Vorweg: jetzt hab ich immer mal was in das offene Browserfenster getippt, wenn ich Zeit hatte zwischendurch und nun ist es in der Vorschau ein kleiner Roman geworden. Ich hoffe, Du verzeihst mir, wenn ich es jetzt dennoch abschicke und nicht mehr kürze

Also, *räusper*:
ohweh, Du liest Dich sehr traurig und fertig

Das tut mir leid, dass Du in so schlechter Verfassung bist. Hast Du Unterstützung in Deinem Alltag mit Baby? Ist es Dein erstes Kind oder hast Du noch weitere Kinder zu versorgen? Hast Du jemanden, der Dir das BAby mal abnehmen kann für ein, zwei Stunden am Stück - so dass Du etwas nur für Dich machen kannst?
Wo liegt denn für Dich der Punkt, der Dich am Stillen am meisten belastet? Oft ist es ja nicht das Stillen ansich, dass eine Mutter schlaucht, sondern das Stillen ist einfach der erste Punkt der einem beim Suchen nach veränderbaren Punkten im Alltag einfällt. Wenn man genauer hinschaut, lassen sich aber vielleicht andere Punkte finden, die unter Umständen sogar viel mehr STress aus dem Alltag rausnehmen würden als ein Abstillen/Reduzieren des Stillens - zumal ein Baby eine Reduktion des Stillens gegen seine Bedürfnisse in diesem Alter kaum klaglos hinnehmen wird - da wird es einiges zu kompensieren geben, was dann oft anstrengender als Stillen ausfallen kann (vor allem nachts ist rumtragen, singen, schuckeln, ... oft schlauchender als im Liegen im dunklen Schlafzimmer einfach zu stillen und ohne aufstehen zu müssen weiterzuschlafen... ).
Du schreibst, Du möchtest zu allererst das nächtliche Stillen beenden. Magst Du uns mal schreiben, wie das nächtliche Stillen bei Euch ausschaut - vielleicht kommen wir dann dem Stressfaktor auf die Spur? Du stillst im Moment ca. 5-6 mal in 24 STunden, davon die Hälfte tagsüber, bleiben also zwei bis drei Stillmahlzeiten nachts, wenn ich es richtig verstehe. Lass es mich ehrlich sagen: die meisten Mütter eines neun Monate alten BAbys würden von solchen Stillfrequenzen wahrscheinlich träumen

, da sich ihre BAbys in diesem Alter noch deutlich häufiger zum Stillen melden. Dein BAby ist also eher ein "wenig-Stiller" für sein Alter. Das nützt Dir natürlich nur bedingt etwas, aber vielleicht relativiert sich so ja schon etwas im Blick auf die Situation.
Man kann sich nächtliches Stillen deutlich einfacher machen, indem man mit dem Baby gemeinsam in einem Bett schläft, so dass weder Mama noch Baby richtig aufwachen und beim Stillen/nach dem Stillen direkt weiterschlafen können. So sind zwei bis drei nächtliche Stillunterbrechungen eigentlich so zu meistern, dass eine Frau davon nicht an ihre körperlichen Grenzen kommt - vorausgesetzt, es ist sonst alles körperlich in Ordnung mit der Mama:
Hast Du mal ein Blutbild machen lassen? Kommst Du insgesamt zu genug Schlafzeiten (zum Beispiel, indem Du Dich tagsüber mal mit hinlegst, wenn Dein Baby schläft oder Dich abends eben wirklcih mal mit Deinem Baby hinlegst, statt noch dies und das im Haushalt zu erledigen)? Isst Du genug (Mamas von kleinen Babys neigen dazu, erschreckend viele Mahlzeiten "aufzuschieben", zu überspringen, mal schnell durch einen Saft zu ersetzen - all das schlaucht unglaublich, zumal der Alltag mit Baby körperlich sehr fordernd ist durch die viele Bewegung, die gerade bei vorherigem sitzenden Beruf sehr ungewohnt sein kann)...
Das wären also die Punkte, an denen ich zuerst ansetzen würde: Entlastung schaffen, nächtliches Stillen entspannt und ohne Aufstehen organisieren, mal ein paar Wochen lang deutlich häufiger mit dem Baby hinlegen, regelmäßig auf ausreichendes Essen achten - alles andere im Haushalt kann gut und gern mal ne Weile warten, ohne dass man gleich im Chaos versinkt
Wenn das alles nichts nützt: Es gibt eine verhältnismäßig sanfte Methode, ein Baby nachts abzustillen, die nicht im seelischen Trauma fürs Kind enden muss - diese wird aber ausdrücklich erst für Kinder mit einem Mindestalter von 12 Monaten empfohlen, geht dann aber relativ fix. Vielleicht könntest Du Dir mit dieser "Trumpfkarte" im Ärmel vorstellen, noch die nächsten drei Monate abzuwarten, die obigen Punkte mal durchzugehen (allen voran, Dich mal beim Hausarzt durchchecken zu lassen, ob vielleicht einfach Dein Eisenwerte im Keller sind o.ä.), und dann wenn Dein Baby aus der bedürfnisstärksten Zeit raus ist, nochmal neu mit dem nächtlichen Abstillen zu überlegen?
Das Programm kannst Du Dir ja jetzt schonmal durchlesen: es heißt nächtliches Abstillen nach Gordon und wird hier sehr gut beschrieben:
http://www.rabeneltern.org/index.php/wi ... milienbett
Ob Du bei einer Stillreduktion im ersten Lebensjahr noch auf Kunstmilch zurückgreifen musst, kann man ohne Dein Kind und seine Lust auf feste Kost zu kennen, so schlecht sagen. Fakt ist, dass Milch (ob nun Muttermilch oder adäquater Muttermilchersatz in Pulverform) im ersten Lebensjahr eines Kindes dessen Hauptnahrungsmittel darstellen sollte und Beikost eben BEIkost sein soll. In diesem Faltblatt siehst Du dazu ein gutes Schaubild (zweite Seite):
http://www.afs-stillen.de/upload/faltbl ... ntisch.pdf
Leider hat die Evolution unsere Kinder eher auf nächtliches Stillen geeicht, um ihren Bedarf zu stillen...
Vieles im Baby- und Kinderverhalten sind wirklich nur Phasen, die schneller vorbeigehen, als wir uns aktuell drinsteckend je vorstellen konnten... Dein Baby ist noch jung, aber gerade in einer Phase, in der sich sehr schnell sehr viel am Essverhalten ändern kann - ganz ohne Druck von außen. Vielleicht kannst Du Dir irgendwo anders für die wenigen nächsten Monate, in denen Dein Kind das stillen noch sehr braucht, Entlastung schaffen, so dass Du das Stillen nach BEdarf Deines Kindes doch wieder mit neuer Energie angehen könntest. Wenn das nicht geht, kannst Du sonst in diesem Thread hier wertvolle Hinweise zum vorzeitigen Abstillen eines Babys finden. Auch wenn Du nicht komplett abstillen willst, wird vieles davon auf Dich passen:
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... +Abstillen
Egal, wie Du Dich letztlich entscheiden wirst, wünsche ich Dir alles Gute auf diesem Weg und dass es Dir bald wieder besser gehen möge!
