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fast zwei, jetzt noch Schnuller?

Verfasst: 22.08.2013, 15:19
von Kloentje
Hallo,

kurz zum Hintergrund: meine Tochter ist fast zwei, noch ziemlich stark aufs Stillen fixiert (meistens so alle 2-3 Stunden, auch nachts, sie schafft aber auch 5-6 Stunden ohne, falls ich gerade nicht da bin oder sie sehr abgelenkt ist). Sie aß lange sehr wenig, jetzt wird es langsam mehr. Sie ist groß, stark und gesund. Nuckel oder Fläschchen kennt sie nicht. Zum Einschlafen stillt sie auch (ausschließliche Einschlafmethode). Mich stört das meistens nicht, ich genieße es sehr oft. Manchmal (in letzter Zeit immer öfter) nervt es mich aber schon: wenn das Einschlafen eine Stunde dauert, wenn sie ständig stillen möchte und wenn nur ich sie nachts beruhigen kann.
Kurz: eigentlich kann ich mit dem Stillen ganz gut leben, würde gern haben, dass sie sich selbst abstillt. Aber es gibt zwei schwierige Sachen:

1. Sie hat Karies.
Seit einer der vorderen oberen Schneidezähne auch nur halb draußen war, hat sie da Karies. Eine ihrer Zahnärztinnen (wie haben mehrere durchprobiert) meint, es könnte von den Beatmungsversuchen nach der Geburt kommen, dass der Zahnschmelz defekt war - und ja, da war schon immer ein Loch drin, erst weiß, dann dunkel und kariös. Ich habe mich gut belesen zwecks nächtlichem Stillen und der Kariesgefahr und daher weitergestillt, aber die Zahnpflege intensiviert. Nun haben aber zwei weitere Zähne Karies. Und da sie keine Süßigkeiten, Säfte oder derartiges bekommt, scheint das Stillen (und sicher eine gewisse Veranlagung) da auch eine Rolle zu spielen. Die Zahnärztin rät zwar schon zum Abstillen, aber nicht vehement.

2. Sie geht ab September in die Kita (seit August Eingewöhnung).
Dort hat sie heute zum ersten Mal geschlafen. Und es war wohl ganz schön schlimm (aus meiner Sicht). Meine familienbettgewöhnte Tochter war völlig perplex, dass sie da schlafen soll und weinte erstmal richtig lange. Andere Kinder konnten kein Vorbild sein, weil die Gruppe gerade im Aufbau ist und es insgesamt erst drei Kinder sind, die alle heute ihren ersten Schlafversuch hatten. Naja, die Erzieherinnen saßen daneben und haben gestreichelt, gesungen und getröstet. Die anderen beiden Kinder sind eingeschlafen und meine Tochter weinte und schrie weiter (mich wundert, dass sie liegengeblieben ist, sie hätte körperlich auch aufstehen und aus dem Bett aussteigen können). Dann nahm eine Erzieherin sie raus in den Gruppenraum und kuschelte mit hier und wiegte sie hin und her. Dadurch schlief sie dann doch mal eine halbe Stunde lang. Das große Aber: Das einzige, was sie richtig beruhigte, war ein Schnuller, den sie ihr gegeben haben. Ich finde das nicht toll, aber wenn das für den Moment hilft, finde ich es ok.
Nun ja, danach meinte die Erzieherin, (die schon sehr AP ist), dass mein Kind besser damit fahren würde, wenn es ohne Brust einschlafen würde. Kann man sich drüber streiten, ich weiß. Und im Moment würde ich eh nicht radikal abstillen.

Nun schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Ihr auch zu Hause den Schnuller anbieten und damit ein Abstillen provozieren? (Würde stillen, wenn sie danach verlangt, aber nach wie vor nicht anbieten - ich nehme an, dass sie dann über kurz oder lang das Interesse am Stillen verlieren würde.)
Damit Karies erschweren und das Kita-Einschlafen erleichtern?
Andererseits wollte ich schon alles "richtig"* machen und sie sich selbst abstillen lassen. Ist aber vielleicht auch nur eine romantisch-perfektionistische* Vorstellung von mir.

Außerdem habe ich ein bisschen Angst vor Stillproblemen (sie reagierte immer sehr heftig auf bspw. weiche Tüllen an Trinkflaschen und stillte danach oft sehr schmerzhaft - für mich).
Und ich will ihr nicht irgendwann den Schnuller abgewöhnen müssen - was sich aber evtl. in Grenzen hält, wenn er nur zum Einschlafen/Schlafen eine Rolle spielt?

Ich würde mich freuen über Einschätzungen von Euch - auch von den Stillberaterinnen. Oft mache ich mir zu viel Druck und daher denke ich nun ernsthaft über die Schnullersache nach - das entspricht dann zwar nicht meinem Mami-Perfektionismus*, würde aber vielleicht viel Druck rausnehmen?

Danke!
Kloentje



* mit Mami-Perfektionismus meine ich keinen allgemeingültigen Perfektionismus, sondern meine persönlichen Vorstellungen davon. Wer eher abstillt, Schnuller gibt usw. ist in meinen Augen keine weniger liebevolle und wohlmeinende Mutter, das nur am Rande.

Re: fast zwei, jetzt noch Schnuller?

Verfasst: 22.08.2013, 15:53
von Regenbogen82
Dass Schnuller per se auch Probleme wie Beißen auf die Brustwarzen etc. machen können, hast Du von den Stillberaterinnen hier bestimmt schon gelesen.

Was ich Dir schreiben wollte, ist, dass zwei verschiedene Einschlafmethoden durchaus funktionieren können.
Mein Sohn ging mit knapp einem Jahr einige Wochen lang (ich war danach im Beschäftigungsverbot wegen der neuen Schwangerschaft und dann war er wieder mit mir Zuhause) zur Tagesmutter. Dort hat er auch einen Mittagsschlaf gemacht und zwar problemlos im Reisebett mit den anderen Kindern zusammen in einem Zimmer.
Hier Zuhause schlief er entweder nur auf meinem Arm (abends mit einer Flasche Pre, ähnlich wie Einschlafstillen - wir haben leider nach zehn Wochen wegen Saugverwirrung abgestillt), an meinen Mann oder mich gekuschelt in unserem Bett (zum Mittagsschlaf) oder etwas später auch im eigenen Bett, aber mit Begleitung, vorsingen etc. ein. Hier Zuhause konnte und kann man ihn nicht einfach so hinlegen (und selbstverständlich lassen wir ihn dann auch nicht schreien), bei der Tagesmutter hat es ohne Schreien geklappt.
Ich kònnte mir also vorstellen, dass Deine Tochter durchaus mit zwei unterschiedlichen Einschlafritualen in Kita und Zuhause umgehen und diese unterscheiden kann, wenn sie ein bisschen Zeit hat, um sich daran zu gewöhnen. Ob dazu in der Kita ein Schnuller gehören muss oder nicht, müsst ihr entscheiden (beißen, abgewöhnen...) Ich würde ihn nicht geben (mein Sohn hat einen und wir werden ihn nur schwer los) und finde es ehrlich gesagt ziemlich dreist, dass sie in der Kita ungefragt einen bekommen hat. Solche Entscheidungen sollten meiner Meinung nach die Eltern treffen.
Alles Gute für Euch!

Re: fast zwei, jetzt noch Schnuller?

Verfasst: 22.08.2013, 16:42
von jusl
Hallo Kloentje,

ich würde definitiv pragmatisch an die Sache herangehen, nicht perfektionistisch ;-). Allerdings würde ich, ehe ich den Schnuller *wegen der Kita* einführe, erstmal noch ein paar Tage abwarten, wie es so läuft - bloß EIN Tag wäre mir als Datengrundlage zu wenig. Vielleicht schläft sie ja ab nächster oder übernächster Woche problemlos dort ein... vielleicht so lange erstmal abwarten?

Danach können wir ja weiter überlegen. ;-)

LG
Julia

Re: fast zwei, jetzt noch Schnuller?

Verfasst: 22.08.2013, 23:12
von katemiddleton2011
Hallo,

ach herrje, ich drücke dich erstmal fest. Ich habe die Eingewöhnungszeit noch gut in Erinnerung. Meine Tochter wird im November erst 2. Sie geht zur Tagesmutter (3 Tage à 6 Stunden, ab nächsten Monat 4) seit Mitte/Ende April. Wir haben es ganz langsam angehen lassen: Treffen seit Januar und ab März richtige Eingewöhung (mit einer schlimmen Klammerphase zwischendrin)

Ich habe diese Zeit als ungeheure emotionale Belastung empfunden, weil es mir das Herz gebrochen hat, sie so früh abgeben zu müssen. Mittlerweile habe ich mich damit arrangiert, weil ich sehe, dass sie es ganz gut verkraftet. Das vorneweg. Ich berichte dir gerne mal von unseren Schlaferfahrungen.

Ich habe sie die erste Zeit, weil ich zeitlich felxibel war (und weil ich Angst davor hatte), sie nicht da schlafen lassen und sie nach dem Mittagessen abgeholt. Sie war schon gut eingewöhnt, als der erste Schlafversuch kam. Sie hat sich auch in den Armen der Tagesmutter in den Schlaf geweint. Für mich war das ganz ganz schrecklich. Aber es lag nicht daran, dass meine Vielstillerin (auch alle 2 Stunden, früher vor Beikost stündlich, mittlerweile ein bisschen weniger;-)) nicht ohne Stillen einschlafen kann. Die neue und extrem verunsichernde Situation war Schuld. Bei uns war das Hauptproblem, dass ein Junge wegen der Zähne zur der Zeit vor dem Schlafen immer sehr laut schrie. Das hat meine total verschreckt. Als er am nächsten Tag nämlich nicht dabei war und nur die anderen routinierten Schläfer, ging sie in den Schlafraum, sagte Heia, legte sich hin, lauschte den Liedern der Tagesmutter und schlief ein. Für meine Tochter ist es extrem wichtig, dass in der Schlafsituation eine gefestigte Stimmung herrscht. Dann kann sie sich sicher fühlen. Und ich denke auch, da liegt bei euch der Hase im Pfeffer. Die Erzieherin ist noch nicht die absolut vertraute Bezugsperson und dazu die anderen unsicheren Kinder. Da fühlt deine Tochter ja verständlicherweise, dass etwas nicht in Ordnung sein muss. Ich finde es auch absolut unglücklich, dass 3(!) neue Kinder da ihren Schlafversuch hatten.

Meine Tochter hat zwar gelegentlich nochmal nach Mama gefragt (was mir immer wieder aufs Neue das Herz schwer werden lässt) vor dem Schlafen; z.B. wenn sie bisschen erkältet war, nach den Ferien auch, aber im Großen und Ganzen schläft sie dort problemlos, wie auch beim Papa, bei den seltenen Gelegenheiten, die ich nicht da bin abends. Die anderen Kinder haben alle einen Schnuller und stillen schon lange nicht mehr. Witzigerweise hat meine Tochter großes Interesse am Schnuller entwickelt dahingehend, dass sie darauf achtet, dass die anderen ihren haben, aber auf die Idee, dass sie ihn benutzen könnte, ist sie nie gekommen.

Ich hätte auch ein großes Problem damit gehabt, wenn sie noch einen genommen hätte (und hoffe, dass sich kein Interesse mehr entwickelt). Kita ist Kita und Mama ist Mama. Deine Tochter wird andere Rituale finden und schlafen können. Das Wichtigste ist ein sicheres Gefühl. Das wird schon, mach dir nicht so viele Gedanken! Vllt nicht so schnell wie bei uns, aberdas wird klappen. Ich würde den Erzieherinnen auch deutlich vermitteln, dass du wünschst, dass sie andere Wege finden. Und ich kann dir aus Erfahrung sagen, bis Kinder eingewöhnt sind, dauert Wochen. Rückschläge gibt es immer, auch nach Monaten. Aktuell mag meine Tochter mich erst gehen lassen, wenn ich mindestens eine halbe Stunde noch da bin morgens oder noch mit Frühstücke. das braucht sie zur Sicherheit.

Ich finde, der Schnuller sollte die letzte Alternative sein. Aber, wenn mein Kind ihn wirklich gebraucht hätte und es nicht nur Faulheit der Tagesmutter gewesen wäre, hätte ich ihn natürlich akzeptiert. Allerdings nur in der Kita.

Du musst wirklich nicht das Einschlafstillen abschaffen wegen der Kita. Deine Tochter wird es unterscheiden können.

Zum Karies: Ich kann deine Sorge verstehen. Ich mache mir da auch Gedanken. Ich hatte als Kind und als Jugendliche recht schlechte Zähne. Da ich eine Veranlagung nicht ausschließen kann, ist mir beim nächtlichen Dauerstillen natürlich unwohl. Da sie aber seit sie ungefähr 1,5 Jahre ist, nachts selbst nach Wasser verlangt, wird das viel weniger. Ich habe das etwas forciert und es gibt mittlerweile viele Nächte wo wir bis um 6/7 gar nicht stillen oder nur einmal. Ich weiß, dass wieder andere Phasen kommen werden, aber das nimmt die Sorge etwas. Vllt reduziert ihr das nächtliche Stillen behutsam etwas.

Ich vertrete aber auch den Standpunkt, dass ich ein abruptes Abstillen unter vielen Tränen für meine Tochter schlimmer finden würde, als ein bisschen Karies. Zumal ich auch den aktuellen Stand der Forschung zu dem Thema kenne.

LG
kate

Re: fast zwei, jetzt noch Schnuller?

Verfasst: 23.08.2013, 00:31
von Katha
Würde es auch erst ohne Schnuller probieren
Und sag das bitte den Erzieherinnen nochmal - weil die hatten ihn ja (trotz der schwierigen Situation oder gerade deswegen) gegeben. Evtl. nehmen sie ihn als einfacheren Weg jetzt immer.

Einschlafstillen tun wir übrigens auch - und kl. Hase schläft seit Februar bei der TaMu ohne :)

Re: fast zwei, jetzt noch Schnuller?

Verfasst: 23.08.2013, 11:51
von Kloentje
Hallo,

danke erstmal allen!
Ja, ich habe schon oft gelesen, dass auch Stillkinder es oft schaffen unter ganz anderen Bedingungen einzuschlafen. Das war auch meine Hoffnung. Dass sie diesen Weg aber weinend und schreiend finden würde, hatte ich nicht erwartet. Ich habe das Gefühl, als würde ich sie fernferbern (was natürlich Quatsch ist, weil sie ja von einer relativ vertrauten Person beschmust, getröstet und gewiegt wird).
Und ich war im ersten Moment auch erst entsetzt, meine Kleine mit Schnuller zu sehen - das erinnerte mich an die Zeit nach der Geburt, als man meine Tochter ungefragt gebadet, mit Schnuller versorgt und mit Zuckerwasser gefüttert hat. Aber eigentlich sehe ich das heute so, dass ich den Schnuller vielleicht nicht so verteufeln sollte. Wenn er als einziges Hilfsmittel ihr Weinen beendet, sodass sie eine Chance auf Einschlafen hat, werde ich den Erzieherinnen das weder verbieten noch übelnehmen. Aber Ihr habt natürlich recht - ich werde den Erzieherinnen nochmal klar sagen, dass ich das nur für den Notfall so möchte.

Interessant ist nur - und da hilft mir Dein Pragmatismushinweis wirklich weiter, jusl -, dass in mir der Abstillwunsch doch stärker vorhanden ist als ich dachte. Denn plötzlich stehe ich kurz davor, schnell mal in die Drogerie zu fahren und auch für zu Hause einen Schnuller zu kaufen. Und das, wo ich bisher schon sehr radikal gegen "Brustersatz" bei meinem Kind gewesen bin. Ich scheine unbewusst davon auszugehen, dass das das Abstillen erleichtern würde.

Kurz: Ich warte noch ab, wie das in der Kita läuft, dabei wird mir immer gegen 11:30 das Herz bluten, weil ich weiß, dass mein Kind es nun besonders schwer hat.
Und auch das Zu-Hause-Schnullerthema verschiebe ich, wie von Dir vorgeschlagen, jusl. Aber ich werde mal stärker in mich hineinhören, wie stark eigentlich mein Abstillwunsch ist.

Liebe Grüße!
Kloentje

Re: fast zwei, jetzt noch Schnuller?

Verfasst: 23.08.2013, 11:56
von jusl
Interessant ist nur - und da hilft mir Dein Pragmatismushinweis wirklich weiter, jusl -, dass in mir der Abstillwunsch doch stärker vorhanden ist als ich dachte. Denn plötzlich stehe ich kurz davor, schnell mal in die Drogerie zu fahren und auch für zu Hause einen Schnuller zu kaufen. Und das, wo ich bisher schon sehr radikal gegen "Brustersatz" bei meinem Kind gewesen bin. Ich scheine unbewusst davon auszugehen, dass das das Abstillen erleichtern würde.
Das scheint mir ein wichtiger Aspekt sein. Wenn Du ohnehin eigentlich gern abstillen würdest (also mögliche Auswirkungen des Schnullers aufs Stillen egal sind) UND der Schnuller Deinem Kind offenbar hilft, also dann würde ich wohl (nach vielleicht noch ein paar Tagen abwarten, ob's nicht doch auch gut ohne geht) in der Tat nicht weiter zögern und einen Schnuller besorgen. Besten Gefühls. ;-)

LG
Julia

Re: fast zwei, jetzt noch Schnuller?

Verfasst: 26.08.2013, 20:58
von Kloentje
Hallo,

so, der Stress hat sich etwas gelegt. Mein Kind schläft zwar noch immer nicht im Kita-Bettchen ein, ist aber offenbar dem Schnuller nicht sooo zugeneigt wie ich zunächst dachte. Wenn sie weint, weint sie. Da stört der Schnuller nur und wird von ihr weggeschleudert. Also ist er als Kita-Beruhigungsmittel von ihr abgewählt worden und ganz sicher kein Garant fürs Einschlafen. Also werde ich ihn zu Hause zunächst auch nicht anbieten.

Außerdem genieße ich zur Zeit das Stillen (tagsüber) wieder mehr. Ich bin gerade offenbar nicht ganz stabil in meinen Empfindungen bezüglich des Stillens - also warte ich lieber erstmal ab.

(Mal sehen, wann ich den Thread reaktivieren muss ;-)

Danke & liebe Grüße
Kloentje