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Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 13:04
von rilke
Ich weiß jetzt nicht wohin mit meiner frage, elternsein gibt's hier nicht ...oder?
Jedenfalls frag ich mich seit einiger zeit (in der ich abends vor lauter schlafmangel, krank oder ausgelaugt sein)
im Bad saß und die Kinder fürs bettgehen richtete, ob es arg daneben ist, vor ihnen zu heulen.
Das kommt alle 4 Wochen mal vor, 2-4 Tage oder so...
Da bin ich dann eben am Limit und muss kurz vor mich hinsusen.
Aber wie geht's den Kindern damit? Bleiben Mütter, die heulen, ihnen als Jammerlappen im Gedächtnis? (Überspitzt formuliert

)
Wie seht ihr das?
Ich mag nämlich irgendwie nicht, dass meine Tochter denkt, es ginge mir wegen ihnen beiden schlecht..
(Wobei ich immer Sage wieso ich grad mal aufgelöst bin.)
Lg
Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 13:15
von Flädi
Ist hier schon öfters passiert. Finde das auch authentisch. Allerdings finde ich es schon wichtig, das man den Kids sagt warum man gerade traurig ist.
Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 13:17
von EhUKr
Wenn ich mich beherrschen kann, weine ich nicht vor den Kindern. Manchmal geht's aber nicht anders, z.B. bei Todesfaellen, da weine ich auch vor den Kindern, verlasse also z.B. nicht extra den Raum, wenn ich weinen muss. Regelmaessiges Weinen aus Erschoepfung moechte ich persoenlich meinen Kindern nicht zumuten, vorallem nicht in Situationen, in denen ich mich mit ihnen beschaeftige. Mich selbst haben Traenen meiner Eltern immer beaengstigt und es kaum auch nur sehr selten und ich fuer uns Kinder nachvollziehbaren Momenten vor.
Liebe Gruesse
Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 13:17
von rueckenwind
Ich hatte in den letzten Wochen einige schlimme Tage und habe mir ähnliche Fragen gestellt.
Meine Tochter ist jetzt 21 Monate alt und war bei meinen Heulattacken zwei Mal anwesend - sie war deutlich irritiert, hat meinen Rücken gestreichelt und gepustet. Sie dachte wohl, dass ich Schmerzen habe - was ja auch stimmt.
Ich habe versucht, mich ihr zuzuwenden, tapfer zu sein und auch zu erklären, warum ich geweint habe, ob sie das verstanden hat, weiß ich nicht. Sie war aber anschließend auch wieder gut gelaunt und wirkte nicht sonderlich besorgt. Nur ich hatte ein schrecklich schlechtes Gewissen.
Dann habe ich darüber nachgedacht, was ich hätte anders machen können: den Kloß im Hals immer größer werden lassen, in ein anderes Zimmer gehen, in wilden Aktionismus verfallen...
und bin zu dem Schluss gekommen, dass das wohl auch nicht wirklich besser, u.U. sogar beunruhigender gewesen wäre für die Lütte und bei mir nur zu einem größeren emotionalen Druck geführt hätte.
Ich glaube auch, dass es eine gewisse Stärke braucht, um Emotionen wie Trauer, Wut etc. zuzulassen und dass ich meinem Kind auch nicht den Eindruck vermitteln möchte, dass es besser ist, Gefühle irgendwie 'wegzudrücken' und nicht nach außen zu zeigen, denn gemerkt hätte sie sicherlich so oder so, dass es mir nicht gut geht und so wäre irgendwie keine 'Aktion' zustandegekommen, die ja für alle befreiend sein kann.
Ich selber finde es übrigens auch belastender, wenn ich merke, dass mein Gegenüber eigentlich weinend müsste, es aber unterdrückt.
Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 13:17
von 4tiere
Ich finde Kinder sollen schon ruhig mitbekommen, wie es einem geht.
(Eine Freundin von mir hat sich immer bei allem zurückgehalten und immer die Kinder Vorweg genommen, so dass als es ihr wirklich richtig schlecht ging, bei denen gar kein Verständnis vorlag.)
Das Leben ist halt auch mal schwierig und man ist dann auch mal traurig. Ich finde schon, dass sie das sehen sollten, da sie ja auch ein Gefühl für Rücksichtnahme entwicklen sollten.
Aber es kommt darauf an, wie alt mein Kind ist! Mit steigenden Alter kann ich meinem Kind immer mehr zumuten.
Ein Jahr finde ich noch etwas recht klein, das Baby kann ja noch gar nicht einordnen, warum mama jetzt traurig ist. Und da Kinder dazu neigen, alles auf sich zu beziehen, hätte ich da Angst, dass das passiert und sie sich die Schuld geben.
Zudem kommt es auf die Dauer und Häufigkeit an.
rilke hat geschrieben:Das kommt alle 4 Wochen mal vor, 2-4 Tage oder so...
Da bin ich dann eben am Limit und muss kurz vor mich hinsusen.
Das ist schon sehr häufig und sehr lang. Da würde ich mir Hilfe holen!!!
Hat es was mit dem Zyklus zu tun oder was könntest du dir vorstellen?
(((((rilke)))))
rilke hat geschrieben:Bleiben Mütter, die heulen, ihnen als Jammerlappen im Gedächtnis? (Überspitzt formuliert

)
Das galube ich nicht! Wie gesagt, wenn du von dir berichtest, was sie eben schon verstehen können, dann sehen sie ja, dass es nicht um sie geht und sie lernen eben auch, dass es dir mal schlecht geht und du z.B. Ruhe brauchst.
Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 13:35
von Lösche Benutzer 3486
Ich finde es auch sehr authentisch, wenn man vor den Kindern weint, würde das aber nur sehr selten zulassen.
ich kann an einer Hand abzählen, wann ich vor ihnen geweint habe und sie wissen das bis heute sehr genau. ab und an kam mal ein: weißt du mama, du hast mal geweint als....
aber ich find auch, wenn das regelmäßig kommt, würde ich nach hilfe suchen.
Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 19:00
von blueberry
Ich habe durchaus schon ein paarmal vor meinem Kind geweint. Ich finde das auch authentisch und ich denke, es ist bei weitem irritierender für Kinder, wenn sie nie Gefühlsausbrüche bei ihren Eltern erleben, und dann doch mal was ist, wo Mama oder Papa weinen. Und auch als Erfahrung eben: dass Gefühle aller Arten zum Leben dazugehören - und dass man damit auch umgehen kann, da wieder rauskommt und es einem danach wieder gut geht. Ich denke, das ist doch auch eine ermutigende Erfahrung für Kinder.
(Ähnlich wie mit Streit der Eltern: erlebt man, dass das zu einer guten Beziehung eben auhc mal dazugehört, und sich Mama und Papa dann wieder vertragen usw. ist das m.E. viel wertvoller fürs Leben als wenn man immer denkt, die eigenen Eltern streiten sich NIE und dann bekommt man entweder doch mal einen Streit mit und die Welt stürzt zusammen weil man die Eltern kurz vor der Scheidung wähnt, oder man hat eben selbst ein total verschobenes Bild von Beziehungen und meint, wenn man sich später mal mit seinem Partner streitet, da stimme was nicht...)
Ich denke also, dass "Krise und Bewältigungs"-Sequenzen ganz wertvolle Erfahrungen für Kinder sein können.
Wenn ich sage, ich habe durchaus schon vor meinem Kind geweint, meine ich andererseits nicht so regelmäßig, wie Du es jetzt beschreibst und auch nicht so lange (wie meinst Du das mit den zwei bis vier Tagen - bist Du da die ganze Zeit traurig einmal im Monat und weinst dann viel vor Dich hin?). Ich könnte mir vorstellen, dass es für Kinder auf Dauer eben doch auch verunsichernd sein kann, wenn es Mama immer wieder und in so kurzen Abständen so lange deutlich schlecht geht. Ich glaube, das ist ein Punkt, wo man dann (je nach Alter) tatsächlich dann mal mit den Kindern drüber reden müsste (wenn es einem gut geht - nicht nur im akuten Moment) - und sich eben selbst vielleicht Hilfe suchen sollte... .
Ich merke bei meinem Sohn (jetzt reichlich zweieinhalb) sehr deutlich, dass er mich dann trösten will und da ich im Moment schon seit über zwei Wochen krank bin und auch Schmerzen habe und ab und an einfach fertig und übermüdet angefangen habe zu weinen, fragt er mich jetzt sehr oft, wie es mir geht und ob ich mich freue, wenn ich ihn sehe. Ich denke, es arbeitet schon in Kindern, wenn sie sehen, dass es Mama oder Papa schlecht geht. Wobei ich das jetzt ganz deutlich nicht aufs Weinen beschränken würde! Er hustet z.B. selbst sehr stark im Moment und weiß, wie unangenehm das ist - und so fragt er mich z.B. auch wenn ich lange gehustet habe dann ganz besorgt, ob es mir wieder gut gehe, da muss nicht geweint haben... Kinder haben da feine Antennen und dass es den Eltern schlecht geht, reicht da denke ich schon ansich aus, auch ohne Tränen.
Ich habe mich schon als er sehr klein war und ich z.B. mal wegen Stillproblemen und Schmerzen und Übermüdung geweint habe, bemüht,
ihn dann aber eben auch zu trösten dabei. Ich habe dagesessen und mir liefen die Tränen, aber ich hab mein Kind gestreichelt, ihm erklärt, "die Mama ist traurig, mir geht es grad nicht so gut. Ich hab Dich aber sehr sehr lieb und freu mich, dass Du da bist!" Und jetzt wo er älter ist, wenn es mir da mal nicht gut geht (wie gesagt, ich würde das jetzt von offensichtlichen Weinen nicht so stark abgrenzen), sag ich ihm auch, dass ich mich aber eben freue, dass er da ist und ich ihn sehe und es mir dann gleich ein bisschen besser geht. Und dann kommt er und umarmt mich und ich muss davon wirklich auch immer wenigstens ein bisschen lächeln

Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 20:08
von rueckenwind
ich möchte einen Aspekt, den Blueberry beschrieb, gerne unterschreiben:
Ich glaube auch, dass es gut ist, wenn man selber weint und getröstet wird, zurückzutrösten, zu kommunizieren, dass das Kind nicht ebenfalls traurig sein und sich vor allem keine Sorgen machen muss. Das hilft mir selber dann auch, wieder runterzukommen und mich zu beruhigen.
Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 20:56
von geryvoy
Ich möchte auch einfach mal faul bei blueberry unterschreiben.
Ich habe auch schonmal vor meinen Kindern geweint. Eigentlich hauptsächlich vor meinem Grossen (3,5), und ja - wegen ihm.
Ich bin generell eher temperamentvoll und nah am Wasser gebaut, gerade im Streit. Und mein Sohn und ich sind zweimal so derbe aneinandergeraten und ich habe so geschimpft und wollte das garnicht und alles war so schrrecklich; da hab ich geweint. Einfach weil ich eigentlich so sauer auf mich selbst und mein Verhalten war.
Wichtig finde ich halt aber dass man es dem Kind erklärt. Dann ist es authentisch. Und es macht dem Kind deutlich dass Emotionen zum Leben dazu gehören. Unsere Kinder bekommen auch mal nen Streit zwischen mir und meinem Mann mit. Sie sehen aber auch dass wir uns wieder vertragen. Und wir erklären. So leben wir doch eigentlich einen vernünftigen Umgang mit jeglichen Emotionen vor; hoffe ich...
Re: Weint ihr selbst vor euren Kindern?
Verfasst: 18.01.2013, 21:15
von beccarei
Ich unterschreibe auch mal bei blueberry.
Ich weine auch, wenn mein Kind dabei ist. Sie ist noch sehr klein, aber sie bekommt das schon mit und wird dann immer ganz kuschelig.
Meine Mutter hat auch vor meinen Augen geweint. Ich war damals 8 oder 9 und mein Bruder hat mit 17 meinen Eltern verkündet, dass er Vater wird, kurz vorher haben meine Eltern ihm beim Klebstoff schnüffeln erwischt. Das war für die Familie eine anstrengende Zeit, in der meine Mama sehr oft geweint hat (und ich mit ihr). Der Umgang meiner Eltern mit der Gesamtsituation ist mir haften geblieben und beeindruckt mich noch heute.