Hallo Canine,
zunächst mal: Glückwunsch zum Baby und schön, dass das Stillen bei Euch so problemlos klappt

und auch, dass Ihr keinen Schnuller gebt. Das sind gute Startbedingungen für eine gelingende Stillbeziehung. Zu Deinen Fragen:
canine hat geschrieben:Bin ich da zu bequem? Gibt es da Nachteile?
Ich denke nicht, dass es mit "Bequemlichkeit" zu tun hat, wenn Du Dir über die Versorgung Deines Babys mit Muttermilch in möglichen Zeiten Deiner Abwesenheit Gedanken machst

zumal Du dafür ja auch (vorher, evtl. auch währenddesssen) Pumpen oder Muttermilch per Hand gewinnen müsstest (Tipps zum erfolgreichen Pumpen findest Du in unserer
Linksammlung Stillwissen und hier auch eine
kurze Anleitung zum Gewinnen von Milch per Hand.)
Zu den Nachteilen:
Der größte mögliche Nachteil des Flaschegebens wurde Dir ja schon genannt: es kann (besonders bei so jungen Babys wie Deinem, aber auch später noch) durch den Einsatz von Saugerflaschen zu einer sogenannten Saugverwirrung kommen. Was das genau ist, wurde Dir bereits von saiidi verlinkt.
canine hat geschrieben:Mir wurde gesagt, dass wenn die Flasche nach 4 Wochen langsam angewoehnt wird, dann ist das Stillen mit der Brust kein Problem?! Schnuller kriegt sie nicht.
Und nein, so einfach ist es leider nicht. Man sagt zwar generell, es sollten vor dem Einsatz irgendwelcher künstlicher Sauger (Schnuller, Flasche, ...) mindestens sechs zusammenhängende Wochen problemlosen (!) Stillens vergangen sein, aber auch danach sind Saugverwirrungen leider ganz und gar nicht ausgeschlossen.
Wenn man ein Fläschchen gibt, kann Verschiedenstes passieren: Man kann Glück haben und das eigene Baby schafft den Wechsel zwischen Brust und Flasche von Anfang an und auf Dauer problemlos. Man kann Pech haben und ein, zwei Fläschchen reichen aus, um sich wochenlange, schwierig zu behebende Saugprobleme an der Brust einzuhandeln. Und dann gibt es viele Stufen dazwischen. Vielleicht lehnt das Baby die Flasche/den Schnuller schlicht ab. Vielleicht geht es einige Wochen oder gar einige Monate lang ganz gut mit dem "Stillen + Flasche" - und plötzlich verweigert das Baby die Brust und nimmt nur noch die Flasche. So eine Präferenz kann sich nämlich durchaus auch erst nach Monaten ausbilden. Nur sprechen viele Mütter dann nicht von "Saugverwirrung" sondern würden (fälschlicherweise) sagen: "mein Kind hat sich mit 5/7/9/... Monaten ganz von selbst abgestillt und wollte nicht mehr an die Brust!" Darüber sind manche Mütter geschockt und traurig, andere sind stolz auf ihr "unabhängiges" Baby (das natürlich im ersten Lebensjahr dennoch Milch benötigt - sei es abgepumpte Muttermilch oder Pre), ... .
Saugverwirrung hat also viele mögliche Verlaufsformen und es kann leider niemand vorhersagen wie ein ganz bestimmtes Baby auf Saugerflaschen reagieren wird. Es kommt sicherlich in der Einschätzung der ganzen Sache auch sehr darauf an, wie man das Stillen für sich sieht und ob man im Zweifelsfalle damit leben könnte, wenn das eigene Baby (ob früher oder später) vor dem natürlichen Abstillen, und bevor die Mutter dies eigentlich beabsichtigt hatte, nicht mehr mit der Brust zurecht käme.
Ein weiterer möglicher Nachteil wurde Dir auch bereits angedeutet: durch Abpumpen kann sehr schnell ein völlig falscher Eindruck von der eigenen Milchmenge entstehen. Da ist es wichtig zu wissen, dass Babys beim Stillen meist DEUTLICH mehr Milch aus der Brust bekommen als man durch Pumpen gewinnt (zumal ohne Übung). "Abpumpen um zu wissen, wieviel Milch man hat" funktioniert im Allgemeinen NICHT, einfach weil viele Mütter beim Pumpen entweder gar keinen oder weniger Milchspendereflexe pro Mahlzeit auslösen können als das Baby - die Milch wird aber eben hauptsächlich beim Stillen und NACH Auslösen des MSR erst gebildet. Ganz nach Bedarf und Saugverhalten des Babys. Also bitte im Falle wenig erfolgreicher (erster) Pumpsitzungen: keine Panik!
canine hat geschrieben:Ich ueberlege mir nun was die Vorteile und Nachteile von Abpumpen und stillen mit Flaschen sind. Also, ich moechte immer noch vorwiegend selber stillen, aber ab und zu waere es bequem, wenn mein Mann die Kleine mit der Flasche fuettern kann - also, keine kuenstliche Milch, sondern immer noch meine eigene. So koennte ich auch mal wieder ausserhalb arbeiten, was vielleicht ein- oder zweimal alle zwei Wochen oder so vorkommen wuerde. Oder wenn sonst mal was passieren wuerde und es einfacher waere, mit der Flasche zu fuettern.
Die Vorteile hast Du selbst schon genannt: eine (mit dem Alter des Stillkindes sich zeitlich steigernde) Abwesenheit vom Kind wird möglich ohne dass das Kind in dieser Zeit Hunger leiden müsste. Die in Eurem Fall möglichen Nachteile der FLASCHE und des Pumpens habe ich Dir erklärt. Das Tolle aber: die Gefahr der Saugverwirrung lässt sich durch stillfreundliches Zufüttern (Link siehe saiidis Beitrag) vermeiden. Für gelegentliches Füttern durch den Papa bietet sich z.B. das Becherfüttern an (oder die etwas kleckerfreiere "Luxusvariante" des Becherns mittels Softcup, wenn der Papa es "flaschenähnlicher" haben möchte

). Das müsste der Papa einfach mal probieren (am besten wenn Du im Nebenzimmer bist - mit dem Original vor der Nase mögen die wenigsten Babys einen Ersatz akzeptieren).
Was damit noch nicht gelöst ist, sind die Probleme, die Dein Kind in seinem wirklich noch sehr zarten Alter schlicht und einfach mit Deiner Abwesenheit bekommen könnte (Ihr seid offiziell noch nicht einmal aus dem Wochenbett heraus und auch der in jedem Falle arbeitsfreie Mutterschutz ist nicht umsonst acht Wochen lang!). Stillen ist ja nicht nur "Nahrungsverabreichung" sondern (je jünger das Kind desto stärker) auch Befriedigung einer ganzen Reihe anderern Bedürfnisse - Saugbedürfnis, Bedürfnis nach Hautkontakt, Sicherheit, Trost, Geborgenheit, ... . Da wird es maßgeblich darauf ankommen, wie gut Dein Mann diese ohne Stillen wird auffangen können (etwa durch ausgedehntes Tragen im Tragetuch, Kuscheln Haut an Haut, Muttermilch per Becherchen, ... ). Das müsst Ihr schauen und ausprobieren. Und keine Sorge: Ihr steht ja noch ganz am Anfang der Babyzeit. Manche Sachen, die bei so jungen Babys noch nicht (gut) funktionieren, gehen ein, zwei Monate später vielleicht plötzlich problemlos. Es kann helfen, sich da möglichst wenig Druck zu machen. Die Zeit, in der Babys so unbedingt auf Mama angewiesen sind, vergeht rückblickend meist schneller als gedacht
LG, blueberry