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Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 16.07.2012, 23:24
von 4tiere
Ich hoffe, ihr könnt mir Diskussions-Argumente liefern oder mich korregieren.
Eine Bekannte behauptet steif und fest, ihr Kind sei damals zu schwer gewesen (70 cm - 12kg) und sie habe daher schon früh mit Beikost angefangen, damit es nicht noch weiter zu schwer wurde. Als ich entgegnete, dass Stillkinder nicht zu dick werden können, sagte sie mir, die Milch sei untersucht worden und die sei zu fett gewesen. (Kann die überhaupt aussagekräftig untersucht werden?) Sie sei aber auch die erste Frau bei ihrem Kinderarzt, die sowas hätte.
Ich kann es einfach nicht glauben (lasse mich aber gerne belehren) und da sie damit hausieren geht und finde ich es wichtig, es ggf. richtig zu stellen, damit nicht noch weitere "Ammenmärchen" (wenn es denn eins ist) verbreitet werden.
Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 09:14
von MelCoGo
ich kann mir das nicht wirklich vorstellen...
Meine Schwägerin in spe ist Kinderkrankenschwester, die sagte immer zu mir, gestillte Kinder dürfen soviel trinken wie sie wollen, zu dick könnten die davon nicht werden...
Mein Kleiner ist auch immer gut beieinander gewesen, also schöne Speckbeinchen, aber nach 10 Tagen Virus-Infekt sind die schon gut weggeschmolzen. Ausserdem läuft er seit 4 Wochen und ist nicht mehr zu bremsen, das verbrennt auch, er hat grad noch nen Schuß in die Höhe gemacht und sieht nicht mehr "speckig" aus.
Ich denke eher, daß man Kinder mit Flaschennahrung dick füttern kann, denn da ist die Zusammensetzung immer gleich. Bei der MuMi verändert sich die Zusammensetzung mehrmals im Laufe der Zeit. Und für den ersten Durst kommt ja dünnere Vormilch, die macht net wirklich satt und dick!
Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 09:22
von hexedoro
Zum Einen frage ich mich, wie das untersucht worden ist? Der Fettgehalt der Muttermilch schwankt ja z.B. innerhalb der Mahlzeiten, innerhalb eines Tages usw? Aber da wissen bestimmt die Profis was

.
Zum Anderen war mein Kleiner auch ganz schön speckig (bei 69cm 10700g, 72cm und 11840g), total aus der Kurve raus. Die Kinderärzte haben aber beide immer gesagt, solange das Stillspeck ist, ist es kein Problem. Jetzt mit zwei ist er völlig normal gebaut, obwohl ich noch viel stille und Beikost erst ziemlich spät kam.
Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 09:32
von Mondenkind
4tiere hat geschrieben: sagte sie mir, die Milch sei untersucht worden und die sei zu fett gewesen. (Kann die überhaupt aussagekräftig untersucht werden?)
Ja, die kann aussagekräftig untersucht werden. Aber sie kann nicht zu fett sein

. Mit der Länge der Stillmahlzeit nimmt der Fettgehalt der Milch zu. Durch ein spezielles Pumpmanagement kann man sogar sehr fette Milch gewinnen, die man dann wiederrum aufrahmen lassen kann und dann gibt man den fetten Teil Frühchen oder kranken Kindern. An der Brust sich selbst zu fett trinken kann ein Kind sich aber nicht. Sowas kann man auch als Kia wissen. Allerdings vermute ich in Eurem Fall eher, dass die Mutter eine Entschuldigung fürs weniger stillen/ABstillen/frühe Beikost sucht. *reinhypothetisch*
Liebe Grüße, Mondenkind, Modteam Stillberatung
Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 09:56
von AnnaKatharina
Joa, meiner Großmutter wurde damals (in den 50ern) auch gesagt, sie habe 'zu fette Milch' und das sei der Grund, warum das Kind so spucke. Also wurde schwuppdiwupp abgestillt und ab da spuckte das Kind dann halt keine Muttermilch mehr aus, sondern Pulvermilch
Ich würde mal sagen: Humbug!
(Aber wir wissen doch alle, dass sie Milch nach 4, spätestens 6 Monaten "zu dünn" wird, quasi nur noch aus Wasser besteht, weswegen dass Kind dann UNBEDINGT Beikost bracht. Da kann es doch auch das Gegenteil geben, Muttersahne sozusagen.)

Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 10:33
von 4tiere
Danke für eure Antworten!
@Mondenkind: Gibt es irgendwo ein Link, wo das so zu sagen wissenschaftlich erklärt wird, dass das nicht geht?
Sie faselte etwas von, normalerweise würde ein Baby überflüssige Milch wieder ausspucken und wenn es das nicht täte, würde es eben zu dick werden.
Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 10:42
von EhMiKS
Lass sie doch in ihrem Glauben.... in ihrem Kopf wird die Geschichte ja sowieso so bleiben.

Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 11:08
von 4tiere
Ja, da hast du ja irgendwie recht, katinka_s. Aber sie will ein weiteres Kind und denkt, sie dürfe nicht so viel stillen.
Ich will es ja einmal versuchen, dafür benötige ich fundierte Argumente und dann lasse ich es. Versprochen!

Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 11:16
von blueberry
Mein Kind wog mit einem halben Jahr 10 kg, mit einem Jahr 12kg und das immer bei Durchschnittsgröße - er lag also gewichtsmäßig teilweise 1,5 kg über der 97. Perzentile im U-Heft
In der Kinderneurologie in der Kinderklinik, beim SPZ und beim KiA fragte man mich daraufhin immer, was er zu essen bekomme, und als ich (im ersten halben Jahr "vollgestillt nach Bedarf" und danach "überwiegend gestillt nach Bedarf, dazu gesundes ausgewogenes Fingerfood als Beikost in freier Auswahl" sagte, winkten alle ab und sagten, der Ernährungszustand sei nicht verbesserbar und da es durchs Stillen komme, sei das Gewicht nicht bedenklich, bei Formelmilch hätten sie aber genauer hingeschaut. Jetzt ist er zwei Jahre alt und wiegt immernoch 12 kg bei Durchschnittsgröße, ist also inzwischen völlig durchschnittsschlank. Ganz von selbst, ohne Diät.
Wenn jemand Milch analysiert und dann sagt "zu fett" hat er aber was grundsätzlich nicht verstanden über den Stillvorgang und die Schwankung der Fettmenge in der Milch! Das finde ich eher bedenklich für einen KiA

Re: Zu fette Muttermilch - Gibt es das wirklich?
Verfasst: 17.07.2012, 11:29
von blueberry
4tiere hat geschrieben:Danke für eure Antworten!
@Mondenkind: Gibt es irgendwo ein Link, wo das so zu sagen wissenschaftlich erklärt wird, dass das nicht geht?
Sie faselte etwas von, normalerweise würde ein Baby überflüssige Milch wieder ausspucken und wenn es das nicht täte, würde es eben zu dick werden.
Achso, dazu habe ich leider nichts, wäre aber auch mal interessiert dran
Man kann aber sicherlich argumentieren, dass ein Baby natürlich NICHT einzig und allein durch Wieder-Ausspucken den "Fett-Intake" reguliert. Was für eine Verschwendung, wenn die Natur das wirklich so regeln würde
Babys lernen a) relativ schnell, so zu nuckeln, dass sie keinen neuen Milchspendereflex auslösen um einfach nur zur Beruhigung zu nuckeln ODER eben einen weiteren auszulösen und damit auch gleichzeitig den Fettgehalt der Milch zu steigern im Laufe der Mahlzeit, b) durch die Länge/Kürze der Mahlzeit und die Zahl der ausgelösten Milchspendereflexe den Fettgehalt zu regulieren, c) durch die Abstände zwischen den Mahlzeiten den Fettgehalt zu regulieren, d) durch das Trinken nur einer Brust oder beider Brüste bei einer Mahlzeit den Fettgehalt zu regulieren.
Wenn man da nicht eingreift, indem man feste Mahlzeitslängen, feste Wechselintervalle zwischen den Seiten bei einer Mahlzeit, Schnuller, feste Zeiten zwischen den Mahlzeiten etc. von außen für das Kind festlegt, KANN es also nicht überfüttert werden, weil es den Fettgehalt völlig selbstbestimmt reguliert.
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Zum Fettgehalt der MuMi hatten wir übrigens hier mal einen guten Thread:
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... t#p2567360
mit diesem interessanten Link inkl. Bildern, die das SChwanken innerhalb einer Pumpsitzung illustrieren.
http://thefunnyshapedwoman.blogspot.de/ ... st-of.html
Je nachdem, was Deine Bekannte eingereicht hat, wie lange das Baby vorher nicht getrunken hatte, wie sein Stillverhalten zu dem Zeitpunkt war etc., kann die Milch, die sie hat analysieren lassen also sehr viel fettiger gewesen sein als die "Durchschnittsmuttermilch" die ihr Baby normalerweise trinkt
