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Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 13:45
von netty
Hallo Ihr Lieben,

meine Kleine ist jetzt mitlerweile 8 Wochen.
Am Anfang hat das Stillen sehr gut geklappt (stetige Zunhame).
Dann kam der Stress mit meiner älteren Tochter dazu und die Milch wurde einseitig weniger und meine Tochter mochte nicht mehr an die Brust und nahm ab.
Nun ist es so, dass sie Nachts eine Große Portion Milch aus der Brust bekommt (lt. Waage zwischen 100 und 120g) und danach wieder friedlich eingeschlafen ist.
Tagsüber trinkt sie nur zwischen 30-60 g (lt Waage) und das reicht ihr natürlich nicht aus und verlangt somit nach mehr (Flasche)
Dies geht jetzt schon ein paar Tage so. Die Brust ist auch wirklich leer getrunken, da ich selbst mit der Milchpumpe nichts mehr raus bekomme und meine Tochter
schreit dann die Brust an und will nicht mehr ran und andocken.
Ist da noch was zu retten?
Meien Hebamme weiß keinen Rat mehr und eine Stillberaterin scheint es hier in meiner Nähe nicht zu geben.
Zur Milchförderung trinke ich Stillttee, abends ein alk.freies Weizen und nehme Schüssler Nr. 4 Kalium Chloratum
Ich würde doch so gerne wieder voll stillen.
Hilfe!!!

Vielen lieben Dank!

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 13:52
von jusl
Hallo Netty,

da ist bestimmt noch was zu retten, ich brauch aber mehr Infos. Was genau war denn der Stress mit Deiner älteren Tochter? Denn STRESS haben mehr oder weniger wohl alle Mütter, insb. die Müttern mit mehreren Kindern. Aber davon allein nimmt kein Stillbaby ab...
Schau mal hier, da findest Du alle wichtigen Hinweise zu den benötigten Informationen: Wie funktioniert Stillberatung hier im SuT?

Danke und liebe Grüße
Julia

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 14:11
von netty
Danke liebe Julia,

der Stress ist, dass sie mit 20 Monaten nicht läuft (sie will, aber kann nicht; steht nicht frei; hinkt mit einem Bein, setzt einen Fuß nicht richtig auf, dreht das Bein nach innen usw.) und sie deswegen jetzt bald neurologisch untersucht werden muss. Wir machen uns große Sorgen deswegen und die Situation ist für uns insgesamt sehr belastend.
Leider kann ich nicht viele Gewichtsangeben machen, aber meine Hebamme mailt mir die Tage mal die Gewichtsangaben.
Jetzt hat sie aktuell ein Gewicht von 4200g allerdings auch durch zufüttern.

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 14:16
von netty
Startgewicht 3115g 11.02.2012
U2: 3130g 16.02.2012
U3: 3860g 28.03.2012
Hebamme: 4200g 10.04.2012

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 15:33
von jusl
Vielen Dank für die Gewichtsangaben. Wie viel, wie oft und seit wann genau fütterst Du denn zu? Wie oft in 24 Stunden stillt Ihr für gewöhnlich? Wie klappt das Stillen an sich? Sorry fürs Nachbohren, aber ohne diese Infos kann ich Dich nicht richtig beraten.

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 15:56
von netty
Kein Problem, freu mich ja über deine Antwort.
Seit ca 2 Wochen fütter ich zu, nachts nie und tagsüber zwischen 60 und 90ml, je nachdem wie viel sie trinken möchte.
Stillen tu ich vor jeder Flasche, das heißt so 7-8 mal in 24 Std, in der Regel für 5-10 MInuten, beide Seiten.
Sie trinkt sehr hastig und unruhig, an der Brust aber auch an der Flasche.
Nachts trink sie sehr ruhig und ausgelichen. tagsüber eher unruhig und wird dann nach einiger Zeit wütend wenn keine Milch mehr kommt und verweigert dann die Brust.
Wenn ich an der Brust drücke kommt noch Milch, aber beim Pumpen dann nicht mehr.

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 16:05
von jusl
Lass mich noch mal nachfragen: Füttest Du pro Tag EINMAL 60-90 ml zu, oder 7-8 mal pro Tag JEWEILS 60-90 ml?

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 16:06
von netty
jeweils pro Stilleinheit

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 16:33
von Sanjarok
Hi,

Mir ging es ähnlich. Ich glaube schon, dass Stress alleine dazu führen kann, dass die Milchmenge zu- oder abnimmt.
Ich habe als ich das rausgefunden habe irgendwann angefangen, die Stillmahlzeiten als eine Art "Meditation" zu betreiben, was mich jedesmal sehr runtergebracht hat vom Stress. Da durfte mich dann auch niemand mehr stören und es gab nur noch sie und mich.
Ausserdem half bei mir, mich sehr ausgewogen zu ernähren, viel inhaltsreicher als für mich alleine, und sehr viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte in der Menge die das Bäuchlein des Würmchens verträgt :-) , Ziegenmilchprodukte (verschleimt nicht so wie die Kuhmilch und hat deshalb den Körper weniger belastet), fast nur noch Vollkorn, keinen Raffinadezucker und Kaffee mehr, Nüsse, Eier, Eisentabletten. Alles frisch... Mit dieser Ernährung und ein wenig Bewegung kriegt man ALLES hin. :-)

Das war unser Weg, vielleicht ist er dir eine Anregung. Er klingt hart (v.a. Am Anfang), hat sich aber sehr gelohnt. Was dann den Stress letztlich GANZ rausgenommen hat war der Umgang mit dem Stress. Irgendwann habe ich mir jedesmal wenn der Stress kam gedacht: "Wenn ich da durchgekomme, bin ich hinterher wirklich stark". Diese Herangehensweise hat mir sehr viel gebracht.

Ich hoffe das mit deiner grossen Tochter wird noch. Mensch, ich kann dich gut verstehen! Das würde mir auch Sorgen machen, aber ich finde zuuuu spät ist es gar nicht, 22 Monate war das späteste was ich gehört habe. Ausserdem übt sie ja gerade. Was sagt denn der Arzt?
Würde mich interessieren, wie es bei euch weitergeht.. :5:

Lg Sanjy

Re: Nachts viel, tagsüber wenig Milch

Verfasst: 10.04.2012, 16:35
von jusl
Liebe Netty,
dankeschön für die Daten. Dann geh ich mal der Reihe nach:

Die durchschnittliche Gewichtszunahme liegt bei rund 130 g pro Woche. Das ist ein relativ niedriger Wert. Genaueres kann ich derzeit nicht sagen (z.B. ob aus der Gewichtsentwicklung eine Zufütterindikation ableitbar war oder nicht); dafür bräuchte ich weitere Messwerte.

Du füttest aktuell ungefähr 570 ml pro Tag zu, irgendetwas zwischen 420 und 720 ml. Babys trinken mit zwei Monaten durchschnittlich ungefähr 770 ml Muttermilch pro Tag, plus/minus 170 ml, das bedeutet: Ein Baby trinkt in dem Alter normalerweise zwischen rund 600 und 900 ml Muttermilch täglich (Quelle).
Angenommen, Dein Baby gehört zufällig zu den "600 ml- Babys" (weiß man nicht). Dann würde Eure derzeitige Zufüttermenge bedeuten, dass Ihr praktisch den kompletten Tagesbedarf zufüttert, d.h. Deine Milchproduktion ist inzwischen beinahe auf null heruntergefahren.
Angenommen, Dein Baby gehört zufällig zu den "900 ml- Babys", kann auch sein. Dann füttest Du derzeit rund 50 - 80 % des Gesamttagesbedarf zu. Das würde bedeuten, Deine Milchproduktion liegt derzeit irgendwo im Bereich 20 - 50 %.
Diese Analyse wird gestüzt durch die Ergebnisse Eurer Stillproben: 8 x 30 g Muttermilch sind 240 ml (g entspricht ml), das sind gut 30 % des Gesamttagesbedarfs. Plus die 100 ml von nachts, das sind dann zusammen wahrscheinlich 40 - 50 % des Gesamttagesbedarfs.

So weit die Fakten. Die Milchmenge hängt bekanntlich von der Nachfrage ab. Wenn also mehr produziert werden soll, muss mehr nachgefragt werden. Konkret: Wenn Du wieder voll stillen möchtest, dann ist es sinnvoll, nach und nach die Zufüttermengen verringern und das "Stillmanagement" verbessern, d.h.:
* mindestens 10-12 mal in 24 Stunden stillen. Wenn das (noch) nicht geht, evtl. zwischendurch oder während des Stillens zusätzlich abpumpen.
* keinen Schnuller anbieten.
* notwendige Zufüttermilch stillfreundlich zufüttern anstatt per Flasche, denn bei vielen jungen Babys wird die Fähigkeit, korrekt an der Brust zu saugen durch die Verwendung von Saugflaschen beeinträchtigt.

Kennst Du schon unsere Linksammlung Stillwissen? Darin findest Du Links zu den Stichworten Reduktion von Zufüttermengen, Gedeihen und Gewichtsentwicklung, Saugverwirrung und Tipps zum erfolgreichen Abpumpen.

Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich,
Rückfragen immer gerne und
LG
Julia