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Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 29.04.2012, 22:53
von SophiesWelt
Ich habe vor Kurzem eine Mutter kennengelernt, die Windelfrei kannte, aber meinte, sie hat das bei ihren Kindern nicht gemacht, weil sie das nicht stimmig fand...
Die Antwort hat mich irgendwie verunsichert... ich kann mir nicht vorstellen, was gegen Windelfrei sprechen könnte? Außer die eigene Faulheit/Angst...aber so war das glaub ich nicht gemeint.

Kennt ihr Argumente gegen Windelfrei (die nicht von Unwissenheit kommen)??? Kann es sein, dass sich das mit der Pikler-Pädagogik nicht verträgt? Das wäre dann für mich eine Erklärung, denn diese Mutter leitet auch Pikler SpielRäume.

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 07:54
von EhUKr
Ich hab beim ersten Kind ein paar Monate Windefrei gemacht und bin dann auf Windeln umgestigen, beim zweiten habe ich nur noch gewickelt. Ich fand windelfrei stressig und ich wollte meine Engergy und meine Aufmerksamkeit lieber fuer anderes verwenden, obwohl wir durchaus Zeiten hatten, in denen es sehr gut lief. Dieser staendige Fokus auf die Ausscheidungen fand ich anstrengend und es nahm fuer mich einfach zu viel Zeit und Platz ein. Ausserdem sass bei uns das Kind eben doch auch oefters in seinen Ausscheidungen, und wollte dann oft auch nicht gewechselt werden.

Liebe Gruesse

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 10:56
von Lösche Benutzer 5914
Ich denke im Nachhinein auch, dass bei uns Pipi und AA einen zu großen Stellenwert in der Kinderbetreuung eingenommen hat. Am Anfang wollte ich unbedingt jedes Pipi erwischen und auch unterwegs habe ich immer abgehalten, auch wenn ich im Winter mit Kind unter der Tragejacke mitten in der Stadt war. (Jacke aus, Kind aus dem Tuch halten, Ort zum Pipi machen suchen, Winterklamotten ausziehen, Töpfchen rauskramen und dann das ganze wieder retour...)
Ich würde immer wieder windelfrei machen, aber ich möchte mir beim nächsten Kind nicht mehr so einen Stress machen.
Talita ist nun trocken mit 2 Jahren und 4 Monaten. Das ist ein "normales" Alter, viele Spielkameraden von Talita, die nicht wf sind, sind nun auch trocken und angesichts dessen frage ich mich manchmal, warum ich mir so viel Stress gemacht habe. Zuhause vollzeit windelfrei machen würde ich immer wieder. Aber ob das Pipi da auf einem Handtuch landet oder im Eimer lasse ich mir vielleicht einfach etwas egaler sein. - Hoffe ich... :wink:

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 11:29
von Karinke
Nun, wenn es zu einem Leistungssport ausartet wäre ich auch nicht dafür gewesen. Ich kannte WF ja nicht. Meine Tochter hat es mir beigebracht, als sie 3 Wochen alt war. Ich praktizierte es nur Teilzeit, und nur in dem Rahmen, wie sie es auch einforderte. Vollzeit wäre für mich nicht Stimmig gewesen. Erst jetzt, wo sie beim Einkleiden etwas Mitspracherecht hat, darf sie entscheiden ob Unterhose oder Windel. So kommt es, dass sie nun mit 16.5 mt. 95% Trocken ist. Sie braucht einzig, weil sie noch nicht selber gehen will und steht, etwas Hilfe um auf den Topf zu kommen. Teilt sich aber zuverlässig mit. Somit haben wir die Windel nur noch an orten an, wo wir uns einig sind, dass wir uns nicht noch darauf konzentrieren wollen.

Für mich die Bedingung dass WF "Zulässig" ist, ist, dass es auf Gegenseitigkeit beruht, und druckfrei geschieht. Ansonsten muss ich davon abraten.

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 11:30
von giraffchen84
Ich schließe mich mal ganz faul Talismama an.

Ich weiß noch nicht, ob ich es beim Zweiten üebrhaupt probieren werde.
Ich denke, es passt nicht so prima un unsre Klimazone. Mein Sohn fand es null lustig, im Winter abgehalten zu werden....

Ich denke, es ist so eine Sache, die indische/ afrikanische etc Mamas so nebenbei machen, so, wie man selber irgendwann das Stillen als "Nebensächlichkeit" betrachtet,, die man eben so nebenbei macht.
Hierzulande ist es aber irgendwie ein wahnsinns Aufwand, mit Backup Höschen, vollgepinkelten Sofas, Teppichböden etc.

Unser Ergebis: Ein Kind, das sich jetz mit 2 gegen Jede Art von Toilette und Töpchen wehrt und sich noch nicht mal wickeln lässt. Wir wickeln wieder Vollzeit, Trochenwerden ist nicht in Sicht und ich bezweifel,
das es für die Kinder soooooo mega wichtig ist als das man da so einen Hype drum machen müsste. Meinem Sohn ist/ war es das jedenfalls nicht, der hätte auf windelfrei gut und gerne verzichgten können.

Für mich ist es nach der Erfahrung auch nicht mehr stimmig. Ich mache das mein nächsten Kind komplett vom Kind abhängig. Sollte ich deutliche, widerkehrende Signale sehen und ein Bedürfnis erkennen können,
werde ich bestimmt ab und an abhalten. Mein Sohn jedoch hat sowas nie gemacht und ich habe immer gareten und geraten und abgehalten etc. Voll der Stress. Ne danke, habe echt genug zu tun.

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 11:56
von Sibi
Wir sind ja noch lange nicht durch mit dem Thema Windeln bzw. Windelfrei. Auch wenn wir heute das erste mal ein sich selbständig auf das Töpfchen setzendes Kind hatten - sie kann erst seit letzter Woche laufen und frei aufstehen/setzen, so dass sie jetzt auch allein auf's Töpfchen kommt.

Wir haben immer "windelfrei für Faule" gemacht, also immer mit WWW, ganz selten Stoffies. Unterwegs beim Tragen waren die Signale überdeutlich (bis hin zum Geschrei). Zu Hause weniger, da habe ich sie oft einfach mit auf Toilette genommen, wenn ich gehen musste oder eben nach Intuition. Mal läuft es gut und es wird nur eine Windel am Tag nass, mal läuft es anders und es gibt 6-7 nasse Windeln. Ist halt so.

Für mich ist es stimmig und ich würde es immer wieder so machen. Aus den "klassischen" Argumenten, die windelfrei hat: Kommunikation, kein Sitzen in Ausscheidungen, Beibehalten des Körpergefühls. Ich kann aber auch verstehen, dass der totale Verzicht auf Windeln Stress mit sich bringt. Ehrlich gesagt, habe ich nie verstanden, wie das einige von Euch durchhalten.

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 12:15
von Lösche Benutzer 5914
Also retrospektiv würde ich sagen, dass nicht der völlige Verzicht auf Windeln Stress mit sich bringt, sondern der Ehrgeiz, es möglich "gut" oder "richtig" zu machen.

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 12:22
von Sibi
Das stimmt sicher, aber ich finde für mich persönlich, macht eine feuchte Windel oder selten auch mal eine schmutzige weniger Stress, als wenn ich das ganze von Teppich, Couch oder ähnlichem wegwischen muss. Ich glaube, das setzt man sich dann leicht unter Stress, um genau das zu vermeiden. (Wäre bei mir zumindest so.)

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 12:27
von Lösche Benutzer 5914
Als wir mit windelfrei anfingen, habe ich mir im Familien- und Bekanntenkreis erstmal zig kleine Handtücher zusammen gesammelt und habe in jedem Zimmer einen Haufen mit Handtücher liegen gehabt, die ich einfach immer unter gelegt habe. Anschließend alles in die 60Grad Tonne, fertig. Wir hatten Stoffis zum Wickeln geplant und ich habe immer gesagt, dass es mir egal ist, ob ich nasse Stoffis oder Handtücher wasche.

Re: Was spricht gegen Windelfrei?

Verfasst: 30.04.2012, 12:32
von merry
Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und mich auch schon gefragt, ob ich es beim nächsten Kind noch mal machen würde. Dazu muss ich sagen: es kommt auf das Kind an. Im Moment sind wir bei Teilzeit-Windelfrei. Meine Maus ist 11 Monate alt. Morgens nach dem Aufstehen sitzt sie auf dem Töpfchen und macht da recht zuverlässig ihre beiden Geschäfte. Wenn sie in der Krippe ist, wird sie mit Stoffies gewickelt (alles andere verträgt sie nicht) und nachmittags mache ich es von meinem Aufenthaltsort (Innenstadt, Spielplatz, Park, Wohnung) abhängig UND von meinem Befinden. Wenn ich total groggy bin und mir alleine schon zwei Kinder reichen, bekommt sie auch schon mal eine Windel an. Das sage ich ihr dann aber, warum - irgendwie habe ich schon das Gefühl, dass sie mich versteht.
Bei AA muss ich schon dolle taub auf den Ohren sein (aber auch das kommt vor, z.B. wenn sie wegen Zahnen dauerquengelt) bevor es in die Windel geht. Nachts meldet sie sich mal sehr zuverlässig und ich benutzte "tagelang" dieselbe Windel, mal darf ich nur die vollgepiescherte Windel im Halbschlaf wechseln.

Mein Fazit: es hängt von Kind, Mutter, Situation, Aufenthaltsort, aktuelles Befinden der Beteiligten (da schließe ich auch den großen Bruder mit ein), etc. ab, ob windelfrei, Backup oder Windel.
Und ich denke, so würde ich das beim nächsten Kind auch machen. Ich muss nämlich schon sagen, dass ich sehr sehr froh bin, kaum Stinkewindeln wechseln zu müssen, sondern dass das meiste direkt im Abwasser verschwindet 8) DAS ist für mich ein dickes Plus bei windelfrei. Ansonsten ist das Pipi-"Backup"-wechseln manchmal schon sehr anstrengend :lol:

Merry mit Zaubermaus