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Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 16.07.2012, 13:55
von Fchen
Hallo liebe SuTler,

gerade habe ich mich vorgestellt, jetzt trau ich mich einfach, direkt einen Thread zu erstellen und um Hilfe zu bitten.

Vorweg: Ich weiss, dass es in meinem Fall keine einfache Lösung gibt. Ich schreib einfach mal meine Gedanken auf... so gut sortiert wie möglich... und bitte Euch einfach mal um Eure Meinungen. Es wird bestimmt ein etwas längeres Post... ich versuche aber, mich aufs Wesentliche zu beschränken *versprech*.
Ich weiss auch, dass es Stillberatungen gibt, wäre aber dankbar, wenn ich hier einfach mal Eure Gedanken bekomme und nicht nur auf Stillberatungen verwiesen werde (die ich in dem Fall, wenn ich mich fürs Stillen meines Sohnes entscheide, vermutlich auch eh in Anspruch nehmen werde).

Zur Situation: Meine Zwillinge wurden am 09.04.12 geboren. Meine Tochter konnte ich nach anfänglichen, sicher auch "normalen" Problemen direkt stillen. Mein Sohn kann aufgrund einer Gaumenspalte mit Pierre-Robin-Sequenz nicht stillen.
(An dieser Stelle: Ja, ich weiss, auch Spaltenkinder können stillen. Aber glaubt mir einfach, dass wir es -auch mit professioneller Hilfe- wirklich probiert haben und es einfach nicht klappen wollte). Er kann daher auch nicht aus herkömmlichen Saugern trinken, es klappt aber mit dem Habermann sehr gut.

Nun wird er aber im August operiert und die Ursache, weshalb er nicht stillen kann, grundsätzlich behoben.
Ich überlege daher, ob ich nicht doch noch versuchen soll, ihn nach der OP richtig zu stillen. Er trinkt nur abgepumpte Milch, an der Milchmenge scheitert es also nicht. Aber ich bin mir unsicher, ob es a) überhaupt klappen kann nach der langen Zeit und b) es überhaupt sinnvoll ist.
Naja, ob es klappen kann... das werd ich wohl einfach auf mich zukommen lassen müssen. Ich frag mich nur, ob es sinnvoll ist, es zu versuchen? Unsere Situation ist sicher auch wegen der Zwillinge etwas besonders.

Ich versuche einfach mal, pro und contra aufzuführen, ok?

Pro:
- an meiner Tochter merke ich, wieviel ihr Stillen bedeutet. Wie schlimm es auch sein mag... anlegen und aller Kummer ist vergessen. Natürlich nicht immer, aber oft. Das ist etwas, was ich auch gern meinem Sohn schenken würde.

- ich kann gewährleisten, dass er MuMi bekommt. Denn: Das Abpumpen gestaltet sich einfach zeitlich bei zunehmenden Wachphasen immer schwieriger. Ein Kind ist immer wach! Stillen meiner Tochter und Pumpen für meinen Sohn gleichzeitig klappt grundsätzlich super, vermiest mir aber das entspannte Stillen. Beide zu stillen wäre wundervoll!

- Ich würde von der Tendenz gerne länger stillen. Aber wie wird es für meinen Sohn sein, wenn er "aktiv" mitbekommt, dass seine Schwester "kann" und "darf" und er nicht? Oder er gar Ersatzmilch trinken "muss", weil ich irgendwann mit dem Pumpen nicht mehr genügend stimulieren kann? Ich habe Sorge, dass er sich benachteiligt fühlt. Fast lieber würde ich dann eher meine Tochter abstillen, damit die Situation für beide gleich ist... aber abstillen möchte ich dann für meine Tochter halt eben auch nicht. Auch hier: Beide Stillen wäre wundervoll!

Jetzt kommt das grosse Aber...

Contra:

- mein Sohn ist nach einer wirklichen Odyssee mit Stillversuchen, gefühlten 100 getesten Saugern, Magensonden und Infusionen endlich glücklich mit seinem Habermann. Es klappt toll... never touch a running system?
Ich hab Sorge, ihn zu verwirren?

- ist mein "Trostgedanke" (siehe Pro-Argumente) nicht überbewertet? Eine nette Dame von LLL gab mir den Tipp, ihn einfach beim Füttern in eine Stillposition zu bringen, möglich direkt an meiner/Papas Haut. Kuschelfaktor ist also ja schon gegeben?

- der Papa füttert! Und der Papa möchte es sich eigentlich auch nicht nehmen lassen... die beiden haben fast eine eigene Stillbeziehung. Das ist nicht nur schön, sondern auch praktisch... ich kann mich unserer Tochter widmen. Beide gleichzeitig zu versorgen geht zwar auch, so ist es aber für das jeweilige Kind schöner.

- Ist es überhaupt umsetzbar? Mein Mann ist täglich 6-7 Stunden weg. Es ist schon schwierig genug, beide Kinder gleichzeitig zu versorgen. Flasche mit Habermann und Stillen klappt mittlerweile super. Wenn ich mir vorstelle, ich sitze dann "ewig" mit dem Brusternährungsset da... das ist gerade mit den Zwillingen für mich schwer umsetzbar. In der Zeit, die ich durchs Flasche geben spare, kann ich mit beiden gemeinsam kuscheln und spielen... oder halt: die eh spärlichen Momente des gemeinsamen Schlafens fürs Pumpen nutzen.


So...*lufthol*... das war das Wichtigste, denke ich. Wie gesagt, über Eure Gedanken und Tipps wäre ich dankbar.
Auch über Erfahrungsberichte von "Pump-Mamas"... einfach, wie es bei Euch so geklappt und habt und wie lange ihr pumpstillen konntet.


Wer bis hierhin nicht aufgegeben hat... Danke fürs Zulesen... und vielleicht auch Danke fürs Antworten!

Liebe Grüße,

das Fchen

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 16.07.2012, 18:35
von Momolina
Wow, da habt ihr ja was mitgemacht...
Leider kann ich Dir nicht wirklich was raten, wollte DIch aber auch nicht einfach wegklicken...
Hm, die Situation ist schwierig, klar. Und bei beiden Kindern es unterschiedlich zu machen ist gewiss schwierig. Ich persönlich würde das Stillen versuchen wollen. Vielleicht klappt es ja. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er auf gGrund dieses Versuchs nicht mehr mit Habermann tirnkt. Und vielleicht könnt ihr dann mit ihm zweigleisig fahren - bist du alleine, stillst Du beide und ist Dein Mann da, darf er "stillen"... So wäre es vielleicht eine gute Lösung für Euch alle?

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 16.07.2012, 21:29
von schokoliebe
Hallo Fchen,
ich finde es toll wie Du versuchst Deinen Kindern das Beste zu geben, das spüren die beiden und das ist das Wichtigste!
Einen Rat habe ich leider nicht für Dich und Eure schwierige Situation.
Ich war bei meinem Großen auch erst Pumpstillmama, weil er zu früh geboren wurde und eine Saugschwäche hatte. Vom BES hatte ich damals keine Ahnung und daher hat er die ersten sechs Wochen Magensonde bzw. Fläschchen bekommen, und erst als er 6 Wochen alt war haben meine Stillversuche plötzlich nicht in Gebrüll geendet, sondern er hat dann immer öfter und besser getrunken.

Ich weiss jetzt nicht genau was der Habermann-Sauger ist, aber vielleicht muss er sich nach der OP sowieso trinktechnisch umgewöhnen, warum dann nicht an die Brust?

Jedenfalls wünsche ich Euch alles Gute und dass Deinem Sohn mit der OP gut geholfen ist!

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 16.07.2012, 22:11
von Petra40
Hallo,

unsere Situation ist mit eurer in einigen Punkten vergleichbar. Vielleicht hilft es dir, wenn ich dir einige unserer Probleme und Wege, damit umzugehen schildere.
Unsere Zwillingsmädchen habe ich auf Grund einer Saugverwirrung sieben Monate lang beide pumpgestillt, danach hat eine tatsächlich noch die Umstellung auf die Brust geschafft, die andere hat dann noch ein weiteres Jahr abgempumpte Muttermilch bekommen.

Inzwischen sind sie fast zwei. Auch ich hatte Angst, dass sich eine Eifersucht auf das gestillte Kind einstellen könnte, und tatsächlich ist das im Moment gelegentlich der Fall. Trotzdem möchte ich deshalb nicht abstillen - die Kinder werden nach ihen jeweiligen Bedürfnissen betreut, und interessanterweise akzeptiert mein "Flaschenkind" trotz nicht vorhandener Saugtechnik die immer wieder angebotene Brust gelegentlich zum spielerischen Ausprobieren und kurzen Kuscheln - dass sie darf, merkt sie also schon. Gelegentlich haben beide auch, wenn ich mal mit dem Abpumpen nicht nachgekommen bin, eine kleine Portion Pre bekommen. Damals war das niederschmetternd fùr mich - rückblickend würde ich da etwas entspannter rangehen, zumal den Kindern ja nicht bewusst ist, welche Milch sie nun aus der Flasche bekommen.

Ich glaube, ich würde es an deiner Stelle einfach probieren. Vielleicht kannst du deinen Sohn ja einfach immer wieder mal anlegen, solange er das akzeptiert, ohne Stresssymptome zu zeigen. Möglicherweise akzeptiert er ja auch Brust und Flasche. Ich finde es sehr berührend, dass du schreibst, dein Mann habe eine eigene "Stillbeziehung" mit deinem Sohn. Und gerade mit Zwillingen hat das ja durchaus auch nicht zu verachtende praktische Vorteile.

Probieren würde ich das Stillen auf jeden Fall und dabei möglichst kreativ und flexibel sein.


Alles Liebe für euch!
Petra

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 18.07.2012, 02:25
von Fchen
Danke Euch für die Antworten. Besonders Petras Antwort ist sehr hilfreich... und auch sehr ermutigend.

@ Schokoliebe
Der Habermann ist ein Spezialsauger, der sozusagen Trinken ohne Saugen ermöglicht. Dass ist nämlich das Problem - das kann er nicht.


Ich hab jetzt auch nochmal ein Weilchen darüber nachgedacht. Und bin zu dem Entschluß gekommen, dass ich es ja eigentlich gerne versuchen würde... aber einfach die Umsetzbarkeit nicht sehe.
Ich biete meinem Sohn die Brust immer mal wieder zum Spielen an, ich beträufel sie dann auch mal mit Milch. Das interessiert ihn meist aber mäßig... er hat es ja nie richtig kennengelernt. Ich denke schon, dass er das Trinken aus der Brust (oder einem normalen Sauger) schon wirklich erlernen muss... ohne Brusternährungsset kann ich es mir eigentlich kaum vorstellen. Und das stell ich mir dann zeitaufwendig vor... und eben allein schwierig umsetzbar.
Hm.
Aber: Versuch macht kluch. Wer weiss, vielleicht stell ich es mir doch zu kompliziert vor?

Wenn es wirklich nicht klappt, werd ich wohl nochmal darüber grübeln. Dass er sich später ungerecht behandelt fühlen könnte, macht mir schon Sorgen.


Liebe Grüße,

das Fchen

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 18.07.2012, 12:01
von Fchen
Ich schubs nochmal kurz hoch. Denn was mich interessieren würde:

Hat jemand vielleicht Erfahrungsberichte zum Brusternährungsset für mich? Wie es so geklappt hat, ob Ihr erfolgreich wieder stillen konntet und wenn ja, wie lange es so gedauert hat?

Liebe Grüße,

das Fchen

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 18.07.2012, 12:25
von Lucccy
Hallo Fchen,

ich habe Dein Posting entdeckt und kann Dir auch "nur" mit der Erfahrung weiterhelfen, dass ich einen Einling umgewöhnt habe vom Pumpstillen über Saughütchen direkt an die Brust.

Was mir sehr gut geholfen hat, war mein Mann und seine Unterstützung. Gäbe es die Möglichkeit, dass Dein Mann die Tage nach der OP zu Hause ist und Du Zeit für Anlegeversuche ohne den Stress mit dem zweiten Baby hast?

Gruß Lucccy

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 18.07.2012, 14:01
von Fchen
Lucccy hat geschrieben:
Was mir sehr gut geholfen hat, war mein Mann und seine Unterstützung. Gäbe es die Möglichkeit, dass Dein Mann die Tage nach der OP zu Hause ist und Du Zeit für Anlegeversuche ohne den Stress mit dem zweiten Baby hast?

Gruß Lucccy
Das wäre so schön... wird aber vermutlich nichts werden *seufz*.

Liebe Grüße,

das Fchen

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 28.08.2012, 10:37
von Fchen
Ich hole meinen Thread mal rauf :wink: .

Ich möchte ganz herzlich bei Julia bedanken, die sich viel, viel Zeit für mich genommen hat und sich lange mit mir per PN ausgetauscht hat. Danke, liebe Julia!

Ich wollte Julia gerade nochmal ein PN schreiben, aber ich dachte, ich schreib es mal "öffentlich", vielleicht ist es ja für den ein oder anderen auch von Interesse.

Mein Sohn ist nun operiert. Sogesehen hat alles gut geklappt, wir waren 2 Tage später wieder daheim.
Seine ersten Trinkversuche hat er noch am Tag der OP gemacht, er zeigte - nachdem er ja noch nie in seinem Leben wirklich gesaugt hat - reflektorisches Saugen.

Doch von "alles prima" sind wir noch weit entfernt :cry: . Zwar kommt er auf ausreichende Mengen Milch, aber die Mahlzeiten sind schon arg unangenehm für ihn.
Manchmal hat er sichtbare Schmerzen - aber ich habe auch den Endruck, als sei er ein "wenig" verwirrt, weil sich jetzt alles anders anfühlt? Er wechselt auch ein wenig "unbeholfen" vom Saugen ins "passive Trinken".
Trinken tut er weiterhin aus dem Habermann - das klappt besser als Versuche mit "normalen" Sauger oder Bechern.
"Einfach mal so" an die Brust (ohne BES, mit ein paar Tropfen Milch) klappte gar nicht.

Für mich steht fest, dass ich es gern mit dem BES probieren möchte.
Ich bin nur unsicher wegen des Zeitpunktes.
Er zeigt JETZT das reflektorische Saugen - ich habe Angst, dass er es wieder "verliert".
ABER: Ich würde gerne noch 1-2 Wochen warten, bis sich alles etwas normalisiert hat. Er ist schnell wütend und unglücklich, weil das Trinken eh schon so lange dauert. Außerdem bin ich ziemlich fertig - es ist emotional sehr belastend. Ich bin gerade auch glücklich, dass mein Mann füttert - meine Tochter nimmt die Situation gerade entweder auch sehr mit oder sie ist aktuell in einem Schub, auf jeden Fall will sie aktuell wieder sehr häufig stillen und konnte erstmals heute auch nur angedockt schlafen.

Was meint Ihr? Wie wichtig ist es, "sofort" loszulegen?

Euer Fchen

Re: Vom Pumpstillen weg?

Verfasst: 28.08.2012, 10:54
von jusl
Hallo Fchen,

Ja, gerne wieder hier im Thread. :D
Du hast Recht, es ist günstig auf die Signale zu achten und zu nutzen - es ist ja schon ein Riesenerfolg, dass Dein Sohn jetzt reflexhaftes Saugen zeigt.
Ich bin zuversichtlich, dass dieses nicht innerhalb von 1-2 Wochen verschwindet. Saugt er denn z.B. schon an einem Schnuller oder Deinem kleinen Finger o.ä.?

Ein Versuch mit dem BES kommt sicher in Frage. Aber: Wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass Du mit Kraft und Zuversicht, Geduld und Ausdauer an die Sache herangehen kannst. Wenn Deine Ressourcen dies momentan nicht zulassen, wegen Erschöpfung und sehr verständlicher emotionaler Belastung usw., dann ist das eben so. Nicht zu ändern - ein Versuch mit dem BES (der dann vermutlich scheitern bzw. sich als sehr schwierig usw. erweisen würde) wäre in meinen Augen dann irgendwie "verschwendet"... unnötiger Stress. Von daher: Ich würde noch warten. Bis die Umstände, Unterstützung, Kraftreserven usw. günstiger sind, und Du morgens mit dem Gefühl aufwachst: "Jippijahjah, ich fühle, heute ist der Tag, an dem es klappen könnte, ich gehe es jetzt an." ;-)

Was meinst Du dazu?

LG
Julia