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Teilstillen --> Vollstillen

Verfasst: 02.01.2014, 20:06
von ninja160284
Mein Sohn wurde am 22.11. (39.SSW) mit 2500g geboren. Da er unmittelbar nach dem Kaiserschnitt wegen eines schlechten Zuckerwertes direkt in die Kinderklinik verlegt wurde, konnte ich leider nicht direkt mit dem stillen beginnen. Ich konnte erst am zweiten Tag zu ihm in die Klinik rüber und da hat es mit dem anlegen auch überhaupt nicht funktioniert (Mein Mann hat daher immer die Fütterung mit der Flasche Aptamil Pre vorgenommen, wenn ich nicht in die Kinderklinik konnte). Ich habe dann ein Pumpset bekommen um die Milchproduktion anzuregen, aber dies hat anfangs leider auch nichts gebracht. Irgendwann wurde es dann besser, aber da war mir mein kleiner schon in der benötigten Menge im Vergleich zu dem was zur Verfügung stand weit voraus. In den folgenden Wochen war die Devise unserer Hebamme das wir erst einmal darauf achten, dass der kleine Mann zunimmt. D.h. spätestens alle 3-4 Stunden wecken und dann füttern (anlegen und dann die Flasche nachgeben bis nichts mehr reingeht). Seitdem er 3000g hat wecken wir ihn nicht mehr zum essen und der darf seinen eigenen Rhythmus finden (tagsüber alle ca. 3 Stunden –wenn nicht Bauchschmerzen dazwischen kommen- und nachts ca. 4-5 Stunden). Mittlerweile haben wir 3600g erreicht und versuchen nun komplett auf stillen umzustellen. Unsere Hebamme hat gesagt, dass ich auf beiden Seiten ca. 20 Minuten anlegen soll, dies könnte dazu führen das er sich alle 2 Stunden meldet und würde die Milchproduktion anregen. Wenn er jedoch nach dem anlegen noch deutlich Hunger zeigt dürften wir noch eine kleine Flasche geben.
Wir haben nun folgendes Problem: Leider müssen wir nach jedem Stillen eine Flasche geben bis er richtig satt ist, sonst weint er solange bis er noch eine Flasche bekommt. Er gibt keine Ruhe bis er komplett satt ist, dies hat natürlich zur Folge das ich nicht alle zwei Stunden anlegen kann, denn er meldet sich dann in der Regel erst wieder nach 3-4 Stunden von alleine. Ich will auf keinen Fall das er wieder abnimmt oder nicht weiter zunimmt und auch nicht das er vor Hunger schreit. Was kann ich dann aber machen um meine Milchmenge zu steigern?

Re: Teilstillen --> Vollstillen

Verfasst: 03.01.2014, 09:09
von jusl
Hallo und herzlich willkommen hier.

Es ist bestimmt möglich, bei Euch Verbesserungen in Richtung Vollstillen zu erreichen. Ich habe noch einige Fragen:
Wir haben nun folgendes Problem: Leider müssen wir nach jedem Stillen eine Flasche geben bis er richtig satt ist, sonst weint er solange bis er noch eine Flasche bekommt.
Wie viel Pre fütterst Du denn ingesamt pro Tag für gewöhnlich zu? Und seit wann?
Ich habe dann ein Pumpset bekommen um die Milchproduktion anzuregen, aber dies hat anfangs leider auch nichts gebracht. Irgendwann wurde es dann besser, aber da war mir mein kleiner schon in der benötigten Menge im Vergleich zu dem was zur Verfügung stand weit voraus. In den folgenden Wochen war die Devise unserer Hebamme das wir erst einmal darauf achten, dass der kleine Mann zunimmt.
Könntest Du mal alle Gewichtsdaten incl Datum posten, die Du hast? Siehe dazu auch den Link "Wie funktioniert Stillberatung hier im SuT?".
Wenn wir in der nächsten Zeit gemeinsam schauen wollen, was Ihr in Richtung Vollstillen erreichen könnt, ist ohnehin eine engmaschige Gewichtsdoku notwendig, um sicherzustellen, dass Dein Baby jederzeit bestens versorgt ist.
Seitdem er 3000g hat wecken wir ihn nicht mehr zum essen und der darf seinen eigenen Rhythmus finden (tagsüber alle ca. 3 Stunden –wenn nicht Bauchschmerzen dazwischen kommen- und nachts ca. 4-5 Stunden)
Da komme ich auf durchschnittlich 7 Mahlzeiten in 24 Stunden, ist das richtig? Das wäre mit Sicherheit zu selten, wenn Du Deine Milchproduktion steigern möchtest, denn Babys trinken normalerweise 8-12 Mal in 24 Stunden - diese Häufigkeit ist für eine ausreichende Milchbildung normalerweise notwendig. Wenn die Milchproduktion gesteigert werden soll, sogar eher mindestens 10-12 Mal in 24 Stunden.
Ich will auf keinen Fall das er wieder abnimmt oder nicht weiter zunimmt und auch nicht das er vor Hunger schreit.
Das ist klar. Erfolgreiche Reduktionen von Zufüttermilch arbeiten mit kleinen, kontrollierten Schritten, in denen die Zufüttermilch in dem Maße verringert wird, wie die Milchproduktion gesteigert werden kann. Hunger oder Schreien ist selbstverständlich nicht Bestandteil dieses Programms ;-), sondern eine engmaschige Dokumentation aller relevanten Daten (Babygewicht, Stillhäufigkeit, Zufüttermenge, Ausscheidungen) stellt sicher, dass das Baby gut gedeiht.
Was kann ich dann aber machen um meine Milchmenge zu steigern?
Da gibt es einige Möglichkeiten. Bitte reiche doch noch kurz die fehlenden Daten nach, und dann überlegen wir gemeinsam, wie ein guter Weg für Euch aussehen könnte.

LG
Julia

Re: Teilstillen --> Vollstillen

Verfasst: 04.01.2014, 17:46
von Gast
Vielen Dank schonmal für schnelle Reaktion. Hier die Antworten zu deinen Rückfragen:

Ich habe am 30.12. mit dem Versuch voll zu stillen begonnen also habe ich ab dann meine Aufzeichnungen zusammengefasst (Gewicht haben wir fast täglich erfast, da wir eine Babywaage zu Hause haben).
01.12. 2.630g
08.12. 2.880g
15.12. 3.080g
22.12. 3.380g
29.12. 3.535g
30.12. 5 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillproben 45-55 ml je Mahlzeit, 110 ml PRE
31.12. 5 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillproben 55-65 ml je Mahlzeit, 265 ml PRE
01.01. 3.610g 4 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillproben 50-75 ml je Mahlzeit, 140 ml PRE
02.01. 6 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillproben 40-60 ml je Mahlzeit, 285 ml PRE
03.01. 6 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillprobe 30 ml, 255 ml PRE
04.01. 3.645g

Ich werde ab morgen dann auch die Ausscheidungen mit dokumentieren, dann kann ich die Angaben in Zukunft noch ergänzen. Ansonsten sollten das so hoffentlich alle notwendigen Daten sein.

Vielen Dank im voraus.
Gruß
Nina

Re: Teilstillen --> Vollstillen

Verfasst: 04.01.2014, 22:36
von jusl
Hallo und vielen Dank für Deine aufschlussreichen Daten.

Also: Die Stillprobenergebnisse sind mit 40-60 g u.ä. völlig normal. Wenn ein junges Baby durchschnittlich 50 g Muttermilch pro Mahlzeit trinkt UND EINE NORMALE Mahlzeitenhäufigkeit hat (mind. 8-12 Mahlzeiten in 24 Stunden), ergibt sich eine VÖLLIG NORMALE Tagestrinkmenge.
Wesentlicher Teil Eures Problems ist ganz klar die geringe Mahlzeitenhäufigkeit. 5-6 Mahlzeiten (mit der normalen durchschnittlichen Mahlzeitengröße von 50 g) decken lediglich gut die Hälfte des Tagesbedarfs Deines Babys.
Unbedingt sinnvoll ist also, dass Du häufiger stillst: Tags spätestens alle 2 Stunden, nach spätestens alle 3-4 Stunden.

Die Gewichtsdaten würde ich mir gerne noch mal näher anschauen, deshalb:
jusl hat geschrieben:Könntest Du mal ALLE Gewichtsdaten incl Datum posten, die Du hast?
- auch die Daten von vorher?
Denn vermutlich war Euer Reduktionsversuch ab 30.12. zu schnell; aber um dazu was genaueres zu sagen, brauche ich wie gesagt ALLE Daten.
Und dann schauen wir nach einem geeigneten Reduktionsschema. Einverstanden?

LG
Julia

Re: Teilstillen --> Vollstillen

Verfasst: 05.01.2014, 18:49
von Gast
Das die Häufigkeit ein Problem ist habe ich mir schon gedacht, aber ich weiß nicht wie ich in den richtigen Rhythmus komme, ohne ihn auch mal mit Hunger wieder hinzulegen (wobei dann auch nicht an Schlaf zu denken ist).

Hier alle Daten:
22.11. 2.500g (Geburt), von Geburt an PRE zugefüttert
30.11. 2.620g
01.12. 2.630g
02.12. 2.700g
03.12. 2.705g
04.12. 2.755g
05.12. 2.785g
06.12. 2.820g
07.12. 2.850g
08.12. 2.880g
09.12. 2.865g
10.12. 2.925g
11.12. 2.940g
12.12. 3.015g
13.12. 3.035g
14.12. 3.060g
15.12. 3.080g
18.12. 3.235g
21.12. 3.340g
22.12. 3.380g
24.12. 3.395g
26.12. 3.435g
27.12. 3.475g
29.12. 3.535g
30.12..........5 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillproben 45-55 ml je Mahlzeit, 110 ml PRE
31.12..........5 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillproben 55-65 ml je Mahlzeit, 265 ml PRE
01.01. 3.610g 4 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillproben 50-75 ml je Mahlzeit, 140 ml PRE
02.01...........6 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillproben 40-60 ml je Mahlzeit, 285 ml PRE
03.01...........6 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), Stillprobe 30 ml, 255 ml PRE
04.01. 3.645g 5 Mahlzeiten (Stillen+Flasche), 210 ml PRE
05.01. 3.690g

Hast du evtl. auch einen guten Tipp bei wunden Brustwarzen? Langsam schmerzen sie schon mal ganz schön beim anlegen.

Re: Teilstillen --> Vollstillen

Verfasst: 06.01.2014, 13:48
von jusl
Das die Häufigkeit ein Problem ist habe ich mir schon gedacht, aber ich weiß nicht wie ich in den richtigen Rhythmus komme, ohne ihn auch mal mit Hunger wieder hinzulegen (wobei dann auch nicht an Schlaf zu denken ist).
Das verstehe ich nicht ganz - beim häufigen Stillen ist ja eigentlich immer ein bissl was im Bäuchlein, das ist ja gerade das Gute dran... Wieso befürchtest Du, dass Du Dein Baby auch mal hungrig "hinlegen" musst (was meinst Du mit hinlegen?), wenn Du häufiger stillst?
Hier alle Daten:
30.11. 2.620g
....
Danke. Hast Du auch noch Daten von den Tagen nach der Geburt? Das Geburtsgewicht habe ich selbst schon eingetragen.
Ohne diese Daten kann ich grob sagen: Die durchschnittliche Gewichtszunahme lag im ersten Lebensmonat bei rund 220-260 g pro Woche. Das ist ein normaler, eher hoher Wert, der häufig bei SGA-Babys (oder "beinahe-SGA-Babys") zu finden ist, da diese offenbar außerhalb des Mutterleibs "etwas aufholen". Seit dem, also in den letzten beiden Wochen, lag die durchschnittliche Gewichtszunahme bei rund 155 g, ein leicht unterdurchschnittlicher Wert. Dies kann messtechnisch bzw. statistisch bedingt sein, also ohne Bedeutung, oder aber mit der geringen Stillhäufigkeit zusammenhängen. Das sollten wir in der nächsten Zeit herausfinden. Eine Reduktion der Zufüttermenge ist entsprechend derzeit noch nicht zu empfehlen; der definitiv sinnvollste Ansatz ist häufigeres Stillen (bei momentan noch unveränderter Zufüttermenge von ca 250 ml pro Tag).
Hast du evtl. auch einen guten Tipp bei wunden Brustwarzen? Langsam schmerzen sie schon mal ganz schön beim anlegen.
Kannst Du Deine Beschwerden genauer beschreiben? Wo genau tun die BW weh? Wann tun sie weh? Wo befinden sich die Wunden?
Es liegt nahe, dass Deine Beschwerden mit der Flaschenverwendung zusammenhängen. Viele Babys entwickeln Schwierigkeiten, zwischen der Trinktechnik an der Brust und der Trinktechnik an der Flasche erfolgreich hin und her zu wechseln. Falls das bei Euch der Fall ist, ist es sinnvoll, auf eine stillfreundliche Zufüttermethode umzusteigen, die das Stillen nicht stört.
Am wichtigsten bei der Behandlung wunder Brustwarzen ist die Beseitigung der Ursache (bei Euch also möglicherweise die Saugtechnik). Darüberhinaus gibt es Hilfsmaßnahmen, die die Heilung unterstützen, ergänzend zur Ursachenbeseitigung. Eine Sammlung solcher Maßnahmen findest Du in unserer Linksammlung Stillwissen, Stichwort "Tipps zur Heilung wunder BW".

LG
Julia