Welche Bestandteile können denn jetzt in die Muttermilch übergehen und welche nicht? Soweit ich weiß, sagt man mittlerweile, dass die Nahrungsmittelaufnahme überhaupt keinen Einfluss auf Blähungen oder geröteten Popo des gestillten Kindes hat, andererseits spielt doch z.B. bei Neurodermitis die Nahrungsaufnahme der stillenden Mutter schon eine Rolle? Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungsberichte und Antworten, danke schon mal dafür!
Da stellst Du eine gute Frage, die wohl die allermeisten stillenden Mütter irgendwann einmal mehr oder weniger beschäftigt. Generell kann man sagen, dass bei diesem Thema oft viele Aspekte vermischt werden, was und wie so alles "in die Milch übergeht". Zum Verständnis dieser Vorgänge sind anatomische und physiologische Grundkenntnisse notwendig.
Ganz sicher ist in diesem Bereich auch noch nicht ALLES bis ins kleinste Detail wissenschaftlich verstanden, aber als gut belegte Fakten können folgende Punkte gelten:
* Nahrungsmittelspuren können die mütterliche Darmwand passieren, ins Blut gelangen und auf diese Weise auch in die Milch. Dies spielt bei hochallergischen Babys eine Rolle, da diese auch auf diese winzigen Spuren allergisch reagieren können. Normalerweise müssen Mütter, deren Babys nachgewiesen allergisch auf z.B. Kuhmilchproteine reagieren, Kuhmilchprodukte NICHT meiden.
* Starke Aromen passieren ebenfalls die mütterliche Darmwand. Nach Knoblauchgenuss z.B. riecht ja mitunter die Haut nach Knoblauch usw., d.h. irgendwie ist das Aroma offensichtlich vom Magendarmtrakt in andere Organe gelangt. Entsprechend können Aromen wie Knoblauch, Zwiebel, Lakritz, Vanille usw. auch in die Milch gelangen. Man weiß aus Untersuchungen, dass Baby diese aromatisierte Milch lieber(!) trinken und später ein abwechslungsreicheres, aufgeschlosseneres Essverhalten zeigen. Entsprechend kann abwechslungsreiche, geschmacksintensive mütterliche Nahrung nur als empfehlenswert betrachtet werden.
* Es gibt kein Erklärungsmodell für das Phänomen "wunder Po durch (Kohlen-)Säure", sei es durch Sprudeltrinken oder saures Obst essen. Säure wird im mütterlichen Verdauungstrakt neutralisiert (die Magensäure ist ohnehin viiiel stärker als Säure aus Südfrüchten oder Erdbeeren - von daher MUSS eine Neutralisation stattfinden, wenn die Mutter nicht innerlich verätzt werden will

). Nach Obstgenuss ist weder das Blut noch die Muttermilch saurer. Entsprechend ist es UNMÖGLICH, dass das Baby "durch die Säure" einen wunden Po bekommt, ausgeschlossen.
* Es gibt kein Erklärungsmodell für das Phänomen "Baby-Blähungen durch Mamas blähende Lebensmittel". Es gibt Lebensmittel, die bei deren Verstoffwechselung eine erhöhte Produktion von Darmgasen bei der Mutter(!) verursachen (das sind bestimmte Kohlenhydrat-Sorten wie Rhamnose und Raffinose). Diese Gase können aus dem Darm nur auf einem Wege heraus

- in die Milch können diese Gase nicht gelangen. Die Muttermilch enthält nach Zwiebel- und Knoblauchgenuss nicht mehr "Gase" als sonst, entsprechend sind kausale Blähungsreaktionen des Babys überhaupt nicht plausibel.
* Die meisten Babys reagieren auf geringe Mengen mütterlich konsumiertes Koffein nicht. In seltenen Fällen können Unruhezustände bei jungen bzw. neugeborenen Babys ausgelöst werden.
* Geringer Alkoholkonsum ist mit dem Stillen vereinbar.
* Die Neigung zu atopischen Reaktionen scheint vererbbar zu sein. Wenn die Eltern Allergien, Neurodermitis usw. haben, ist das Risiko beim Baby ebenfalls erhöht.
* Aussagekräftiges "Austesten" hinsichtlich (Un-)Verträglichkeiten beim Baby ist hinsichtlich der Durchführung NICHT EINFACH. Oft werden viel zu wenig Daten genommen. Hier ist fachkundige Begleitung z.B. durch KiA, Stillberaterin oder Ernährungsberaterin unbedingt sinnvoll.
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LG
Julia