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war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 23.11.2012, 17:26
von juleika
Hallo zusammen,

ich lese jetzt schon seit ein paar Wochen hier und bin total froh, daß ich endlich so ein tolles Forum gefunden habe, das mir schon einige Fragen beantwortet und Sicherheit gegeben hat. Schade, daß ich's noch nicht in den ersten Wochen nach der Geburt von Maya (06/12) kannte, da hätte es mir noch mehr geholfen! (Ihr solltet Flyer in den Geburts- und Krankenhäusern verteilen! ;) )
Also, nun zu meiner Frage:

Maya und ich hatten trotz ambulanter Geburt, Schnullerfreiheit, Hebamme und Stillberaterin einen schwierigen Stillstart.
Ich hatte ungefähr einen Monat lang wunde, offene Brustwarzen und starke Schmerzen bei jedem Anlegen und konnte nur schwer tolerieren, daß meine Kleine quasi durchgehend an meiner Brust sein wollte. Ich denke allerdings jetzt im Nachhinein, daß dabei eine große Unsicherheit und die Angst, daß da was falsch läuft einen wesentlichen Anteil hatte. Jedenfalls machten wir weiter und spielten uns immer besser miteinander ein, ich hatte weniger Schmerzen und fand's zwar anstrengend aber gewöhnte mich dran, daß ich Maya eben so oft stillen musste (auch wenn mir häufig Leute sagten, daß es zu oft und meine Brust doch kein Schnuller sei...) und war eigentlich ganz guter Dinge, daß wir es soweit geschafft hatten.
Bis wir zur U3 gingen...
Wir waren in der Zwischenzeit für den Sommer nach Mecklenburg auf's Land gezogen, was zwar schön war, aber auch ziemlich abgeschieden (ohne Info-Möglichkeit über Internet und so) und zur U3 gingen wir dann eben nicht zu unserem vorherigen anthroposophischen Arzt, sondern zu irgendeiner Kinderärztin in der nächsten Stadt.
Und die sagte mir, daß Maya zwar ganz fit sei, aber daß das Gewicht ja gar nicht ginge ... wie ich denn füttern würde ... achso, naja, dann reicht jetzt meine Milch eben nicht mehr, klare Sache... und schrieb uns fein "unzureichendes Gedeihen" ins gelbe Heft. (Dabei war Maya dort das erste Mal auf dieser Waage und die Ärztin hatte noch gar keinen Verlauf zum Beurteilen --- eine Tabelle mit allen unseren gesammelten Gewichtsdaten häng ich hier übrigens hinten ran, das ist dann übersichtlicher)
Mir war also klar, daß das nur eingeschränkt ernstzunehmende Kritik war, trotzdem verunsicherte mich das wieder sehr und immer wenn ich in diesen Unsicherheits-Modus kam, hatte ich das Gefühl, es klappt mit dem Stillen wieder schlechter.
Wir kauften uns dann ne Waage und kontrollierten das Gewicht von unserem Kleinchen regelmäßig (sie schaffte immer so um die 100g/Woche Zunahme) und nach langem Widerstand meinerseits überredete mich mein Freund dann doch dazu, daß wir ihr doch abends zusätzlich eine Flasche pre anbieten können, damit sie sich dann ggf den Rest holen kann, falls sie doch irgendwie Nährstoffmangel hat. Da war Maya ungefähr 3,5 Monate alt.
Seitdem gibt Papa ihr also abends eine Mahlzeit, inzwischen trinkt sie da auch rund 100-120ml, am Anfang hat sie nur 40-70ml genommen, und ich stille trotzdem immer noch ungefähr im 2h-Rhythmus (tags wie nachts, mal bißchen längere, mal kürzere Abstände)
Jetzt ist Maya 5 Monate alt, saugt trotz der täglichen Flaschengabe gut an der Brust (also meckert nicht dabei und mir tut's nicht weh), bekommt seit ungefähr 2 Wochen ein bißchen Obst und Gemüse bei uns vom Tisch und hat jetzt auch gut zugenommen (in den letzten paar Wochen je 200-300g).
Es läuft also alles ganz gut und mein Freund mag es total gern, ihr abends die Flasche zu geben. Ich will also nicht wieder alles durcheinander bringen, aber eigentlich ist die Flasche doch jetzt überflüssig, oder?
Kann ich die den beiden einfach wieder so wegnehmen?
Oder schaden wir ihr damit sogar, überfüttern wir sie?
Und meint ihr, das Zufüttern damals war nötig (das ist jetzt nur so retrospektiv für mich)? So gut zugenommen hat sie ja erst jetzt in den letzten 3 Wochen, wobei sie schon seit 2 Monaten Pre bekommt - ich denke also mehr, das war einfach ihr Style, am Anfang langsamer zuzunehmen und jetzt aufzuholen...
Was meint ihr?

Ich häng jetzt gleich noch die gesammelten Gewichtsdaten ran,

lieben Gruß schonmal,

Julia

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 23.11.2012, 17:46
von juleika
Also, hier unsere Gewichtstabelle:

24.06. 3000g
25.06. 2880
26.06. 2780
28.06. 2880
29.06. 2890
30.06. 2980
02.07. 3020
04.07. 3100
06.07. 3110
09.07. 3200
11.07. 3240
13.07. 3240
18.07. 3320
24.07. 3440
30.07. 3350 ... das war die U3 auf ner anderen Waage bei der besagten Kinderärztin
02.08. 3580 ... wieder die erste Waage (Hebamme)
17.08. 3700 ... ab jetzt unsere eigene Waage, immer morgens nackt gewogen
24.08. 3850
28.08. 3950
02.09. 4000
08.09. 4100
13.09. 4150
17.09. 4200
20.09. 4400
24.09. 4475
02.10. 4550
06.10. 4675
10.10. 4750
15.10. 4825
23.10. 4975
02.11. 5250
11.11. 5500
18.11. 5800

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 23.11.2012, 22:12
von jusl
Hallo Julia und herzlich willkommen hier im SuT,

das Thema Gewichtszunahme ist für viele Mütter wichtig - und immer schnell mit Unsicherheiten behaftet. Ich fange dann auch mal direkt damit an - was bei Deiner Datenfülle sehr bequem funktioniert ;-), und übrigens sehr aussagekräftig ist, weil die vielen Daten einander so schön absichern:

Im ersten Lebensmonat lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei rund 170 g. Dies ist ein durchschnittlicher Wert, der belegt, dass Dein Baby gut versorgt war - insb. wenn man Deine Beschwerde-Symptome berücksichtigt.

Im zweiten Lebensmonat lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme nur noch bei rund 100 g. Wenn Deine Beschwerden zu dieser Zeit ja eigentlich vorbei waren und auch sonst nichts besonderes vorgefallen ist, dann kann man das Genöle der Kinderärztin (das keine Datengrundlage hatte!..) nur als massiven Störfaktor einordnen, der sich beeindruckend heftig in der Gewichtsentwicklung Deines Babys niederschlug.

Bis zum Zufüttern Mitte Oktober lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme dann bei rund 130 g. Wieder ein durchschnittlicher Wert für ein Baby zwischen 2 und 4 Monaten, der belegt, dass Dein Baby gut versorgt war. Eine Zufütterindikation ist aus diesen Daten nicht abzuleiten.

Seitdem liegt die die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme dann bei knapp 200 g - das ist überdurchschnittlich viel für ein Baby in dem Alter. Lässt man den letzten Wert als möglichen Ausreißer unberücksichtigt, sind es immer noch rund 170 g wöchentlich, ebenfalls sehr viel. (Quelle)

Unterm Strich also: ja, Zufüttern war offensichtlich überflüssig. Zumal eine vorübergehend geringere Gewichtszunahme, für die auch noch die wahrscheinliche Ursache bekannt ist (nämlich schlechte Beratung - dies ist eine der HAUPTursachen für die meisten Stillprobleme), auch ganz anders hätte effektiv behandelt werden können als durch das Zufüttern künstlicher Milch: durch gute Beratung und Begleitung, und bei Bedarf durch eine Verbesserung des Stillmanagements.

Aber Du schreibst ja selbst:
mein Freund mag es total gern, ihr abends die Flasche zu geben. Ich will also nicht wieder alles durcheinander bringen,
Beides ist in den Auswirkungen nicht zu unterschätzen. ;-)
Kann ich die den beiden einfach wieder so wegnehmen?
Dein Mann wird vermutlich protestieren. :lol:
Oder schaden wir ihr damit sogar, überfüttern wir sie?
"Überfüttern" ist ein schwer zu fassender Begriff und eigentlich nicht klar definiert. Auffällig ist, dass Dein Baby in letzter Zeit stark zugenommen hat, so stark wie in den ersten Lebenswochen - normalerweise ist dieses Alter aber bekannt dafür, dass das Gewicht eine Weile stagniert (erklärt über die zunehmende Mobilität des Babys). 120 ml allerdings entsprechen etwa 1-2 Stillmahlzeiten, also ein eher geringer Anteil an der Gesamternährung. Eine Überfütterung ist dadurch eigentlich nicht plausibel zu begründen. (die 1-2 Mahlzeiten könntest Du auch einfach stillen, und weg wär die Flasche...)

Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich,
Rückfragen immer gerne und LG
Julia

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 24.11.2012, 13:50
von juleika
Vielen Dank für die Antwort!

Ja, das hab ich mir schon gedacht, daß wir uns damals da einfach zu verrückt gemacht haben (lassen)...
Als ich gestern hier die Gewichtsdaten alle nacheinander eingegeben und mir mit Abstand angeschaut habe, fand ich das auch alles nicht mehr so dramatisch,
aber vor ein paar Monaten... wie das Kaninchen vor der Schlange die ml Skalierung angestarrt beim Versuch, abzupumpen und so... :lol:
So konnte das ja nix werden...
Naja, ich bin froh, daß ich mit den Sorgen jetzt ersteinmal durch bin, und beim nächsten Kind dann wohl besser aufgeklärt... ;)
jusl hat geschrieben:Dein Mann wird vermutlich protestieren. :lol:
Der Vorschlag, die Abend-Flasche zu streichen, kam hier (bei Papa) tatsächlich gar nicht gut an,
aber wir konnten uns darauf einigen, den Inhalt zu ersetzen - frisch gepressten verdünnten Möhrensaft haben wir schon einmal ausprobiert, das mag unsere Kleine gerne, dann sind wir wenigstens von der Tütensuppe weg, die zusätzlichen Kalorien scheint sie ja nicht zu brauchen.
Meinst Du, das ist in Ordnung, oder ist der Sauger ein großes Problem?
Wie gesagt, sie macht jetzt überhaupt keine Probleme an der Brust und ich geb ihr auch nie die Flasche, das ist ne Papi- oder Omi-Angelegenheit, mit dem Hintergedanken, daß sie da unterscheiden kann, das eine ist Brust, das andere ist Flasche.
Ich fänd's nur schade, wenn sie später anfängt, mir mit Zähnchen auf der Brust rumzukauen, wegen dem Sauger.
Meine Hebamme meinte damals zwar, wenn sie einmal gut an der Brust ist, dann ist Sauger kein Problem mehr, aber hier im Forum hab ich schon andere Geschichten gelesen.
Wir fahren da ja nun schon ne ganze Weile ohne Probleme zweigleisig, kann ich mir die Sorge um ne späte Saugverwirrung nicht vielleicht auch sparen? :roll:

LG,

Julia

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 24.11.2012, 15:24
von jusl
Der Vorschlag, die Abend-Flasche zu streichen, kam hier (bei Papa) tatsächlich gar nicht gut an,
aber wir konnten uns darauf einigen, den Inhalt zu ersetzen - frisch gepressten verdünnten Möhrensaft haben wir schon einmal ausprobiert, das mag unsere Kleine gerne, dann sind wir wenigstens von der Tütensuppe weg, die zusätzlichen Kalorien scheint sie ja nicht zu brauchen.
Also ich kann durchaus gut verstehen, dass Papa und Oma glücklich mit so einem "Papa-und-Oma-Flaschending" sind und nicht mehr darauf verzichten wollen. Aus stillberaterischer Sicht jedoch ist das Füttern von verdünnten Säften aus Saugflaschen noch sinnfreier als das Füttern von Pre-Nahrung. Selbstverständlich ist das Eure Entscheidung, und wenn Ihr das gerne so machen möchtet, dann ist das vollkommen in Ordnung, gar keine Frage. Aber ich mag doch kurz erklären, wo aus meiner Sicht mögliche Tücken liegen können:
Generell wird von Säften in Saugflaschen abgeraten. Der Grund liegt im Wesentlichen im Gehalt von Zucker und Fruchtsäuren, die die Zähne massiv schädigen können (auch Karottensaft enthält diese Inhaltsstoffe).
Zufüttern - egal von was - kann die Stillbeziehung stören. Die Wirkung tritt nicht unbedingt gleich ein, manchmal werden ungünstige Folgen erst viele Wochen oder Monate später deutlich. Die gängigen Folgen sind z.B. unerwünschtes vorzeitiges Abstillen wegen fortschreitender Umgewöhnung, schlechter werdende Stilltechnik und Beiß- oder Kauproblematiken. Bei unnötigem Zufüttern ist die Wahrscheinlichkeit dafür noch größer; dazu dann das Zahnrisiko durch die Verwendung von Säften.
Dazu kann ich beim besten Willen nicht raten, so gerne Papa und Oma offenbar füttern. Dann lieber Pre - aber auch hierzu kann aus stillberaterischer Sicht nicht geraten werden, einfach weil außer "Papa füttert so gerne" keine Vorteile zu erwarten sind, mögliche Nachteile jedoch schon.

Selbstverständlich muss nichts davon eintreten - möglicherweise läuft das problemlos so weiter, ohne Auswirkungen auf die Stillbeziehung oder die Zähne oder ähnliches. Als Stillberaterin jedoch bin ich tagtäglich mit Verläufen konfrontiert, in denen früher oder später Probleme auftraten. Ich stimme Dir da völlig zu, es ist "schade", wenn diese selbstgebacken sind.

Ich wünsche Euch auf jeden Fall, dass Ihr da einen guten Weg findet, der allen Beteiligten möglichst lange möglichst gerecht wird. ;-)
LG
Julia

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 24.11.2012, 15:44
von elamshin
Hallo Juleika!

Vielleicht kannst du deinem Mann, bzw. der Oma etwas anderes statt der Flasche anbieten. Ein Ritual, das nur den Beiden gehört. Der Papa trägt abends in den Schlaf, er badet und massiert danach...etwas in der Art. Ich kann gut verstehen das der Papa auch gern Zeit mit seiner Tochter hätte, wo er innige Nähe und ein "Runterkommen" der Kleinen bei ihm erlebt.
Vielleicht wäre ein anderes Ritual dann machbar. Insbesondere mit dem Argument, dass ein abendliches Baderitual sehr sehr lange ein besonderer Moment für die Beiden sein wird. Die abendliche Flasche wird das nicht so lange sein können, bzw. so viel Zweisamkeit geben.

Liebe Grüße und viele gedrückte Daumen das ihr alles für euch passend lösen könnt,

elamshin

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 24.11.2012, 16:40
von Sakura
Hi Juleika,

ich möchte bei meinen Vorrednerinnen unterschreiben. Ich kann gut verstehen, dass der Papa es schön findet, das Fläschchen zu geben, aber das Risiko, das ihr damit eingeht, ist leider ein ziemlich großes. Aber der Papa kann andere "Exklusivrechte" bekommen. Bei uns ist es seit das Mäusel 4 Monate alt war ausschließlich Papasache, sie abends bettfertig zu machen. Die beiden gehen ins Bad, dann wird das Badewasser eingelassen, dann darf das Mäusel ihre Badeenten ins Wasser werfen, dann ausziehen und rein ins Vergnügen. Und dann sitze ich oft im Wohnzimmer, und höre wie die beiden lachen und kreischen und planschen und Spaß haben, und bin ein bisschen neidisch, weil ich (fast) nie dabei bin. Aber das ist Papa-Exklusiv-Zeit. Funktioniert bei uns sehr gut. Wäre das auch was für Euch?

Und bald ist Dein Kind ja auch beikostreif. Da könnte der Papa doch noch andere, stillfreundliche Exklusivrechte bekommen.

lg,
S. :-)

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 24.11.2012, 17:32
von blueberry
Ich mag mal mit unterschreiben: eine Stillbeziehung mittelfristig durch die Gabe von künstlichen Saugern zu gefährden, wo es heutzutage stillfreundliche Methoden des Zufütterns gibt (in Eurem Falle z.B. Becherfüttern) - und das alles dann auch noch ohne Notwendigkeit, sondern nur weil Papa und Oma so gern füttern, finde ich total schade :( Wessen Interessen stehen denn da im Vordergrund? Die des Babys jedenfalls nicht, wenn man es mal so klar sagen möchte :?

Ja, es gibt Kinder, die scheinbar problemlos monatelang Flasche und Brust parallel genommen haben. Die allerallermeisten dieser Kinder entwickeln aber früher oder später eine Vorliebe für die eine oder andere Saugform (denn grundverschieden sind sie ja). Ich kenne in meinem näheren Umfeld mehrere Babies, die z.B. irgendwann keine Flasche (bzw. in einem Fall keinen SChnuller) mehr nahmen, obwohl sie das vorher taten. Sie wollten irgendwann (in allen Fällen vor dem ersten Geburtstag) nur noch die Brust zum Saugen. Schön, dann hat sich in diesen Fällen eine deutliche Präferenz fürs Stillen entwickelt.

Es gibt aber genauso unzählige Fälle, wo die Babys dann auf einmal eben die Brust verweigerten und nur noch die Flasche (und evtl. den Schnuller) wollten. Das sind dann die Geschichten, wo oft erstaunt und traurig (manchmal auch stolz und erfreut) berichtet wird, das Baby habe sich mit sieben/neun/elf/... Monaten "von selbst abgestillt". Dass hier nur eine schleichende Umgewöhnung zu künstlichen Saugern hin stattgefunden hat (die die entsprechenden Kinder dann oft noch bis weit ins Kleinkindalter als Abendritual begleiten) und von natürlichem Abstillen bzw. "selbst Abstillen" des Kindes keine Rede sein kann, ist dann oft nur schwer verständlich zu machen, wo das Kind doch so deutlich die Brust ablehnte - "einfach nicht mehr wollte". Schade, wenn das halt nicht beabsichtigt war :( . (Und: wieviele Flaschen bzw. wie oft in der Woche ein Fläschchen und Schnuller gegeben wurden, ist von Kind zu Kind da seeeehr unterschiedlich.)

Von anderen möglichen Symptomen einer Saugverwirrung wie Beißen an der Brust (übrigens eine Form von Saugverwirrung die gern auch durch die Einführung von sogenannten Trinklerntassen passiert) hast Du ja schon selbst gehört. Das ist gar nicht so selten - aber in den seltensten Fällen wird dann die Trinklerntasse oder Saugerflasche weggelassen, sondern stattdessen wird schnell abgestillt, weil das Baby/Kleinkind ja nicht mehr stillte sondern "nur noch gebissen" hat...

Soweit die typischen Verläufe, die ich immer wieder mitbekomme.

Ich würde also auch dafür plädieren, Oma und Papa andere Rituale und Möglichkeiten zu eröffnen, mit einem kleinen Baby in Kontakt zu kommen - oft liegt da nämlich bei Männern bzw. Angehörigen der Großelterngeneration das eigentliche Problem: man weiß außer füttern nichts für beide Seiten Schönes mit so einem kleinen Wesen anzufangen (kein Wunder beim Babybild des vergangenen Jahrhunderts, das oft keine anderen Bedürfnisse als "satt, sauber, trocken" kannte...). Vielleicht könntest Du mit diesen Faltblättern der AFS eine erste kleine Brücke schlagen, die vom Fläschchen weg und zur Unterstützung des STillens hin führen könnte:

Stillkinder brauchen ihren Vater

Stillkinder brauchen ihre Großeltern

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 24.11.2012, 17:38
von blueberry
Ganz vergessen: einem noch nicht beikostreifen Baby im ersten Lebenshalbjahr etwas anderes als Muttermilch oder PRE-Nahrung zu geben (egal worum es sich dabei handelt - ob nun Möhrensaft oder reines Wasser!) - das würde ich persönlich auch nicht machen. Zumal das Füttern mit einer Saugerflasche ja nun auch keine natürliche Art des Fütterns von Beikost ist. Wenn ein Baby beikostreif ist (die Zeichen dafür kannst Du im Unterforum "Beikost und Familientisch" nachlesen), braucht es diese Beikost gewiss nicht mehr aus einer Saugerflasche - sonst wäre es ja nicht beikostreif :wink: . Und vor der Beikostreife sollte es eben - wie der Name so schön sagt - auch einfach keine Beikost bekommen, weil es dafür einfach noch nicht reif ist und sein kleiner Verdauungstrakt nur eines bekommen sollte: Milch 8)

Re: war zufüttern nötig? und zurück zum Vollstillen

Verfasst: 25.11.2012, 09:57
von juleika
Nur ne kurze Rückmeldung:

Gestern abend waren wir flaschenfrei! :D

War eigentlich keine Problem, musste abends und am Anfang der Nacht schon öfter stillen und vor allem öfter die Seite wechseln, aber ich denke, daß sich das mit der Zeit noch einspielt...

Im Gespräch mit meinem Freund hab ich rausgehört, daß es ihm beim Flasche geben wohl weniger um das Ritual, sondern eigentlich mehr um die Möglichkeit geht, Maya schnell und einfach glücklich zu machen.
Wir sind nämlich momentan beide in Vollelternzeit, weil wir uns auf unser Staatsexamen Medizin vorbereiten.
Heißt also, er kann sehr viel Zeit mit seinem Kindchen verbringen und ich find das auch ganz toll, wie er das macht.
Nur zu so "Bequemlichkeits-Sachen" sind wir jetzt öfter unterschiedlicher Meinung, gibt da noch 2 andere Baustellen:
er mag keine Stoffwindeln mehr und will Maya gerne in einer bestimmte Trage tragen, in der sie einen besonders guten Ausblick hat... :roll: :?
... und empfindet mich da grad bißchen als Mama-Diktator.

Gut, aber das gehört dann ggf. an andere Stelle... :wink:

Flasche sind wir jedenfalls jetzt los, ich fand die Rückbesinnung darauf wichtig, daß die damals mit großen Bedenken eingeführt wurde, weil wir dachten, unser Kindchen sei mangelversorgt. Ist doch erstaunlich, wie schnell sowas vor allem bei uns Erwachsenen zur Gewohnheit wird und wir uns schwer tun, es wieder sein zu lassen ... Maya hingegen fand das gestern abend nicht besonders schlimm... :lol:

Vielen Dank für Eure Vorschläge und
LG,

Julia