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Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 10:55
von Mica75
Hallo,

ich lese hier schon sehr lange still mit und habe bislang zu allen meinen Problemen Antworten gefunden, ohne selbst posten zu müssen. Jetzt habe ich aber doch ein Problem, wo ich mich sehr allein fühle. Ich denke, ich bin keine überängstliche Mutter, ich habe nicht zu denen gehört, die immer sehr viel Angst vor SIDS haben und auch keine Probleme, meinen elfmonatigen Sohn frei krabbeln zu lassen. Nur das Essen ist mein persönlicher Horror. Dabei bin ich das Problem, mein Sohn isst von Anfang an problemlos, ich bin es, die einfach panische Angst davor hat, dass er sich beim Essen ernsthaft verschlucken würde. Meine Hebamme hatte im Beikostberatungsgespräch unseren Sohn mit 5,5 Monaten für mehr als beikostreif befunden ("gib ihm endlich etwas zu essen, der dreht doch hier gerade ab. Probeschlucken 1a bestanden.) und hat uns zu BLW geraten. Fand ich toll, wollte ich probieren. Da das Stückchenessen meine Nerven nicht mitgemacht haben, sind wir kurz darauf doch auf den klassischen Brei umgeschwenkt. Ging aber auch problemlos. Mit 8 Monate haben wir mit Brotstücken, Zwieback, Reiswaffel und Bananenscheiben weitergemacht. Das hat meine Nerven zwar schon arg strapaziert und ich habe den Minimann mehrmals aus dem Stuhl gehoben und auf den Rücken geklopft. So schnell und laut, wie er protestiert hat, kann das mit dem Verschlucken so schlimm nicht gewesen sein.

Jetzt ist ja der Übergang zur Familienkost dran und ich habe das Gefühl, unser Sohn ist durchaus bereit dazu. Er hat alle 8 Schneidezähne, zerdrückt mit den Kauleisten wie ein Weltmeister und macht jedes Mal Theater, wenn wir essen. Bislang habe ich ihm vorher seinen Brei gegeben und ihm etwas Knabberbrot in die Hand gedrückt, aber das funktioniert immer schlechter. Wenn er sich etwas verschluckt (letztens am kleinen Probierstück Würstchen ohne Pelle), bin ich einfach ganz schnell mit dem Puls auf 180. Mein Mann ist mir auch keine Hilfe, er hatte letztens sogar Angst, unser Sohn könnte an kleingeschnittenen Spaghetti mit Soße ersticken (auch nur Probierportion). Also ist er derzeit noch 3x täglich Brei (wir haben die Getreidebreie - obwohl das problemlos möglich ist, noch nicht durch Brot ersetzt, da er kurzzeitig unter die 3%-Kurve mit dem Gewicht gefallen war, trotz Riesenportionen, heute 400 gr Mittagsbrei)

Hatte hier jemand auch solche Anst, wie seid ihr damit umgegangen?
Wie habt Ihr den Übergang zur Familienkost konkret gemeistert? Die Brotmahlzeiten sind dabei kein Problem, es geht vor allem um das warme Essen...
Was habt Ihr gekocht? Was noch zerdrückt? Wie Fleisch gegeben, wie Reis, Nudeln, Gemüse? Welches Fingerfood?
Was haben Eure Babys ohne Backenzähne gegessen?

Bitte helft mir! Wir leben derzeit im Ausland und daher kann ich meine Hebamme auch leider nicht mehr zur Hilfe ranziehen.
Danke,
Mica

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 12:17
von WiLada
Hm, mit 10 Monaten haben wir schon garkeien Ausnahmen mehr gemacht. Und ja, ich hatte auch Angst.
Aber das mit dem Verschlucken geht vorbei, ich glaube irgendwie die Kleinen müssen das üben. Es ist ja ein natürlicher Reflex. Und oft schlucken sie was runter, und holen es dann wieder hoch mit würgen.
Was bei uns nicht ging und womit ich gewartet habe bis er 1 Jahr alt ist waren Apfelschnitzen. Apfel am Stück zum Abscharben ging, aber diese blöden Schnitzen gingen bei manchen Apfelsorten garnicht. Scheiben waren wieder okay.
Mir half es damals einen 1. Hilfe Kurs zu machen. Einmal hab ich es angewand, da hat er sich doll verschluckt, hab ihn auf meine Oberschenkel gelegt, leicht nach unten der Kopf und dann geklopft. Er hat sich dann übergeben und es war wieder gut. Man sollte die Kinder nicht senkrecht mit Kopf nach oben halten weil sonst rutscht das Teil ja noch tiefer und steckt evtl fester drin.

Achja mein Kleiner hat mit 8 Monaten gerade mal einen Zahn gehabt und mit 10 Monaten nur zwei. Und dennoch kam er klar, die Kauleisten sind das womit sie arbeiten.

Ich würde den Brei weglassen. Du kannst das Essen ja klein machen. Mein Sohn hätte in dem Alter absolut protestiert wenn er was anderes bekommen hätte. Einmal hatten wir Chili Con Carne - gut gewürzt, da war er 10 Monate. Ich gab ihm zwar den Reis davon aber nicht Chilli dabei sondern Zucchiniwürfel, Mensch da ist er doch fast ausgerastet. Ich meinte, okay, wenn du willst..hab ihm bisschen gegeben, und als das leer war wollte er gleich mehr ;)
Man kann ja einfach ausprobieren. Fleisch würde ich definitv kleinschneiden und Spaghetti auch, mache ich heute noch. In dem Alter essen sie ja sowieso meist mit den Händen, das heißt Nudeln zB Schleifennudeln muss man nicht unbedingt kleinmachen, mein Sohn hat die dann immer mti den Schneidezähnen zweigeteilt.

Ohne Backenzähne aß er wie gesagt alles, die hat er nämlich erst vor kurzem bekommen. Jetzt hat er 4 Backenzähne und dann die 8 Schneidezähne.

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 12:34
von Mica75
Danke, das hilft mir schon weiter. Als wir letztens hier essen waren, hat unser Sohn auch fleißig Kebab (hier sehr scharfer Hackfleischspieß in Brot) gegessen, weil er so gemeckert hat und alles andere noch weniger babygerecht oder schon alle war. Mit scharf hat er lustigerweise auch keine Probleme.

Die Schleifchennudeln hat er von meinem Mann auch schon einmal bekommen und sich prompt verschluckt. Das ist so ein Fall, wo ich ihn dann aus dem Hochstuhl genommen habe und auf den Kopf gestellt. Ich glaube, wenn er etwas neues probiert, muss er erst einmal nachdenken, wie er das so findet. Und dann macht er nichts. Und ich bekomme Panik...

Ich weiß schon, ich muss da einfach durch...
Mica

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 12:40
von Lanali
Meiner verschluckte sich auch ziemlich häufig. Meine Mutter hat sogar manchmal gesagt, dass er sich aber ganz schön häufig verschluckt :lol: , aber er fand das nie dramatisch und daher habe ich mir da auch nie Sorgen drum gemacht. Die Kleinen haben da echt einen super Reflex, wenn was steckt, dann wird es eben wieder hochgewürgt. Das sieht für außenstehende vielleicht etwas merkwürdig aus, aber das Kind schaut einen kurz danach strahlend an, holt das Essen kurz aus dem Mund, guckt sichs an und steckts wieder rein :roll: . Den 1. Hilfe Kurs haben wir auch gemacht und auch bei uns kommt die Methode mit dem über die Beine legen ab und an zum Einsatz, aber selten.
Er hat jetzt mit 1,5 Jahren gerade mal zwei Backenzähne, die gerade erst durchgebrochen sind und er isst seit er ungefähr ein Jahr alt ist so ziemlich alles am Tisch mit. Apfelschnitze gingen bis vor ein paar Wochen aber auch nicht. Probiers doch mal mit ganzem Obst, er hat z.b. Riesenspaß gehabt eine ganze Birne zu essen (du kannst sie ja schälen, dann kann er sich an der Schale nicht verschlucken). Dabei konnte er mit den Schneidezähnen immer nur ganz wenig abnagen und daran hat er sich nie verschluckt.

Gemüse gibts bei uns fast nur gekocht (abgesehen von Gurke), weil da die Backenzähne meiner Ansicht nach einfach fehlen um das anständig zu zerkauen. Festes Fleisch, also Schnitzel oder so, wird recht klein geschnitten, Bratwurst kann er ganz normale mundgerechte Stücke essen. Nudeln liebt er natürlich wie die meisten Kinder auch. Spaghetti gibts bei uns selten, das ist mir zu viel Sauerei da es eben mit der Hand gegessen wird. Reis ist er mit dem Löffel. Kartoffeln in ganz normalen Stücken, die zerdrückt er im Mund selbst.
Probier es doch einfach mal aus, wenn ihm was zu groß ist, dann spuckt er es bestimmt wieder aus und wird nicht versuchen es runterzuschlucken.

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 13:20
von MissMarpelchen
Der kleine Räuber hat auch sehr lange Brei bekommen und auch recht spät so Knabberzeug wie Dinkelstangen u. ä., weil er sich auch ständig verschluckt hat und nicht so richtig "verstanden" hat wie man denn jetzt die Dinkelstange kauen muss. Mit ca. 10 Monaten gabs dann Brot zum Fühstück (ohne Kruste) und so nach und nach habich das Essen immer stückiger serviert. Da kann ich jetzt keine genauen Altersangaben machen.

Die Püppi ist jetzt fast 10 Monate und ißt alles. Sie akzeptiert keinen Löffel und keinen Brei, deshalb bekommt sie Fingerfood. Und es ist toll. :D Sie kaut richtig - auf den Kauleisten. Verschluckt hat sie sich bisher einmal. Die Zwerge sind ja fast Wiederkäuer und Meister im hoch würgen. :wink:

Ich denke, dass die Kinder das lernen müssen und je eher man damit anfängt, desto einfacher er ist es. Gedünstetes Gemüse ist doch so weich, da kann doch fast garnichts passieren.

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 13:47
von Mica75
Danke, Ihr seid toll... Ich glaube auch, die Tage der Breiakzeptanz sind hier gezählt. Zum Frühstück gibt es schon länger Brot und Banane und es gab auch schon einmal nachmittags Brot und Banane. Dann kam halt der Schock bei der U6 mit 10 Monaten, dass Minimann beim BMI unter der 3% Kurve lag. Unser Arzt war sehr entspannt, meinte aber, es sollte nicht noch weniger werden und daher die Rückkehr zum Vollbrei außer morgens. Scheinbar hat aber irgendetwas in seinem Kopf "Klick" gemacht, die Breiportionen sind jetzt riesengroß und er hat in einem Monat von 7.500 gr auf 8.200 zugelegt, so dass wir wieder etwas entspannter sind.

Scheinbar geht es ja bei allen nicht ohne Verschlucken (die "Einheimischen" sind mir hier keine große Hilfe, Kinder werden hier gerne lange gefüttert, habe noch geschätzt Vierjährige gesehen, denen der Löffel gereicht wurde und der Übergang zur Familienkost dauert wohl länger. Wenn wir unterwegs Bananenstücken geben, bringt uns die nette Bedienung immer eine Gabel und einen kleinen Löffel, unsere Babysitterin drückt die Banane durch die Kartoffelpresse). Ich glaube, ich werde mal mit ganz weichem Gemüse und weichem Obst wie Himbeeren anfangen und uns wöchentlich etwas Hackfleisch machen. Und dann immer stückiger werden.

Mica

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 13:53
von Imkerin
Nur so eine Idee:
Würde es Dir helfen, einen Erste Hilfe Kurs für Babys und Kleinkinder zu machen, so daß Du weißt was Du machen kannst, falls wirklich mal was passieren sollte?

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 14:49
von Mica75
Ja, ich ärgere mich schon, dass ich das nicht gemacht habe, aber wir sind 6 Wochen nach der Geburt ins Ausland gezogen und hier gibt es so etwas leider nicht (und auch kein PEKIP, Nachsorgehebammen, hier gibt es nur Omas). Meine beste Freundin hatte mir aber demonstriert, was zu tun ist und in ihrem Kurs hieß es auch, dass erst dann Not am Mann ist, wenn das Kind rot wird und nichts mehr tut. Solange das Kind hustet, sei es nicht so schlimm. Aber ich bin einfach immer schon auf 180, wenn er nur hustet... Und wenn ich ihn dann auf meine Knie legen will, protestiert er so laut, dass mir schon klar ist, dass er sich nicht wirklich schlimm verschluckt haben kann.

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 06.07.2011, 14:59
von Punilein
Hallo !

Hier ist es ähnlich.

Juli ist 1 Jahr alt und verschluckt sich auch oft. Ich bin dabei echt entspannt, mein Mann ist da schon panischer.

Bei Juli war es auch teilweise schon so heftig, dass sie richtig erbrochen hat und die ganze Muttermilch von vorher wieder raus kam...

Sie isst sehr wenig ohne Würgen, Reiswaffel und Zwieback kennt sie mittlerweile und kann es gut schlucken.

Wir probieren jeden Tag etwas mehr ( Brötchen heute früh, gestern Nudeln, Apfel ) und ich denke auch, dass es wie beim Laufen lernen ist.

Da fallen die kleinen Mäuse auch und beim Essen wird sich eben mal verschluckt, bis die Technik sitzt !

:-)

Re: Familientisch: das Problem bin ich (lang)

Verfasst: 31.07.2011, 13:15
von Mica75
Hallo,

fast einen Monate später wollte ich noch einmal Rückmeldung geben, wie es weiter ging. Ist ja meistens für alle die, die sich vor ähnlichen Problemen sehen doch interessant.

Seit gestern ist unser Sohn ein Jahr alt und seit 2 Wochen klappt es mit dem Essen doch deutlich besser, d.h. er verschluckt sich kaum noch und wir sind automatisch entspannter. Ich habe auch das Gefühl, dass es einfach noch einmal "Klick" im Kopf gemacht hat, und nicht nur an der vermehrten Übung liegt. Also mal wieder ein Fall von: viel Sorgen gemacht, aber das Problem hat sich von selbst erledigt.

Essenstechnisch sieht es jetzt so aus (leider ist er immer noch zu leicht, aber zumindest wieder auf der 5%-BMI-Kurve, Gewicht erster Geburtstag 8.200 gr, mindestens 75 cm groß):
1. Frühstück: Stillen
2. Frühstück: 1/2 Banane (Brot ist er leider nicht, aber hier gibt es eh nur Weißbrot), dazu 1/2 Knäckebrot.
Mittag: 300 gr. Obst-Gemüse-Brei, allerdings zerdrückt. Das bleibt wohl auch noch etwas so, weil wir abends oft erst um 19h essen und er es gerne isst. Ich überlege allerdings auch, das ganze als richtiges Süppchen anzubieten.
Nachmittag: 2,5 Zwieback mit einer ganzen Banane in Milch zerdrückt, alles andere wird bei den derzeitigen Temperaturen (35 - 40°C) nicht gegessen. Ich weiß, dass das viel Zucker ist (gibt nur Brandt-Zwieback), aber da er so leicht ist, mache ich mir da weniger Sorgen. Ich könnte auch Obst pur anbieten, aber das sind dann ja gleich viel weniger Kalorien.
Abends: Was wir essen. Seit neuestem geht sogar Pizza (selbstgemacht und keineswegs häufig), Fleischstücke zerkleinert... Wenn unser Essen nicht so babygerecht ist bzw. er nicht so viel isst, weil es so viel Mühe macht, bieten wir oft noch etwas Brot an oder es gibt noch mal einen Milch-Getreide-Brei (dann natürlich nachmittags keine Milch).

Auf der einen Seite finde ich, das hört sich alles süß und kalorienlastig an, aber ich trau mich bei dem Gewicht halt auch nicht, Banane, durch anderes Obst zu ersetzen (das gab es bisher im Getreide-Milch-Brei und jetzt halt einfach mal so in kleinen Portionen). Außerdem bin ich immer noch auf der Suche nach richtig leckerem Brot, aber er isst einfach nicht gerne Brot. Das hat er von seiner Mutter. Was gebt ihr denn nachmittags, wenn ihr kein Brot gebt? Und was bietet ihr mittags an, wenn ihr abends warm esst? Essen Eure Kinder mengenmäßig mehr?

Schon einmal Danke,
Mica