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mehrjährig stillen
Verfasst: 14.02.2014, 18:14
von teledame
Hallo,
ist jemand da, der eine psychologische Ausbildung hat und mir erklären kann, wenn ein Kind kein Übergangsobjekt hat oder hatte, wie hoch dann die Gefahr sein kann, das es die Brust ist. Oder anders ausgedrückt, wie kann ich feststellen, ob mein Sohn meine Brust als Übergangsobjekt betrachtet? Ich möchte seine Ich-Bildung in keinster Weise irgendwie untergraben.
lg
T.
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 19:21
von Blüte
Hallo Teledame,
ja, es kann gut sein, dass dein Sohn dich (und deine Brust) als Übergangsobjekt betrachtet. Viele Kinder haben da ja auch einen Teddybären oder ähnliches. Ich denke, jedes Kind hat ein Übergangsobjekt und dies ist demnach völlig normal. Warum hat sich dein Kind dich und nicht einen Teddybären ausgesucht? Vielleicht, weil du immer für deinen Sohn da warst und ihm Geborgenheit vermittelt hast. Ich würde dies eher positiv bewerten.
Seine Ich-Bildung ist davon doch unabhängig. Dein Kind hat feste Wurzeln, eine starke Mutter-Kind-Bindung. All das kann nur von Vorteil für ihn sein. Er wird eine ganz normale psychologische Entwicklung durchmachen, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Es ergibt sich daraus kein Abstillgrund.
Ich würde da mit Freud und der Psychoanalyse vorsichtig sein. Eine enge Mutter-Kind-Beziehung ist gut und förderlich, sowohl für dich als auch für deinen Sohn.
Liebe Grüße,
Blüte
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 21:02
von teledame
Hallo,
ich versuch mich da halt grad damit auseinanderzusetzen... und ich hab halt zu dem Thema auch andere Sachen gelesen, gehört und gesagt bekommen. Darum bin ich halt unsicher. Ich hab halt gehofft, das jemand der sich mit Psychologie auskennt hier evtl. was damit anfangen kann und was dazu sagen kann. Wie es sich mit der Ablösung und der Ich-Bildung verhält, wenn kein reines Übergangsobjekt sondern eben die Mutterbrust gewählt wurde. Wenn ich mir sicher wäre, das es wirklich kein Problem darstellt, kann ich auch noch gerne länger stillen, wenn er möchte.
gruss
T.
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 21:04
von teledame
... es geht da auch weniger um Freud, eher um Winnicott
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 21:21
von Carraluma
Ich kenne nicht mit Psychologie aus, weshalb ich den Begriff Übergangsobjekt auch bei Wikipedia nachlesen musste. Dort steht auch, dass ein Übergangsobjekt nicht immer etwas Materielles sein muss.
Aber warum willst du deine Stillentscheidung von irgendwelchen Theorien abhängig machen?
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 21:25
von Scheckse
ich würde nicht sagen, dass es überhaupt möglich ist, dass dein sohn die brust als übergangsobjekt "nutzt". in den situationen, in denen er die brust so nutzen könnte (einschlafen/trost/überforderung, generell emotionsregulation) ist sie in meinen augen kein übergangsobjekt, sondern teil von dir und damit nicht teil des übergangs, sondern noch das original. in diesen situationen wäre es mMn eher bedenklich, wenn er kuscheltiere o.ä. statt der brust nutzen würde. (aber das ist ganz kleiner meiner bindungstheoretischen Ausrichtung geschuldet und sicher sehr streitbar). die ablösung und damit verbundene entwicklung passiert (mit oder ohne übergangsobjekt) auf jeden fall.
wenn er allerdings deine brust als reflexionspartner und spielgefährte nutzt, das würde mir sorgen machen
sie ist natürlich -als teil von dir- trostobjekt usw. das ist aber nicht bedenklich, sondern zu tiefst gesund. sich in emotional belastenden (z.b.) situationen an seine mama zu wenden und maximale nähe (stillen/nuckeln) herstellen zu wollen, ist die gesündeste reaktion, die ein Kind zeigen kann!
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 21:26
von jusl
Hallo Blüte,
diesen beiden Aussagen mag ich widersprechen:
ja, es kann gut sein, dass dein Sohn dich (und deine Brust) als Übergangsobjekt betrachtet.
Laut Wikipedia kann genau dies NICHT gut sein, denn ein Übergangsobjekt dient der Ablösung von der Mutter, indem das Kind diesem Objekt(!) willkürlich z.B. Eigenschaften der Mutter zuschreibt. Das ergibt überhaupt keinen Sinn, wenn das Kinder der Mutter selbst Eigenschaften der Mutter zuschreibt, denn diese hat sie ja bereits.
Ich denke, jedes Kind hat ein Übergangsobjekt
Meine vier Kinder hatten definitiv keins.
teledame hat geschrieben:Oder anders ausgedrückt, wie kann ich feststellen, ob mein Sohn meine Brust als Übergangsobjekt betrachtet? Ich möchte seine Ich-Bildung in keinster Weise irgendwie untergraben.
Wie gesagt, meine Kinder hatten keine Übergangsobjekte und ich konnte nicht feststellen, dass sie Körperteile von mir als solche betrachteten. Und mit deren Ich-Bildung bin ich persönlich höchst zufrieden.
Scheckse hat geschrieben:wenn er allerdings deine brust als reflexionspartner und spielgefährte nutzt, das würde mir sorgen machen

LG
Julia
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 21:44
von malandrinha
Ich habe meine Kinder auch lange gestillt bzw. stille noch, und beide haben/hatten keine richtigen Übergangsobjekte, was mich erst gewundert hat, aber dann habe ich in irgend einem Buch oder Artikel gelesen (weiß leider nicht mehr wo), dass dies in Kulturen, in denen viel getragen wird und lange gestillt wird, üblich ist, dass Kinder kein Übergangsobjekt haben, es also keinesfalls eines menschliche Konstante ist, eines zu haben. Ich habe aber leider keine psychologische Untersuchung dazu.
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 22:01
von Lösche Benutzer 14500
Letztlich ist die Objektbeziehungstheorie von Winnicott nun - genau das: Eine Theorie. Man kann sie für stimmig und sinnvoll halten oder nicht, man kann Argumente dafür suchen, oder dagegen, aber es ist halt eine Theorie. Ich glaube, wesentlicher als eine psychologische Theorie wäre für mich: Was glaube ich? Tut das Stillen meinem Kind gut? Braucht es das? Wie geht es mir damit?
Ansonsten: Winnicott geht m.W.n. (ich bin aber vom Studium her eher verhaltenstherapeutisch orientiert und kenne mich da nicht sehr gut aus) davon aus, dass das Übergangsobjekt eben genau dann wichtig wird, wenn die Loslösung von der Mutterbrust beginnt - da wäre es paradox, die Brust als Übergangsobjekt zu wählen. Übrigens gibt es auch viele Kinder, die kein Übergangsobjekt wählen - Jusls z.B. nicht, meins auch nicht.
Re: Langzeitstillen
Verfasst: 14.02.2014, 22:17
von teledame
Hallo Julia,
lachst DU mich aus? ne oder?
mh, Spielgefährte, also manchmal hab ich schon das Gefühl, der spielt eher, und das das Teil zu mir gehört, sieht er wohl ganz anders.
...genau das ist ja diese Ambivalenz die ich vielleicht als Problem sehe, lt. Winnicott, das Kind will sich ablösen, gleichzeitig bin ich Mutter, bzw. die Brust ja das Objekt, die gleichzeitig nährt und Trost, Nähe spendet..., deswegen bin ich ja erst auf die Idee gekommen, das könnte ein Problem sein, wenn mein Kind sich als Übergangsobjekt meine Brust nimmt, sich aber ja gleichzeitig ablösen will.
Vielleicht versteh ich ja Winnicott auch falsch.
Jedenfalls bin ich ja verantwortlich dafür, wie mein Sohn sein Selbst entwickeln kann. Daher ist mir das natürlich schon ein wichtiger Punkt. Und das sind ja nicht nur Theorien. Das sind ja keine Deppen, die da Bücher schreiben, oder Professoren der Psychologie sind usw.
Ich hab mir mal diesen Vortrag durchgelesen, da komm ich halt ins grübbeln. Zumal ich natürlich gar nicht alles verstehe, aber das was ich verstehe, sagt mir, das ich nicht weis, was das richtige ist ...
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gruss
T.