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Stillen-Antibiotika-Resistenzen?

Verfasst: 31.01.2011, 10:17
von Marilu
Ich steh grad vor der Frage - AB beim Stillen nehmen oder nicht. Ich weiß, hier im Forum heißt es immer "Es gibt AB der Wahl beim Stillen" und Ärzte, die zögern, sind nicht gern gesehen :wink: Es kommt immer ein bisschen so rüber, als sei das alles gar kein Problem. Trotzdem habe ich Bedenken.

Antibiotika, die man nicht in ausreichender Dosis nimmt, so dass wirklich alle Bakterien gekillt sind, können Resistenzen bei den Bakterien hervorrufen. Darum soll man ja eine AB-Therapie nicht frühzeitig abbrechen.

Nur: Jetzt nehme ich das AB in hoher Dosis, aber bei meinem Baby kommt nur eine geringe Dosis an. Ist ja auch okay für das Baby - kaum Nebenwirkungen etc. Aber Bakterien, die möglicherweise gerade meinen Sohn besiedeln, bekommen hier doch eine 1A Gewöhnungsmöglichkeit.

Könnte bitte eine Stillberaterin (ich darf ja nicht) mit Embryotox Kontakt aufnehmen und diese Frage dort mal stellen - Wie sehen die dort die Gefahr der Resistenzbildung bei AB in der Stillzeit?

Danke!

Re: Stillen-Antibiotika-Resistenzen?

Verfasst: 31.01.2011, 10:50
von jusl
Wie sehen die dort die Gefahr der Resistenzbildung bei AB in der Stillzeit?
Eben dies fließt in deren öffentlich zugänglichen Empfehlungen ja ein. Die Gefahr einer spezifischen Sensibilisierung des Stillbabys bei Antibiotikaeinnahme der Mutter wird nachwievor diskutiert und ist strenggenommen nicht ausgeschlossen. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten in der Stillzeit (und nicht nur dort ;-)) stets gründlich abgewogen werden.
Bei schweren Infektionen der Mutter ist es so, dass der Nutzen der AB-Einnahme das Risiko für sie und das Baby i.d.R. deutlich überwiegt. Und auch "Stillen mit Antibiotika drin" ist für den Säugling meist mit weniger(!) gesundheitlichem Risiko behaftet als die Gabe von künstlicher Säuglingsnahrung. (oder: das absolute Risiko "durch Stillen mit Antibiotika drin" ist - insb. für ältere Stillbabys - so klein, dass nicht mit Beeinträchtigungen zu rechnen ist)
Dies ist in Studien gut untersucht, und deshalb kommt Embryotox zu der eindeutigen Empfehlung, dass auch unter AB-Therapie in aller Regel weitergestillt werden sollte (aus der "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" von Spielmann, Schaefer, 7. Auflage 2006):

Antibiotika allgemein
Bei vielen Antibiotika erhält ein gestilltes Kind unter Behandlung der Mutter weniger als 1 % der auf das Körpergewicht bezogenen therapeutischen Dosis. Damit werden allenfalls minimale, in keinem Fall Bakterien hemmende Konzentrationen im Säuglingsplasma erreicht.
In der Literatur werden immer wieder folgende Risiken diskutiert:
Beeinflussung der Darmflora (ggf. "dünnere" Stuhlkonsistenz, selten Durchfall),
Beeinflussung bakteriologischer Untersuchungen, die im Fall einer Erkrankung des Säuglings erforderlich werden könnten,
Entwicklung resistenter Keime,
Sensibilisierung.
Als klinisch relevant oder gar therapiebedürftig haben sich alle diese Nebenwirkungen bisher nicht erwiesen. Am ehesten ist mit einer vorübergehenden Auswirkung auf die Stuhlkonsistenz zu rechnen (Ito 1993).


LG,
Julia
Könnte bitte eine Stillberaterin (ich darf ja nicht) mit Embryotox Kontakt aufnehmen und diese Frage dort mal stellen
Du selbst könntest z.B. mit Reprotox Kontakt aufnehmen ;-)