Da muß ich jetzt direkt mal ne Frage zu stellen: Woher kommt es dann, das sich hier sicherlich gleich etliche Mütter melden werden,[...]
Naja, "gleich" ja eh schon mal nicht

- meine Antwort ist immerhin schon 3 Tage alt (ist ja eeewig in "SuT-Zeit"

) ohne dass jemand geantwortet hat.
Ist das Zufall? Oder interpretieren die Mütter da zu schnell etwas hinein, wenn das Baby jetzt nach dem Stück Zwiebelkuchen mal die Beinchen anzieht und etwas herumdrückt? Verstehst du was ich mein?
Da stellst Du eine gute - und sehr sensible! - Frage. Selbstverständlich kann ich da keine Pauschalantwort geben, die für alle gilt. Aber vielleicht einige generelle Anmerkungen:
* Babys haben einen unreifen Darm. Und Babys essen bezogen auf ihren winzigen Körper viiiiel größere Mengen als Erwachsene, das heißt, der Magendarmtrakt hat relativ gesehen viel mehr zu tun. Deswegen und dazu noch wegen ihrer Bewegungsarmut(!) in den ersten Lebensmonaten gibt's leicht mal größere Gasansammlungen im Darm. Zusammen mit Muttermilch kann dieses Gas Schaum bilden, der zäh ist und nicht so leicht rausgepupst wird und schmerzhaft drücken kann. Sprich: die Wahrscheinlichkeit, Blähungen zu entwickeln, ist bei Babys sowieso viel größer als bei Erwachsenen. Völlig unabhängig von der mütterlichen Ernährung.
* "Blähungen", "Koliken" usw. werden häufig schlichtweg als undifferenzierte Synonyme für "Das Baby schreit viel" gebraucht. Nicht nur von Müttern, sondern auch von Ärzten, Hebammen oder Verwandten z.B.
* In unserer Gesellschaft ist es üblich, den Eltern, insb. der Mutter, die KOMPLETTE Verantwortung dafür zuzuschreiben, "wie das Kind so ist". Babys und auch ältere Kinder werden als Puppen angesehen, "mit denen man X machen muss, damit sie sich Y verhalten". Die eigene Persönlichkeit, Temperament und Anlagen des Kindes, die von Geburt an völlig UNABHÄNGIG vom Umfeld vorhanden sind, finden in dieser Sichtweise keine angemessene Berücksichtigung. Bei schreienden Babys heißt es praktisch sofort vorwurfsvoll in Richtung Mutter: "Was hast du nur wieder falsches gegessen?". (Später dann: "Du hast es falsch erzogen!")
* Es gibt nachweislich Babys, die Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittelspuren in der Muttermilch zeigen. Diese können sich in Allergien oder auch anders zeigen. Gibt's.
* Praktisch alle Menschen neigen dazu, Zufälle zu negieren und ursächliche Zusammenhänge zu suchen (das ist als Zeichen von Intelligenz ja auch keineswegs verwunderlich). Dass es dabei aber auch oft zu Fehleinschätzungen kommt, gerne auch gepaart mit ebenso höchst natürlicher selektiver Wahrnehmung, ist auch klar. "Gestern zum ERSTEN Mal koreanisch gegessen, und mein Baby hatte eine ungewöhnlich unruhige Nacht! Da liegt ein Zusammenhang doch nahe!" - diese Einschätzung ist bestens nachvollziehbar, aber eben trotzdem falsch. Je schmaler die Datenlage ("EINMAL beim Koreaner" ist eine seeeeehr schmale Datenlage, schmaler geht's ja gar nicht

), desto extremer und zeitnaher müssen die mutmaßlichen Wirkungen ausfallen, um noch vernünftig schließen zu können. (Beispiel: Um festzustellen, dass kochendes Wasser auf der Haut höllisch weh tut, reicht tatsächlich "EINMAL testen". Denn die Wirkung (ohrenbetäubendes Schmerzgeschrei und sichtbare Verletzungen) tritt in extremer Form und unmittelbar zeitnah ein.) Mehr oder weniger unruhig sind normale Babys aber ständig, und oft vergehen Stunden und Tage bis zum Wirkungseintritt... daraus lässt sich einfach nichts sicher schließen. (hier ein schönes
Beispiel)
* Babys können aus sehr sehr vielen Gründen weinen, rot anlaufen, die Beinchen anziehen und "einen harten Bauch" o.ä. zeigen... Diese Gründe immer alle auf dem Schirm zu haben UND die Symptome alle super erkennen zu können UND dann noch richtig interpretieren können UND dann auch noch immer richtig zu reagieren - also dazu braucht man wohl Supermutterkräfte.

Da sagt sich's deutlich leichter: "Es hat Blähungen; ich sollte besser auf Zwiebeln verzichten."
Das sind so die Punkte, die mir spontan zu dem Thema einfallen
LG
Julia