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Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 21.02.2013, 20:21
von püppilotta
Wie funktioniert die Milchbildung beim Stillen? Die Hauptmenge an Milch wird ja während des Stillens gebildet, richtig? Ist dann beim Stillen damit irgendwann Schluss und wenn ja wieso oder könnte das Baby ewig saugen und es käme immer noch Milch? Anders gefragt: Bestimmt das Ende der Stillmahlzeit das Baby, weil es einfach satt ist, aber Milch würde noch weiter gebildet werden, wenn es wollen würde ODER bestimmt das Ende die Brust, weil einfach nichts mehr gebildet wird, und warum wird nichts mehr gebildet...

Die neugierige Püppilotta :slürp*

Re: AW: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 21.02.2013, 21:20
von greenie bird
ich denke eine ausführliche Erklärung wird bestimmt noch von den Fachfrauen kommen, aber bis dahin senfe ich mal meine Erfahrungen.
Die Milch wird in Schüben gebildet, nämlich dem Milchspendereflex. Der wird während des Stillens auch mehrmals ausgelöst, je nach dem ob da noch jemand nuckelt. Auch wenn das Kind nur nuckeln möchte, zum einschlafen z. B. , kann der Reflex ausgelöst werden, obwohl das Kind ja eigentlich satt ist.
manche Kinder lernen dann, dass sie nur Druck ausüben müssen und den Milchfluß so verhindern können. Manche lernen das aber nie... wenn der Magen zu voll wird, werden sie sich übergeben.

Gesendet von meinem U9200

Re: AW: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 21.02.2013, 21:23
von greenie bird
Achso, also die Intervalle zwischen dem Auslösen des MSR werden länger mit der Dauer des Stillens. Und bei mir fühlte es sich auch an, als wenn er ebenfalls etwas schwächer wird.

Gesendet von meinem U9200

Re: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 22.02.2013, 01:23
von Novalia
Abo
bin auch neugierig :mrgreen:

darf ich noch eine Frage hinzufügen, die da reinpasst? :oops:

wenn die Milch doch beim stillen gebildet wird, wie kann es dann sein dass ich (zB. bei einem Wachstumsschub) "zu wenig" Milch habe, und Leo dann öfter stillen möchte? Klar, er kurbelt die Produktion an. Aber will er öfter stillen, weil er mehr trinken würde, aber es kommt nichts mehr? Oder hat er den Bauch dann voll, aber nach einer Stunde schon wieder Hunger? Und wenn die Produktion steigt, bekommt er dann bei einer Stillmahlzeit mehr Milliliter?

Es klappt zwar seit fast acht Monaten super, aber interessant find ich es auch zu wissen, was da so genau passiert :)

Danke für den Thread, Puppilotta!

Re: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 22.02.2013, 09:34
von püppilotta
Greenie bird, kann der MSR beliebig oft aus gelöst werden? Ich merke den nicht so richtig, nur ganz am Anfang als Ziehen in beiden Seiten.

Und wieso spannt die Brust, wenn das Baby länger nicht trinkt, wenn die Milch erst durch Saugen -> MSR gebildet wird?

Re: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 22.02.2013, 10:16
von greenie bird
Ich bin aber keine Stillberaterin- ich hoffe es ist ok, wenn ich nochmal sage, dass ich nur von meinen bisherigen Erfahrungen und Stillgruppenbesuchen erzählen kann.
Novalia hat geschrieben:
wenn die Milch doch beim stillen gebildet wird, wie kann es dann sein dass ich (zB. bei einem Wachstumsschub) "zu wenig" Milch habe, und Leo dann öfter stillen möchte? Klar, er kurbelt die Produktion an. Aber will er öfter stillen, weil er mehr trinken würde, aber es kommt nichts mehr? Oder hat er den Bauch dann voll, aber nach einer Stunde schon wieder Hunger? Und wenn die Produktion steigt, bekommt er dann bei einer Stillmahlzeit mehr Milliliter?

Es klappt zwar seit fast acht Monaten super, aber interessant find ich es auch zu wissen, was da so genau passiert :)
Also ich denke, dass es eine Mischung daraus ist, denn auch bei Flaschenkindern gibt es Schübe und dann trinken die Kinder manchmal vorrübergehend mehr.
Die Milchmenge steigt ja nicht nur an, sondern nach dem 3.-4. Monat bleibt der Bedarf ja größtenteils gleich bis zum 6. Monat und bis dann durch Beikost gedeckter Bedarf die Milchmenge wieder abnimmt.
Ich konnte bei uns während der Schübe keinen Hunger ausmachen, denn Milch wasr immer genug da, weil ja aber Stillen eben nicht nur Nahrung bedeutet, wollen Kinder trotzdem öfter die neuen Gefühle, Fähigkeiten und Eindrücke an der Brust verarbeiten.
Auch dann ist es vielleicht schwer für die Kinder ihre Empfindungen einzuordnen und mit steigendem Alter sind viele tagsüber öfter abgelenkt. Bei körperlichem Wachstum wird sicher auch die Nahrung schneller verstoffwechselt.
püppilotta hat geschrieben:Greenie bird, kann der MSR beliebig oft aus gelöst werden? Ich merke den nicht so richtig, nur ganz am Anfang als Ziehen in beiden Seiten.

Und wieso spannt die Brust, wenn das Baby länger nicht trinkt, wenn die Milch erst durch Saugen -> MSR gebildet wird?
Das ist bestimmt von Frau zu Frau und Kind zu Kind unterschiedlich, wie oft und wie stark der Reflex ausgelöst wird. Je nach dem, ob das Kind stark clustert oder vermehrt nachts trinkt, desto sicherer die Milchbildung. Werden längere Stillpausen gemacht, dann wirkt sich das auf den Oxytocin und Prolaktinspiegel aus.
In der ersten Stillzeit dauert es auch etwas länger bis sich die Brust angepasst hat. Es wird immer auch ein kleiner Teil der Milch gebildet werden, die Brüste spannen aber z.B. beim Einschuss, nicht weil sie schon prall vor Milch sind, sondern es handelt sich da um verschiedene Flüssigkeiten, das Drüsengewebe schwillt auch an.
Nach längerer Stillzeit, wird es kaum noch zu prallen Brüsten kommen. Das sagte ich auch mal einer Freundin, ist ja nicht immer ein angenehmes Gefühl und die wenigsten Frauen würden wahrscheinlich länger stillen, wenn sie immer heiße, pralle Brüste hätten.

Ich weiß auch nur, dass das Oxytocin u.A. für die Entleerung der Milchbläschen sorgt- also das Auslösen des MSR.

Ich bleibe weiterhin auf ausführliche Erklärungen des Teams gespannt.

Re: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 22.02.2013, 10:48
von gartenbritta
Ich bin auch keine Stillberaterin und beschreibe meine Erfahrungen :-)

Ich habe tendenziell immer viel Milch. Und wenn aus einer Seite länger nicht getrunken wird, ist diese Brust schon deutlich voller als die andere Seite. Ich habe auch das Gefühl voll Milch. Anscheinend produziert meine Brust auch in den Pausen (bzw besonders wenn die andere Seite getrunken wird) Milch, die sich sammelt. Das geschieht bei mir die ganze Vollstillzeit und am Anfang der Beikostzeit auch noch (und ist nicht mit den prallen Brüsten ganz am Anfang zu vergleichen ;-)). Erst wenn nur noch tagsüber sehr selten gestillt wird, hört das auf.

Den MSR lösen meine Kinder beliebig oft aus, anfangs kommt sehr viel Milch, wenn die Brust "leerer" wird, trinken die Kinder nur noch die neu produzierte Milch. Ich habe auch das Gefühl, dass wenn ein MSR von einem eigentlich nuckelnden Kind ausgelöst wird, nicht mehr ganz soviel kommt, auch weil das Kind ja nicht mehr "richtig saugt".

Zu den Wachstumsphasen und vermehrtem Stillen kann ich nur vermuten: Wenn ich immer nach Bedarf stille, sollten sich die Wachstumsschübe nicht stark auf das Stillverhalten auswirken. Im Alltag sieht es aber bei mir (mit noch anderen Kindern) schon so aus, das ich ja weiß, wie lange meine Tochter ungefähr trinkt, und wenn ich dann los muß und denke, sie sei fertig, kann es ja sein dass sie wachstumsbedingt noch mehr getrunken hätte. Und erst wenn sie dann unzufrieden ist, merke ich das und reagiere natürlich mit ersteinmal längeren oder häufigeren Stillzeiten. Vielleicht steigert sich der MSR auch in der Fließmenge je nach Bedarf? Und bei Frauen mit mehr Milch fällt ein Wachstumschub weniger auf als bei Frauen mit tendenziell weniger Milch?

LG gartenbritta

Re: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 22.02.2013, 13:35
von jusl
Hallo Püppilotta,

nur ganz knapp - denn Deine Fragen sind so umfassend, dass es viele Seiten in einem Stillbuch braucht, um alles zu erklären ;-) :

In den ersten Monaten nach der Geburt, ist bei stillenden Frauen der Basisprolaktinspiegel dauerhaft erhöht. Deshalb wird auch während der Pausen zwischen den Stillmahlzeiten mehr oder weniger viel Milch gebildet, die Blutung bleibt aus usw.

In den folgenden Monaten sinkt der Basisprolaktinspiegel bei stillenden(!) Frauen ab. Auch bei unveränderter Stillhäufigkeit und Höhe der Milchproduktion lässt i.A. das Völlegefühl nach, man läuft nicht mehr aus, die Blutung kommt wieder usw. Das Prolaktin wird dann praktisch nur noch während der Stillmahlzeiten ausgeschüttet, über den Entleerungsreiz (sog. "Prolaktin-Peaks").

Milchbildung ist ein faszinierendes, kompliziertes und auch noch nicht vollständig erforschtes Gebiet - bitte hab Verständnis dafür, dass wir an dieser Stelle auf entsprechende Ratgeber- und Fachliteratur verweisen.

LG
Julia

Re: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 22.02.2013, 16:19
von Suleikha
Was gäbe es denn da so an Literatur, die auch für Laien verständlich ist? Das Thema interessiert mich nämlich auch sehr...

Re: Milchbildung beim Stillen

Verfasst: 22.02.2013, 16:26
von jusl
Also, eine für Laien verständliche Beschreibung der physiologischen Grundlagen der Milchbildung ist eigentlich in jedem guten Stillbuch zu finden, meist in Kapitel 1. ;-)

Ansonsten z.B. noch, nicht nur für Fachleute geeignet (aber etwas alt): "Stillen und Muttermilchernährung" von der BZgA.

LG
Julia