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Schmerzen beim Stillen, falsch angelegt?

Verfasst: 09.12.2012, 15:27
von MaNiMa
Hallo,
habe die ersten knapp acht Wochen mit Stillhütchen gestillt (ich stille ausschließlich), welches ich schon beim ersten Stillen im Krankenhaus bekam, weil Marcel die flache Brustwarze nicht ansaugen konnte (hab ich das so richtig beschrieben?).
Habe öfter wunde und rissige Brustwarzen dadurch bekommen, was sich aber im Rahmen hielt mit Behandlung. Seit etwa über einer Woche stille ich ohne Stillhütchen, hab es immer wieder versucht und bin so glücklich, dass es jetzt klappt. Allerdings tut es mehr weh als nicht. Und ich habe gelesen, dass das Stillen bei richtigem Anlegen nie weh tun soll. Stimmt das?
Kann es sein, dass er zu wenig Warzenhof mit i.d Mund nimmt, da er das Stillhütchen gewohnt ist? Meine Hebamme sagte, dann muss ich immer weider neu Anlegen, bis es nicht weh tut. Aber es tut eigentlich immer weh. Selten passiert es, dass ich anlege und es als angenehm empfinde. Die Schmerzen vergehen je länger der Stillvorgang dauert.
Lg Nina

Re: Schmerzen beim Stillen, falsch angelegt?

Verfasst: 09.12.2012, 22:30
von jusl
Hallo und herzlich willkommen hier!

Schön, dass Ihr den Absprung von den Hütchen geschafft habt. Beschwerden in der Übergangsphase sind nicht ungewöhnlich; Dein Baby muss die richtige Technik ohne Hütchen erst lernen und festigen. (Ausführliche Info dazu findest Du unter dem Stichwort "Saugverwirrung" in unserer Linksammlung Stillwissen). Dein Verdacht, dass er möglicherweise nicht genug Brustgewebe im Mund hat, kann da durchaus zutreffen. Grundsätzlich hat Deine Hebamme recht: Neu anlegen ist insofern richtig, als dass ein Baby nicht dauerhaft (also länger als eine Minute oder so ;-)) FALSCH angedockt sein sollte - denn das kann zu massiven Schmerzen und wunden Brustwarzen führen. Auf der anderen Seite schreibst Du:
Die Schmerzen vergehen je länger der Stillvorgang dauert.
DAS ist schonmal ein gutes Zeichen!.. Denn dann handelt es sich vermutlich "nur" um einen ungewohnten, vorübergehenden "Ansaugschmerz".
Linderungsmaßnahmen sind:
* Achte sehr gründlich und sorgfältig aufs korrekte Anlegen. Bequem(!) hinsetzen oder hinlegen, Babys Mund weit auf, die BW weit nach hinten in Richtung Rachen, Baby-Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine Linie.
* Öfter mal die Stillposition wechseln.
* Verteile vor dem Andocken etwas Muttermilch auf BW und Warzenhof und auf den Lippen des Babys. So flutscht mehr Gewebe in den Mund und die BW landet weiter hinten im Rachen, wo sie hinsoll.
* Mit einer Wärmeanwendung (Brust, Rücken, Nacken,... wo Du magst!) fließt die Milch schneller. Auch das lässt den Ansaugschmerz schneller vergehen.
* Häufig stillen! Und beim kleinsten Mucks anlegen. Ein aufgeregtes, weinendes Baby lässt sich viel schwieriger bequem und korrekt anlegen als eines, das noch gute Laune und Geduld hat.
* Dem Ansaugschmerz aktiv begegnen. In den Sekunden vorm Anlegen beginnen, Atemtechniken aus der Geburtsvorbereitung anzuwenden, oder laut singen oder summen... vielleicht lenkt Dich ein liebes Familienmitglied im entscheidenden Moment mit einer 3-Minuten-Schultermassage ab? Hilft!..

Gib Euch beiden etwas Zeit, die richtige Technik zu lernen. Magst Du in einigen Tagen berichten, wie es Euch geht?

LG
Julia

Re: Schmerzen beim Stillen, falsch angelegt?

Verfasst: 10.12.2012, 21:23
von MaNiMa
Hallo Julia,

danke für die informative Antwort.
Als Marcel beim Stillen heute mit halb offenem Mund kurz pausierte, hab ich seine Zuge gesehen, die war ganz vorne. Und da hat es auch gar nicht weh getan :)

"Saugverwirrung" trifft auf den Übergang von Hütchen zu Brust wohl zu. Im Krankenhaus versuchte man nicht lange Marcel anzulegen (ist mein erstes Kind und ich wusste es nicht besser) und steckte mir gleich son Hütchen a.d Brust :-(
Hab immer und immer wieder versucht Marcel ohne Hütchen an die Brust zu legen, weil Stillen mit Hütchen einfach nicht DAS für mich war.
Hatte dann immer den Eindruck, er wusste nie was er machen musste.

Seit ich "Stillen nach Bedarf" verstanden habe, lege ich ihn sehr oft an - eigentlich bei jedem Quengeln, wenn ich sicher bin, dass es weder Bauchweh, noch eine volle Windel sein kann - und ihm tut das sichtlich gut. Seither habe ich ein viel zufriedeneres Baby :D . Das war auch der Erfolg vom Hütchen weg zu kommen. Entspannt versuchte er sich dann an der Brust, bis es klappte.
* Achte sehr gründlich und sorgfältig aufs korrekte Anlegen. Bequem(!) hinsetzen oder hinlegen, Babys Mund weit auf, die BW weit nach hinten in Richtung Rachen, Baby-Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine Linie.
Kann ich beeinflussen, wie weit Marcel den Mund auf macht? Ist es schlimm, wenn er beim Liegen gerade liegt und den Kopf zur Brust dreht (also keine Linie ist). Weil so liegt er gerne, wenn er Pupsen muss (das ist nur die morgendliche Stillposition)
* Öfter mal die Stillposition wechseln.
Kenne nur im Sitzen - Baby liegt im Arm oder sitzt a.d Schoß und im Liegen - beide a.d Seite, Bauch an Bauch.
Habe über die Suche nur Stillpositionen für größere Babys gefunden. Gibt es irgendwo Bilder zu anderen Stillpositionen?
* Verteile vor dem Andocken etwas Muttermilch auf BW und Warzenhof und auf den Lippen des Babys. So flutscht mehr Gewebe in den Mund und die BW landet weiter hinten im Rachen, wo sie hinsoll.
Mein Problem ist, dass ich ohne Pumpe leider keinen Tropfen raus bekomme, auch nicht unter Anleitung meiner Hebamme (fragte sie, weil ich MiMu als Badezusatz verwenden wollte). Wenn Marcel allerdings schon a.d Brust getrunken hat, bekomme ich paar Tropfen raus. Gibt es dazu einen "Geheimtipp"? :(
* Mit einer Wärmeanwendung (Brust, Rücken, Nacken,... wo Du magst!) fließt die Milch schneller. Auch das lässt den Ansaugschmerz schneller vergehen.
Ok, das werde ich versuchen. Manchmal läuft sie so schnell, dass viel daneben läuft und Marcel sich verschluckt.

Klar berichte ich wie es sich entwickelt :-)

Re: Schmerzen beim Stillen, falsch angelegt?

Verfasst: 10.12.2012, 21:45
von jusl
Seit ich "Stillen nach Bedarf" verstanden habe, lege ich ihn sehr oft an - eigentlich bei jedem Quengeln, wenn ich sicher bin, dass es weder Bauchweh, noch eine volle Windel sein kann - und ihm tut das sichtlich gut. Seither habe ich ein viel zufriedeneres Baby :D . Das war auch der Erfolg vom Hütchen weg zu kommen. Entspannt versuchte er sich dann an der Brust, bis es klappte.
Prima. :D
Kann ich beeinflussen, wie weit Marcel den Mund auf macht?
Ja. Das Köpfchen sollte nicht "nach unten schauen", denn dann kann man den Mund gar nicht mehr richtig auf machen. Eher ein Stück nach oben schauen. Du kannst ihm beim Andocken vormachen, was er tun soll, also mal schön laut "aaaah!" sagen. ;-) Und Du kannst ihm entscheidenden Moment, direkt beim Andocken, Deinen Finger auf sein Kind legen und das Kinn noch ein kleines Stückchen extra runterdrucken. Wenn der Mundbereich nass gesabbert ist, kannst Du dazu Deinen Finger auch mit einem Stück Spuckwindel o.ä. umwickeln, dann rutschst Du nicht ab.
Generell ist es gut, einem Baby ZEIT zu lassen beim Andocken. Mit der BW kannst Du seine Wange oder Lippen kitzeln, das löst den Suchreflex aus, und normalerweise geht der Mund dabei schon ein gutes Stück auf.
Ist es schlimm, wenn er beim Liegen gerade liegt und den Kopf zur Brust dreht (also keine Linie ist).
Naja, was heißt schon "schlimm", aber diese Position ist definitiv UNGÜNSTIG, ja. Nimm mal einen Schluck voll Wasser in den Mund, dreh den Kopf um 90° zur Seite und versuch mal zu schlucken. Dann merkst Du sofort was das Problem ist!.. Schlucken geht nicht gut, und Mund öffnen auch nicht, fühlt sich ganz merkwürdig an.
Gibt es irgendwo Bilder zu anderen Stillpositionen?
Mit Sicherheit, google einfach mal Stillpostionen, da wirst Du ganz sicher fündig. Sehr empfehlenswert neben der klassischen Wiegehaltung und dem Stillen im Liegen ist noch die sog. Fußballhaltung. Diese empfielt sich insb. bei Stillproblemen, da sehr gut kontrolliert werden kann, was das Kind macht.
Mein Problem ist, dass ich ohne Pumpe leider keinen Tropfen raus bekomme, auch nicht unter Anleitung meiner Hebamme (fragte sie, weil ich MiMu als Badezusatz verwenden wollte). Wenn Marcel allerdings schon a.d Brust getrunken hat, bekomme ich paar Tropfen raus. Gibt es dazu einen "Geheimtipp"? :(
Der Tipp ist gar nicht geheim :wink: : Hinter der Brustwarze (also nicht direkt dahinter am BW-Ansatz, sondern eher so 2-4 cm dahinter) verbreitern sich die Milchgänge (früher "Milchseen" genannt"), sodass sich dort ein wenig Milch sammelt. Wenn man DAHINTER drückt und die Finger nach vorne Rchtung BW abrollt (so ähnlich wie Fingerabdrückemachen in TV-Krimis), kommt unweigerlich Milch heraus, geht gar nicht anders. ;-) Reine Übungssache, man muss nur die richtige Stelle erwischen. Eine Stillberaterin kann Dir auf jeden Fall zeigen, wie das geht (denn genau dies ist auch die Grundtechnik, wie man Muttermilch per Hand gewinnt, wenn man keine Pumpe nutzen kann oder möchte).
Klar berichte ich wie es sich entwickelt :-)
Sehr gerne. :D

LG
Julia

Re: Schmerzen beim Stillen, falsch angelegt?

Verfasst: 10.12.2012, 22:06
von klimaforscherin
Zur Milchgewinnung: google mal nach "Marmet-Technik". Dann findest du dazu auch Videos oder bebilderte Anleitungen.
Klappt übrigens hervorragend. Zum Milcheinschuss konnte ich damit gut ca.100 ml sammeln.

Re: Schmerzen beim Stillen, falsch angelegt?

Verfasst: 10.01.2013, 22:15
von MaNiMa
Leises "piep*
Kam irgendwie nicht so zum zurück schreiben...aber nun möchte ich mich gerne wieder melden und berichten :-)

Also eigentlich bin ich jetzt auf einem guten Stand mit dem Stillen, bin recht zufrieden, dank den Tipps :5:
Wenn Marcel die Brust nur sieht macht er schon ganz weit den Mund auf und nimmt genug Brust in den Mund, die Zunge ist auch schön vorne :)
Achte auch jetzt immer auf eine gerade Linie von Kopf, Schulter und Hüfte (hab das mit dem Kopfdrehen und ein Schluck Wasser schlucken probiert :roll: )
Unsere Stillpositionen haben sich nicht verändert, immer noch im Liegen und Wiegegriff).
Und nach langem Üben bekomme ich jetzt auch super Milch aus der Brust, wenn ich brauche (täglich als Nasentropfen...)

Meine Brustwarzen sind momentan beansprucht, gerötet, gerissen und schmerzen - ihm schießen wohl die Zahnwurzeln in den Kiefer und er "kaut" öfter :|
Da versuche ich das Lanol*in - hat jemand damit Erfahrung?

Alles in allem bin ich zufrieden und bedanke mich nochmal für die Tipps, die mich weiter gebracht haben