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Brauche tröstende Worte (Achtung sehr lang...)

Verfasst: 04.02.2011, 21:40
von Minap
Hallo,

ich brauche etwas Trost oder Zuspruch oder Mut oder so was Ähnliches.
Kurz zu mir:
Ich heiße Miriam und bin 28 Jahre alt. Meine Tochter ist knapp drei Jahre alt. Ich habe sie damals nur zwei Tage gestillt und dann aufgehört. Habe dann nach 8 Wochen erfolgreich relaktiert. Daraufhin habe ich mir geschworen, dass ich nie mehr so dumm bin. Bei meinem zweiten Kind stille ich endlos...
Mein zweites Kind Julian kam am 30.07.2010 zur Welt. Alles war perfekt. Das Stillen ein Traum. Ich war so glücklich. Dann nach drei Monaten der Schock: Er hat nichts zugenommen. Ich habe dann festgestellt, dass ich keine Milch mehr hatte. Dabei hab ich mich immer gewundert, dass er so schnell "fertig" war und trotzdem aber andauernd geschrien hat. Klar, er hat gehungert. Für mich brach eine Welt zusammen. Dann hab ich sofort zugefüttert und gleich das BES dass ich noch von meiner Tochter hatte ausgepackt. Entgegen des Anratens meiner Hebi, die meinte, ich solle nix zufüttern sondern nur anlegen, anlegen, anlegen. Aber das schaffte ich psychisch nicht. Seither hab ich das Zuftüttern nie mehr weglassen können. Gerade gegen Abend ging es nicht ohne. Er schrie wieder und es kam wieder alles hoch. Und mit BES war es einfach entspannter. Mir war es recht, hauptsache stillen. Doch dann verließen mich die Kräfte und ich war vom Kopf her so fertig, von wegen hat er genug bekommen, trinkt er richtig, ist Milch da und und und. Da habe ich quasi abgestillt. Zwei Tage lang. Dann wieder angefangen. Die Milch war schon weg, bevor ich abstillte. Muss auch dazu sagen, dass wir ungefähr zwei Monate lang (ab da, wo ich keine Milch mehr hatte) mit Krankheiten zu kämpfen hatten. Alle in der Familie. Julian musste sogar wg. einem gefährlichen Virus ins KH. Aber nach einer Woche wurden wir entlassen, da das Schreckliche was bei diesem Virus der Fall ist nämlich Atemnot, Abfall der Sauerstoffsättigung usw. ausblieb. Gott sei Dank. In der Zeit hab ich Flasche und BES gegeben.
Zu Hause hat sich dann alles super eingespielt. Ein schöner Rythmus hat sich eingependelt, wir waren alle zufrieden und glücklich.

Doch dann habe ich mich dafür entschieden, wieder arbeiten zu gehen. so zwei halbe Tage die Woche. Ich muss dazu sagen, dass ich psychsich aus verganger Zeit sehr angeschlagen bin und nervlich nicht sonderlich belastbar. Jetzt hat mich eine Phase eingeholt, die ich nicht wollte und mir letztlich zum Verhängnis wurde. Ich will wieder ich selbst sein. Will wieder mehr an mich denken. Wieder weggehen, arbeiten, shoppen gehen, mehr auf mein Äußeres wert legen. Das habe ich bislang nicht mehr, weil mir die Kinder viel veil wichtiger waren und ich gar keine Zeit dazu hatte. Außerdem machte ich eine starke emotionale Zeit durch und ich hab mich nur auf Eines richtig "konzentrieren" können. Nämlich die Kinder, das Stillen. Hab das Haus kaum verlassen.
Nun hab ich von jetzt auf gleich abgestillt. Vor einer Woche. Meien Milch ist komischerweise noch immer da. Meine Brüste sind immer voll.
Natürlich bereue ich es. Mehr und mehr. Von Minute zu Minute werde ich wehmütiger und falle wieder in eine kleine Depression. Heute hab ich ihn mit BES wieder angelegt. Aber irgendwie ging mir die Kraft aus und es kam der ganze Kampf den wir bisher hatten wieder hoch. Als er müde wurde, schrie er meine Brust total an. Davor hat er ganz gut getrunken. Hab ihn aber dann doch Flasche gegeben.

Es tut so weh und ich sitze hier und fühl mich wie ein Versager. Fühl mich schlecht und total traurig. Hab den gleichen Fehler wieder gemacht ohne nachzudenken. Nur weil ich mir für ein paar Stunden od. Tage wichtiger war. Er muss das alles mitmachen und ertragen. Kann es sich quasi nicht aussuchen.

Was soll ich bloß tun? Wie soll ich damit umgehen? Werd ich denn nie gescheiter? Haben wir vielleicht noch eine Chance?
Evtl. könnte ich ja abpumpen. Macht das Sinn um nicht ganz abschließen zu müssen? Oder ist das zu stressig?

Re: Brauche tröstende Worte (Achtung sehr lang...)

Verfasst: 04.02.2011, 21:59
von Erika
Ich drücke Dich mal ganz lieb, wenn ich darf.

In Deinem Beitrag kommst Du ja schon selbst zu dem Schluss, dass Du eigentlich weiterstillen willst. Ich würde Dir raten, die Sache zusammen mit einer Stillberaterin bei Dir vor Ort anzugehen, die Dich auch seelisch unterstützen kann. Das finde ich nämlich total wichtig, dass Dir jemand den Rücken stärkt, der Dich in Deinem Wunsch, Dein Baby zu stillen bestärkt. Auch in solchen Phasen, wie Du sie von der letzten Zeit beschreibst.

Auch wenn Du zusätzlich zum Stillen zufütterst, finde ich jeden Mililiter Muttermilch, den Dein Kind bekommt, ganz kostbar. Es lohnt sich deshalb auf jeden Fall.

Eine Stillberaterin in Deiner Nähe findest Du auf den Internetseiten der La Leche Liga und der AFS:
http://www.afs-stillen.de/front_content.php?idcat=83
http://www.lalecheliga.de/db/beraterin_suche_ext.php

Ich wünsche Euch viel Kraft und Durchhaltevermögen. Ihr werdet das schaffen!

Re: Brauche tröstende Worte (Achtung sehr lang...)

Verfasst: 04.02.2011, 23:55
von Kate
Du scheinst doch wirklich so gern noch weiterstillen zu wollen, versuch es. Immer wieder ein bisschen. Wie Erika sagt, ist ja jeder Tropfen Muttermilch wertvoll für deinen Kleinen. Und hält nebenbei die Milchbildung aufrecht.

Was ist denn, wenn du ihn ohne BES anlegst? Ich habe davon überhaupt keine Ahnung, ist jetzt gerade nur so eine Idee. Eine Stillberaterin kann dir sicherlich gut helfen.

Und hack nicht so sehr auf dir selbst rum, "Versagerin" und so. Du hast doch schon so viel für deine Kinder getan und gekämpft, du kannst stolz auf dich sein.

Wünsche dir ganz viel Kraft und Ruhe und Gelassenheit und drück dich ganz fest
Kate

Re: Brauche tröstende Worte (Achtung sehr lang...)

Verfasst: 05.02.2011, 21:18
von BEcKa
Ich konnte unsere beiden Kinder nur mit BES stilen (ich kann leider selbst nicht genug Milch bilden). Wir hatten (haben - der "Kleine" stillt noch - aber inzwischen ohne BES, wil nicht mehr ernährungsrelevant) wunderschöne Stillbeziehungen und ich würde es um nichts in der Welt missen wollen. BES-Stillen kann wirklich (wenn man sich damit angefreundet hat) stressfrei sein.

Ich mag Dich ermutigen, nicht nur den Kampf zu sehen, sondern auch die schöne Innigkeit.

Ich persönlich würde wahrscheinlich schon versuchen, rauszukriegen ob tatsächlich ein Milchbildungsproblem da ist und wenn nicht dann schauen ob vollstillen irgendwann möglich ist. Aber das muss man doch nicht erzwingen.