milch geschrieben:
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 2&t=183418

Zum Thema frühes Zufüttern wegen Eisen gibts hier interessante Infos:
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 2&t=183096

Zum Thema frühes Zufüttern zur Allergieprofilaxe hätte ich auch geren mal noch weitere Infos. Ich weiß nur, was ich hier gelesen habe, was dem entspricht was Du schon geschrieben hast.
LG
Morgaine

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deidamaus
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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von deidamaus »

Hier ist ein toller Link
Risiken der künstlichen Säuglingsnahrung

Hier findest du die gewünschte Info zur Allergiepträvention. Für Zöliakie ist das nachgewiesen. Hier das Zitat dazu von dieser Seite


Stilldauer und Glutenmenge
Ivarsson et al. konnten zeigen, dass eine regelmäßige Einführung glutenhaltiger Lebensmittel in die Ernährung von Säuglingen während der Stillphase das Risiko für die Entwicklung einer Zöliakie im frühen Kindesalter reduziert, möglicherweise auch im späteren Kindesalter. Untersucht wurde der Einfluss des Stillens und der Art und Weise der Einführung von Gluten in die Ernährung des Säuglings in Bezug auf das Risiko der Entwicklung einer Zöliakie in der Kindheit. Ergebnis: Das Risiko, eine Zöliakie zu entwickeln, war vermindert bei Kindern <2 Jahren, wenn sie während der Gluteneinführung noch gestillt wurden. Dieser Effekt zeigte sich stärker bei Kindern, die auch nach der Einführung von Gluten noch gestillt wurden. Wenn Gluten in großen Mengen in die Säuglingsernährung eingeführt wurde, war das Risiko größer als bei der Einführung kleiner oder mittelgroßer Mengen.


Liebe Grüße
deidamaus
Liebe Grüße von deidamaus, ModTeam-Stillberatung
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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von Animay »

... und ich antworte mal aus meiner persönlichen Erfahrung auf Deine Fragen:
a. Warum halten sich so wenige Mütter bzgl. des Stillens an die WHO-Empfehlung? (Hier geht es erstmal nur um die 6 Monate vollstillen. Ihrer Meinung nach weiß das jede, macht aber keine, weil Stillen eben nicht klappt bzw. sowieso überbewertet ist und keine Vorteile hat.)
Ich kann mir da mehrere Gründe vorstellen:
1. Probleme infolge schlechter Information (insb. Saugverwirrung weil mal bspw. unwissend abgepumpte Mumi/Pre/Tee aus der Flasche und einen Schnuller gibt und das Baby unter Umständen dadurch verwirrt ist und das Stillen zunehmend verweigert)
2. Druck von außen, bspw. dem Partner, dass man nicht so ewig stillen sollte
3. Eigener Wunsch nach etwas mehr Freiheit
b. Welche Menge an Muttermilch ist nötig, um die erwünschte, gesundheitlich protektive Wirkung zu entfalten, die ja einer der größten Vorteile des Stillens ist?
Soweit ich weiß, ist selbst ein Fingerhut Muttermilch am Tag wertvoll. Darüber hinaus ist Stillen viel mehr als nur Nahrungsaufnahme, je älter das Baby ist, desto mehr wird einem das klar...
c. Hat die Rückkehr zum Stillen – nachdem man erstmal Pre geben musste – überhaupt einen Effekt?
Definitiv, siehe Antwort b!
Wie lange halten die Stillbefürworterinnen hier es für vertretbar, einen Säugling per Löffel oder Becher zu füttern? (es geht um die Zeit nach der Geburt, falls noch keine/ nicht genügend Milch da ist)
Ich habe es vier Monate lang gemacht, problemlos und nicht übermäßig aufwändig. Es ist viel einfacher als es klingt und es gibt tolle Hilfen, z.B. den Medela Softcup.
e. Wie lange braucht man, um 60 ml Premilch in einen Säugling zu löffeln/bechern?
Maximal so lang wie mit dem Fläschchen!!

lg
Animay
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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von warmbäuchlein »

Mal andere Frage, die ich die Stillgegner fragen würde:
Ist es nicht egal, wie lange es braucht, bis die Nahrung im Säugling ist?
Weil entweder futtert er (stillen, bechern, löffeln, flascherln...) oder er muss rumgetragen werden. Also im Endeffekt ist es angenehmer (oder zumindest egal), wenn er länger futtert. :mrgreen:

Also ich hätte zumindest nicht mehr "Freizeit" gehabt, wenn es mit Stillen oder was auch immer schneller gegangen wäre. Ich hatte einfach keine Freizeit :wink:

Aber ich weiß schon, dass die Flasche zum "Flasche hinhalten, nebenbei was anderes machen, Kind schnell abfüttern" zu verlocken scheint.
Letztens saß ich auf einem Bankerl und stillte. Kam andere Familie und ungefähr gleichaltes Kind wurde beflascherlt. Was mir am meisten auffiel war der Kontrast:
Mein Kind - natürlich voll SuT Schiene :mrgreen: - wurde aus der Trage geholt und dann eben gekuschelt und gestillt.
Dem anderen Kind wurde eine Flasche in den Wagen reingehalten.

Ich fand es schon etwas befremdlich, dass man das Kind nicht mal mehr in den Arm nimmt zum füttern. :roll:

Aber jeder macht es eben anders...
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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von Zouri »

warmbäuchlein hat geschrieben:Mal andere Frage, die ich die Stillgegner fragen würde:
Ist es nicht egal, wie lange es braucht, bis die Nahrung im Säugling ist?
Weil entweder futtert er (stillen, bechern, löffeln, flascherln...) oder er muss rumgetragen werden. Also im Endeffekt ist es angenehmer (oder zumindest egal), wenn er länger futtert. :mrgreen:
Bei manchen frage ich mich, warum sie überhaupt Kinder haben? Die sprechen dann von "Wunschkind" und planen schon fleissig Nachwuchs und regen sich gleichzeitig darüber auf, dass sie keine Party mehr machen können und rauchen auch nicht mehr geht und Alkohol und man hat ja auch gar keine Zeit mehr...

Ganz ehrlich, was ist das für ein Argument bitte? "Das kostet weniger Zeit mit der Flasche" Hat das tatsächlich jemand als Argument gegen das Stillen benutzt? Ich möchte mir wahrlich kein Urteil erlauben und ich bin wirklich sehr sehr bemüht Verständnis zu haben, dass jeder es eben auf seine Weise macht und Stillen und Tragen und Stoffwindeln und Familienbetten und was weiß ich nicht jedermanns Sache sind, aber bei manchen Leuten fällt es mir einfach unwahrscheinlich schwer!

Die Exfreundin eines Exfreundes (und das klingt jetzt vermutlich "assiger" als es eigentich war) hat ihr zweites Baby bekommen, als ich grade relativ frisch mit eben jenem Exfreund zusammen war. Sie hat es tatsächlich gebracht mit Kippe im Mund ihr Neugeborenes zu füttern (mit der Flasche, versteht sich). Als ich ihr sagte, sie solle doch wenigstens mit dem Rauchen solange warten, bis jemand anderes das Kind halten kann, hat sie es mir in die Hand gedrückt, um ungestört weiter rauchen zu können :cry:

Mir tun solche Babies einfach Leid und umso mehr bemühe ich mich bei meinem eigenen. Natürlich muss jeder seinen eigenen Weg finden, aber aktiv und gezielt gegen Stillen Argumente zu suchen und zu verbeiten, finde ich dann doch echt mehr als daneben (es fehlt an der Stelle jetzt ein kotzendes Smiley :lol: )

Ich hab dir jetzt nicht helfen können mit dem Posts, sorry dafür! Und er ist durcheinander und wirsch geschrieben, aber verdammt nochmal - ich verstehe es einfach nicht und das musste jetzt mal raus!
Jeder Mensch ist ein Wunder.
Antoine de Saint-Exupéry

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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von warmbäuchlein »

Also rauchen während man sein Kind füttert ist wirklich :klokotz:

Neben einem Kind rauchen ist für mich sowieso ein NoGo, aber beim Füttern! :!:
Ich meine, es zeigt ja auch nicht von guten Manieren, wenn man sich sein Essen reinschaufelt, während man eine raucht :roll:

Muss aber gestehen, dass ich auch gerne wieder ein Gläschen Wein trinken würde :oops:
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chennai
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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von chennai »

warmbäuchlein hat geschrieben:
Aber ich weiß schon, dass die Flasche zum "Flasche hinhalten, nebenbei was anderes machen, Kind schnell abfüttern" zu verlocken scheint.
Naja, aber DAS geht doch stillenderweise 100x besser, meine Brust muss ich ja nicht halten, die ist höchst praktisch und stabil an mir dran befestigt :mrgreen: - ich hab oft beim Stillen nebenher im Internet gesurft, das ging wunderbar, so hatte ich mehr 'Freizeit' als jemals vorher und nachher :)

Bei allem anderen lasse ich mal den Experten den Vortritt. Aber generell sehe ich es auch wie Morgaine47: Stillen ist das Natürliche, bevor ich davon abweiche, müsste man mir erst mal gravierende Vorteile der Alternative erklären.
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
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Yashira
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Re: Hilfe bei Antistilldiskussion

Beitrag von Yashira »

Dann trinkt doch ein Gläschen Wein O.o

Irgendwo steht doch, das es bei Kind mit Beikost nicht so viel ausmacht, wenn es sich in Grenzen hält.

Ab und zu trinke ich auch ein Glas Sekt. Oder was zum Anstoßen (wirklich selten)
Dann stille ich zuerst und dann nehme ich gern ein Glas.
Ausschließen tut sich das nicht.


Unterwegs mit einem Apfelgerät
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*** Matthias 09/13 *** Hendrik 05/16 IUFT 33. SSW ***
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