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Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 02.01.2012, 14:57
von Anja_UK
Was für ein Titel :oops:

Unsere Maus ist mittlerweile 23 Wochen alt und uns wird ein bisschen Stress gemacht wegen der Gewichtszunahme.

Vorab, ich stille, wenn sie mag, in den letzten drei Wochen versuche ich sie tagsüber alle zwei Stunden anzulegen, nachts meist um die vier Stunden.
Sie dreht sich auf den Bauch und wurschtelt viel rum und kann auch von Bauch auf den Rücken, wenn sie mag. Hochziehen zum Sitzen versucht sie (also diese Klappbewegung).Sie ist munter, lacht viel und findet ihren grossen Bruder toll.

Ihr Bruder (und ich ebenfalls) war und ist auch immer noch sehr dünn und auch nicht sooo groß. Der Butz ist 5 und bringt gerade mal 16,2kg auf die Waage und ist knapp110cm gross.
Ich habe Hashimoto und nehme levothyroxin.

Die Werte der Maus sind wie folgt:

bei der Geburt 3455g
mit vier Tagen 3300g
11 Tage 3540g
3 Wochen 3950g
8 Wochen 4640g (wobei ich mir da unsicher bin, ob das richtig aufgeschrieben wurde, denn erst nach dem nächsten Wiegen wuchs sie aus ihren Sachen heraus und brauchte kurz vor dem nächsten Wiegen die nächste Windelgröße)
16 Wochen 4700g
20 Wochen 4900g und hatte eine Größe von 58.5cm

Auf unserer Waage hat sie jetzt 5000g, ich weiß, dass ist nicht ideal, aber es gibt mir einen kleinen Anhaltspunkt.

Der Grosse fing an, um die 16 Wochen auf seiner Kurve zu fallen und fand dann mit 20 Wochen seine Kurve.

Die Leute, die hier wiegen, stressen mich nun, da die Maus mehr als zwei Linien auf der Kurve gefallen ist, ich soll zum Arzt gehen.

Muss ich mir Sorgen machen? Ich habe versucht zu argumentieren, dass sie ja zunimmt und dass sie einen munteren Eindruck macht. Meine Eltern, die die Maus ja nur an und zu sehen, da sie ja in Deutschland sind, sagen, dass sie wächst und auch nicht so dünn aussieht.

Meine Sorge ist jetzt, dass mir beim Arzt gesagt wird, dass ich mit Flasche zufüttern soll (sehr beliebt hier) und/ oder mit der Beikost anfangen soll.

Das einzige, was vielleicht sein könnte, ist dass die Maus spukt, wenn ich Milchprodukte esse, die lasse ich nun aber schon seit dem Beginn weg.

Ueber Hinweise und Tipps wäre ich sehr dankbar :)

Die Links oben habe ich mir übrigens schon durchgelesen, danke dafür.

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 03.01.2012, 11:53
von jusl
Hallo Anja,

hast Du jeweils noch das Klardatum zu den Gewichtswerten? Also "24.10.2011"? Bitte schreib es noch dazu. (Und entschuldige diesen Umstand, aber die Erfahrung zeigt, dass Müttern beim Umrechnen der Daten in Zeitspannen oft Fehler passieren, deshalb ist mir diese "Sorgfaltsmaßnahme" wichtig.)

LG
Julia

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 03.01.2012, 12:10
von Anja_UK
Kein Problem ;)

Hier mit Datum:

28.07.11 3455g
01.08. 3300g
04.08. 3540g
08.08.3540g
23.08. 3950g und 54cm
27.9. 4640g (das ist der Wert, wo ich mir unsicher bin, ob richtig gewogen wurde)
22.11. 4700g
20.12. 4900g und hatte eine Größe von 58.5cm

Gemessen wird hier nicht gerne und nur unter Protest, daher habe ich auch keine Größe bei der Geburt (die eine Hebamme hat gemessen, allerdings irgendwas mit 70cm am 4.8. - und geschrumpt ist die Maus nicht).

Danke fürs Schauen :)

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 03.01.2012, 13:35
von jusl
Hallo Anja,

vielen Dank für die Daten. Daraus lässt sich folgendes ableiten:

In den ersten 3 Wochen lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei über 200 g wöchentlich. Das ist durchschnittlicher, unauffälliger Wert.
Bis Ende September lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei rund 170 g, ebenfalls noch ein durchschnittlicher Wert (unter der Annahme, dass der Wert vom 27.09. korrekt ist, was im Nachhinein natürlich nicht mehr festgestellt werden kann).

So weit so gut - bis hierher gab es keinen Anlass für besondere Maßnahmen wie z.B. engmaschigere Kontrollen oder eine Änderung des Stillmanagements. Leider gibt es keinen Messwert von Ende Oktober, aber falls der Wert von Ende September korrekt war, dann hat sie DANACH in den 12 Wochen bis Ende Dez nur rund 30 g wöchentlich zugenommen, dieser Wert ist für ein Baby im Alter von 2-5 Monaten eindeutig zu gering und eine klare Indikation fürs besondere Maßnahmen. Das bedeutet normalerweise: Änderungen im Stillmanagement falls angezeigt, engmaschigere Gewichtskontrollen und Zufüttern.

Falls der Messwert von Ende September entsprechend Deiner Vermutung falsch war, ergibt sich unter Nichtbeachtung dieses Wertes:
Seit Ende August lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme - sowohl bis Ende Nov als auch bis Ende Dez - unter 60 g. Dieser Wert ist ebenfalls eindeutig zu gering. Im Dezember lag die durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme bei unter 50 g - für 4-5 Monate alte Babys ist dieser Wert zu niedrig, insbesondere wenn in den Wochen und Monaten vorher auch schon so wenig Zunahme da war.

Mein Fazit: Ob der Ende-Sep-Wert stimmt oder nicht, beeinflusst die Empfehlungen nicht, lediglich die Wahrscheinlichkeit, ob die Empfehlungen richtig sind. Denn angenommen der Wert stimmt nicht, dann liegen von August bis September GAR KEINE Gewichtsdaten vor - das ist im Falle einer möglichen Gedeihstörung ausgesprochen ungünstig. Es ist ja keineswegs ausgeschlossen, dass auch noch andere Messwerte falsch sind; weitere Daten, die einander absichern, fehlen. Wichtige Informationen sind somit nicht verfügbar, das ist bedauerlich und kann nur als eines der zahlreichen Beispiele dafür gelten, dass es eindeutig BESSER ist, wenn eher häufiger als seltener gewogen wird. Den Müttern ist hier keinerlei Vorwurf zu machen - hier sind wachsame Kinderärzte und Hebammen gefragt.

Lass uns schauen, was Euch jetzt konkret helfen könnte:
Vorab, ich stille, wenn sie mag, in den letzten drei Wochen versuche ich sie tagsüber alle zwei Stunden anzulegen, nachts meist um die vier Stunden.
Das ist gut. Erfolgreich gestillt werden (ausreichend lange und mit guter Technik) sollte jetzt mindestens 10-12 Mal in 24 Stunden. Also nicht nur "versuchen", sondern "tatäschlich machen" ;-)
Weißt Du noch, wie oft Ihr VOR den letzten 3 Wochen gestillt habt?
Sie dreht sich auf den Bauch und wurschtelt viel rum und kann auch von Bauch auf den Rücken, wenn sie mag. Hochziehen zum Sitzen versucht sie (also diese Klappbewegung).Sie ist munter, lacht viel und findet ihren grossen Bruder toll.
:D Das klingt fröhlich, prima! Hinsichtlich der Beurteilung des Gedeihens lässt sich daraus allerdings nichts ableiten. Anders gesagt: Falls ein mangelernährtes Kind bereits schwere motorische Entwicklungsverzögerungen oder sich nicht mehr aktiv in seinen Wachphasen zeigt, droht praktisch Lebensgefahr - mit diesen Kategorieren haben wir es hier selbstverständlich NICHT zu tun.
Ihr Bruder (und ich ebenfalls) war und ist auch immer noch sehr dünn und auch nicht sooo groß. Der Butz ist 5 und bringt gerade mal 16,2kg auf die Waage und ist knapp110cm gross.
Veranlagung spielt zweifellos eine Rolle bei Körpergröße und Statur. Der große Bruder zeigt mit 110 cm und 16 kg ja NORMALE Proportionen. Da ja nun nicht anzunehmen ist, dass er aufgrund von Mangelernährung eher klein ist ;-), lässt sich hieraus hinsichtlich Baby nichts ableiten.
Ich habe Hashimoto und nehme levothyroxin.
Schilddrüsenerkrankungen können in der Tat negative Auswirkungen auf die Laktation haben. Die aktuelle Neubeurteilung Deiner Werte und evtl. medikamentöse Neueinstellung sind ganz sicher ein wichtiger Ansatzpunkt.
Die Leute, die hier wiegen, stressen mich nun, da die Maus mehr als zwei Linien auf der Kurve gefallen ist, ich soll zum Arzt gehen.
Das ist schon richtig. "Stressen" bringt natürlich niemandem was, logo, aber ärztlich abgeklärt werden sollte das auf jeden Fall, da schließe ich mich an.
Meine Sorge ist jetzt, dass mir beim Arzt gesagt wird, dass ich mit Flasche zufüttern soll (sehr beliebt hier) und/ oder mit der Beikost anfangen soll.
Ich kann verstehen, dass Du keine künstliche Milch zufüttern möchtest. Allerdings ist Deine Sorge hinsichtlich des guten Gedeihens ja nun auch vorhanden, sonst hättest Du dieses Posting ja nicht geschrieben. FALLS die Zufütterung von künstlicher Milch und/oder gut gewählter, hochkalorischer Beikost die gesunde Entwicklung Deines Babys fördert (und das ist in der Tat neben einer Verbesserung des Stillmanagements und dem Ausschluss von Grunderkrankungen die naheliegendste Maßnahme), dann solltest Du diese FREUDIG anbieten, findest Du nicht? ;-) Das wichtigste ist doch, dass Dein Baby sich gesund entwickelt - bei Betrachtung der bisherigen Gewichtskurve ist das derzeit nicht sichergestellt.

Ich würde vorschlagen:
* Mögliche medizinische Ursachen abklären lassen, kindlich und mütterlich. Blutbild, Nährstoffstatus, Stoffwechsel usw., einfach erstmal das ganze Programm.
* Mindestens 10-12 Mal in 24 Stunden stillen. Kein Tee oder Wasser, kein Schnuller.
* Ganz locker hochkalorische Beikost (bevorzugt in Breiform mit Fettzusatz) anbieten (z.B. Banane, Avocado, Getreideprodukte), bewusst ZUSÄTZLICH zum Stillen, nicht stattdessen.
* Täglich etwas abgepumpte und aufgerahmte Muttermilch (falls nicht vorhanden künstliche Milch mit Fettzusatz) stillfreundlich zufüttern, falls Dein Baby Beikost noch vollständig ablehnt.
* Ab jetzt mindestens 2 mal pro Monat auf einer guten Waage mit guter Methodik das Gewicht messen und notieren.

Mehr könnt Ihr derzeit nicht machen, denn alle anderen Maßnahmen hängen von den Ergebnissen der Untersuchungen ab.

Ich hoffe diese Hinweise sind hilfreich für Dich, Rückfragen immer gerne und
LG
Julia

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 03.01.2012, 20:49
von Anja_UK
Hallo Julia,

Lieben Dank für den ausführlichen Beitrag.

Was ist denn gerahmte Milch?

Gestillt haben wir eine Zeitpläne sehr viel weniger, da die Maus einfach nicht 'gefragt' hat. Jetzt versuche ich alle zwei Studen, versuchen, da sich die Maus teilweise einfach weigert, aber heute war wieder viel Ruhe und da klappte das schon viel besser.
Was interessant ist, zumindest für mich, ist die Tatsache, dass sie jedes Mal am Spucken ist, wenn ich Milchprodukte zu mir nehme, also werde ich diese wohl erstmal weglassen.
Dann werde ich wohl mit dem Zufuettern beginnen, beim Arzt waren wir heute, aber sie möchte erstmal, dass ich einen Monat mit kalorienreicher Kost zufüttere. Daumen drücken, dass das schon reicht.

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 03.01.2012, 23:30
von jusl
Aufgerahmte Muttermilch ist abgepumpte Milch, die ein paar Stunden "stehengelassen" wird (bei Zimmertemperatur oder im Kühlschrank). Dadurch setzt sich der Rahm, also die "Sahne", oben ab, d.h. die Wasser- und die Fettphase trennen sich. Verfüttert wird dann sozusagen nur die Sahne. Dies ist eine wirkungsvolle und einfache Methode, einem Baby perfekt verträgliche Milch mit höherem Fett- und Kaloriengehalt zur Verfügung zu stellen.
Ich drücke Euch die Daumen, dass Dein Baby vom Zufüttern schnell profitiert.

LG
Julia

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 18.01.2012, 16:38
von Anja_UK
Ich wollte mal kurz berichten :)

Ich habe vor 14 Tagen aufgehoert, Milchprodukte zu mir zu nehmen - und ploetzlich nimmt die Maus zu :D ihre Neurodermitis ist besser und sie in sich selber zufrieden.

In drei Wochen gehen wir noch mal zum Arzt und da werde ich dann um eine Ueberweisung in die Allergieklinik beten, damit wir wissen, um was es sich denn genau handelt.

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 18.01.2012, 17:11
von jusl
Danke für dieses Update, interessant! Fütterst Du denn derzeit zu? Und wenn ja, was?

LG
Julia

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 18.01.2012, 17:31
von Anja_UK
Ich fuettere kaum dazu, was sie isst, macht sie selber a la finger food. Sie isst Gurke, Reiskekse und Brot und sich selber verschiedene Sachen mit dem Loeffel, aber die Mengen sind nicht so gross, dass es einen Unterschied macht.

Re: Gewichstzunahmesorgen

Verfasst: 18.01.2012, 17:37
von jusl
Achso, ich meinte jetzt eigentlich abgepumpte Muttermilch oder künstliche Milch, siehe Threadverlauf.

Wenn Du magst: Würdest Du die Gewichtsdaten mit uns teilen? Bin neugierig. ;-) (und freue mich sehr für Euch, dass Du eine Ursache ausmachen konntest.)

LG
Julia