Wann wächst eigentlich das dicke Fell?
Verfasst: 26.02.2013, 17:17
Hallo euch allen,
ich muss hier mal loswerden, was ich heute beim Kinderarzt erlebt habe. Vorausschicken möchte ich, dass wir (nicht wegen dieses Erlebnisses) das letzte Mal in der Praxis waren und dass die Ärztin selbst mich mit ihrem Kommentar, mal abgesehen vom Fachlichen, wieder etwas versöhnlich gestimmt hat. Sie meinte, schön, dass ich noch so viel Milch hätte und noch stillen könne, Muttermilch sei ja die beste Nahrung im ersten Lebensjahr und es reiche meinem Sohn offensichtlich auch, schließlich habe er sich prächtig entwickelt.
Vor der Untersuchung werden die Kinder dort von der Sprechstundenhilfe in einem separaten Raum gewogen und vermessen, dabei fragt sie auch immer die Ernährung ab.
Die Sprechstundenhilfe: "Was bekommt er zu essen?"
Ich: "Muttermilch und ein bisschen Obst und Gemüse."
Sie: "Also eine Obst- und eine Gemüsebreimahlzeit am Tag?"
Ich: "Nein, immer mal ein Stück Gemüse oder Obst, gestern Abend zum Beispiel eine Kartoffel."
Sie: "Aber mit acht Monaten muss er doch schon mindestens zwei Breimahlzeiten am Tag essen, am besten mittags und abends. Und Fleisch sollte jetzt auf jeden Fall auch schon dabei sein."
Ich: "Wir haben es versucht, aber er mag keinen Brei."
Sie (zu meinem Sohn gewandt): "Junger Mann, da müssen wir aber ein ernstes Wörtchen mit dir reden. Es geht ja nicht, dass du es dir so bequem machst. Und wenn du keine Möhren magst, (wieder an mich gewandt) dann gibt es doch noch so viele andere Sorten, die können Sie ja einfach mal probieren. (und noch mal zu ihm) Am Wochenende kocht die Mama mal was schönes und dann isst du das auch!"
In mir kochte es … Aber ich bin in solchen Situationen irgendwie nicht souverän genug, hab mich weder getraut, dagegen zu argumentieren, noch konnte ich das (es wird mich wahrscheinlich noch Tage beschäftigen) einfach so an mir abprallen lassen. Zum Glück muss ich die Frau nicht mehr wiedersehen und zwei Dinge helfen mir außerdem, darüber hinwegzukommen: mein Sohn, der sie während der ganzen Tirade mit einem Blick musterte, als wollte er sagen, "was willst du eigentlich von mir? Ich bin glücklich so und alles, was du da erzählst geht mir ganz gepflegt an meinem Babypopo vorbei", und mein Mann, dem ich zu Hause natürlich davon erzählt habe. Sein Kommentar: "Schlimmer als die Sache an sich finde ich, dass sie 'ein ernstes Wörtchen' mit ihm reden wollte. Das kann sie gar nicht, er ist ja ein Baby. Und wenn überhaupt irgendwann mal jemand ein ernstes Wörtchen mit ihm reden sollte, bin ich das."
Abgesehen davon, dass diese Frau uns gar nicht gut genug kannte, um sich irgendwie anmaßen zu dürfen über unsere Essgewohnheiten zu urteilen (alles Breiähnliche, was der Kleine bisher bekommen hat, hab ich selbst gekocht; und wir kochen täglich), ärgere ich mich über mich selbst und den Rechtfertigungsdruck, in den ich irgendwie immer automatisch gerate. Bestimmt habt ihr so was Ähnliches auch schon mal erlebt, was macht ihr denn dann? Wenn ich Freunden oder irgendwie "Gleichgesinnten" solche Situationen schildere, heißt es immer nur, "du musst dir eben ein dickes Fell zulegen und das nicht an dich ranlassen". Das ist sicher richtig und ein lieb gemeinter Rat. Aber wie mache ich das? Ich fühle mich nicht stark genug mich zu "wehren" (oft denke ich auch, es wäre Verschwendung und hat eh keinen Sinn, etwas zu sagen), aber fresse das alles in mich hinein und ärgere mich drüber. So wie heute in der Praxis, ich habe mich gefühlt wie ein gemaßregeltes Schulmädchen und beschämt auf den Boden gesehen. Stattdessen hätte ich doch nicht zulassen dürfen, dass sie so mit meinem Sohn redet.
Jetzt ist es ganz schön lang geworden, aber ich musste das mal loswerden. Wie sind denn eure Erfahrungen, ab wann prallt so was an einem ab? Ist das Gewöhnung oder ne innere Einstellung?
Viele Grüße
ich muss hier mal loswerden, was ich heute beim Kinderarzt erlebt habe. Vorausschicken möchte ich, dass wir (nicht wegen dieses Erlebnisses) das letzte Mal in der Praxis waren und dass die Ärztin selbst mich mit ihrem Kommentar, mal abgesehen vom Fachlichen, wieder etwas versöhnlich gestimmt hat. Sie meinte, schön, dass ich noch so viel Milch hätte und noch stillen könne, Muttermilch sei ja die beste Nahrung im ersten Lebensjahr und es reiche meinem Sohn offensichtlich auch, schließlich habe er sich prächtig entwickelt.
Vor der Untersuchung werden die Kinder dort von der Sprechstundenhilfe in einem separaten Raum gewogen und vermessen, dabei fragt sie auch immer die Ernährung ab.
Die Sprechstundenhilfe: "Was bekommt er zu essen?"
Ich: "Muttermilch und ein bisschen Obst und Gemüse."
Sie: "Also eine Obst- und eine Gemüsebreimahlzeit am Tag?"
Ich: "Nein, immer mal ein Stück Gemüse oder Obst, gestern Abend zum Beispiel eine Kartoffel."
Sie: "Aber mit acht Monaten muss er doch schon mindestens zwei Breimahlzeiten am Tag essen, am besten mittags und abends. Und Fleisch sollte jetzt auf jeden Fall auch schon dabei sein."
Ich: "Wir haben es versucht, aber er mag keinen Brei."
Sie (zu meinem Sohn gewandt): "Junger Mann, da müssen wir aber ein ernstes Wörtchen mit dir reden. Es geht ja nicht, dass du es dir so bequem machst. Und wenn du keine Möhren magst, (wieder an mich gewandt) dann gibt es doch noch so viele andere Sorten, die können Sie ja einfach mal probieren. (und noch mal zu ihm) Am Wochenende kocht die Mama mal was schönes und dann isst du das auch!"
In mir kochte es … Aber ich bin in solchen Situationen irgendwie nicht souverän genug, hab mich weder getraut, dagegen zu argumentieren, noch konnte ich das (es wird mich wahrscheinlich noch Tage beschäftigen) einfach so an mir abprallen lassen. Zum Glück muss ich die Frau nicht mehr wiedersehen und zwei Dinge helfen mir außerdem, darüber hinwegzukommen: mein Sohn, der sie während der ganzen Tirade mit einem Blick musterte, als wollte er sagen, "was willst du eigentlich von mir? Ich bin glücklich so und alles, was du da erzählst geht mir ganz gepflegt an meinem Babypopo vorbei", und mein Mann, dem ich zu Hause natürlich davon erzählt habe. Sein Kommentar: "Schlimmer als die Sache an sich finde ich, dass sie 'ein ernstes Wörtchen' mit ihm reden wollte. Das kann sie gar nicht, er ist ja ein Baby. Und wenn überhaupt irgendwann mal jemand ein ernstes Wörtchen mit ihm reden sollte, bin ich das."
Abgesehen davon, dass diese Frau uns gar nicht gut genug kannte, um sich irgendwie anmaßen zu dürfen über unsere Essgewohnheiten zu urteilen (alles Breiähnliche, was der Kleine bisher bekommen hat, hab ich selbst gekocht; und wir kochen täglich), ärgere ich mich über mich selbst und den Rechtfertigungsdruck, in den ich irgendwie immer automatisch gerate. Bestimmt habt ihr so was Ähnliches auch schon mal erlebt, was macht ihr denn dann? Wenn ich Freunden oder irgendwie "Gleichgesinnten" solche Situationen schildere, heißt es immer nur, "du musst dir eben ein dickes Fell zulegen und das nicht an dich ranlassen". Das ist sicher richtig und ein lieb gemeinter Rat. Aber wie mache ich das? Ich fühle mich nicht stark genug mich zu "wehren" (oft denke ich auch, es wäre Verschwendung und hat eh keinen Sinn, etwas zu sagen), aber fresse das alles in mich hinein und ärgere mich drüber. So wie heute in der Praxis, ich habe mich gefühlt wie ein gemaßregeltes Schulmädchen und beschämt auf den Boden gesehen. Stattdessen hätte ich doch nicht zulassen dürfen, dass sie so mit meinem Sohn redet.
Jetzt ist es ganz schön lang geworden, aber ich musste das mal loswerden. Wie sind denn eure Erfahrungen, ab wann prallt so was an einem ab? Ist das Gewöhnung oder ne innere Einstellung?
Viele Grüße