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Stillhormone-was passiert genau?
Verfasst: 20.10.2013, 18:30
von Lotusblume2012
Hallo,
mich würde persönlich und auch aus beruflichen gründen interessieren, was genau die Stillhormone auf der körperlichen und psychischen Ebene bewirken. Um welche Hormone handelt es sich bzw was passiert mit den anderen Hormonen -Östrogen...?
Gibt es vielleicht auch interessante Artikel/Studien?
Persönlich empfinde ich es eher als gedämpft sein. Bei meiner Schwester wurde nach dem 2.kind eine Stillpsychose diagnostiziert und sie musste sofort abstillen.
Bin schon gespannt ....
Re: AW: Stillhormone-was passiert genau?
Verfasst: 20.10.2013, 18:47
von Violet
Was ist denn eine Stillpsychose? Ich kenn nur Wochenbettpsychose. Ist das dasselbe? Musste deine Schwester wg Medikamenten abstillen? Ich habe noch nie gehoert dass Stillen Psychosen verursacht...?
Vereinfacht gesagt hat man während des Stillens einen niedrigen Östrogenspiegel, einen hohen Prolaktinspiegel und bildet vermehrt Oxytocin. Prolaktin sorgt für die Milchbildung, Oxytocin löst den Milchspendereflex aus und ÖStrogen unterdrueckt den Eisprung. Vermutlich hat die ein oder andere Frau auch erhöhte Spiegel an Stresshormonen in der ersten Zeit
Ich wüsste nicht dass schon gesichert ist wie eine Wochenbettpsychose zu Stande kommt. Vermutlich liegts nicht nur an den Hormonen, Genetik, psychische Verfassung vor der Geburt und Biographie spielen bestimmt auch eine Rolle.
J. *11/12
Re: Stillhormone-was passiert genau?
Verfasst: 20.10.2013, 21:57
von Mondenkind
Ich finde es wichtig, den Verlauf von der Schwangerschaft an zu betrachten, außerdem wird die Milchproduktion nicht nur systemisch reguliert, sonder auch lokal.
Ca. in der 16. SSW beginnt die Milchbildung. Diese ist charakterisiert durch hohe Spiegel von Östrogen, Progesteron, Prolaktin und humanem Plazentalactogen, unter deren Einfluß die Brustdrüse reift. Die Zellen differenzieren sich aus, die milchproduzierenden Zellen entwickeln sich. Die eigentliche Milchproduktion wird jedoch noch durch den hohen Progesteronspiegel unterdrückt.
Mit der Geburt beginnt der nächste Abschnitt. Dieser Zeitpunkt ist v.a. charakterisiert durch den plötzlichen, rapiden Abfall der Progesteronkonzentration bei hohem Prolaktinspiegel. Dies bringt die Milchbildung initial in Gang, selbst wenn das Kind nicht saugt. Am ca. 2.- 4. Tag kommt es zur reichlichen Milchbildung = Milcheinschuss . Wenn die Milch in diesem Stadium nicht aus der Brust entfernt wird, geht die Milchbildung zurück. Trotzdem ist es wichtig, dass das Kind auch vorher schon saugt! Das hat aber weniger hormonelle Gründe, sondern andere, die aber genau so wichtig sind. Verbleiben Reste der Plazenta in der Gebärmutter, bleibt der starke Abfall des Progesterons aus. Dies führt zu mangelhafter Milchbildung und schlechtem Gedeihen des Kindes, schlimmstenfalls zum Abstillen. Bis zum etwa 10. Tag nach der Geburt vollziehen sich die biochemischen Veränderungen der Milch zur reifen Muttermilch. Dies ist auch der Zeitpunkt, zu dem die ehemals sehr hohen Prolaktinspiegel wieder sinken. Der Prolaktinspiegel ist dann nur noch in Spitzen erhöht (beim Stillen), genauso wie das Oxytocin. Oxytocin löst den Milchspendereflex aus, Prolaktin ist Milch bildend.
Die Milchbildung wird aufrecht erhalten durch Saugen und regelmäßiges Anfordern der Milch aus den sekretorischen Alveolen.
Die Milchproduktion wird in diesem Stadium hauptsächlich durch den Bedarf des Kindes reguliert. Staut sich Milch in der Brust, weil plötzlich weniger Milch abgefragt wird als sonst, kommt es v.a. durch einen lokalen Prozess zur Abnahme der Milchmenge. Dies ist zunächst reversibel, irgendwann nicht mehr.
Auf der hormonellen Ebene spielen Prolaktin und Oxytocin die Hauptrolle. Prolaktin bewirkt an den Alveolarzellen die Milchsynthese und -sekretion, Oxytocin sorgt an den Myoepithelzellen deren Kontraktion und das Auspressen der Milch = Milchspendereflex.
Östrogen und Progesteron sind in der (Voll-) Stillzeit vergleichsweise niedrig.
Dies ist GANZ GROB was so in etwa passiert. Es sind noch viele andere Hormone beteiligt, das Ganze ist auch noch nicht abschließend geklärt. Für Feinheiten musst Du die aktuellen wissenschaftlichen Geschehnisse verfolgen...
Eine Stillpsychose gibt es nicht. Es gibt eine Wochenbettpsychose, aber die wird meines Wissens nicht mit stillrelevanten Hormonen in Verbindung gebracht.
Beantwortet das ansatzweise Deine Fragen?
Re: Stillhormone-was passiert genau?
Verfasst: 21.10.2013, 10:50
von klimaforscherin
Quelle: "Die physiologischen Grundlagen der Säuglingsernährung", S. 47
Mögliche Kontraindikationen zum Stillen, Krankheit der Mutter.
[...] Im seltenen Fall einer Psychose oder einer schweren postnatalen Depression, bei der das Leben des Säuglings vielleicht in Gefahr ist, wenn sich seine gestörte Mutter um ihn kpmmert, wird das Stillen durch die dann notwendige Trennung von Mutter und Kind erschwert. Bei den heutigen Methoden zur Behandlung depressiver Frauen wird jedoch vorgeschlagen, dass die Mutter und ihr säugling nicht völlig voneinander getrennt werden sollten. Unter der Voraussetzung, dass die eingesetzten Medikamente mit der Laktation vereinbar sind [...] und die Mutter stillen möchte, gibt es keinen Grund, ein solches Kind abzustillen, obwohl das Stillen, wie jede andere Form des Kontakts, überwacht werden muss. Für die Mutter kann es wichtig sein, dass sie nicht das Gefühl bekommt, auch auf diesem Gebiet versagt zu haben. [...]
Alles Gute deiner Schwester. ((()))