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Theater beim Stillen

Verfasst: 23.11.2012, 06:33
von Suleikha
Liebe Mitstillerinnen,

dann will ich dieses schöne Forum mal nutzen, um mir den Frust von der Seele zu schreiben:

Mein Sohn ist mittlerweile neun Wochen alt. Seit er fünf Wochen alt ist, ist das Stillen teilweise echt schwierig geworden. Vorher hat es super geklappt, er hat kräftig getrunken und geduldig bei jeder Mahlzeit eine Brust leergetrunken. Seit vier Wochen kommt es immer wieder vor, dass er beim Stillen brüllt. Meist fängt es damit an, dass er nach ein paar Minuten unruhig wird, zappelt, immer wieder an- und abdockt und schließlich das Schreien anfängt (Oft passiert das, wenn der MSR einsetzt, dann verschluckt er sich einmal und das reicht schon, um ihn so richtig durcheinander zu bringen. Manchmal stört ihn der MSR aber auch überhaupt nicht und er schluckt die Milch ganz cool in einem Affenzahn runter. Er kann es also grundsätzlich).

Er drückt sich dann mit Händen und Füßen von mir weg, versucht aber gleichzeitig, seinen Kopf zu mir hinzubewegen und die Brustwarze zu erwischen, denn Hunger hat er ja. Das klappt natürlich nicht. Wenn ich versuche, ihn sanft festzuhalten und seinen Kopf zu meiner Brust hinzuführen, rastet er richtig aus (Pucken funktioniert auch nicht). Erst verschluckt er sich und fängt an zu würgen, dann brüllt er wütend. Wenn ich ihn dann wegnehme und mit ihm auf der Schulter eine Runde durchs Zimmer drehe, ist fast augenblicklich Ruhe, als wäre nichts gewesen… Wenn ich ihn dann wieder anlegen will, schreit aber sofort wieder los, sobald ich mit der Brust in seine Nähe komme. Wenn ich die zweite Brust anbiete, ebenso. Ich gebe dann meist auf und warte halt, bis er wieder richtig großen Hunger hat.

Meist passiert das, wenn er vorher wach war. Ich vermute, dass er dann so aufgekratzt ist, dass er sich nicht richtig aufs Trinken konzentrieren kann und ihn das frustriert. Er ist ein sehr aufmerksames Kerlchen, der am liebsten auch gar nicht schlafen würde, damit er ununterbrochen alles angucken und bestaunen kann. Beim Stillen kann er manchmal auch gar nicht anders, als den Kopf von der Brust wegzudrehen, um sich im Raum umzusehen. Nach ein paar Sekunden kommt dann der Hunger wieder durch, er dreht sich zur Brust zurück. Bevor er wieder andocken kann, nimmt die Neugier wieder überhand und er dreht sich wieder weg. Das geht zehn, fünfzehn Mal so, dann geht das Geschrei los, weil Trinken und Gucken gleichzeitig eben nicht geht.

Ich versuche schon alles Mögliche, aber eine vernünftige Lösung habe ich noch nicht gefunden. Ich stille immer im selben Zimmer, im Liegen auf dem Bett, bei schummriger Beleuchtung. Ich bin dann auch mit ihm allein, es gibt keine störenden Geräusche etc. Aber die weiße Zimmerdecke scheint trotzdem unfassbar faszinierend zu sein… Außerdem versuche ich, ihn möglichst vor dem Stillen etwas schlafen zu lassen, damit er nicht so aufgekratzt ist. Funktioniert auch nur mäßig. Entweder ist er dann noch so schläfrig, dass er nach zwei Schlucken gleich wieder einpennt und gar nichts mehr geht. Wenn er wach wird, ist er dann auch gleich so wach, dass er schon wieder alles angucken muss und keine Zeit zum Stillen hat. Einen „Normalzustand“ zwischen völlig aufgedreht und Tiefschlaf gibt es irgendwie nicht.

Nachts klappt es noch ganz gut *KlopfaufHolz*, da trinkt er dann im Halbschlaf einigermaßen ruhig. Tja, die Nächte sind aber für uns beide auch nicht so richtig erholsam. Denn da er tagsüber eher schlecht trinkt, muss er das natürlich Nachts nachholen. Oft schläft er da dann aber auch nach einer halben Brust wieder ein (unweckbar) und kommt dann nach einer halben bis Dreiviertelstunde wieder, weil das natürlich zu wenig war. Weder er noch ich kriegen also erholsamen Schlaf.

Satt wird er insgesamt zwar (jede Menge volle Windeln, wächst und gedeiht), aber dieses Still-Theater schlaucht uns beide ziemlich. Er hat mehr oder weniger dauernd Hunger, weil er sich fast nie satt trinkt, sondern immer nur den gröbsten Hunger stillt, bevor das Geschrei losgeht. Und ich fühle mich immer wie einer Versagerin, wenn er so schreit und würde am liebsten mitheulen… An manchen Tagen sind es nur ein paar Mahlzeiten, an manchen Tagen jede einzelne.

Vielleicht gibt es hier ja jemanden, der was ähnliches erlebt (hat) und noch irgendwelche Ideen hat, wie man die Situation etwas verbessern könnte? Zuerst hatte ich schon an einen Schub gedacht, aber das müsste ja allmählich mal vorbei sein? Den acht-Wochen-Schub hatten wir gerade, der hat nichts daran geändert…

Ich hoffe, mein Text ist einigermaßen lesbar, wer bis hier gekommen ist, kriegt Kaffee und Mandelstollen! :D
Lieben Dank fürs Lesen,
Suleikha

PS: Er bekommt weder Schnuller noch Flasche.

PPS: Es tat schon mal sehr gut, das Ganze einfach aufzuschreiben!

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 23.11.2012, 06:40
von manie
also wenn unsere maus so unruhig ist, dann schalt ich immer den fön ein und blas sie mit der warmen luft an. Sie wird dann immer sofort ruhig und trinkt. Das geräusch muss sehr entspannend sein für sie.
Vielleicht hilft es ja bei euch auch.
Grüße

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 23.11.2012, 12:57
von LaOvejaNegra
Bei meinen beiden gab es auch immer mal wieder solche Phasen... Was bei uns geholfen hat: ruhig bleiben und ruhig bleiben :D
Ansonsten: stillen im Laufen, im Tuch, mal in einer anderen Position, im Dunklen...
Letztlich war es immer nur eine Phase und wer Hunger hat, der trinkt auch irgendwann.... :)

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 26.11.2012, 11:02
von Suleikha
Danke für eure Antworten! Den Fön habe ich gleich hoffnungsvoll ausprobiert, hat leider nicht funktioniert... Dass es nur eine Phase ist, hatte ich auch schon angenommen, dann müssen wir da wohl einfach durch. Dadurch, dass er nur so wenig pro Mahlzeit trinkt, kommt er natürlich schnell wieder, meist nach anderthalb Stunden. Das stört mich eigentlich gar nicht besonders, aber leider bedeutet es, dass ich mit ihm kaum das Haus verlassen kann. Denn woanders stillen geht gar nicht, da flippt er richtig aus. Sobald ich irgendwo angekommen bin, kann ich mich auch schon wieder auf den Heimweg machen, damit ich rechtzeitig zum Stillen wieder da bin... Aber naja, es wird sicher irgendwann besser *hoff*

LG, Suleikha

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 26.11.2012, 12:24
von Leyket
Oh, das ist hart. Das hatten wir eine ganze Weile. Ich weiss nicht mehr genau wie lange. Im Juni ist er geboren und bis Ende Oktober war ich zur Babymassage mit ihm und ich weiss noch, dass stillen dort der absolute Horror war. Für uns beide :cry: Also mindestens 5 Monate, danach wurde es aber besser! Und es war auch nicht immer gleich schlimm.
Uns hat damals einiges geholfen. Vor allem aber, ausser Mama und Papa sollte niemand im Raum sein, kein Radio an, kein Fernseher. Im Laufen stillen, im Halbdunkeln, im Liegen, Stillen bei fließendem Wasser im Bad. Wenn gar nichts mehr ging, dann hat der Papa ihn kurz genommen und rumgetragen (manchmal konnte er sich dann bei mir auch nicht mehr beruhigen) und dann haben wir es nochmal probiert. Meine Hebamme war mal da bei einem solchen Drama, ich ging kurz ins Bad, machte Wasser an, hab ihn angedockt und bin dann mit Kind an der Brust zurück ins Wohnzimmer und hab "ganz normal" im Sessel weitergestillt. Das fand sie herrlich und meinte, das hätte sie so noch nie erlebt :lol:
Ich kann gut nachfühlen wie das schlaucht und in der Öffentlichkeit ist es so peinlich. Man kann die Gedanken der Anwesenden förmlich hören. Aber es wird wirklich besser. Das sind Phasen. Ich drück die Daumen, dass ihr es bald überstanden habt :)

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 26.11.2012, 12:55
von manie
schade, dass ich dir nicht helfen konnte.
Viellecht findet ihr ja auch ein anderes gräusch, das diese wirkung hat.
Wie schon erwähnt wasser. Ruhige musik, zimmerbrunnen, es gibt so gräusche geräte mit plätschern und so.
Mir fällt gard ein manchmal hats bei mir auch geholfen, wenn ich sie erst mal wieder normal auf den arm genommen hab und mit ganz beruhigendem sch-lauten zur ruhe hab kommen lassen. Dann nach einer weile wieder anlegen.
Denke je ruhiger man selber bleibt, desto besser klappt es auch.
Ich drück die daumen, dass es besser wird.
Grüße

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 02.12.2012, 07:18
von Suleikha
Danke für die vielen Tipps! Wasser hilft tatsächlich, er hört sofort auf zu brüllen, wenn ich den Hahn aufdrehe. :jippi: Das ist schon mal echt hilfreich. Stillen im Laufen hatte ich auch schon probiert, das half manchmal. Im Moment ist es insgesamt etwas besser geworden, ich glaube allmählich trägt es Früchte, dass ich ihn die letzten Wochen konsequent nur im Liegen im Bett gestillt habe. Wenn ich ihn da hinlege, guckt er inzwischen ganz erwartungsvoll und fängt an zu schmatzen :-) Er weiß also, dass dann Stillen angesagt ist. Mal gucken, wie es weitergeht. Habe auch festgestellt, dass er viel besser trinkt, wenn er richtig großen Hunger hat. Wenn ich ihn vorher anlege, z.B. damit er nochmal tankt, bevor ich mit ihm rausgehe oder so, trinkt er kaum und schreit dann auch schnell. Anscheinend will er nicht unnötig mit Milch "belästigt" werden... :lol:

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 03.12.2012, 12:02
von Lotti
Hallo,

ich kenne das auch nur zu gut. Bei uns hat es auch immer ganz gut geklappt, sie auf dem Peziball wippend zu stillen. Ansonsten kann ich nur bestätigen: Es wird wieder besser werden, ganz bestimmt!

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 03.12.2012, 19:32
von dantschi
Hallo!

Bei meiner Maus ist es ähnlich. Sie ist jetzt 5 Wochen alt, ich vermute es ist ein Schub... Es geht also vorbei ;-) Eine Lösung hab ich auch nicht gefunden, aber aufstoßen lassen und in der Wohnung umtragen reicht meistens schon und sie nuckelt brav weiter. Und versuchen Ruhe zu bewahren. Was manchmal leichter gesagt als getan ist. Aber: es geht vorbei! *mir in Gedanken immer vorsag*

Re: Theater beim Stillen

Verfasst: 03.12.2012, 21:20
von Fabia
Meine Tochter hatte das auch einige Zeit. Ihr "Problem" damals war, dass sie so große Schlucke erwischt hat, dass ihr das einfach weh tat (so als ob wir selbst auch einen Riesenschluck hinunterwürgen - tut auch ziemlich weh). Ich hab dann in dem Fall immer Aufstoßen lassen, hab sie dabei über meine Schulter gehängt - klingt zwar brutal, aber das hat mir unsere Hebamme gezeigt und hat genial geholfen. Ihre Position war so, dass sie ziemlich mittig auf meiner Schulter lag (sodass ich sie theoretisch nicht halten hätte müssen, weil gleich viel Gewicht vorne und hinten war) und mit dem Kopf hinter meinem Kopf nach unten blickte (ich hoffe das war verständlich) und bin so mit ihr durchs Zimmer spaziert. Es hat zwar manchmal total lang gedauert (bis zu 20 min) bis die Luft wieder heroben war, aber danach konnte sie ganz ruhig weitertrinken.
Vielleicht hilft es ja bei euch auch?