Hallo Mel,
hier noch einmal zur Verdeutlichung:
Anhockung.jpg
Die Anhockung bezeichnet die hockende Haltung des Kindes im Tuch. Dabei sind die Knie deutlich höher als der Po und befinden sich ca. auf Bauchnabelhöhe.
Abspreizung.jpg
Die Abspreizung bezeichnet den Winkel der beiden Oberschenkel des Kindes zueinander. Dies sollte maximal ein rechter Winkel sein.
Du kannst mir auch gern eine PN mit deinem Wohnort schicken. Vielleicht findet sich ja doch wer in Deiner Nähe.
Jersey-Tücher gehören nicht unbedingt zur ersten Wahl. Leider wird in Geschäften oft suggeriert, daß der angenehm weiche Jerseystoff das Tollste überhaupt sei für ein Neugeborenes. Dabei wird die Funktionalität und die stützende Eigenschaft, die bei einem Tragetuch benötigt wird, außer Acht gelassen. Ein Jerseytuch gibt eben schnell nach. Das Kind wird unter Umständen nicht ausreichend bzw. oft schlecht gestützt, wenn es mangelhaft gebunden ist. Hypotone Kinder (als Kindoer mit geringem Muskeltonus) gehören nicht in ein Jerseytuch, da sie hier eben nicht ihren Muskeln entsprechend gestützt werden. Hypoton sind beispielsweise Kinder mit Down-Syndrom, Frühchen aber auch schlafende Kinder! (Oft sagt man doch zu größeren Kindern auf dem Arm: "Laß Dich nicht so hängen" - damit kannst Du das vergleichen). Zudem stößt man mit einem Jerseytuch auch schnell an die eigenen Grenzen: es läßt sich nicht alles binden und man merkt schnell die Grenze des "ertragbaren" Gewichts.
Das soll jetzt kein Plädoyer gegen das Jerseytuch sein

- nur die Antwort auf Deine Frage, weshalb die Jerseys nicht so beliebt sind.
Wenn man ein Jerseytuch vernünftig bindet und ordentlich festzieht, kann man schon mal erste Erfahrungen mit dem Tragen sammeln.
Gute Anfängertücher sind z.B. die Storchenwiege Leos. Auch die Streifentücher von Didymos oder Girasol lassen sich gut für Neulinge verwenden. Jacquard-Tücher von Didymos beispielsweise sind natürlich auch prima Tücher, müssen aber manchmal noch ein wenig exakter gebunden werden. Hoppediz-Tücher erschienen meinen Kundinnen bisher zu dick im Griff, weshalb sie eher selten angeschafft wurden.
Dreilagig binden meint, daß wirklich drei Lagen des Jersey-Tragetuchs über den Rücken Deines Kindes laufen sollen. Entgegen der WKT mit einem gewebtem Tragetuch, wo Du das Kind in den Beutel hockst und die Stränge an der Seite entlanglaufen läßt (also NICHT auffächerst), mußt Du die schräglaufenden Tuchbahnen eines Jerseytuches über dem Rücken aufziehen, um dem Kind die notwendige Stabilität zu geben. Eine einzige Jerseylage würde das Kind durchhängen lassen und könnte das Gewicht des Kindes nicht stützen.
Ja, auch Neugeborene, 4-Wochen-alte oder eben 7-Monate-alte Kinder müssen die Füßchen aus dem Tuch draußen haben. Füßchen innen im Tuch bedeuten Druck auf die Gelenke und Übertragung von Stößen auf die Wirbelsäule und Bandscheiben des Kindes, die schon beim Laufen oder Treppensteigen entstehen und bei Füßchen-draußen vom "Schwingen im Tuchbeutel" (<- deshalb hockt das Kind auch, damit dieses minimale Schwingen überhaupt möglich ist) abgefedert würde.
Der Kopf sollte bei Kindern, wo die Halswirbelmuskulatur noch nicht ausgereift ist, immer bis ein Finger breit über dem Ohr mit der geraden Tuchkante abgestützt sein. Wenn Dein Babay sein Köpfchen in der Bauchlage allein dauerhaft halten kann, schiebst Du diese Kante einfach in den Nacken runter und holst sie hervor, wenn es eingeschlafen ist, um eben dann wieder das Köpfchen zu stützen.